Wer war Luther wirklich?

Luther-Denkmal in Wittenberg
Luther-Denkmal in Wittenberg

WOLFENBÜTTEL. (hpd) Als der Autor des Textes heute Morgen die Braunschweiger Zeitung aufschlug, lag auch das Heft der ev. Kirche in seinen Händen. Rechtzeitig zum Reformationstag sagten darin Politiker, Schauspieler und andere, “Warum wir glauben”. Spontan schrieb er eine Ausarbeitung über Luther, die zum heutigen Tag passt.

In einem Gespräch sagte Adolf Hitler 1923: “Luther war ein großer Mann, ein Riese. Mit einem Ruck durchbrach er die Dämmerung, sah den Juden, wie wir ihn erst heute zu sehen beginnen.”

Julius Streicher, der Herausgeber des antisemitischen Hetzblatts “Der Stürmer” sagte in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen am 29. April 1946: “Wenn Martin Luther heute lebte, dann säße er hier an meiner Stelle als Angeklagter.”

Was ist denn damit gemeint, wie kann man die Äußerungen dieser Schwerverbrecher erklären? Die Evangelisch-Lutherische Kirche beruft sich sowohl auf Jesus als auch auf Martin Luther. Also muss die Lehre Luthers christlich sein, denkt man, und seine Person integer. Um diese Frage beantworten zu können, muss man sich mit Charaktermerkmalen von Martin Luther beschäftigen, die von der Amtskirche tunlichst verschwiegen werden. Er war nicht nur ein Reformator der römisch-katholischen Kirchenlehre, sondern daneben ein Frauenhasser, Sozialrassist und vor allen Dingen ein Antisemit.

1543 schrieb er: “Ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes, durchteufeltes Ding ist’s um diese Juden, so diese 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen sind und noch sind. Summa, wir haben rechte Teufel an ihnen. Wenn ich könnte, wo würde ich ihn (den Juden) niederstrecken und in meinem Zorn mit dem Schwert durchbohren. Jawohl, sie halten uns in unserem eigenen Land gefangen, sie lassen uns arbeiten in Nasenschweiß, Geld und Gut gewinnen, sitzen sie dieweil hinter dem Ofen, faulenzen, pompen und braten Birnen, fressen, sauffen, leben sanft und wohl von unserm erarbeiteten Gut, haben uns und unsere Güter gefangen durch ihren verfluchten Wucher, spotten dazu und speien uns an, das wir arbeiten und sie faule Juncker lassen sein … sind also unsere Herren, wir ihre Knechte.”

Und er hatte gleich die Lösung des Problems parat: “Erstlich, das man jre Synagoga oder Schule mit feur anstecke und, was nicht verbrennen will, mit erden überheufe und beschütte, das kein Mensch ein stein oder schlacke davon sehe ewiglich. Und solches sol man thun, unserm Herrn und der Christenheit zu ehren damit Gott sehe, das wir Christen seien. – Zum anderen, das man auch jre Heuser des gleichen zerbreche und zerstöre. Denn sie treiben eben dasselbige drinnen, das sie in jren Schülen treiben. Dafur mag man sie etwa unter ein Dach oder Stall thun, wie die Zigeuner, auff das sie wissen, sie seien nicht Herren in unserem Lande. – Zum dritten, das man jnen nehme all jre Betbüchlein und Thalmudisten, darin solche Abgötterey, lügen, fluch und lesterung geleret wird. – Zum vierten, das man jren Rabinen bey leib und leben verbiete, hinfurt zu leren. – Zum fünften, das man die Jüden das Geleid und Straße gantz und gar auffhebe. – Zum sechsten, das man jnen den Wucher verbiete und neme jnen alle barschafft und kleinot an Silber und Gold, und lege es beiseit zu verwaren. – Zum siebenden, das man den jungen, starcken Jüden und Jüdin in die Hand gebe flegel, axt, karst, spaten, rocken, spindel und lasse sie jr brot verdienen im schweis der nasen.”

