Ukraine

Was es noch zu sagen gibt (1)

 

Kirchen - Welche Rolle die verschiedenen Kirchen in der Ukraine spielen, ist schwer zu durchschauen. Dass die politische und wirtschaftliche Macht der orthodoxen Kirchen in diesem Lande sehr groß ist, ist kein Geheimnis. Viele Grundstücke in teuersten Lagen gehen in Kirchenbesitz über. Kleine bis mittelgroße Kirchengebäude sind die letzten Jahre wie Pilze aus dem Boden geschossen. Die Geistlichen fahren teuerste Limousinen und frönen einem sehr gehobenen Lebensstil. Im Hintergrund der aktuellen Geschehnisse spielt sich ein Machtkampf zwischen der ukrainisch und der russisch orthodoxen Kirche ab. Der Einfluss der Kirchen auf die Präsidenten sowohl der Ukraine als auch Russlands ist groß.

Es gibt noch weitere Interessensgruppen, die jedoch im Vergleich zu den genannten weniger erheblich erscheinen und auch keine Einheit bilden, sodass deren Einfluss zu vernachlässigen ist.

Ein zweigeteiltes Land

Ost gegen West – im schlimmsten Sinne des Wortes. Die Partei der Regionen, des Präsidenten Janukowitschs Partei also, hat bewusst die Kluft noch ausgeweitet. Der unsägliche Sprachenstreit, Russisch versus Ukrainisch, war und ist immer noch eine Ablenkung vom Eigentlichen. Sprachen verbinden, üblicherweise. Hier werden Sprachen missbraucht, um ein Volk in zwei Lager zu spalten.

Das Eigentliche - abseits der Sprachen, die als Vehikel zum Transport für Animositäten herhalten müssen - ist die politische Grundausrichtung, für die die Ukraine sich entscheiden muss. Der Schwebezustand zwischen dem großen Bruder Russland und dem Paradiesgarten EU kann nicht dauerhaft sein. Und obwohl sowohl der große Bruder keiner ist als auch die EU weit von einem paradiesischen Zustand entfernt ist, wird die Ukraine sich einer dieser beiden "Ideologien" anschließen müssen. Im geopolitischen Niemandsland kann die Ukraine nach diesen Massendemonstrationen nicht länger verweilen.