Luzia Geier, freie Journalistin in New York, legt mit "Zohran Mamdani. Our Time Is Now" eine erste deutschsprachige Monographie über den dortigen Bürgermeister vor. Auch wenn die Autorin häufig zu apologetischen Darstellungen neigt, liefert sie in ihrem etwas unsystematischen Buch wichtige Informationen zu dessen Positionen und Wahlkampf.
Bürgermeister von New York ist gegenwärtig ein demokratischer Sozialist: Zohran Mamdani. Bei der Bürgermeisterwahl 2025 erhielt er knapp über 50 Prozent der Stimmen, was weltweit zu erstaunter Aufmerksamkeit für den bekennenden Muslim führte. Denn erstmals hat das Amt nun ein solcher Gläubiger inne, der erklärtermaßen innerhalb der Demokraten zum linken Flügel zählt. Er ist außerdem engagiertes Mitglied bei den Democratic Socialists of America (DSA). Einen derartigen Erfolg hatte Mamdani wohl selbst zunächst nicht erwartet, wollte er doch mit seiner Kandidatur nur ein politisches Zeichen setzen. Wie erklärt sich eine solche Entwicklung in einer Welt, die in vielen Ländern eher von einem politischen Rechtsruck geprägt ist? Genauere Antworten auf diese Frage sind daher von besonderem Interesse. Einige Ansätze dazu liefert ein erstes deutschsprachiges Buch zum Thema: "Zohran Mamdani. Our Time Is Now. Wie Mut, Haltung und Menschlichkeit Politik verändern können."

Die Autorin ist Luzia Geier. Sie arbeitet als freie Journalistin in New York. Ebendort begleitete Geier auch die Kampagne von Mamdani, was den reportageartigen Charakter der Monographie erklärt. Demnach handelt es sich nicht um eine klassische Biographie zu einem politischen Leben, eher werden bestimmte Ereignisse währende der Wahlkampagne thematisiert. Dass die Autorin dabei offenkundig dem persönlichen wie politischen Charme von Mamdani erlegen ist, macht bereits der Untertitel der Veröffentlichung deutlich. Gleichwohl handelt es sich nicht um eine platte Bejubelung, geht es doch auch immer wieder um wichtige Kontexte. So wurde Zohran Mamdani etwa dadurch öffentlich bekannt, dass er sich für streikende Taxi-Fahrer einsetzte. Geier schildert dazu anschaulich in einem gesonderten Kapitel, wie es um deren Arbeitsleben in stundenlanger Tätigkeit bestellt ist. Die Dimension wird auch anhand eines Falles deutlich, in dem ein Betroffener offenbar nur einen suizidalen Weg für sich finden konnte.
Ansonsten geht es in den zwölf Kapiteln immer wieder durcheinander: Mal widmet sich die Autorin einzelnen Handlungen Mamdanis, mal geht sie auf die Bedeutung von dessen Redenschreiber ein, mal werden die Kampagnen gegen seine Person thematisiert. Es gibt Ausführungen zu seinem früheren Leben, gelegentlich sind politische Einflüsse ein Thema, aber auch der städtische Rahmen ist von Wichtigkeit. Indessen findet man all diese Ausführungen verstreut, was abwechslungsreich wie chaotisch je nach eigener Lesart wirken kann. Die Autorin kommentiert klug: Dass Mamdani selbst in privilegierten Verhältnissen aufwuchs, führte zum "Champagner-Sozialismus"-Vorwurf. Treffend bemerkt Geier dazu: "Wenn Menschen ohne Geld kaum in Machtpositionen gelangen und Menschen mit Geld für ihre Kritik an bestehenden Verhältnissen als unglaubwürdig gelten, bleibt das Machtgefüge am Ende unangetastet."
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Darstellung des "Drei-Phasen-Plans", womit die Planung und Umsetzung der Wahlkampagne gemeint ist. Deutlich wird dabei das problemorientierte und systematische Agieren, das auch ohne millionenfache Spenden möglich sein kann. Die Autorin geht darüber hinaus auf Zohran Mamdanis historische Vorbilder ein, wobei sie auf den "Kanalisations-Sozialismus" in Milwaukee verweist: Dort regierten drei sozialistische Bürgermeister fünfzig Jahre lang, um soziale Verbesserungen durch die städtische Verwaltung zu forcieren. Dabei ging es um effiziente Reformpolitik, nicht um einen utopischen Sozialismus. Eine derartige Ausrichtung der Kommunalpolitik kann auch New York voranbringen. Zumindest bestanden die ersten Amtshandlungen und Forderungen Mamdanis in einem solchen Politikverständnis. Bei aller Apologetik ihres Buchs liefert Luzia Geier zu all dem wichtige Informationen über die Möglichkeit von schrittweisen Verbesserungen in der realen Welt.
Luzia Geier, Zohran Mamdani. Our Time Is Now. Wie Mut, Haltung und Menschlichkeit Politik verändern können, Köln 2026, Quardriga-Verlag, 240 Seiten, 18 Euro






