Kommentar

Trumps Sieg – Niederlage für die Aufklärung

Trump und seine dritte Ehefrau Melania Trump bei einem Wahlkampfauftritt 2016
Trump und seine dritte Ehefrau Melania Trump bei einem Wahlkampfauftritt 2016

Die Wahl von Donald Trump erscheint unglaublich. Nahezu alle Fakten lagen auf dem Tisch. Es ist bekannt, dass er lügt; es ist bekannt, dass er betrügt, sich in Prozessen verzettelt, Arbeiter nicht bezahlt, Menschen beleidigt. Die Aufklärung hat in diesem Rennen verloren.

Für mich ist das alles so unglaublich frustrierend. Es spielt alles keine Rolle. All die Mühen und Recherchen. Das Gefühl der Menschen, es denen da oben, es Hillary zeigen zu wollen, war stärker als alle Fakten. Sie haben Trump gewählt. Warum und wieso im Detail werden wir in den nächsten Tagen zumindest ansatzweise erfahren.

Alles ist nun denkbar: Die Wiedereinführung der Folter in den USA. Außenpolitische Spannungen. Wirtschaftliche Krisen. Das Welt-Klimaabkommen ist wahrscheinlich für die nächsten Jahre am Ende. Wir gehen auf schwierige Zeiten zu.

Ich möchte hier untersuchen, wie sich das Wahlergebnis aus der Warte der Aufklärung darstellt. Unsere Überzeugung ist: Wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen, können sich die Menschen selbst ein Bild machen und werden die richtige Entscheidung treffen.

Durch die Wahl Trumps haben wir nun gelernt: Sie können auch die falsche Entscheidung treffen. Die Veröffentlichung der Emails von Hillary Clinton wog schwerer – obwohl darin nichts besonders Schwerwiegendes geschrieben stand – als alle nachgewiesenen Betrügereien, Steuerminimierungen und Lügen von Donald Trump.

Weil die Emails von Hillary Clinton zu einem Riesenskandal aufgebauscht wurden. Von Trump-nahen Sendern, von Radiostationen, von Stimmungsmachern in den Sozialen Medien. Es ging nicht um die Inhalte der Emails, die teilweise haarsträubend belanglos waren. Es ging um die Art und Weise der Skandalisierung. Und wie jede Skandalisierung brauchte auch diese einen wahren Kern. Den, dass Hillary Clinton Emails über ihre privaten Server laufen ließ und Tausende vernichtet hatte. Was für ein dramatischer Fehler von Clinton.

Die Skandalisierung

Zum Skandal gehörte die Inszenierung der Enthüllung, die Veröffentlichung der Clinton-Emails durch Wikileaks. Hier wurden Belanglosigkeiten hochgejazzt, die von Trump-nahen Leuten leicht instrumentalisiert werden konnten. Für die Inhalte der Emails, für ihre Bedeutung, interessierte sich das Publikum gar nicht. Nur dafür, dass da etwas geleakt wurde.

Das FBI, eine Behörde, fing an zu ermitteln. Das passiert regelmäßig. Damit erhält die eigene Empörung über den angeblichen Skandal neue Nahrung. Dass die Ermittlungen des FBI nichts mit den Wikileaks-Emails zu tun hatten, spielte keine Rolle. Dass das FBI die Ermittlungen wegen Belanglosigkeit wieder einstellte, spielte keine Rolle. Die Empörung war gefühlt bestätigt worden.

Ein Desaster.

Was lernen wir für Deutschland daraus, wenn im kommenden Jahr im Bundestagswahlkampf auch bei uns Interna geleakt werden?

Vorsicht bei Leaks

Ich zumindest rechne fest damit, dass die gehackten Emails des Bundestages aus dem letzten Herbst ab kommenden Frühjahr über so genannte "Leaks" nach Deutschland gespült werden.

Ich lerne daraus, dass wir sehr viel verantwortungsvoller mit Leaks und Skandalen umgehen müssen. In der Einordnung, in der Auswertung, in der Veröffentlichung. Wir dürfen nicht Leaks um der Leaks willen veröffentlichen.

