Kommentar
Wieder einmal: Konfessionsfreie "vergessen"
gemeinfrei
BERLIN. (hpd) Es war ein historisches Ereignis: Am 12. Mai 2016 wählte der baden-württembergische Landtag Winfried Kretschmann neuerlich zum Ministerpräsidenten, dieses Mal in einer schwarz-grünen Koalition. Viel Aufsehen gab es um Unruhen innerhalb der CDU-Fraktion im Vorfeld, um einen SPD-Politiker, der einer AfD-Frau den Handschlag verweigerte und dafür Morddrohungen erhielt, sowie um die erste Frau auf dem Sitz des Landtagspräsidenten, die darüber hinaus auch erstmalig als Persönlichkeit mit muslimischem Glauben in dieses Amt bestimmt wurde.
Und auch sie war es, der man bei ihren ersten Sitzungen genau zuhörte und verfolgte, wie sie ihren Job ausführen würde. In der Fokussierung auf das Protokoll fiel dabei kaum jemandem auf, was Frau Atas in der Einführung zu Beginn der Wahl des Ministerpräsidenten sagte. Auf der Tribüne begrüße sie neben Vertretern aus der Wirtschaft, von gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Institutionen, Angehörigen der zu Wählenden oder langen Wegbegleitern des Hauses auch die christlichen, jüdischen, muslimischen und… – ja, und wie stand es um Repräsentanten aus dem säkularen Spektrum? Fehlanzeige!
Vergleicht man die Proportionen in Baden-Württemberg, gehören trotz einer großen Bindung an die Kirchen und die religiösen Weltanschauungsgemeinschaften, einem konservativen Klima und einer vor allem im ländlichen Bereich uneingeschränkten Gottesgläubigkeit doch nicht wenige Bürger dem konfessionsfreien Spektrum an. Und sie bleiben bei einem so wichtigen Ereignis völlig ohne Beachtung?
Es ist wahrlich typisch: Wer Religion hört, denkt an die, die religiös sind – aber nicht an die, die ihre Religionsfreiheit dadurch ausleben, anders, weniger oder nicht zu glauben oder ihre Überzeugung freimütig ohne einen theologischen Hintergrund zu bekennen. Selbstverständlich ist diese Missachtung der Glaubensfreien eine eindeutige Diskriminierung – auch dann, wenn man zugestehen würde, dass das Aussparen dieser Bevölkerungsgruppe allein auf ein mögliches "Vergessen" zurückgeht.
Die bisherige grün-rote Koalition hatte minimale Fortschritte in Bezug auf die veränderte Realität im gesellschaftlichen Verhältnis der Zahlen von Zugehörigen der Kirchen und der Konfessionsfreien unternommen, unter anderem bei den Feiertagsgesetzen. Größere Erfolge waren kaum möglich, blickt man auf die tief bürgerlich geprägten "Grünen" im Ländle mit einem kirchlich nachhaltig verwurzelten Ministerpräsidenten, der in der CDU nun eigentlich ein frommes Pendant gefunden haben müsste, um in seiner Religionspolitik um Jahrhunderte zurückzufallen.
Stillstand für die nächsten fünf Jahre für Atheisten, Humanisten, Freidenker? Landtagspräsidentin Aras untermauerte in den vergangenen Tagen immer wieder, dass ihre religiöse Zugehörigkeit eine Nebensache allein privater Natur sei. Es mag zur Ordnung des Parlaments gehören, dass Religion dennoch bei der Begrüßung der Honoratioren eine Rolle spielt. Doch wenn das so ist, dann muss Gleichberechtigung herrschen.
Schon allein dieses kleine Beispiel zeigt, dass das Ringen der Säkularen in Baden-Württemberg auch nach der Wahl nicht einfacher werden wird.
Kommentare (6)
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Und Kretschmann sprach:"So
Und Kretschmann sprach:"So wahr mir Gott helfe!" Das geht schon wieder ohne selbständiges menschliches Denken los. Habt ihr denn noch immer nicht begriffen, dass niemals irgend ein Gott in der Vergangenheit oder Gegenwart geholfen hat? Und in der Zukunft??
Der Glaube versetzt Zwerge.
Menschen, die meinen, bei
Menschen, die meinen, bei ihrer Denk- und Handlungsweise einigermaßen von Vernunft und Verstand geleitet zu sein, werden es sicher als peinlich empfunden haben, dass Herr Kretschmann die Behauptung aufstellte, dass es wahr sei, dass „Gott“ ihm hilft. Wer eine solche irrationale Behauptung aufstellt, ist sich wohl dessen nicht bewusst, dass er sich damit im 21. Jahrhundert selbst ein partielles intellektuelles Armutszeugnis ausstellt.
Ist Herrn Kretschmann nicht das Zitat von Bertrand Russel bekannt, was in etwa lautet: „Das zu postulieren, was man braucht, hat zwar viele Vorteile, aber es sind dieselben wie die Vorteile des Diebstahls gegenüber der ehrlichen Arbeit."
Ich schlage vor, zur Bekräftigung eines Eides nicht die nicht zu beweisende Behauptung aufzustellen: „So wahr mir Gott helfe", sondern statt dessen z. B. zu sagen: „So wahr es ist, dass Menschen von Frauen geboren werden."
