Einsatz genetisch veränderter Moskitos gegen die Malaria

"Ein Maßnahmenbündel gegen Infektionskrankheiten"

Elena Levashina erforscht, wie der Malaria-Erreger Moskitos infiziert.
Elena Levashina erforscht, wie der Malaria-Erreger Moskitos infiziert.

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) zeigt mit seinem alljährlichen Bericht "Environment Frontiers" auf, welche Herausforderungen die natürlichen Lebensgrundlagen auf unserem Planeten künftig maßgeblich mitbestimmen werden. "Synthetische Biologie: Neugestaltung unserer Umwelt" nennen die Autoren eine der großen Herausforderungen der Zukunft in ihrem Report 2018/2019. Dabei verändern Wissenschaftler das Erbgut von Organismen und verleihen diesen dadurch Eigenschaften, die für den Menschen nützlich sind.

Wenn sich Gene schneller in einer Population ausbreiten als normal, spricht man von einem sogenannten Gene Drive. Wissenschaftler wollen diesen Mechanismus zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten nutzen, indem sie die Überträger von Krankheitserregern, zum Beispiel Moskitos, unfruchtbar machen. Für Elena Levashina vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin könnte die Technik eine wichtiger Bestandteil im Kampf gegen Infektionskrankheiten werden.

Kann es Ihrer Meinung nach gelingen, mit Gene Drive Mückenpopulationen auszurotten und damit Infektionskrankheiten zu eliminieren?

Der Gene Drive ist ein faszinierender Mechanismus, mit dem wir sehr schnell eine Population verändern können. Es geht aber nicht nur darum Mücken auszurotten. Man könnte die Tiere auch zum Beispiel resistent gegen bestimmte Krankheitserreger machen oder eine Population durch eine andere ersetzen.

Der Gene Drive wird sicherlich nicht das Allheilmittel gegen Infektionskrankheiten sein. Dafür sind die Verhältnisse vor Ort zu unterschiedlich. In Afrika zum Beispiel, wo durch Mücken übertragene Malaria jedes Jahr immer noch unzählige Menschenleben fordert, werden wir verschiedene Maßnahmen kombinieren müssen, um die Krankheit zu besiegen. Der Gene Drive kann hierzu einen wichtigen Beitrag leisten.

Was weiß die Wissenschaft über die Auswirkungen des Gene Drive?

Auf genetischer Ebene ist der Gene Drive inzwischen recht gut erforscht. Laborergebnisse zeigen, dass sich damit Moskito-Populationen zuverlässig eliminieren lassen.

Was ist mit den ökologischen Folgen in der freien Natur?

Hier besteht in der Tat noch Forschungsbedarf. Manche Moskito-Arten haben komplexe Populationsstrukturen. Außerdem haben wir es manchmal mit verschiedenen Arten zu tun, die eine Krankheit übertragen können. Was passiert, wenn wir eine dieser Arten ausrotten oder genetisch verändern?

Unsere eigenen Forschungsergebnisse haben beispielsweise gezeigt, dass eine der beiden Malaria-Mücken in Afrika ein Resistenz-Gen gegen die Erreger besitzt. Wenn nun ausgerechnet diese mittels Gene Drive eliminiert wird, kann sich die Art ohne Resistenz möglicherweise ausbreiten. Dies könnte zu höheren Infektionsraten führen als zuvor.

Bei anderen Mückenarten wie den Überträgern des Zika-Virus sind die Verhältnisse einfacher. Deshalb werden hier schon Freilandstudien durchgeführt.

In jedem Fall müssen die möglichen Folgen genau überprüft und Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen werden, bevor genetisch veränderte Moskitos in die Umwelt entlassen werden. Und natürlich muss die Bevölkerung vor Ort in solche Entscheidungen mit einbezogen werden.

Das Gespräch führte Harald Rösch anläßlich des "Earth Day 2019" für mpg.de.

Kommentare (4)

Mika Latuschek (nicht überprüft)

Fr. 26 Apr 2019 - 04:20

Warum werden in dieser Rubrik fast nur Pro-Gentechnik- oder allenfalls Ja-aber-Positionen wiedergegeben, wo es doch auch wissenschaftlich begründete Gegenpositionen gibt (wie sie etwa im Gen-ethischen Informationsdienst diskutiert werden)? Warum spielt hier keine Rolle, woran geforscht wird und woran nicht und welche Gründe das hat? Warum wird hier so getan, als ob es keinen Lobbyismus, keine Drittmittelzwänge, keine undemokratischen Strukturen, keine Widerstände gegen Transdisziplinarität und keine wissenschaftsfremden Erwägungen in der Wissenschaft und der Forschungspolitik gäbe?

Mit Verlaub, ein solches Wissenschaftsverständnis ist rudimentär.

"Warum werden in dieser Rubrik fast nur Pro-Gentechnik- oder allenfalls Ja-aber-Positionen wiedergegeben, wo es doch auch wissenschaftlich begründete Gegenpositionen gibt (wie sie etwa im Gen-ethischen Informationsdienst diskutiert werden)?"

Weil es reicht, wenn sie im genethischen Informationsdienst diskutiert werden.

"Mit Verlaub, ein solches Wissenschaftsverständnis ist rudimentär."

Es bleibt Ihnen frei, Ihr ein eigenes Wissenschaftsverständnis zu haben. Gestehen Sie aber bitte allen anderen auch das gleiche Recht, ein eigenes "Wissenschaftsverständnis" zu haben.

Karl-Heinz Büchner (nicht überprüft)

Mo. 20 Mai 2019 - 21:24

Antwort auf von Mika Latuschek (nicht überprüft)

Was wäre denn bitte schön Anti-Gentechnik?
Mutationen, ohne dass sich die Gene verändern? Gibt es nicht!
Evolution ist Gentechnik - egal ob per Genschere oder per Zufall.
Der Grund dafür, dass sich Lebewesen verändern, sind Veränderungen ihres Genoms.
So einfach ist das.

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Fr. 26 Apr 2019 - 10:16

Da ist offenbar nicht der Ansatz von Benjamin Mordmüller et al. gemeint.

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