Neuseeland: Nichtreligiöse überholen Christen

Kirche am Lake Tekapo
Die "Kirche des guten Hirten" am Ufer des Tekapo-Sees auf der Südinsel Neuseelands

Erstmals gibt es in Neuseeland mehr Menschen, die keiner Religion angehören, als Menschen, die einem christlichen Glauben anhängen. Die Konfessionsfreien sind damit die größte gesellschaftliche Gruppe. Die Präsidentin von "Humanist New Zealand" fordert Konsequenzen.

Fast die Hälfte der neuseeländischen Bevölkerung ist religionsfrei, zeigen jüngst veröffentlichte Zahlen des Zensus von 2018. Damit haben erstmals die Konfessionsfreien die Christen zahlenmäßig überholt, berichtet OneNews. Demnach gaben fast 49 Prozent der "Kiwis", wie sich die Einwohner der Pazifikinseln selbst nennen, an, keine Religion zu haben. Im Vergleich zum vorherigen Zensus im Jahr 2013 ist diese Zahl um circa sieben Prozent angewachsen. Im gleichen Zeitraum haben sich die Angehörigen von christlichen Glaubensrichtungen um zehn Prozent von knapp 48 Prozent auf gut 37 Prozent verringert. Damit setze sich ein Trend fort, der sich auch schon bei früheren Erhebungen abzeichnete, schreibt das Nachrichtenportal.

Daneben gibt es aber auch mehr Menschen, die sich anderen Glaubenssystemen zuordnen: Die Zahl der Hindus stieg von etwa 89.000 auf 124.000, die der Muslime von gerundet 46.000 auf 61.000 und die Sikhs haben sich mehr als verdoppelt, von ungefähr 19.000 Angehörigen auf 41.000. Annähernd 53.000 Neuseeländer sind außerdem Buddhisten und fast 63.000 zählen sich zu den traditionellen Maori-Glaubensphilosophien. Daneben gaben gut 20.000 Einwohner "Jedi" als ihre Religion an. Etwas mehr als 7.000 "Kiwis" bezeichneten sich selbst als Atheisten, circa 500 weniger als Agnostiker. Auch die Angehörigen der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters haben es in die Zählung geschafft: Es sind gute 4.000.

Die Konfessionsfreien sind die größte Einzelgruppe unter den 4,7 Millionen Neuseeländern. "Humanist New Zealand", eine säkulare Interessensvertretung, fordert daher in einer Pressemitteilung die Beendigung von Zugeständnissen gegenüber christlichen und anderen Glaubensgemeinschaften. Die Präsidentin der Organisation, Jolene Phipps, moniert eine "privilegierte Position", die das Christentum innerhalb der öffentlichen Ordnung innehabe, die aber nicht zum modernen Neuseeland passe: "Von Parlamentsgebeten bis zu religiöser Unterweisung während des Schultages durch christliche Gruppen, die Zugeständnisse an religiöse Organisationen stehen im Widerspruch zu den Menschenrechten und unserem Konzept einer freien und fairen Gesellschaft."

"Religiöse Gruppen erhalten einen Gemeinnützigkeitsstatus und Steuerfreiheit, nur dafür, dass sie Religionen bewerben", kritisiert die Vorsitzende weiter. Nichtreligiöse Neuseeländer würden dagegen diskriminiert, das müsse ein Ende haben. "Nichtreligiöse Menschen brauchen mehr Anerkennung, Unterstützung, Angebote und Repräsentation. Wir wollen zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass unsere Stimmen gehört werden." Es scheint eine gewisse Ähnlichkeit zur Situation in Deutschland zu bestehen – auch wenn die beiden Länder maximal weit voneinander entfernt liegen.

Zu Konfessionsfreien in Neuseeland siehe auch die Analyse von fowid.

Kommentare (7)

Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Mo. 30 Sep 2019 - 13:35

Genau so wie im letzten Satz des Artikels beschrieben, ist es in der BRD, auch wir hier kämpfen mit allen uns zur verfügung stehenden demokratischen Mitteln gegen die Verkrustung der beiden Kirchen in unserem Staat und unserer Gesellschaft.

Es wird allerhöchste Zeit, dass die Menschheit diesen Aberglauben der Religionen abschüttelt und sich auf die wesentlichen Probleme, welche unsere Existenz bedrohen,
konzentriert, vielleicht haben wir dann eine Chance zu überleben.

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Mo. 30 Sep 2019 - 18:59

Der Herr ist kein Hirte (C. Hitchens).
NZ macht es vor, bravo.
Und wie viele Pastafaris gibt's da, würde mich noch interessieren.

Bruder Spaghettus (nicht überprüft)

Mo. 7 Okt 2019 - 14:29

Antwort auf von Hans Trutnau (nicht überprüft)

Wie viele genau, kann ich nicht sagen. Allerdings ist dort das Pastafaritum offiziell als Kirche anerkannt. Sie kann z.B. auch rechtsgültige Ehen schließen, was auch schon geschehen ist.

Leider verhält sich die Kirche des FSM dort auch wirklich wie eine Religion, nicht wie eine Satire. Das FSM besteht nur noch aus Kohlehydraten, keine Fleischbällchen mehr, die sind nur dummer Jungeskram, genau wie die Stripperfabrik, die frauenfeindlich ist.
Zugleich wird beklagt, dass andere FSM - Kirchen auf der Welt noch nicht so weit sind und weiter daran festhalten.

Das sind dann halt die, die sich wirklich als Parodie sehen und eher noch ein Sado-Masostudio neben die Stripperfabrik stellen, als sie abzuschaffen.

Wolfgang Neumann (nicht überprüft)

Di. 1 Okt 2019 - 05:35

„Nichtreligiöse“ ist ein sperriges und wenig anziehendes Wort. Könnten wir einen schöneren Begriff finden? Vor hundert Jahren gab es noch kaum grössere Gruppen von Menschen ohne Religion auf der Welt. Es ist Neuland, was wir betreten. Die Religionen haben viele Funktionen. Ethik-Unterricht allein kann das nicht ersetzen.

„Nichtreligiös“ ebenso wie „konfessionslos“ sind so sperrige Wörter, weil sie etwas Negatives beschreiben, etwas, was jemand nicht hat oder ist oder glaubt. „Konfessionslos“ bedeutet zB. in Deutschland einfach nur, daß man keiner der anerkannten Konfessionen angehört. Darunter sind auch viele Freikirchler. Vor „religonslos“ kann da keineswegs immer die Rede sein, und von einer gemeinsamen Weltanschauung schon mal gar nicht. Da ist auf säkularer Seite auch viel Wunschdenken und Selbstbetrug im Spiel.

Na wie wäre es mit "Bright" :)

https://de.wikipedia.org/wiki/Brights

Also tatsächlich gabs schon Versuche der Umbenennung dieser Gruppen. Das hat sich bis jetzt aber nicht durchgesetzt. Ich finds auch nicht so wild weil wenn die Wörter sperrig sind deuted es nur darauf hin, dass es eher der Normalzustand ist. Ist halt wie mit Nichtraucher, dieser Begriff ergibt auch nur in Abgrenzung zu Rauchern Sinn.

Gisa Bodenstein

Die Autorin studierte Kulturgeographie mit den Wahlfächern Politische Wissenschaft, English and American Studies und Physische Geographie in Erlangen. Danach war sie für die Erlanger Nachrichten und die Berliner Morgenpost tätig. Seit 2017 arbeitet sie für den hpd und hat im April 2025 den Posten der Chefredakteurin übernommen.

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