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Missbrauchsgutachten für die Diözese Passau: Die Dimension der Abgründe ist unfassbar
Foto: © High Contrast, Wikipedia CC BY 3.0 DE
Vor kurzem wurde das Missbrauchsgutachten präsentiert, das ein Historiker der Universität Passau im Auftrag der Diözese erstellt hat. Bischof Stefan Oster bittet in einem Videostatement mit "großer Hilfslosigkeit" um Verzeihung. Allein die Fakten machen sprachlos: Seit 1945 wurden im Bistum von kirchlichen Amtsträgern weit über 672 Kinder und Jugendliche sexuell und körperlich missbraucht. Das Versagen der Kirche ist historisch – und moralisch verheerend.
Der Historiker Marc von Knorring wurde 2022 beauftragt, den "sexuellen Missbrauch von minderjährigen Schutzbefohlenen durch katholische Kleriker im Bistum Passau 1945–2020" aufzuklären. Die jetzt vorliegenden Ergebnisse der Studie zeigen, wie gigantisch die Dimension der Verbrechen ist – und wie unermesslich das Leid der Betroffenen war und bis heute ist.
Die Fallzahlen sind schockierend. In dem 400-seitigen Missbrauchsgutachten konnten 672 Kinder und Jugendliche identifiziert werden, die Opfer sexueller Straftaten wurden. Die tatsächliche Zahl ist weitaus höher anzusetzen, da häufig auch von ganzen Gruppen wie Ministranten oder Schulklassen in der Mehrzahl gesprochen wird. Wie bei sexuellem Missbrauch üblich, ist die Dunkelziffer immens. Die Studie benennt auch klar, dass die Opfer meist Kinder "mit sozialer Hilfsbedürftigkeit" waren, deren Schutzlosigkeit gezielt und unter Berufung auf kirchliche Autorität ausgenutzt wurde.
Jeder zwanzigste Priester ein Täter
Als Täter konnten 187 Personen identifiziert werden, von denen 86 Prozent sich mehrfach an Kindern und Jugendlichen vergangen hatten. Hochgerechnet bedeutet das: Mindestens jeder zwanzigste Priester, der seit 1945 in der Diözese tätig war, ist ein Sexualstraftäter gewesen.
Die Verantwortlichen im Bistum Passau wussten von vielen Straftaten, aber sie haben nichts unternommen, um die Täter ordnungsgemäß vor Gericht zu stellen. Um das Ansehen der Institution Kirche nicht zu beschädigen, ging man nicht aktiv gegen die Täter vor – und ließ damit die Kinder im Stich. Es gab laut Studie viele sogenannte "Bystander", also Personen, die von den Verbrechen wussten, darunter Pfarrhaushälterinnen, Gemeindemitglieder oder Politiker. Sie alle schwiegen und machten sich dadurch ebenfalls strafbar. Besonders bitter: "Ausreichend kirchenfreundliche Staatsanwälte und Richter standen offenbar zur Verfügung", heißt es im Gutachten. Ein "deutschlandweites Phänomen" – begünstigt von bayerischen Gerichtssälen, in denen bis heute Kreuze hängen.
Ohne die umfangreiche Forschungsarbeit der an der Missbrauchsstudie beteiligten Autoren schmälern zu wollen, fällt dennoch ihre Kirchennähe auf. Der verantwortliche Historiker Marc von Knorring promovierte mit einer Arbeit über "Die Hochstiftspolitik des Passauer Bischofs Wolfgang von Salm" – ein klassisch innerkirchliches Thema. Auch der Sprachstil irritiert: In der Studie werden Bischöfe beispielsweise durchgehend mit Vornamen als "Bruder Stefan" oder "Bruder Wilhelm" bezeichnet, wie in einer katholischen Welt üblich, wo der Bischof der oberste Hirte ist, so eine Bezeichnung und Herangehensweise ist jedoch für eine wissenschaftliche Arbeit völlig fehl am Platz.