Unter dem ersten Punkt seiner Vorschläge will er die Synagogen brennen sehen, zur Ehre Gottes, und Punkt sieben ist nichts anderes als die spätere Vernichtung der Juden durch Arbeit, die in den Konzentrationslagern von den Nazis auf grausame Weise durchgeführt wurde. Weiter heißt es: “Nu sihe, welch eine feine, dicke, fette Lügen das ist, da sie klagen, sie seien bei uns gefangen. ….. Heisst das gefangen halten, wenn man einen nicht leiden kan im Lande oder Hause? Ja wol, sie halten uns Christen in unserm eigen Lande gefangen. Sie lassen uns erbeiten im nasen schweis, gelt und gut gewinnen. Sitzen Sie die weil hinter dem Ofen, faulentzen, pompen und braten birn, fressen, sauffen, leben sanfft und wol von unserm ererbeitem gut, haben uns und unser güter gefangen durch jren verfluchten Wucher, spotten dazu uns speien uns an, das wir erbeiten und sie faule juncker lassen sein von dem unsern und in dem unserm. Sind also unsere Herrn, wir jre Knechte mit unserm eigen gut, schweis und erbeit, fluchen darnach unserm Herrn und uns zu lohn und zu danck.”

Dieses Vokabular kommt einem sehr bekannt vor. Es ist das Vokabular des puren Judenhasses, man könnte sogar Fäkalsprache dazu sagen. Und es sind zugleich die Argumente der Nazis, mit denen sie letztlich den Holocaust an Millionen jüdischer Mitmenschen begründeten. Luther bezeichnete die Juden als Sklavennaturen, Wahnsinnige, Teufelsdiener und Mörder, ihre Führer nannte er Verbrecher, und ihre Richter waren für ihn Schurken.

Dies war eine Ausdrucksweise, die der Hetzpropaganda von Joseph Goebbels in nichts nachstand. Deswegen konnte sich Adolf Hitler auf Luther berufen. War Luther dadurch ein Wegbereiter für den Holocaust? In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, der so genannten Reichskristallnacht, brannten jedenfalls in ganz Deutschland jüdische Synagogen, Schaufenster jüdischer Geschäfte wurden zertrümmert, weit über 1000 jüdische Mitbürger wurden ermordet. Und am 10. November war zufällig Luthers Geburtstag.

Luthers reformatorische Leistungen verblassen hinter seiner antisemitischen Einstellung, er war ein glühender Antisemit. Wenn er heute leben würde, dann würde er wegen Volksverhetzung zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt werden, und die Evangelisch-Lutherische Kirche, die sich immer noch auf ihn beruft, würde das Wort “Lutherisch” aus ihrem Namen streichen müssen.

Auch über Frauen hatte Luther seltsame Ansichten, hier einige Zitate von ihm:

“Will die Frau nicht, so komm’ die Magd.”

“Der Tod im Kindbett ist nichts weiter als ein Sterben im edlen Werk und Gehorsam Gottes. Ob die Frauen sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nichts. Lass sie nur tot tragen, sie sind darum da.”



“Die größte Ehre, die das Weib hat, ist allzumal, dass die Männer durch sie geboren werden.”



“Drängt die Frauen von ihrer Hausarbeit, und sie taugen zu nichts.”

“Die Zauberinnen (Hexen) sollst du nicht leben lassen… Es ist ein gerechtes Gesetz, dass sie getötet werden, sie richten viel Schaden an.”

Behinderte Kinder waren für ihn eine seelenlose Masse Fleisch, Werke des Teufels, die in der Gosse ersäuft werden müssten. Die aufständischen Bauern sollten nach seiner Meinung ermordet werden, gemeinsam mit den Prostituierten. Außerdem rief er zur Tötung von Ehebrechern auf, und und und.

In dem Spielfilm mit dem Titel “Luther” aus dem Jahre 2003, den die evangelische Kirche mitfinanziert hat, ist von alledem nicht die Rede, hierin ist Luther nur der brave Kirchenreformator.

