AfD will ländlichen Raum als Machtfaktor gewinnen
Foto: © Gisa Bodenstein
Ein Mitglied des Bundestages der AfD skizziert in einem Strategiepapier, wie die Alternative für Deutschland gezielt den ländlichen Raum als Machtbasis ausbauen will. Statt großer politischer Auftritte setzt das Konzept auf niedrigschwellige Begegnungen, lokale Präsenz und den Aufbau eines "Kümmerer"-Images vor Ort. Der Ansatz wirft zugleich die Frage auf, warum andere Parteien und staatliche Akteure diese Räume so weitgehend sich selbst überlassen haben.
Der MdB Sebastian Münzenmaier, stellvertretender Landesvorsitzender der AfD Rheinland-Pfalz, hat ein Strategiepapier mit dem Titel "Verankerung in der Fläche – Die AfD erobert die Dörfer" veröffentlicht. Erklärtes Ziel ist es, den ländlichen Raum zum Machtfaktor auszubauen in Zeiten, in denen fast alle Parteien auf die urbanen Wählermilieus zu schielen scheinen.
Münzenmaiers Strategie ist dabei so einfach wie – mutmaßlich – effektiv: Da, wo der Staat und die anderen Parteien sich zurückgezogen haben, als Kümmerer auftreten, die nahe an den Menschen sind und sich ihrer Alltagsprobleme annehmen. Oder wie es in dem Papier heißt: "Macher statt nur Dagegen-Partei" werden. Das Ziel ist die dauerhafte Präsenz in ländlichen Regionen. Im Fall Rheinland-Pfalz soll es konkret bis 2029 ein AfD-Zentrum pro Wahlkreis geben.
Münzenmaier gibt dazu ganz konkrete Schritte vor, die jedermann befolgen kann. Durch "Dämmerschoppen", bei denen Geselligkeit und Kennenlernen im Vordergrund stehen, soll Erstkontakt mit den Bürgern vor Ort hergestellt werden. Am Bratwurst- oder Weinstand sollen "keine langen politischen Reden" geschwungen werden, die Gewinnung von Neumitgliedern erfolgt später. Zunächst ist das Ziel der Abbau von Vorurteilen und ein "sympathisches und positives Image" der Aktiven vor Ort, wie es in dem Papier heißt. Erst, wenn a) eine aktive und starke Mitgliederschaft existiert, b) die Wahlergebnisse aussichtsreich sind und c) eine geeignete Immobilie vorhanden ist, soll ein fester Treffpunkt etabliert werden. Dieser könne in Form einer Dorfkneipe, Gaststätte oder als Weingut eine dauerhafte Anlaufstelle darstellen. Von der Nutzung von AfD-Büros rät Münzenmaier hingegen ab, da diese abschreckend auf Neulinge wirken könnten. Treffpunkte wie Kneipen oder Clubs seien niedrigschwelliger.
Neben dem starken Auftreten der Partei in Sozialen Medien soll mit diesem manchmal als "Landjugend-Strategie" bezeichneten Vorgehen ein zweites Standbein für den dauerhaften Erfolg etabliert werden. Ähnlich wie bei den Sozialen Medien fragt man sich jedoch, warum der Staat und andere Parteien diese Räume so sträflich vernachlässigen, dass die AfD dort hinein expandieren kann.

Kommentare (5)
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Mit genau dieser Strategie
Mit genau dieser Strategie hat vor Jahren bereits die NPD im ländlichen Raum (vor allem im Osten) Stimmen erhalten. Ich erinnere mich daran, dass in Meck-Pom die Rechten die einzigen waren, die so etwas wie "Kultur" aufs Land brachten. Kinderfeste, Rummelbuden etc. Und überall fröhliche Kinder mit roten Luftballons, auf denen das Logo der Partei war.
Lieber Herr Schnelle,
Lieber Herr Schnelle,
Zu Ihrem sehr guten Artikel habe ich zwei Anmerkungen.
Die beiden Parteien CDU und SPD haben aufgrund ihrer einseitigen Ausrichtung auf Rentner als Stammwähler nur geringes Interesse daran, Jugendliche anzusprechen.
Die vergleichsweise jungen Parteien VOLT, Partei der Humanisten, Partei des Fortschritts sind sehr wohl auf Social Media aktiv.
Volt ist im urbanen Raum (mit vielen progressiven, EU-freundlich gestimmten Menschen) erfolgreich. In einigen Jahren werden wir sehen, ob Volt seine Basis ausbauen kann - ich bin in diesem Punkt wenig zuversichtlich.
Nun denn, die neue Regierung
Nun denn, die neue Regierung unter BK Merz hat ja schon reagiert: Das Bundesprogramm 'Demokratie leben' wird umgebaut. Nicht mehr zweifelhafte NGOs, sondern die "Regelstrukturen" sollen von nun an gestärkt werden: "von den Arbeitgeberverbänden bis zu den Gewerkschaften, von der freiwilligen Feuerwehr bis zur Landjugend, in Sportvereinen und in der kulturellen Bildung", wie Bundesministerin Prien am 27. März im Bundestag verkündete.
Wir sehen: die Deutsche Landjugend ist ausdrücklich genannt und die Deutschen Landfrauen dürften mitgemeint sein. Also ich persönlich bin guten Mutes: Die neue CDU in Regierungsverantwortung gibt sich alle erdenkliche Mühe, die AfD entbehrlich zu machen.
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https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/foerderung-demokratie-leben-100.html
https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2026/kw13-de-aktuelle-stunde-demokratiefoerderung-1157654
https://www.landjugend.de/
https://www.landfrauen.info/
Das eigentliche Problem liegt
Das eigentliche Problem liegt weniger in der geringen Präsenz der Parteien als vielmehr im Rückzug des Staates. Parteien sind auf dieser Ebene weitgehend ehrenamtlich organisiert; ihre Mitglieder engagieren sich häufig bereits in Vereinen, Initiativen und kommunalen Strukturen. Von ihnen noch mehr Einsatz zu verlangen, würde daher am Kern des Problems vorbeigehen. Natürlich könnten auch die Landesparteien mehr tun — keine Frage. Doch sie allein werden dieses strukturelle Defizit nicht beheben.
Die Menschen im ländlichen
Die Menschen im ländlichen Deutschland haben das Gefühl dass die Regierung sie im Stich lässt und selbst viele Experten sind der Meinung ländliche Regionen werden vernachlässigt. Da sollte es keine Überraschung sein, wenn es der AfD dort gelingt mehr Stimmen zu bekommen, auch wenn keiner wirklich glaubt sie würden alles besser machen.