Ich lerne daraus, dass wir Lügen viel deutlicher machen müssen. Und wir müssen sie so veröffentlichen, dass sie auch von Leuten verstanden werden, die AfD-Thesen nahestehen.

Ich lerne daraus, dass wir Reichsbürger, Nazis und Populisten jeder Farbe nicht nur verspotten dürfen. Wir müssen sie ernst nehmen. Weil ihre gefühlten Wahrheiten im Transport über soziale Medien zu gefühlten Fakten gerinnen, die Menschenmassen für die Wahrheit blind machen. Wir müssen falschen Fakten immer wieder und sofort entgegentreten. Und zwar so, dass die Menschen sie sehen können.

Gleichzeitig dürfen wir nicht aufgeben. Wir müssen auf die Aufklärung setzen. Wir müssen die Mechanismen der Demokratie erklären. Immer wieder. Jeden Tag. Wir dürfen nicht darauf setzen, dass die Leute es schon verstehen, wenn sie die Fakten sehen. Das ist mühsam und nervig. Aber es ist der einzige Weg.

Die Aufklärung hat dieses Mal verloren. Sie wird weiter bedroht. Sie kann nur durch mehr Aufklärung gerettet werden. Es geht jetzt um die Zukunft von Deutschland, von Europa. Wir müssen zusammenstehen.

Kommentare (19)

Horst Herrmann (nicht überprüft)

Mi. 16 Nov 2016 - 13:54

Ich kann diesen Beitrag nur ergänzen. Durch meinen Kommentar vom 9. November auf hpd: "Vor Wochen schon habe ich gewettet, dass Trump gewinnen wird - und jetzt das Zehnfache meines Einsatzes zurückbekommen. Wer meint, die USA zu kennen, ja in die Abgründe des Menschen überhaupt zu schauen, wird über das Ergebnis dieser Präsidentenwahl nicht erstaunt sein. Was mich ärgert, sind die blauäugigen Äußerungen deutscher Politikerinnen und Politiker: So weit kann man/frau sich doch nicht von den Menschen entfernen, um jetzt "schockiert" zu sein. Umfrageergebnisse: für die Katz, Analysten: eine lärmende Schar. Sollten wir nicht häufiger und intensiver dem Volk aufs Maul schauen, ohne zu fürchten, das sei eine populistische Attitüde? Das Projekt der Aufklärung, für das ich stehe, richtet sich nun einmal nicht nur an die Klientel des hpd. Aufklärung muss alle erreichen, sonst hat sie keine Chance. In den USA nicht, auch nicht in Deutschland. Es muss nur ein deutscher Trump auftauchen und viele, alles andere als auf einer Insel der wissenden Seligen, werden sich noch wundern."

Frank Linnhoff (nicht überprüft)

Mi. 16 Nov 2016 - 14:38

Die Aufklärung hatte bei der US-Präsidentenwahl vor 12 Jahren schon auf sehr viel eklatantere Art und Weise verloren. Immerhin wurden damals G.W. Bush einschließlich D. Cheney und D. Rumsfeld wiedergewählt, ein Triumvirat von Kriegsverbrechern, welche noch wenige Monate vorher den Irakkrieg mit einem Gespinst von Lügen vom Zaume gebrochen hatten, nachdem sie wenige Jahre zuvor völkerrechtswidrig Afghanistan überfallen hatten.

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass die Wiederwahl dieses Triumvirats des Grauens bei unseren Politikern und Meinungsführern eine ähnlich negative Reaktion verursacht hatte, als die Wahl des vulgären, großmäuligen Egomanen D. Trump, der bis jetzt immerhin nicht als Kapitalverbrecher in Erscheinung getreten ist. Messen wir ihn an seinen Taten.

