Evangelischer Kirchentag in Düsseldorf 2027

Geldübergabe vor dem Altar

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Vor dem Altar der Düsseldorfer Johanneskirche überreicht der Düsseldorfer Regierungspräsident Thomas Schürmann den Förderbescheid des Landes NRW der Generalsekretärin des Kirchentages Kristin Jahn und der Controllerin des Kirchentages Denise Ritter (von links).
7 Mio für den ev. Kirchentag

Nach der Zusage von 5,8 Millionen Euro durch die Stadt Düsseldorf unterstützt nun auch das Land Nordrhein-Westfalen den Evangelischen Kirchentag im Mai 2027 in Düsseldorf mit zusätzlich sieben Millionen Euro aus Steuermitteln. Die Geldübergabe wurde im Rahmen eines Pressetermins in einer evangelischen Kirche vollzogen. Die Verantwortlichen wählten dafür als schmückenden Hintergrund den Gekreuzigten und den Altar der Johanneskirche in der Düsseldorfer Innenstadt.

Wenn in einer Kirche Geld den Besitzer wechselt, dann gibt es für gewöhnlich Klimpergeräusche aus dem Klingelbeutel. Ganz anders am Dienstag in der evangelischen Düsseldorfer Johanneskirche. Lautlos, nur begleitet von mehrfachem Dankeschön, flossen dort sieben Millionen Euro von einer Tasche in die andere. Der edle Spender: das Land Nordrhein-Westfalen, in diesem Fall vertreten durch den Düsseldorfer Regierungspräsidenten Thomas Schürmann. Empfänger ist der Verein "Deutscher Evangelischer Kirchentag", für den sich dessen Generalsekretärin Kristin Jahn beim Regierungspräsidenten und auch bei den Bürgerinnen und Bürgern (denn diese geben ja das Geld) herzlich bedankte. Gedacht sind die Millionen als öffentliche Unterstützung des Evangelischen Kirchentags, der vom 5. bis 9. Mai nächsten Jahres in der Landeshauptstadt stattfindet.

Es ist nicht der einzige Millionen-Geldsegen aus öffentlichen Mitteln für das kirchliche Event. Die zuvor von der Stadt Düsseldorf zugesagte Unterstützung in Höhe von 5,8 Millionen Euro hatte ein gescheitertes Bürgerbegehren des Düsseldorfer Aufklärungsdienstes (DA!)nicht stoppen können. Dem offiziellen Motto des Kirchentags "Du bist kostbar" setzt der DA! derweil das Gegenmotto "Du bist kostspielig" entgegen.

Nun sind es also in Summe 12,8 Millionen Euro Unterstützung aus Steuergeldern. Erwartet wird, dass der Bund noch mal eine halbe Million drauflegt. Immerhin kann man dem Land Nordrhein-Westfalen nicht nachsagen, dass es die sieben Millionen Euro angesichts der zuvor registrierten Proteste verschämt und leise bezahlt. Sondern eben ganz offen bei einem Pressetermin in Altarnähe. Weder Regierungspräsident Thomas Schürmann noch die Verantwortlichen des Kirchentagsvereins oder der Evangelischen Kirche im Rheinland ließen sich von kritischen Fragen aus dem Konzept bringen. Fragen wie: "Von zehn Düsseldorfern und Düsseldorferinnen ist nur noch einer bzw. eine Mitglied in der Evangelischen Kirche, und neun sind es nicht. Glauben Sie nicht, dass die Förderung des viertägigen Festes mit mehr als 13 Millionen Euro aus Steuergeldern angesichts der sehr vermögenden Kirche zu großem Unmut in der mehrheitlich säkularen Bevölkerung führen wird?"

Kristin Jahn hob die aus ihrer Sicht gesamtgesellschaftliche Funktion des Kirchentags hervor. "Mit der Unterstützung des Kirchentages als größter Dialogplattform Deutschlands fördert das Land NRW Austausch, Partizipation und gesellschaftlichen Zusammenhalt im ganzen Bundesland." Schon jetzt sei das Interesse spürbar hoch.

Umfragen haben indes ergeben, dass mindestens 95 Prozent der Kirchentagsbesucher einer christlichen Kirche angehören. Trotzdem betonte Regierungspräsident Thomas Schürmann, dass die Förderung einer Veranstaltung gelte, "die sich an einen ganz großen Kreis von Menschen wendet, die über die wichtigen Themen unserer Zeit ins Gespräch kommen wollen." Es gehe um mehr als Gottesdienste oder theologische Themen. Es würden gesellschaftspolitische Themen diskutiert. Es gehe darum, miteinander ins Gespräch zu kommen. Das sei in diesen Zeiten wichtiger denn je.

Auf die Journalisten-Frage, warum denn der in diesen Tagen in Würzburg stattfindende Katholische Kirchentag mit deutlich weniger Geld auskomme - hier gibt die Stadt "nur" eine halbe Million und das Land "nur" drei Millionen Steuergeld dazu - verwies der Finanzvorstand des Kirchentagsvereins, Stephan Günther Menzel, auf die hohe Zahl der erwartet 100.000 Teilnehmenden in Düsseldorf. "Wir wollen für diese Menschen eine gute, sichere Veranstaltung auf die Beine stellen." Insgesamt werde die Veranstaltung 24 Millionen Euro kosten.

Regierungspräsident Schürmann ergänzte: "Wir gucken weniger darauf, was andere Veranstaltungen kosten, als auf die Frage: Überzeugt uns das Konzept?" Die Veranstaltung habe einen großen Mehrwert für die Stadt und die Region. Auch fiskalisch, die Menschen würden hier ja auch konsumieren und übernachten." Daher hält er den Landeszuschuss von sieben Millionen Euro für gerechtfertigt.

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