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Zur aktuellen Debatte um Religionsunterricht

SCHWERIN. (hpd) Religionsunterricht soll nicht „abgeschafft“ werden - sondern

künftig völlig freiwillig sein.

Anläßlich der aktuellen Debatte um die Zukunft werteorientierender Unterrichtsfächer in Mecklenburg-Vorpommern erklärt der Vorsitzende des HVD Humanisten Mecklenburg-Vorpommern, Jochen Stopperam:

„Wir begrüßen die aufgebrochene Diskussion. Veränderungen sind längst überfällig.
Trotz großer Aufgeregtheit sollte allerdings seitens der CDU auf Diffamierungen verzichtet werden: Unser Verband ist weder antireligiös noch antikirchlich. Wir treten für Pluralismus und gegen eine staatliche Privilegierung sowohl von Religionen als auch von Weltanschauungen ein.
Es ist auch nicht zutreffend, dass sich unser Verband bzw. einzelne unserer Mitglieder
für die Abschaffung des Religionsunterrichts ausgesprochen haben. Vielmehr beteiligen wir uns aktiv an der Initiative „LER 2011“, die sich am 10. Juli 2008 konstituiert hat und unterstützen ihre Ziele voll und ganz.

Die Ziele der Initiative „LER 2011“ sind vor allem:

  • Ein für alle Schülerinnen und Schüler gemeinsames Unterrichtsfach LER (Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde) wie in Brandenburg
  • Eine volle Freiwilligkeit kirchlichen Religionsunterrichts (Wahlfach)
  • Das weltanschauliche Schulfach Humanistische Lebenskunde als freiwillige Alternative zum kirchlichen Religionsunterricht

Vermittlung von Kompetenzen zur Lebensgestaltung und Lebensorientierung durch „Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde“ (LER).

Wir meinen, dass es angesichts der großen Herausforderungen, die unsere gesellschaftliche Entwicklung an jede(n) Einzelne(n) stellt notwendig ist, künftig bei allen Schülerinnen und Schülern im Fach LER Kompetenzen für die sinnvolle und verantwortliche Gestaltung ihres Lebens zu fördern.

Damit Schülerinnen und Schüler es lernen, sich angesichts der Pluralität von Wertvorstellungen, Religionen und Weltanschauungen zunehmend frei zu orientieren, sollen in LER gemeinsame Werte wie Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit sowie Dialogfähigkeit und auch ein Grundwissen zu verschiedenen Religionen und Weltanschauungen vermittelt werden.

Ein Pflichtfach Religion ist verfassungswidrig

Wer sich darüber hinaus sich mit einzelnen Religionen, Konfessionen und Weltanschauungen aus eine Innensicht vertieft beschäftigen will, soll auch künftig dazu die Möglichkeit haben. Partner des Staates dafür sind die Religions- und Weltanschuungsgemeinschaften. Allerdings muss dieses Angebot aus Gründen der Bekenntnisfreiheit völlig freiwillig sein.
Ein Religionsunterricht, wie er gegenwärtig in unserem Land praktiziert wird, wo auch konfessionslose Schüler zur Teilnahme verpflichtet werden und sich abmelden müssen, wenn sie diesen Unterricht nicht wünschen, ist unserer Auffassung nach verfassungswidrig. Der Staat darf weder Religionen noch Weltanschauungen in irgendeiner Weise privilegieren.

Humanistische Lebenskunde als Alternative zum Religionsunterricht

Als Humanistischer Verband setzen wir uns dafür ein, dass angesichts der großen Zahl nichtreligiöser Schülerinnen und Schüler in Mecklenburg-Vorpommern das weltanschauliche Schulfach Humanistische Lebenskunde als Alternative zum kirchlichen Religionsunterricht eingeführt wird, wie es bereits in Berlin und Brandenburg der Fall ist. Das haben wir auch in einem Brief an Kultusminister Tesch zum Ausdruck gebracht.

Für den humanistischen Lebenskundeunterricht gibt es in unserem Land ein großes Bedürfnis: Nach einer Repräsentativbefragung des Meinungsforschungsinstituts forsa wollen 68 % der Bürger in Mecklenburg-Vorpommern Humanistische Lebenskunde als Alternative zum Religionsunterricht und 46% würden ihre Kinder am Lebenskundeunterricht teilnehmen lassen (nach fowid).

In einem vorgestern an alle Mitglieder des Bildungsausschusses des Landtages gerichteten Brief nebst einer Grundsatzerklärung haben wir uns für die von uns gewünschten Veränderungen eingesetzt. Den Antworten darauf sehen wir mit großem Interesse entgegen."

Auf Wunsch sende ich Ihnen die Erklärung, die dem Landtag am Mittwoch, dem 23. Juli 2008, übermittelt wurde, gern zu.

Für Rückfragen stehe ich Ihnen als Vorsitzender des HVD Humanisten Mecklenburg-Vorpommern e.V. zur Verfügung: Tel. 03861-2471 bzw. E-Mail

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