Es ist bisher nie der Beweis dafür erbracht worden, dass „Gott" einem Menschen, der die vorstehend genannte Behauptung aufgestellt hatte, auf irgendeine Art und Weise geholfen hat. In diesem Kontext stellt sich auch die Frage, ob Regierungsmitglieder überhaupt berechtigt wären, sich - nur eingebildet oder tatsächlich - von nicht überprüfbaren „Fremdmächten" bei ihrer Regierungsarbeit helfen zu lassen.
Gruß von
Klarsicht
Wenn einer mittels seines
Wenn einer mittels seines Glaubens Berge
versetzen kann sowie auch kleine Zwerge,
beherrscht er also diese hohe Kunst,
mit Gebet und Hokuspokus, Nebeldunst,
dann ist er doch wahrhaft ein großes Tier.
Auf deutsch gesagt: ein Magier!
Ist ein Zwerg vom Glauben erst versetzt,
wird sein Platz erneut sofort besetzt.
Unendlich ist die Zwergenkette,
die man dafür zur Verfügung hätte.
Wie wär's, wenn nun der Magier die Zauberkräfte
mit Hilfe der Urin- und Magensäfte
würde konsequent dazu verwenden,
zum Beispiel Kriege zu beenden?!
Wie wär's wenn diese Gottesglaubens-Zauberkraft
auf Wolke Nummer sieben die Kanonen schafft,
die reihenweise Katholiken töten,
welche Gott so sehr von Nöten?!
Doch täglich sinkt die Zahl der Religions-Phantasten,
die sich treu der Tradition bisher anpaßten.
Und so langsam wird es jedem klar auf diesem Gottesacker:
Wer einen Berg versetzen will, der braucht 'nen Bagger!
K.K.
Bis heute konnte während des
Bis heute konnte während des dauernd wiederholenden Märchen vom "lieben Gott" eine einziges Mal die "helfende Hand" nachgewiesen werden. Und immer, wenn man doch den "lieben Gott" noch so dringend braucht, nie ist er da! Er kommt nicht in die Kirche zu den verzweifelt und jammernden Betenden, er hilf nicht Kriege, Morde oder andere Verbrechen zu verhüten, er hilft keiner Frau in der Not bei Vergewaltigung, er half nicht den Frauen auf den Scheiterhaufen, keine Tsunami wurde vernichtet, Erdbeben nicht verhindert. Wo ist die Hilfe bei den Armen? Kommen da nicht einmal statt Regen, Hagel oder Schnee ein paar Scheinchen von oben?Der hilft nicht in Beziehungskrisen und bei unseren Politikern wäre oft "göttliche Hilfe" angebracht, wenn wieder einmal die Kacke am Dampfen ist.
So wahr mir Gott helfe - dümmer geht es nimmer! Amen.
Folgender Text aus meinem
Folgender Text aus meinem persönlichen Essay zum Thema Atheismus mag die Diskussion hoffentlich (wenn auch nur vorübergehend) erheitern:
"Noch heute erklären sich (nicht nur) europäische Monarchen als „eingesetzt von Gottes Gnaden“ und deutsche Präsidenten, Kanzler, Minister und Richter schwören ihren Eid auf die Verfassung und das Wohlergehen des Volkes gerne mit dem Zusatz „so wahr mir Gott helfe“. Welch lustige Idee!
Nur mal so als logisches Gedankenspiel: Kein Richter dieser Welt kann die Existenz Gottes beweisen. Und vor Justitia (deren Statue in deutschen Gerichtsälen allzu oft dem christlichen Folterkreuz weichen muss) soll ja angeblich einzig der Beweis ausschlaggebend sein.
Wenn ich aber vor Gericht die Formel „so wahr mir Gott helfe“ verwende und dann bewusst die Unwahrheit sage, mache ich doch eigentlich alles richtig, oder nicht? Belangt werde ich aber dennoch. Wieso eigentlich? Denn ich habe ja meinem Eid bewusst eine Einschränkung vorangestellt, die auf der Existenz eines Wesens basiert, das es nicht nachweislich gibt. Also darf ich lügen!
Ein pensionierter Rechtsanwalt (ausgebildet in der atheistischen DDR) erklärte mir auf meine Bitte, diesem Gedankenspiel zu folgen, feixend: „Als ich seinerzeit im Westen meinen Amtseid für meine Zulassung als Richter ohne die religiöse Formel leistete, hatte der zuständige Kollege richtig viel zu schreiben. Mit Formel hätte er einfach nur abgehakt…“, aber auch „Kämen Sie mir mit einer Feststellungsklage zu diesem Thema, würde ich sie zügig abweisen“. Seine Handbewegung war flächendeckend „Tisch-reinigend“. In dubio pro reo also mal wieder nicht für den Angeklagten, noch nicht mal vom bekennenden Atheisten, sondern doch nur für den ...
Schönen Abend noch!
Sebastel
"Ich beschäftige mich täglich
"Ich beschäftige mich täglich mit dem Christentum!"
"Dann müssen Sie aber ein ganz besonders frommer Mensch sein!"
" Wieder einmal falsch geglaubt: ich bin Atheist!"
"Wieso beschäftigen Sie sich dann so mit dem Christentum?"
"Ursachenforschung zur Ergründung der menschlichen Dummheit!"