Nun mag der Einwand kommen, dass es damals in vielerlei Hinsicht eine unheilvolle Zeit gewesen sei, viele Menschen hätten ähnlich gedacht. Zugegeben, aber würde sich die christliche Kirche auf Jesus berufen, wenn wie im Fall Luthers belegt wäre, dass er solch einen minderwertigen Charakter wie Luther gehabt hätte? Im Vergleich zu Luthers tiefem moralischen Niveau müssen seine 95 Thesen, die er an das Kirchenportal in Wittenberg geschlagen haben soll, einfach verblassen. Wie kann sich eine Kirche, die sich selbst barmherzig nennt, auf solch einen Menschen gründen, der so viele andere Menschen zutiefst verachtet, ja gehasst hat?

Die evangelische Kirche ist zwar fest mit diesem Luther verbunden, doch ihre Glaubwürdigkeit ist dabei der eindeutige Verlierer. Die evangelischen Kirchenvertreter mögen mit Engelszungen reden, die geschichtlichen Fakten können sie nicht ungeschehen machen.

Warum benennen die evangelischen Bischöfe ihre Kirche nicht einfach um und streichen aus dem Namen Evangelisch-Lutherisch das zweite Wort? Nun, sie gehören bei uns allesamt zu den gut verdienenden Menschen, und wenn sie diesen Schritt tun würden, würde ihnen ihr Gehalt dann trotzdem weiter gezahlt? Darüber müssten sich die Bischöfe keine Gedanken machen, denn sicher würde ihr Bundesland und damit der Steuerzahler weiterhin für sie sorgen.

Übrigens hatte Martin Luther auch seherische Fähigkeiten. Wie man weiß, sagte er dreimal, für die Jahre 1532, 1538 und 1541, den Weltuntergang voraus. Da aber die Welt immer noch besteht, hatte er sich offenbar verrechnet.

Einen schönen Reformationstag noch…

Kommentare (21)

Dr. Richard Ba… (nicht überprüft)

Fr. 31 Okt 2014 - 13:53

Ihr bemerkenswerter Kommentar spricht letztendlich die WAHRHEIT an. die - in deisem Fall Luther - sogar auch noch gleichzeitig die War-Heit ist (ohne "h" - wohlgemertk!). Da "die Menschen" mit dieser "Wahrheit" jedoch auf Kriegsfuß stehen, weil diese gar zu oft ihren (wiederum !!!) wahren Motiven zum Handeln im Wege stehen, gerät die "Wahrheit" (als philosophischer, moralischer und ethischer) Wert, der es wert ist, strikt gelebt zu werden, immer wieder nicht nur in den Hintergrund, nein: meist in den Abgrund (der individuellen Motivation zum Handeln - s.o.). So auch in der Tatsache aller Verdrängung dieser Faktenlage seitens der Organisation "Evangelisch(e-lutherische) Kirche. Jesus war hier Tat-sächlich wahr-haftiger und konsequenter in Leben und Tun seiner Lehre.
Die "Evangelisch-Lutherische" Kirche ist gut beraten, diese lutherischen FAKTEN nicht unter den Teppich zu kehren und mutig den Schritt ins Unbewußte und Verdrängte iherer Selbst zu wagen und der War-Heit die Ehre der Wahrheit zu geben und die moralische Konsequnez daraus ziehen: Abbitte leisten dem Grundsatz des Geschen's nach durch Handlung und Taten.
Ich bin übrigens gewiß, dass die Reichskristallnacht symbolisch 09.11.38 an diesem Datum Luther's Geburttag durchgeführt wurde.
Dr. Richard Barabasch