Marvin (nicht überprüft)

Mi. 16 Nov 2016 - 15:53

@Klaus Ganz genau! Dieses auf Trump herum treten ist nur noch lächerlich, wenn die andere Seite nicht genauso misstrauisch betrachtet wird. Meine Überzeugung ist schon immer gewesen, dass Clinton schlimmer gewesen wäre, auf die Zukunft betrachtet. Mit Hillary wäre die Partei der Demokraten immer weiter gespalten, die Kluft zwischen Sanders Unterstützer und den Partei-Rechten hätte den Demokraten auch die Wahl in vier Jahren gekostet.
Und wenn man sich ansieht was Trump nun für eine Rhetorik wählt wird auch deutlich, dass es hätte viel schlimmer kommen können auf der republikanischen Seite, etwa Ted Cruz... Trump ist eben kein Rassist oder Homophob. Er vertritt sicherlich typische republikanische marktliberale Politik, aber auch das nicht durchgängig, wenn man sieht wie schnell er seine Partei gegen TPP gebracht hat. Und es ist ja nun auch der demokratische Präsident der noch schnell das Handelsabkommen durchbringen will. Und auch ist es Hillary die einen Krieg mit Russland und Syrien provozieren will (Flugverbotszone…), sie hat in Ihrer Karriere aufgezeigt wie sehr sie es liebt militärisch zu intervieren. Sie macht (hoffentlich) Scherze darüber wie man Assange eliminieren kann. Wieso wird all diese Kritik plötzlich vergessen? Selbst Bernie Sanders versteht und tut dies öffentlich kund (was deutlich er sich dann wohl privat äußert), warum Trump gewonnen hat. Trump war der Kanditat für die arbeitende (nicht mehr vorhandene) Mittelschicht und deren die Abgehängt wurden.
Trump ist eine Wundertüte und damit noch immer besser als eine .... [Beschimpfung durch Redaktion gelöscht]
"Die Veröffentlichung der Emails von Hillary Clinton wog schwerer – obwohl darin nichts besonders Schwerwiegendes geschrieben stand" - Wow, das ist doch wohl ein Witz... Die E-Mails belegen, dass das DNC nie neutral war, Bernie Sanders nie eine Chance hatte und Hillary genauso korrupt ist wie alle glaubten und nun Schwarz auf Weis hatten. Um dies zu erfahren muss man allerdings andere Kanäle aufsuchen als die sogenannte Systempresse der USA, die waren ja genauso darin verwickelt. Die E-Mails wurden eben nie im Detail auf CNN, MSNBC etc. behandelt, dafür musste man linke und rechte Medien konsumieren. Aber ohne Sanders wäre all das wahrscheinlich tatsächlich völlig untergegangen, weil alle davon überzeugt waren "es geht halt nicht anders", aber Sanders bewies wie es anders gehen kann. Hillary Clinton hat sich nicht darum bemüht die Wähler auf der linken Seite zu verdienen. Wie sagte sie doch so schön selbstverliebt "I'm winning". In ihrer Wahrnehmung hatten die Sander-Anhänger gar keine andere Wahl als sie zu wählen, warum soll sie also um deren Stimmen kämpfen? Und nun sieht man, sie hat noch weniger Stimmen bekommen als Mitt Romney... Die Demokraten haben diese Niederlage verdient, sie hätten Sanders haben können und er hätte Trump nachweislich vernichtet, aber das große Geld aus Wallstreet wiegt halt schwerer als progressive Politik.
Ich bin froh das Clinton nicht gewonnen hat, einfach weil es diese verlogene Frau nicht verdient hat.
„Ich lerne daraus, dass wir sehr viel verantwortungsvoller mit Leaks und Skandalen umgehen müssen. In der Einordnung, in der Auswertung, in der Veröffentlichung. Wir dürfen nicht Leaks um der Leaks willen veröffentlichen.“ – Ah, da haben wir es nicht die Personen dessen Missverhalten veröffentlicht wird ist der Schuldige, sondern die Snowdens der Welt die es wagen diese Korruption aufzudecken… Spätestens als klar war was ein miserabler Kandidat Clinton war hätte die demokratische Partei einschreiten müssen, stattdessen wurde alles unternommen den Konkurrenten Sanders zu demontieren. Wieso also sollte es diese demokratiefeindliche Partei verdient haben zu gewinnen?