Bischof Oster: Betroffenheit ohne Konsequenzen
In einem Videostatement hat Bischof Stefan Oster vor wenigen Tagen seine Betroffenheit zum Ausdruck gebracht und "mit 'großer Hilfslosigkeit' um Verzeihung" gebeten. Eine persönliche Schuld kann Oster nicht erkennen, obwohl er seit 2014 im Amt ist und viel früher zur Aufklärung hätte beitragen können. Die Dimension des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche ist seit 2010 allgemein bekannt.
Unglaublich ist zudem, dass Oster versucht, die Straftaten zu relativieren, indem er erklärt: "das war jeder zwanzigste Priester. Und jeder einzelne ist zu viel, viel zu viel – auch dann noch, wenn Fachleute sagen, dass solche Zahlen auch für die übrige Bevölkerung gelten würden." Eine steile Behauptung – und schlicht falsch. Ohne jede Quellenangabe verbreitet der Bischof damit einen Mythos, um sich und seine Organisation dahinter zu verstecken. Statistiken zeigen klar: Es stimmt nicht, dass jeder zwanzigste deutsche Mann in seinem Leben eine Sexualstraftat begeht.
Fakt ist: Der Anteil pädophiler Straftäter unter Priestern liegt deutlich über dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Männer mit pädophilen Neigungen fühlen sich von der Institution Kirche in besonderem Maße angezogen – und finden dort ein Machtgefälle, das ihnen ihre Taten erleichtert. Stefan Oster vermeidet jedoch jede klare Aussage hierzu. Dass die Studie nicht in einer Pressekonferenz vorgestellt wurde, sondern lediglich über Osters Videobeitrag, wirkt wie eine bewusste Strategie: keine kritischen Rückfragen, keine Diskussion über Verantwortlichkeiten. Vor allem aber fehlt eine klare Ansage, wie und wann die vielen noch lebenden Opfer entschädigt werden sollen. Es entsteht der Eindruck, der Passauer Bischof wolle sich auch hier aus der Verantwortung stehlen.

Kommentare (13)
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So sieht es in Wahrheit
So sieht es in Wahrheit hinter Klostermauern aus, viele Pädophile wählen bewusst den "Beruf" in einem Kloster oder einer Kirchengemeinde aus um ihre abartigen sexuellen Gelüste ungestraft ausleben zu können, dies ist seit hunderten von Jahren schon so und wird vermutlich noch lange so bleiben.
Diese Art von Menschen sollten ein Vorbild für die Gläubigen sein und befriedigen dabei nur ihre perversen Neigungen an den ihnen anvertrauten Kindern, dies zeigt eindeutlich die Verlogenheit der Kirchen und deren Personal.
Erst wenn die Menschheit von allen verlogenen Kirchen jeglicher Couleur befreit ist, hat die Menschheit einen großen Schritt in Richtung Realität gemacht.
Die Kirche hat allen Grund,
Die Kirche hat allen Grund, Transparenz zu fürchten wie der sprichwörtliche Teufel das Weihwasser.
Schlimm ist, dass gläubige Politiker und gläubige Richter die kirchlich-kriminelle Intransparenz unter Verweis auf das "Selbstverwaltungsrecht der Kirchen" in unserer Verfassung schützen.
Die CSU hilft, die sexuelle Übergiffigkeit zahlreicher Geistlicher zu vertuschen.
Und diese Sextäter sind auch
Und diese Sextäter sind auch noch Staatsbeamte, mithin i.d.Regel nach Kirchenbeamtengesetz verbeamtet.
Da hilft es nur noch, gegen die Institution Kirche juristisch vorzugehen und den Staat BR Deutschland wegen Beihilfe zur Durchführung Hundertfacher schwerster Sexualstraftaten an Kindern, Heranwachsenden und Jugendlichen zu belangen.
