goethe.de 16 Jun 2009 Nr. 7216

Zum Teufel mit Darwin? Kreationismus in Deutschland

Laut einer aktuellen Umfrage glaubt jeder fünfte Deutsche, dass der Mensch von Gott erschaffen wurde. Zu den radikalsten Gegnern der Darwinschen Evolutionslehre gehören auch in Deutschland die Kreationisten. Sie nehmen die biblische Schöpfungsgeschichte wörtlich oder begreifen das Leben zumindest als Ziel

Sphärische Klänge, Fanfaren und Choräle. Der Blick schweift über eine sterile Landschaft, in der sich märchenhafte Gebäude erheben. Ein überdimensionales Schneckenhaus symbolisiert die Schöpfung, ein monströser Kubus das feurige Endzeitgericht. Im Zentrum liegt wie ein Flugzeugträger der kolossale Leib einer hölzernen Arche. Hinter allerlei Palästen und Tempeln ragt der Rohbau des Turms zu Babel in den Himmel. Rechts und links ein glasüberdachter Garten Eden und ein römisches Amphitheater, dazwischen Kinos, die Altstadt von Jerusalem, Park- und Wasserlandschaften mit Himmel- und Höllebahn. „Genesis-Land“ prangt in gemeißelten Lettern auf dem steinernen Portal, über das sich ein bunter Regenbogen spannt.

Schöpfungsgeschichte als Erlebnispark

Noch ist das biblische Disneyland von Gian-Luca Carigiet lediglich als 3D-Animation im Internet zu bewundern. Doch für den frommen Schweizer Unternehmensberater ist die Realisierung nur noch eine Frage der Zeit. Die Finanzierung des rund 200 Millionen Euro teuren Projekts, hinter dem der kreationistische Verein ProGenesis steht, scheint gesichert. Was noch fehlt, ist ein geeignetes Areal für den 500.000 Quadratmeter großen Erlebnispark. Seit sich die ursprünglichen Pläne zur Errichtung im Rhein-Neckar-Raum zerschlagen haben, stehen die Großräume Berlin und München im Fokus der Genesis-Land AG.

Gescheitert ist Carigiets „Zeitreise von der Schöpfung bis zur Vollendung“, die den „Plan Gottes mit den Menschen“ erlebbar machen will, am massiven Widerstand der evangelischen Landeskirche von Baden-Württemberg. „Ein solches Projekt steht uns bei der Vermittlung des Glaubens nur im Weg“, meint ihr Weltanschauungsbeauftragter Hansjörg Hemminger. Er beruft sich auf eine „Orientierungshilfe“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die im April 2008 klare Grenzen zum Kreationismus gezogen hatte. Gemeinsam mit dem „neuen Atheismus“, der den biblischen Schöpfungsglauben bekämpfe, wird er als „Irrweg“ verdammt.