Marvin (nicht überprüft)

Mi. 16 Nov 2016 - 16:32

Und da es mir gerade noch einfällt, wo war Hillary Clinton beim Thema 'Dakota Access Pipeline', achja richtig das ist ja im Interesse ihrer Großspender, was interessieren da die Indianer. Aber ist ja nicht verwunderlich, auch der tolle Friedensnobelpreis-Gewinner Obama will sich das noch ein bisschen ansehen, aber ja nichts unternehmen, die Ureinwohner haben halt keine Priorität in der demokratischen Partei. Und für solche Personen soll man wenn es nach Herrn David Schraven geht wählen...
Die Schlussfolgerung ist auch völlig daneben... Was die Parteien daraus lernen müssen ist, dass man tatsächlich mal auf seine Wähler hören muss und nicht Augen zu und durch. Darauf zu hoffen, dass die Alternative viel schlimmer ist und so die Leute keine andere Wahl haben gefährdet Demokratie tatsächlich. Die Menschen glauben dann einfach nicht mehr daran und dann ist jemand der gegen alles scheißt sehr anziehend. Doch diese Lehre verfängt, wie man auch an diesem Artikel sehen kann, leider nicht...
Und hierzulande wundert man sich, dass selbst Leute die immer nur links der Mittel gewählt haben plötzlich eine AFD anziehend finden, weil diese als einzige etwas gegen die unkontrollierte Masseneinwanderung aus islamischen Kulturen hat. Statt darüber zu reden wann diese Flüchtlinge wieder zurück in ihre Heimat können um dort ihren Staat wieder aufzubauen geht es nur darum wie diese für den Arbeitsmarkt fit gemacht werden können und der Wirtschaft freuts. Irgendwann kommt jemand wie Trump auch hier und alle werden sich wundern und die Fehler bei anderen suchen, aber nein, ihr seid das Problem!

valtental (nicht überprüft)

Mi. 16 Nov 2016 - 17:34

Ich drücke es mal zurückhaltend aus: Tonart und Selbstgewissheit des Artikelschreibers sind Teil des Problems!

"Der Autor ist Redakteur des non-profit Recherchezentrums CORRECTIV. [...] Anspruch [der Red.]: Gründlich recherchieren, Missstände aufdecken und unvoreingenommen darüber berichten."

Der Artikel steht dem m.E. allerdings diametral entgegen. Herr Schraven schreibt: "Ich möchte hier untersuchen, wie sich das Wahlergebnis aus der Warte der Aufklärung darstellt. Unsere Überzeugung ist: Wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen, können sich die Menschen selbst ein Bild machen und werden die richtige Entscheidung treffen." - blendet aber bei seiner Analyse beharrlich Fakten die Trump in die Hände spielten aus bzw. verfälscht diese sogar:

- Zu den Fakten gehört z.B. die Analyse von Piketty "Das Kapital" über die soziale Entwicklung in den USA der letzten Jahrzehnte und die ökonomischen Fakten des ehem. industriellen, aber heutigen "Rostgürtels" im Norden der USA.
- "Die Veröffentlichung der Emails von Hillary Clinton wog schwerer – obwohl darin nichts besonders Schwerwiegendes geschrieben stand..." Nichts Schwerwiegendes? Außer dass vom Wallstreet-Bamker Froman 2008 eine Liste mit Vorschlägen für Regierungsbeamte an Obamas Mann Podesta übermittelt wurde und H.Clintons Berater geheuchelte "kritische" Reden empfehlen, die man evtl. im Wahlkampf verwenden könne.
(http://www.pravda-tv.com/2016/10/usa-clinton-und-obama-marionetten-der-wall-street-ecuador-dreht-assange-das-internet-ab/)
Aber das sind ja "hochgejazzte Belanglosigkeiten", die keinesfalls die Antibonzenreaktionen bei Trumpwählern mit erklären könnten.

Herr Schraven schreibt in dem Irrtum, entarnte Lügen eines Trump seien relevante Fakten. Entscheidend sind aber vielmehr die sich beständig verschlechternden ökonomischen Verhältnisse der Mehrheit der Bevölkerung, die eben nicht nur ein "Gefühl", sondern für viele bittere Erfahrung sind.