Nachtrag. Siehe hierzu die
Nachtrag. Siehe hierzu die USA, u.a. den sehr erfolgreichen US-Anwalt Mitchell Garabedian, der mehr als 2.000 Missbrauchsopfer in den USA erfolgreich gegen die Katholische Kirche vertreten hat.
https://www.garabedianlaw.com/
Wieder mal die üblichen
Wieder mal die üblichen Textbausteine von seiten des Kirchenfürsten. Fehlt eigentlich nur das Meisner-Statement „nichts geahnt, nichts geahnt“ (Hat er das wirklich nicht gesagt ?). Dabei war Oster laut Wikipedia von 2016 bis 2021 Vorsitzender der Jugendkommission der DBK und ist bis heute deren stellvertretender Vorsitzender. Kaum zu glauben, dass er in diesen Funktionen nicht mit Missbrauchsvorwürfen zu tun gehabt hat.
Sein B6 Grundgehaltssatz in Bayern von 11.092,82 entspricht dem eines Generals der Bundeswehr; wollen wir hoffen, dass diese in Krisensituationen nicht genauso hilflos sind.
„Und jeder einzelne ist zu viel, viel zu viel“
Selbstverständlich, wie auch sonst in diesem Kontext, findet die theologische Dimension des Missbrauchs durch Priester, das Theodizee-Problem keine Erwähnung, dass Gott nach der Lehre der christlichen Kirchen beim Missbrauch immer dabei war ! Aufgeschlüsselt:
- den Priestern wurde in pompösen Weihen vom Bischof, per apostolischer Sukzession damit von Christus, versprochen, dass er ihm bei der Einhaltung seiner Keuschheit hilfreich zur Seite steht.
- den Kindern wurde in der religiösen Erziehung beigebracht, dass ein von Gott abgestellter Schutzengel sie auf allen Wegen beschützen würde.
Da muss man sich doch mal fragen, was ein allmächtiger, lieber, zärtlicher (Papst Franziskus) und barmherziger Gott unter Hilfe und Schutz versteht.
Im übrigen lautet der bischöfliche Wahlspruch von Herrn Oster „Der Sieg der Wahrheit ist die Liebe“.
Da drängt sich auch die Frage auf, was Herr Oster unter Wahrheit und unter Liebe versteht.
Ob Passau oder ein anderes
Ob Passau oder ein anderes Bistum dürfte egal sein, der Missbrauch ist global wahrscheinlich allgegenwärtig. Davon kann sich jeder selbst ein Bild machen, der sich der internationel Presse widmet. Eine komplette Aufarbeitung, zu dieser gehört nicht nur die Bestrafung der Täter sondern auch deren Helfer, ist noch nie und nirgends erfolgt. Alle Fälle werden als Einzelfälle erst einmal hingestellt. Dann ist man natürlich "schockiert", bittet lauwarm um Entschuldigung und . . . weiter geht´s! Wobei der Mißbrauch sich nicht allein auf das Ausleben der Libido beschränkt. Schnell übergehen viele, das man auch diese sogenannten Lehren der Religionen, ungleich der Lesart und Ausrichtung, als diesen verstehen muss. Wobei der geistige Mißbrauch, der leider noch nicht strafbar ist, als ebenso desaströs anzusehen ist wie der Körperliche. Schlimm!
Nein, lieber Herr
Nein, lieber Herr Steinbrecher. Die juristische Verfolgung katholischer Sextäter hat in den USA eine ganz andere Dimension, Historie und Möglichkeiten. Die Namen der Priester und katholischen Sextäter werden öffentlich auf Internetseiten gestellt, es werden und wurden Millionen US-Dollar an Schadensersatz gezahlt. Aus diesem Grund ist die Katholische Kirche in den USA fast pleite. Ich empfehle in dem Zusammenhang den Film "Spotlight", der auf wahren Tatsachen beruht.
Geben Sie einmal die Stichworte "USA Sexual Abuse Lawyers Catholic Church" bei Google ein. Die hoch spezialisierten Kanzleien arbeiten für die Geschädigten auf Provisionsbasis und verhelfen ihnen so tatsächlich zu ihrem Recht. Das ist dann für mich auch ein glaubwürdiger Rechtsstaat.