G. Goedke (nicht überprüft)

Fr. 31 Okt 2014 - 14:04

Luther war ein Kind seiner Zeit, der das dachte und sagte, was zu dieser Zeit offensichtlich ueblich war. Heutige Masstaebe anzulegen, ist voellig aberwitzig, aergerlich und dumm. Luthers Frauenbild entsprach durchaus seiner Zeit und missliebige Menschen wurden oeffentlich enthauptet, verbrannt oder in irgendeiner anderen Weise zu Tode gebracht. Alles mit dem Segen der Katholischen Kirche. Den Begriff Rassismus gab es noch nicht. Der tauchte erst sehr viel spaeter auf. Sie liegen also mit Ihren Wertungen ziemlich daneben. Luthers Verdienst war sein Mut, sich gegen den Papst in Rom zu wehren. Immerhin duerfte er dabei sein Leben riskiert haben. Sein "Judenhass" hatte theologische Wurzeln, und seine Urteile gegenueber Juden, die Sie anfuehren, hatten reale Bezuege.
Uebrigens hat die EKD 2008 in der "Lutherdekade" auf die Schattenseiten des Herrn Luther ausfuehrlich hingewiesen. Und nun?

Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Fr. 31 Okt 2014 - 16:51

Antwort auf von G. Goedke (nicht überprüft)

Ihre Art der "Entschuldigung" Luthers ist mir nicht neu. Mit dieser Methode können alle furchtbaren Ansichten der Vergangenheit und sicher auch der Zukunft "entschuldigt" werden. Rassenlehre, Ablehnung Homosexueller, Frauenhass, Kinderarbeit, Verfolgung Ungläubiger und viele mehr - alles mit dem Zeit(un)geist zu erklären und zu entschuldigen. Und nun? Sicher war Luther eher Antijudaist, als Antisemit. Doch ist es wirklich ein wesentlicher Unterschied, ob ein Jude aus theologischen Gründen abgelehnt und verfolgt wird oder aus rassischen? Ich habe mich mit Luthers judenfeindlichen Schriften ausgiebig befasst. Dieser Mann war Kind des Zeitgeistes, gewiss. Aber er war genauso ein Kind des Zeitgeistes, wie z.B. Ulrike Meinhof, wobei ich hier nicht die Schwere der auf sich geladenen Schuld quantitativ vergleichen möchte. Das wäre falsch und unfair. Eine Vergleichbarkeit entsteht lediglich mit dem von Ihnen gewählten Verweis auf die entschuldigende Wirkung des Zeitgeistes, der Anfang der 60er-Jahre so war, dass manche teilweise sogar aus echtem, sozialem Engagement mit fehlgeleiteter Empathie auf eine völlig falsche Bahn geraten sind. Trotz Zeitgeist sind also gerade Personen, die wir als vorbildlich verehren, wie dies Luther von Seiten weiter Teile der Politik und natürlich der evangelischen Kirche widerfährt, auf einen besonderen Prüfstein zu stellen, ob nicht nur ein paar Motive jener Person vorbildlich sind, sondern ob ihnen etwas zutiefst Positives innewohnt. Natürlich hat auch der Beste seine kleinen Laster, das Menschliche halt - gerade das, was ausgerechnet die Kirchen und andere Religionsgemeinschaften nur allzu gerne ihren Schäfchen verbieten wollen. Doch bei Luther sitzt die Menschenfeindlichkeit m.M.n. zu tief in seinem Charakter begründet, als dass ich hier noch darüber hinwegsehen könnte. Wer derart abfällig, beleidigend, abstoßend hässlich und hasserfüllt über seine Mitmenschen schreibt - auf hunderten von Seiten schreibt, mit hunderten übelster Schimpfwörter, die ihm heutzutage eine Beleidigungsklage nach der anderen einbrächten - der muss wissen, was er tut. Zeitgeist hin oder her: Ein "großer Reformator" hätte sich auch den unsäglichen Antisemitismus seiner Zeit, seiner Religion vernehmen müssen, um positiv zu wirken. Natürlich positiv im heutigen Sinne, denn heute, speziell in drei Jahren, soll er verehrt werden. Also müsste er heutigen ethischen Grundprinzipien genügen. Ansonsten wäre er eine der vielen bedauerlichen Figuren der Weltgeschichte, die sich nicht mit positiver Vision aus ihrem Zeitgeistgefängnis befreien konnten und genau dort verharrt blieben. Luther hat also den Konstruktionsfehler des Christentums und letztlich aller Monotheismen, die auf dem Judentum basieren, nicht erkannt. Dessen Fremdenfeindlichkeit (hier als Kampf gegen Heiden getarnt), die Erniedrigung von Frauen, die Ausgrenzung Behinderter, Homosexueller und anderer religiös "aus der Art Geschlagener" sind Basiselemente der größenwahnsinnigen Ideologie, die absolute Wahrheit zu besitzen. Luther war diesem Prinzip mit seinem "sola scriptura" voll und ganz verhaftet. Und wenn er aus diesem Irrsinn heraus Juden ausgerechnet mit deren eigener "Heiligen" Schrift als Lügner entlarven wollte, dann grenzt dies für mich an einen schweren Fall von Größenwahn oder Tunnelblick. Luther besaß in diesem Punkt nicht einen Funken Menschlichkeit, sondern er hasste eine Volksgruppe anonym, allein Kraft seines theologisch begründeten Vorurteils diesem "durchgifteten, durchbösten" Volk gegenüber. Dies war ein zu allen Zeiten durch reflektierende Selbsterkenntnis als falsch zu erkennender Charakterzug, dazu hätte es nur minimaler Empathie über die eigene Ingroup hinaus bedurft. Luther hat hier auf der ganzen Linie versagt. Dass er dadurch geistiger Brandstifter für das Nazi-Regime wurde, ist auch dadurch bedingt, dass Luthers Bild in der evangelischen Kirche nie wirklich historisch gewürdigt wurde. Er war der "größte Deutsche", so Hitler, und erst dadurch konnte er seine fatale Vorbildfunktion für die Antisemiten Anfang des 20. Jahrhunderts entfalten. Möglicherweise hätte ein wirklich reformatorischer Reformator das Christentum von Grund auf umgekrempelt, hätte alle ausgrenzenden Faktoren auf den theologischen Müllhaufen geworfen - und nicht nur gegen den Papst gewettert. Er hätte gegen Jesus und seine Unmoral wettern müssen, gegen all das Üble, das Paulus hineingetragen hatte, den Irrsinn eines vergotteten Wanderpredigers und einer ewig jungfräulichen Maria etc.. Doch eine solch radikale Reformation hätte Luther sicher nicht überlebt. Das entschuldigt seine halbherzige Reformation (falls er menschenfreundlicher gedacht hätte), nicht aber die heutige Lutherverehrung.

