Performancekünstler entblößt sich an Wittenberger Schlosskirche

Ein Penis für Luther

Luther Penis Performance
Aktionskünstler Uwe Max Jensen und sein Penis an der Wittenberger Schlosskirche

Eine pikante Performance zeigte am vergangenen Sonntag der dänische Aktionskünstler Uwe Max Jensen. Er stellte sich nackt vor die Tür der Wittenberger Schlosskirche, an die Martin Luther 1517 seine Thesen genagelt haben soll. Jensen ahmte Luther nach. Jedoch nagelte er nichts an die Tür, er klebte – und zwar seinen eigenen Penis.

Als Performancekünstler ist Uwe Max Jensen in seiner Heimat Dänemark bereits seit einigen Jahren bekannt. Am liebsten nutzt er für Performances seinen eigenen Penis. 2014 malte er mit selbigem als Pinsel beispielsweise ein Bild von Kim Kardashian. Eine Aktion, mit der er international für Aufmerksamkeit sorgte.

Nun scheint Jensen die künstlerische Eroberung Deutschlands in Angriff zu nehmen. Am vergangenen Sonntag entblößte er sich bis auf ein Paar rosa Kniestrümpfe vor der Schlosskirche in Wittenberg, überstieg den Zaun zur berühmten Tür des Lutherschen Thesenanschlags und klebte dort seinen Penis mit Gaffertape fest. Dann drehte er sich zu den überraschten Fußgängern um, die seine Aktion neugierig beobachteten und rief ihnen zu: "Hier stehe ich, ich kann nicht anders. So please help me God." Worte, die Luther angeblich gesagt haben soll, als er auf dem Reichstag in Worms aufgefordert wurde, seine Thesen zu widerrufen – allerdings ist sich die Forschung inzwischen ziemlich sicher, dass Luther diese Worte nie gesagt hat. Jensen fügte seiner Performance noch die Worte "Martin Luther was a rebel" und "Gott ist fröhlich" hinzu.

Die Performance dauerte nur wenige Minuten. Dann entschwand der Künstler Richtung Marktplatz. Zur Frage, was der Hintergrund dieser Kunstaktion sei, sagte Jensen gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung, dass er den Thesenanschlag Martin Luthers als eine Art Happening sehe und er sein eigenes Happening daraus habe machen wollen. Aber wie so oft bei Performancekunst ist die Erklärung des Künstlers für seine Performance wahrscheinlich selbst Teil der Performance. Wie diese Aktion zu bewerten ist – als Verneigung vor Luther oder Kritik an ihm, als Kunstereignis oder Selbstdarstellungsbedürfnis einen penisfixierten Dänen – ist also eine Einschätzung, die dem Betrachter überlassen bleibt.

Zu einer weiteren möglichen Interpretation der Performance hat sich inzwischen die Wittenberger Polizei geäußert. Sie ermittelt nach der Aktion gegen Jensen wegen exhibitionistischer Handlungen und Hausfriedensbruchs. Eine Anzeige nach dem "Gotteslästerungsparagrafen" §166 StGB ist erstaunlicherweise noch nicht eingegangen, obwohl Jensens Performance sicherlich einige Religiöse in ihren Gefühlen verletzt haben dürfte.

Kommentare (5)

Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Fr. 11 Nov 2016 - 11:37

"... die Tür der Wittenberger Schlosskirche, an die Martin Luther 1517 seine Thesen genagelt haben soll."

Dieser Satz wird immer wieder sinnentstellt wiedergegeben. Historisch korrekt müsste es heißen: Die Tür der Wittenberger Schlosskirche, an der Martin Luther 1517 seine Theresa genagelt haben soll.

Sunder Martin (nicht überprüft)

Fr. 11 Nov 2016 - 12:48

Großartig - die Dänen sind uns mal wieder einen Schritt voraus!

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Fr. 11 Nov 2016 - 13:51

Ermittlungen. - So was tut man ja auch nicht. Der soll sich was schämen!

Atheist Steinbrenner (nicht überprüft)

Fr. 11 Nov 2016 - 14:12

Es würde mich freuen, wenn in dem Zusammenhang der 183 StGB auf den Prüfstand kommt. Denn, dass eine Strafrechtsnorm ausschließlich Männer sanktioniert ist ein anachronistisches Kuriosum. Fraglich ob dadurch nun Frauen oder Männer diskriminiert werden...

René (nicht überprüft)

Fr. 11 Nov 2016 - 14:46

*LOL* Extrem witzig! Ich hoffe, dass man sich entschließen wird, etwaige Verfahren gegen den Peniskünstler anzügig einzustellen.

Daniela Wakonigg

Die Autorin ist studierte Philosophin, Theologin und Germanistin. Sie lebt in Münster (Westf.) und arbeitet als freie Autorin und Journalistin für Hörfunk- und Print-Medien. Sie ist u. a. Redakteurin der Zeitschrift MIZ und war von 2016 bis Anfang 2024 stellvertretende Chefredakteurin des hpd.

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