Nachtrag. Siehe hierzu die
Nachtrag. Siehe hierzu die USA, u.a. den sehr erfolgreichen US-Anwalt Mitchell Garabedian, der mehr als 2.000 Missbrauchsopfer in den USA erfolgreich gegen die Katholische Kirche vertreten hat.
https://www.garabedianlaw.com/
Danke für den Hinweis.
Danke für den Hinweis. Allerdings besteht der amerikanische Kontinent nicht nur aus den USA. Mir liegen, leider, entsprechende Fälle auch aus Ländern in Mittel- und Südamerika vor. Wobei - Mißbrauchsarten aller Couleur finden nicht nur in der katholischen Kirche statt. Die Gemeinsamkeit ist all zu oft eine geschönte Aufarbeitung inklusive Schutz der Täter. Auch wenn es zu Zahlungen kommen mag - kann man ersthaft eine hierduch zerstörte Psyche pekuniär heilen?
Lieber Herr Steinbrecher,
Lieber Herr Steinbrecher, daher hatte ich auch explizit von den USA gesprochen. Die Kanzlei von Mitch Garabedian listet Hunderte von katholischen Sextätern namentlich (!) mit Diözese auf der Homepage auf.
Und, ja, es macht einen Unterschied, ob ein Geschädigter von 800 USD Sozialleistungen lebt oder 1,5 Mio. USD zur Verfügung hat - für Therapien, etc.
Bezüglich der angeblichen
Bezüglich der angeblichen finanziellen Situation der US-Catholica habe ich recheriert. Was hier angegeben wird und tatsächlich vorhanden sein wird, sind, einmal mehr, kontroverse Angaben. Ich gehe davon aus, das man weiter sprudelnde Geldquellen unterhält. Jammern gehört aber, in den Kreisen, dazu. Mir fällt dabei sofort ein Gespräch ein, das ich mit einem Kleriker der mittleren Hierarchie führte. Er brauchte Geld für eines seiner vielen Bauvorhaben, bat den zuständigen Erzbischof darum und bekam es, nachdem er darauf hingewiesen hat, das die Kirche i m m e r Geld haben wird und dieses auch i m m e r wieder bekommt. Parenthetisch: Der Erzbischof war nicht erbaut, dass das "schöne Geld" (O-Ton) vom Konto abgebucht wurde. Diese Ansichten dürften in den Kreisen auf allen Kontinenten deckungsgleich sein.
Noch einmal, verehrter Herr
Noch einmal, verehrter Herr Steinbrecher. Mein Punkt war, präzise Möglichkeiten für Geschädigte aufzuzeigen, Schadensersatz in den USA einzuklagen und zu erhalten. Hierfür sind für mich die Tausenden Verfahren massgeblich, die von den US-Kanzleien, begleitet von entsprechender medialer Präsenz, äußerst (!) erfolgreich gegen die Katholische Kirche geführt wurden. Nicht mehr und
nicht weniger. Es ist ein eklatanter, wenn nicht gar völlig gegensätzlicher Unterschied zu rechtlicher Stellung und Möglichkeiten von Geschädigten der Katholischen Kirche in D. Ich empfehle einmal, entsprechende Verfahren und Urteile in den US-Justizdatenbanken zu recherchieren, die in D ihresgleichen suchen. Der letzte Vergleich gegen die Kathol. Kirche in D, Landgericht Mainz, belief sich auf gerade einmal 350.000 EUR Schadensersatz und Schmerzensgeld - die bislang durch die Katholische Kirche in D an einen Geschädigten gezahlte Höchstsumme.
Geld allein lässt die Kinder
Geld allein lässt die Kinder welche derartiges leiden mußten nicht wieder von den Ereignissen
vergessen, diese müssen ein Leben lang darunter leiden was ihnen ein "frommer" Mensch
angetan hat, dies zu verarbeiten ist eine Lebensaufgabe für die Betroffenen.
Den Tätern ist dies scheißegal, diese werden sich nicht ändern, solange die Kirchen diese noch in Schutz nimmt.