Uwe Hillebrand (nicht überprüft)

Fr. 31 Okt 2014 - 16:58

Antwort auf von G. Goedke (nicht überprüft)

Diese Logik hört man immer wieder von kirchenfreundlicher Seite oder natürlich von der Kirche selbst. Dass Luther einen mehr als minderwertigen Charakter hatte, dass er ein Verbrecher des Wortes war, das alles spielt bei dem Religionsgründer keine Rolle. Er hatte halt ein paar "dunkle Seiten", wie damals bei jedem üblich. Wie kann sich eine Kirche, die sich selbst barmherzig nennt, auf solch einen Menschen gründen, der so viele andere Menschen zutiefst verachtet, ja gehasst hat? Wenn Jesus (falls er überhaupt gelebt hat) solch einen menschenverachtenden Charakter wie Luther gehabt hätte, es gäbe kein Christentum. Aufgrund der Faktenlage muss man sagen, dass später die Naziverbrecher, bezogen auf die Menschen jüdischen Glaubens, leider genau das in die Tat umgesetzt haben, was Luther vorgeschlagen hat.

Aber die evangelische Kirche wird auch weiterhin auf das so genannte Lutherjahr hinarbeiten, die Politiker werden eine Festrede nach der anderen halten, und der Geist des Homo sapiens wird auf der Strecke bleiben.