Übrigens sind mir Kommentatoren höchst suspekt, welche Leser ungefragt mit einem "WIR" vereinnahmen. Ich teile weder die Analyse des Kommentars noch seine apokalyptische Schlussfolgerung: "Es geht jetzt um die Zukunft von Deutschland, von Europa. Wir müssen zusammenstehen." Da klingen mir Parteitagsparolen der SED im Ohr, wenn ich so was lese.

Arnold (nicht überprüft)

Mi. 16 Nov 2016 - 18:16

"Wir dürfen nicht Leaks um der Leaks willen veröffentlichen."
"Ich lerne daraus, dass wir Lügen viel deutlicher machen müssen."

Gerade die Leaks machen doch Lügen viel deutlicher. Das Problem ist nur, dass sie keiner liest und man alles nur vom hören-sagen mitbekommt. Und selbst Journalisten von anderen abschreiben, womit die Fehler wiederholt werden und der Anschein erweckt wird, dass das die Wahrheit wär.

"Das Welt-Klimaabkommen ist wahrscheinlich für die nächsten Jahre am Ende. Wir gehen auf schwierige Zeiten zu."

Was spielt die USA dabei für eine Rolle? Es ist nur eins von vielen Ländern und wenn die Wirtschaft noch weiter schrumpft so nimmt die Rolle auch weiter ab. Viel schlimmer wäre wenn China oder die vereinigten arabischen Emirate nicht teilnehmen würden. Aber viel wichtiger als die Länder die nicht mitmachen sind doch die Teilnehmer. Was bringt es, wenn alle deutschen Autos manipuliert werden und wenn mehr auf Kohlekraftwerke umgerüstet wird. Da spielt es keine Rolle ob man nicht mitmacht oder nur lügt und betrügt.

Christian Bauer (nicht überprüft)

Mi. 16 Nov 2016 - 18:47

Es geht hier nicht darum, den Menschen Politik zu erklären. Die Menschen glauben längst nicht mehr den Erklärungsversuchen der etablierten und korrupten Selbstbedienungspolitiker. Es geht darum, wieder Solidarität mit den Abgehängten in unserer Gesellschaft zu entwickeln. Wenn das nicht gelingt, werden es immer mehr und sie werden extreme Positionen wählen! Der Versuch die Neoliberalen Märchen weiter zu erklären ist in USA gescheitert und nicht die Aufklärung.

Markus Schiele (nicht überprüft)

Mi. 16 Nov 2016 - 20:51

Die Wahl Clintons wäre die Wahl einer notorischen Lügnerin, Opportunistin, Kriegstreiberin gewesen, mithin eine kaum weniger geringe Niederlage für die Aufklärung. Das Problem setzt schon viel früher an, nämlich dass überhaupt zwei solche Kandidaten in die Endauswahl kommen konnten. Dahin kann Demokratie gelangen, wenn der Anteil der aufgekärten Bürger unter eine bestimmte "kritische Masse" fällt.

struppi (nicht überprüft)

Mi. 16 Nov 2016 - 22:16

Ehrlich, die Einschätzung entspricht nicht dem was tatsächlich passiert ist.

Und es werden mehrere Dinge vermischt, die nichts miteinander zu tun haben.

Der private Server von Clinton scheint eine grosse Sache zu sein, wenn man sich den Wikipedia Artikel anschaut https://en.wikipedia.org/wiki/Hillary_Clinton_email_controversy aber die geleakten Mails von Podesta haben damit nichts zu tun. Das eine waren dienstliche Mails der Aussenministerin Clinton, deren Löschung mehrere Gesetze betrifft und das andere waren Mails des Kampagnenführer von Clinton. In diesen Mails fanden sich ein Reihe von Hinweisen über Bestechungen oder zweifelhaften Begünstigungen, über Manipulationen der Umfragewerte in Absprache mit den Medien, ganz generell eine Menge über die Nähe der grossen Medien zu einer Kandidatin. Es fänden sich sicher auch noch viel mehr interessante Vorgänge, nur die Presse hatte kein Interesse daran, ihren Liebling Clinton an's Bein zu pinkeln.

Die späten Ermittlungen vom FBI waren wieder etwas anderes. Da zigtausend Mails aufgetaucht sind, die in einem anderen Fall rekonstruiert wurden und dem Clintonserver zugeordnet werden konnten. Daher musste man neu ermitteln http://www.spiegel.de/politik/ausland/hillary-clinton-fbi-untersucht-weitere-e-mails-a-1118809.html.

