Saudi-Arabien

Strafe für atheistische Tweets

Riad, Saudi-Arabien – hier landet man als Atheist oder Regierungskritiker schnell hinter Gittern.
Riad, Saudi-Arabien – hier landet man als Atheist oder Regierungskritiker schnell hinter Gittern.

BERLIN. (hpd) Laut Nachrichtenagentur AP wurde in Saudi-Arabien ein Mann wegen atheistischer Twitter-Beiträge zu einer Strafe von 10 Jahren Haft und 2000 Peitschenhieben verurteilt.

Der 28-jährige Mann war in die Fänge der Religionspolizei geraten, die beim Durchsuchen der sozialen Medien herausfand, dass er in über 600 Beiträgen des Nachrichtenkurzdienstes Twitter die Existenz Gottes geleugnet und Koranverse lächerlich gemacht hatte. Ferner hatte er alle Propheten der Lüge angeklagt und erklärt, dass ihre Lehren Feindseligkeiten entfachen würden.

Nach Berichten von Al-Watan, der führenden Tageszeitung Saudi-Arabiens, am 27. Februar hatte der 28-Jährige zugegeben, ein Atheist zu sein und sich geweigert, seine Taten zu bereuen. Er betonte, dass das, was er geschrieben habe, seine Überzeugung sei, und dass er das Recht habe, sie zu äußern.

Das Gericht verurteilte ihn zu 10 Jahren Haft, 2000 Peitschenhieben und einer Geldstrafe von 20.000 Riyals – knapp 5000 Euro.

Das Rechtssystem von Saudi-Arabien orientiert sich am religiösen islamischen Recht der Scharia, nach dem der Abfall vom muslimischen Glauben mit dem Tod bestraft wird. Ferner wurden 2014 in Saudi-Arabien eine Reihe neuer Gesetze verabschiedet, die vorgeblich der Terrorismusbekämpfung dienen. Nach diesen Gesetzen gelten in Saudi-Arabien nun atheistische Gedanken jeglicher Art als Terrorismus und werden entsprechend hart bestraft.

Im Mai 2014 wurde der saudische Internetaktivist Raif Badawi wegen angeblicher Beleidigung des Islam zu einer Haftstrafe von 10 Jahren sowie 1000 Peitschenhieben verurteilt. Im November 2015 wurde der palästinensische Dichter Ashraf Fayadh sogar zum Tode verurteilt, nachdem er angeblich dem muslimischen Glauben abgeschworen hatte. Seine Todesstrafe wurde laut Amnesty International im Februar 2016 von einem saudischen Gericht umgewandelt in 8 Jahre Haft und 800 Peitschenhiebe.

Kommentare (5)

Wolfgang (nicht überprüft)

Do. 3 Mär 2016 - 12:37

Auf dieser kleinen Erde leben und wohnen Menschen, die untereinander so zerstritten sind, das sogar die kleinste Meinungsfreiheit zu Mord und Totschlag führt. Wo bleibt da eigentlich der sogenannte "Liebe Gott"? Welcher Gott ist denn lieb?

Frannie Vivaldi (nicht überprüft)

Do. 3 Mär 2016 - 12:56

Gibt's leider nicht nur in Saudi-Arabien & Co.
In der russischen Stadt Stawropol läuft gerade der Prozess gegen den Blogger Viktor Krassnov, der im russischen sozialen Netzwerk VK die Existenz Gottes geleugnet hatte. Er musste dafür einen Monat in die Psychiatrie und wenn ihm tatsächlich die "Verletzung der Gefühle von Gläubigen" nachgewiesen wird (ich frage mich immer, wie das gehen soll), dann droht ihm bis zu einem Jahr Arbeitslager.
Quelle:
http://mirror581.graniru.info/Society/Media/Freepress/m.249134.html

Peter Friedrich (nicht überprüft)

Do. 3 Mär 2016 - 14:17

Der Sadismus von schwer religiotisch erkrankten Menschen kennt keine Grenze. Das wüste Verstümmeln der ihnen ausgelieferten Menschen macht mich fassungslos.
Hoffentlich können die potentiellen Opfer vor den sadistischen Ritualen der staatlich legitimierten Verbrecher so weit wie nur irgend möglich bewahrt werden!

Anmerkung (nicht überprüft)

Fr. 4 Mär 2016 - 08:30

Dagegen sieht sogar die Kirchenrepublik Deutschland wie ein säkularer Rechtsstaat aus. Was für ein Trauerspiel.

Ich freue mich, dass der Ölpreis derzeit so absackt. Diese Fanatiker haben keinen Wohlstand verdient - und schon gar keine deutschen Waffen und Maschinen.

Daniela Wakonigg

Die Autorin ist studierte Philosophin, Theologin und Germanistin. Sie lebt in Münster (Westf.) und arbeitet als freie Autorin und Journalistin für Hörfunk- und Print-Medien. Sie ist u. a. Redakteurin der Zeitschrift MIZ und war von 2016 bis Anfang 2024 stellvertretende Chefredakteurin des hpd.

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