Die Kommentare sind im Bezug auf das juedische Volk einfach nicht richtig.Der Punkt ist einfach, ohne den juedische Glaube kein kein christlicher oder sogar die Reformation. Es ist war gerade Kaiser Konstatin der das Judentum von dem Christentum abspaltete, so daß zwei theistische Religionen entstanden sind
Auch Jesus war Jude. Fuer mich stellt sich die hatte auch er versucht den juedischen Glauben zu reformiern? Fuer Martin Luther war nur wichtig den Menschen die Bibel zugänglich zu machen. Das war nur im Protestantismus moeglich. Weder im katholischen noch im juedischen Glauben war die Bibel zugaenglich. Gerade Luther wusste das, musste um sein Leben fuerchten.Dafür machte er die Juden mit verantwortlich.

"Luther war ein Kind seiner Zeit..."
Dieses Argument wird gern als Relativierung der "Schattenseiten des Herrn Luther", aber auch für andere blutbefleckte Leute (Calvin, Melanchthon, Zwingli) vorgeschoben. Es sollte zu denken geben, dass alle aufgezählten Führer der Reformation Todesverurteilungen Andersdenkende (bzw. deren Rechtfertigung) aus Eigeninitiative (!) betrieben haben. Sie waren weniger Kinder, als die Lehrer ihrer Zeit. Nicht Opfer des Zeitgeistes, sondern dessen Protagonisten. Denn es gab Zeitgenossen, welche deren gewalttätiges Reden und Handeln kritisiert haben.
Zumal das Prinzip der Relativierung mit dem Zeitgeist zu seltsamen Konsequenzen führt: Hitler, Himmler, Stalin, Pol Pot usw. - alles Opfer des Zeitgeistes? Wer machte denn den "Zeitgeist" per Religion oder Gesetzeskraft, wenn nicht diese "Führer", oder heute die des IS?
Gegen Andersdenkende/-lebende zu hetzen und nach dem Leben zu trachten, kann niemals Zeitgeist, also allgemein anerkanntes Gedankengut gewesen sein, weil eine Gesellschaft sich kaum in ihrer Mehrheit zum Töten bekennen kann, ohne dabei ihre eigene Fortexistenz infrage zu stellen.
Wie viele Luther-Dekaden wird die EKD wohl noch brauchen, um Luther nicht als Opfer des Zeitgeistes, sondern als einen seiner exponierten Macher zu begreifen?

Rolf Schröder (nicht überprüft)

Fr. 31 Okt 2014 - 21:48

Antwort auf von G. Goedke (nicht überprüft)

Dann ist ja alles gesagt, und wir können unseren lieben Herrn Luther ohne Gewissensbisse feiern – womöglich sogar als Humanisten? Toll!

Unzweifelhaft war Luther ein geistiges Kind seiner Zeit.
Sein Verdienst liegt im Kampf gegen Machtanspüche, die mit "göttlichen Wahrheiten" begründet wurden. Sein Verhalten beweist aber, dass es keine "christlichen Werte" gibt. Zumindest habe ich noch nirgends gelesen oder gehört, dass Luther sich in vielen Bereichen sehr "unchristlich" geäußert habe.
Anders ausgedrückt: Es gibt, im Gegensatz zu den Behauptungen aller Religiösen, keine ewig gültigen "göttliche Wahrheiten".

Uwe Lehnert (nicht überprüft)

Fr. 31 Okt 2014 - 22:27

Antwort auf von G. Goedke (nicht überprüft)

»Und nun« erhebt sich die Frage: Wenn Luther so sehr ein Kind seiner Zeit war, warum sollte das, was er sonst noch von sich gab, wert sein, noch heute geglaubt und gewürdigt zu werden?

Gerhard Streminger (nicht überprüft)

Mo. 3 Nov 2014 - 12:18

Antwort auf von Uwe Lehnert (nicht überprüft)

Das ist genau der Punkt: Wenn einem etwas - gegenwärtig - nicht gefällt, dann wird es relativiert, ansonsten wird es als absolut und gottgegeben verkündet.