Allein dieses durcheinander macht es schwer zu lesen, was hier steht. Dann kommt plötzlich die AFD in's Spiel und offensichtlich die Angst, dass Merkel vielleicht über eine (vermutlich von Putin getsuerte) Emailaffäre stolpern könnte.

Was für Verschwörungstheorien auf einer komplett erfundenen Basis. Mir fällt es schwer zu glauben, dass der Autor in einem "Recherchezentrum" mitwirkt.

Den Fakt ist, dass Trump nicht gewonnen hat, weil er mehr Stimmen als die Republikaner 2012 und 2008 bekommen haben - Nein! er hat weniger bekommen - er hat gewonnen, weil die Demokraten Clinton nicht gewählt haben!

Viele Millionen haben, neben dieser email Geschichte, ihre kriegerische Aussenpolitik und ihre Nähe zu Saudi Arabien und anderen islamistischen Diktaturen gesehen, die vielen Millionen Dollar, die sie und ihr Mann von der Wallstreet für Vorträge bekommen haben (http://www.spiegel.de/politik/ausland/hillary-clinton-millionen-einkommen-mit-reden-a-1034051.html)

Deshalb haben die klugen Demokraten (die Republikaner werden hier ja gerne als die dummen Hinterwälder dargestellt) Clinton nicht gewählt. Vielleicht auch, weil sie mit hinterhältigen Tricks Sanders verhindert hat. Was immer es auch war, das Problem ist Clinton nicht Trump.

Trump ist nur eine Schimäre der westlichen Medien, weil er - aus welchen Gründen auch immer - nicht das sagt und tut was sie gerne hätten. Vielleicht können nur solche Menschen etwas ändern, wir werden es sehen. Mir wäre es lieber es gäbe eine Linke Bewegung, die endlich diesen Irrsinn der weltweiten Kriege und Ausbeutung beendet, aber dafür ist Meinungsmacht der Bourgeoisie zu gross. Und das hat alles nichts mit Reichsbürgern, Nazis oder ähnlichen Gesindel zu tun, die Unzufriedenheit haben auch ehemalige CDU, SPD und Grünen Wähler.

Und diese ganze Frage sache, warum und wer in einer demokratischen Wahl gewählt wurde, ist für ein humanistisches Presseorgan relativ belanglos. Ich frag mich warum diese Propaganda hier auch betrieben wird?

Reinhard Knittel (nicht überprüft)

Sa. 19 Nov 2016 - 23:08

Antwort auf von struppi (nicht überprüft)

Ja, lieber Struppi, genau das habe ich mich vor einiger Zeit auch gefragt, als hier der Artikel erschienen ist zum Thema:Wie bekannte Musiker gegen Trump ansingen.Nur habe ich damals das Wort "Propaganda" nicht gebraucht.Jetzt, nach diesem Artikel, würde ich es tun. Mein Ärger über den Artikel wird durch die Freude über die vielen qualifizierten Leserbriefe mehr als aufgewogen.

Peter Schmidmeister (nicht überprüft)

Mi. 16 Nov 2016 - 22:44

Wie verzweifelt mussten Wähler sein, wenn ihnen alles recht ist, nur keine(er) aus den etablierten Eliten. Die Armut drang und dringt weiter vor, von ganz unten immer höher in die Mittelschicht hinein, wie die Feuchtigkeit, die eine Hauswand hochkriecht. Und wenn das Wasser nicht nur bis zum Hals steht, sondern bis zur Unterlippe, dann pfeifft man auf die Ideale, die man früher vielleicht sogar selber hochgehalten hat.
Der letzte Strohhalm hatte einen Namen: Trump.

Sim (nicht überprüft)

Do. 17 Nov 2016 - 02:08

Demokratie hat nunmal einen ganz entscheidenden Pferdefuß. Wenn die Herrschaft vom Volke ausgeht, dann sollte das Volk besser nicht zum großen Teil aus uninformierten Idioten bestehen. Wenn das dann doch der Fall ist, dann muss man sich nicht wundern, dass die Idioten den Oberidioten zum Präsidenten wählen.