Aber relativieren wir doch einmal die Zeit, in der die verschiedensten heiligen Bücher zu entstehen pflegen, und schlagen wir nach bei einem der größten Aufklärer. Zum Pentateuch beispielsweise meinte er:

"Da haben wir denn zunächst ein Buch vor uns, das uns von einem barbarischen, unwissenden Volk überliefert ist; zu einer Zeit geschrieben, als es noch barbarischer war, und höchstwahrscheinlich lange nach den Ereignissen, die es berichtet; das durch kein gleichlautendes Zeugnis bestätigt ist und jenen Märchenerzählungen ähnelt, die jedes Volk über seinen Ursprung gibt. Beim Lesen dieses Buches stoßen wir überall auf Naturwidrigkeiten und Wunder. Es berichtet von einem Zustand der Welt und der Menschennatur, der vom gegenwärtigen völlig verschieden ist: von unserer Vertreibung aus diesem Zustand; vom Menschenalter, das beinahe tausend Jahre währt; von der Zerstörung der Welt durch eine Sintflut; von der willkürlichen Erwählung eines Volkes als Günstling des Himmels – und dieses Volk sind die Landsleute des Verfassers; von seiner Befreiung aus der Knechtschaft durch die Naturwidrigkeiten der erstaunlichsten Art. Nun bitte ich jeden, Hand aufs Herz und nach ernsthafter Erwägung ..."(David Hume)

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Fr. 31 Okt 2014 - 23:51

Antwort auf von G. Goedke (nicht überprüft)

Und nun??? Kulturrelativismus benötige ich nicht. Aufklärung tut not. Und die kommt bald. Rechtzeitig zum 500. 'Jubeljahr'.

Christian Mai (nicht überprüft)

Sa. 1 Nov 2014 - 04:53

Antwort auf von G. Goedke (nicht überprüft)

Wenn etwas in einer Zeit üblich ist, ist es richtig??? Wenn das stimmte, hätten wir dann heute die Menschenrechte?

Stefan Dewald (nicht überprüft)

Mo. 3 Nov 2014 - 02:33

Antwort auf von G. Goedke (nicht überprüft)

»Luther war ein Kind seiner Zeit, der das dachte und sagte, was zu dieser Zeit offensichtlich üblich war.« Dann ist ja alles klar: Ich ignoriere ihn, weil er unzeitgemäß ist.

Frank Linnhoff (nicht überprüft)

Fr. 31 Okt 2014 - 18:42

Entsprechend der NS-Rassenlehre ist ein Jude für immer ein Jude, weil Mitglied der jüdischen Rasse, die es zu vernichten gilt. Für Luther können Juden ihrem Glauben entsagen und sich zu guten Christen läutern. Im Unterschied zu Hitler und Gefolgschaft hat Luther keine Judentötung organisiert.

Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Sa. 1 Nov 2014 - 12:37

Antwort auf von Frank Linnhoff (nicht überprüft)

Lieber Herr Linnhoff, ist Ihr Kommentar satirisch zu verstehen? Ist es wirklich weniger schlimm, einen Menschen dazu zu nötigen, in ein anderes Gruppensystem überzuwechseln, damit er dann "geläutert" sei? Wenn also (ich unterstelle einmal, dass sie Ihren Kommentar nicht satirisch verstanden wissen wollen) das "Judesein" als nicht geläutert gilt, dann ist es quasi minderwertig. Luther hat bei seinen daraus abgeleiteten Strafmaßnahmen gegen Juden lediglich die Gaskammern vergessen. Alles andere - Verbrennen der Synagogen, Enteignung, Zwangsarbeit und Verlust des Lebens bei fortgesetzter Lehre des Judentums - hat Luther den Nazis bereits als To-do-Liste vorgeschlagen. Luther hat zwar nicht die Tötung organisiert, aber er hat sie eindeutig legitimiert, begründet. Und das hier ist für mich das Schlimmste an der Causa "Luther": Er hat penibel anhand seiner von ihm so geliebten "Heiligen" Schrift nachgewiesen - theologisch nachgewiesen -, dass die Juden ein "durchböstes, durchgiftetes" Volk seien, das nur nach der Konversion zum Christentum ein Existenzrecht habe. Nach moderner Ethik zwingt man niemanden mehr (Art. 4 GG), einen anderen Geisterglauben anzunehmen, da es hierzu keinen objektiven Grund gibt. Glauben ist Privatsache und dies ist gerade in einer pluralistischen Gesellschaft unumgänglich. Luther und die Nazis eint, dass sie dies nicht respektiert haben (kein Vorwurf, die christliche Moral ist halt nicht so fortschrittlich, wie moderne Ethik [basierend auf alten Griechen]). Die Begründung (ob theologisch oder rassistisch) für die Nötigung Andersgläubiger oder gar deren Ermordung ist nicht nur den Betroffenen egal.

Nein, ich habe meinen Kommentar nicht satirisch gemeint. Ich weiss seit Jahrzehnten, dass Martin Luther ein hasserfüllter Mensch war, der von vielen seiner Zeitgenossen zu Recht als Hassprediger angesehen wurde. Doch stört es mich gewaltig, wenn auch in dieser Angelegenheit die Nazikeule geschwenkt wird. Auch ohne Nazivergleich bin ich der Meinung, dass der Reformationstag als Feiertag abgeschafft werden sollte.

Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Mo. 3 Nov 2014 - 00:08

Antwort auf von Frank Linnhoff (nicht überprüft)

Nazikeule? Sehen Sie die Parallelen wirklich nicht? Vor allem den Umgang der Nazis mit Luther, die Verehrung, die ihm entgegengebracht wurde. Luther war gewiss kein Nazi, aber ein geistiger Brandstifter. Stellen Sie sich einen Moment lang die Welt vor, wenn Luther GEGEN den Antijudaismus gepredigt hätte. Wenn er zur Versöhnung und Toleranz den Juden gegenüber aufgerufen hätte. Wenn er ihnen die Hand gereicht und nicht nur gegen Ablasshandel und Papst, sondern auch gegen den aufkeimenden Antisemitismus gesprochen hätte. Wäre die Welt danach nicht eine andere geworden? Wäre dann der Anfang des 19. Jh.s aufkeimende, rassistische Antisemitismus, der auch Hitler beeinflusste, nicht zumindest von einer maßgeblichen Gegenstimme begleitet gewesen? Von mir aus judenfeindlicher Katholizismus vs. judenfreundliche Protestanten. Wäre ein so kontrovers diskutierendes Deutschland nicht ein größeres Hemmnis für die fast schulterzuckend hingenommene Ausgrenzung, Deportation und Vernichtung der Juden gewesen? Das ist nur ein Gedankenspiel mit vielen Gegenargumenten. Doch manchmal hat ein kleiner, positiver Samen eine große Wirkung. Doch was Luther versprühte, war leider ein schlimmes Gift gegen jeglichen Samen der Versöhnung.

Arno Gebauer (nicht überprüft)

Mi. 26 Nov 2014 - 16:52

Antwort auf von Frank Linnhoff (nicht überprüft)

Hallo, Frank Linnhoff,

auch wenn Luther keine Judentötung organisiert hat, so hat er dazu aber aufgerufen!
Luther ist mit der katholischen Kirche einer der geistigen Brandstifter des Holocaustes!
Die Nazis haben nur das umgesetzt, was die geistigen Brandstifter des Holocaustes
ca. 2000 Jahre unablässig forderten!

Gruß
Arno Gebauer

Uwe Lehnert (nicht überprüft)

Fr. 31 Okt 2014 - 22:29

Die evangelische Kirche darf stolz auf Luther sein. Deshalb tragen ja auch hunderte von Kirchen und Straßen den Namen dieses antijüdischen Hetzers und dieses Frauenverächters. Auch behinderte Neugeborene haben damals ein schnelles Ende gefunden, wenn sie seinem Einfluss ausgeliefert waren. Klingt das alles sehr christlich? Oder wie redet man sich hier wieder heraus?

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