Was ist denn von einem Volk zu halten welches zu 90% Zweifel an der Evolutionstheorie hegt und welches zu großen Teilen glaubt die eigene Regierung würde einen der größten Terroranschläge der Geschichte fingieren um in einen fragwürdigen Krieg zu stolpern? Insofern sind sie mit dieser Präsidentenwahl sich ja treu geblieben. Offensichtlich war Obama war nur ein glücklicher Ausrutscher nach oben.

Was den Transfer von Informationen angeht: Da gehören immer zwei dazu. Einer muss die Informationen liefern, aber der Empfänger muss die Informationen auch verarbeiten können. Er muss geistig in der Lage sein elementare logische Schlußfolgerungen anzuwenden. Er muss in der Lage sein Probleme zu analysieren und zumindest grob verschiedene Lösungsansätze auf ihre Erfolgswahrscheinlichkeit hin zu gewichten. Das ist aber offenkundig nicht der Fall.

Trumps Sieg ist nicht nur eine Niederlage für die Aufklärung. Sie ist auch eine Niederlage für die Demokratie, zumindest in der Form wie sie in den USA praktiziert wird. Ein System, welches es zulässt, dass ein Reality TV-Star mit dumpfesten Parolen und Hetze in das höchste Regierungsamt gewählt wird hat mit Pauken und Trompeten versagt. Und ich weigere mich zu glauben, dass es da keine bessere Regierungsform geben soll.

Bernie (nicht überprüft)

Do. 17 Nov 2016 - 02:43

Schöner Kommentar, aber zur Aufklärung gehört auch unvoreingenommen zu sein - Ich persönlich sehe es so, dass wir erst einmal abwarten müssen was Trump wirklich so umsetzt um ihn zu verurteilen - Bei Obama waren wir doch auch so fair, und wurden leider maßlos enttäuscht, d.h. die "Niederlage für die Aufklärung" ist in Deutschland älter als die Wahl Trumps. Wo, ausser in kritischen Netzmedien z.B., fand man kritische Worte zum kriegsführenden Friedensnobelpreisträger Obama, und dessen Außenministerin Hillary Clingon? Nein, zur Aufklärung gehört für mich, auch auf Deutschland bezogen - beide Parteien fair anzugehen, aber seit Steinmeiers Nominierung als BP-Kandidat ist auch hier die Aufklärung in einem schlechten Zustand.

Fabian Krahe (nicht überprüft)

Do. 17 Nov 2016 - 15:46

"Was ist Aufklärung?" Diese Frage beantwortete Kant mit der Definition der Aufklärung als einem Prozess. An diesem scheint David Schraven eher wenig Interesse zu haben. Er beschreibt uns lieber, was seiner Meinung nach ein Aufklärer ist: Jemand der die allein seeligmachende Wahrheit für sich gepachtet hat und meint, alle anderen müssten auch so denken, sonst seinen sie eben keine.

PS: Ja, das ist wohl eine Polemik.

C.Schwab (nicht überprüft)

Sa. 19 Nov 2016 - 23:15

Das Positive an diesem miserablen Artikel sind die Kommentare.
Trump Sieg – Niederlage für die billige Mainstreampresse.

Wolfgang (nicht überprüft)

So. 20 Nov 2016 - 08:21

Die dümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber. Es gibt ihn immer noch und immer wieder, den Rattenfänger von Hameln. Nur der Name ändert sich.

David Schraven

Der Autor ist Redakteur des non-profit Recherchezentrums CORRECTIV. Die 16-köpfige Redaktion finanziert sich ausschließlich über Spenden und Mitgliedsbeiträge. Ihr Anspruch: Gründlich recherchieren, Missstände aufdecken und unvoreingenommen darüber berichten. In Kooperation mit anderen Medien beleuchten die Investigativ-Journalisten von Correctiv.org regelmäßig Themen, die uns alle angehen. Wenn Sie Correctiv.org unterstützen wollen, werden Sie Fördermitglied. Informationen finden Sie unter: https://correctiv.org/unterstuetzen

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