Forschung
CRISPR/Cas: Ein umstrittener Durchbruch der Wissenschaft
Foto: pixabay.com, CC0 Public Domain
Ein internationales Forscherteam hat in den USA erstmals bei einem lebenden Embryo einen Gendefekt mit Hilfe des Verfahrens CRISPR/Cas korrigiert. In Deutschland sind solche Forschungen noch durch das Embryonenschutzgesetz verboten. Mit den neuen wissenschaftlichen Entwicklungen ist eine offene ethische Debatte jedoch dringlicher denn je.
Laut einem Aufsatz in der Fachzeitschrift "Nature" (2017; doi: 10.1038/nature23305) haben Forscher den Gendefekt einer hypertrophen Kardiomyopathie, eine angeborene Erkrankung der Herzmuskulatur, mit dem genomchirurgischen Verfahren CRISPR/Cas korrigiert. Mit einer Art Hochpräzisions-Schere wurden dabei gezielt jene Gene von Embryonen ausgetauscht, die für die Erbkrankheit verantwortlich sind. Die durch künstliche Befruchtung entstandenen Embryonen wurden jedoch nicht in eine Gebärmutter eingesetzt.
Die neue Technologie CRISPR/Cas gilt als Durchbruch in der biomedizinischen Forschung und ist mit vielen Hoffnungen verbunden. Einfacher, präziser und kostengünstiger als bisher können Änderungen an lebenden Zellen vorgenommen werden. Künftig könnte damit eine Vielzahl an Erbkrankheiten verhindert werden. Die Methode könnte zudem auch Anwendung in der Landwirtschaft und der Medikamentenproduktion finden.
Gen-Editierung ist ein ethisches Problem
Doch die Technologie steht von unterschiedlichen Seiten in der Kritik. Dabei wird zum einen auf die Unsicherheit des Verfahrens hinsichtlich der Risikoabwägung verwiesen. Denn Eingriffe in die Keimbahnzellen führen zu vererbbaren Veränderungen des Genoms und betreffen damit nicht nur das behandelte Individuum. Zum anderen werden auch grundlegende ethische Bedenken angebracht, die Fragen bezüglich Würdevorstellungen, denkbaren Instrumentalisierungen und Dammbrüchen sowie von der Möglichkeit der Optimierung tangieren.
So lehnt die katholische Kirche Eingriffe in menschliche Keimbahnzellen und verbrauchende Embryonenforschung ab, da es sich um einen "ethisch-rechtlichen Tabubruch" und eine "Instrumentalisierung und Verletzung der Menschenwürde" handele, wie Gebhard Fürst, Vorsitzender der Unterkommission Bioethik der Deutschen Bischofskonferenz, in einer Stellungnahme erklärte.
Anders sieht es Reinhard Merkel, Rechtsphilosoph und Mitglied des Deutschen Ethikrates. Für ihn ist die Fortsetzung der Grundlagenforschung moralisch nicht nur erlaubt, sondern geboten. Auf einer Jahrestagung des Deutschen Ethikrates erklärte er: "Es ist nicht zu sehen, wie ausgerechnet die Menschenwürde gebieten sollte, einen Embryo schwer geschädigt zur Welt kommen zu lassen, nämlich mit seinem kranken 'natürlichen' Genom, statt mit einem medizinisch korrigierten, das gesund ist." Eine Anwendung der Keimbahnzellenveränderung zu Reproduktionszwecken hält Merkel jedoch aus Gründen der Sicherheit momentan noch für verwerflich.
Kommentare (12)
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naja dann gibt es nur noch
naja dann gibt es nur noch hochpotente leistungsträger und die schaffen dann den uni abschluss mit 1.
Wäre doch klasse. Warum
Wäre doch klasse. Warum sollte Hochbegabung das Privileg einer Minderheit bleiben? Intelligenz macht das Leben in jeder Beziehung reicher und interessanter.
Daher sind auch echte Designerbabies - die ja noch lange Science Fiction bleiben werden - für mich kein Dammbruchargument, sondern ein weiterer Anreiz, in diese Richtung zu forschen.
Die Heilung von Krankheiten hat natürlich moralische Priorität. Und da bekomme ich das kalte Grausen, wenn ich mir die Haltung der Kirche reinziehe. Die Zeugung von gesunden Menschen verstößt gegen deren Würde, aber mit dem eigenen Kind russisches Roulette spielen und in Kauf nehmen, dass es mit einer furchtbaren Krankheit geboren wird, ist in Ordnung. Deutlicher kann die Kirche nicht machen, dass ihr das Wohlergehen von Menschen gleichgültig ist. Wenn man ihr nicht sogar eine positive Haltung gegenüber Leid und Elend unterstellen muss.
Es geht den Pechschwarzen
Es geht den Pechschwarzen doch nicht um "den Menschen", bevor aber ihr eigentliches Argument, man darf nicht in die Schöpfung eingreifen, der Lächerlichkeit geopfert wird, stellen sie Mensch in den Vordergrund, so wie bei der Sterbehilfe.
Guten Tag, Thomas Friedrich,
Guten Tag, Thomas Friedrich,
die Kirchen können und sollen nur für Ihre unmüdigen Schäfchen denken.
Diese Kirchenvereine handeln stets nach dem Motto: "Nur wer stark leidet, ist
nah bei Jesus!"
Alle anderen selbstbestimmten Bürger sollten sich sich niemals den Interessen des Vatikans unterordnen!
Der Kirchenlobbyismus ist in der deutschen Politik immer noch als christlich-konservativer Filz aktiv.
Durch den hervorragenden wissenschftlichen Durchbruch wird wohl der
universitäre Fachbereich "Pädagogik für geistig Behinderte" demnächst
wegfallen.
Viele Grüße
Arno Gebauer
Was die verbrauchende
Was die verbrauchende Embryonenforschung betrifft, bin ich mit S.Exz. Bischof Fürst einer Meinung.
Das ist aber ein methodisches und kein grundsätzliches Problem. Vielleicht gibt es ja bald Methoden der Forschung und der Fortpflanzungsmedizin, ohne menschliche Embryonen töten zu müssen.
Beim Thema "ethisch-rechtlicher Tabubruch" bin ich aber nicht ganz seiner Meinung. Ein Eingriff in die menschliche Keimbahn, zu dem Zweck, sowohl die betreffende Person als auch seine Nachkommen vor Krankheiten zu schützen, erscheint mir nicht nur nicht unerlaubt, sondern sogar sehr wünschenswert.
Sinnvoll ist es aber, sich aus diesem Anlass zu überlegen, wie weit wir ethisch mit den Möglichkeiten dieser Methode gehen wollen.
Bleiben wir bei der Heilung von Krankheiten/Behinderungen?
Gilt dann z.B. bei einem Mann eine Körpergröße von unter 160cm als Behinderung?
Wie ist das mit einem IQ von 85?
Oder darf man überhaupt Menschen designen? Dürfen Eltern z.B. Intelligenz oder Haarfarbe ihrer Nachkommen aussuchen?
Soll man es entsprechend betuchten Eltern erlauben, ein besonders schönes, intelligentes und gesundes Kind zu bestellen?
Man sollte auch überlegen, was das für Kinder bedeutet, deren Eltern diese Möglichkeit nicht zur Verfügung steht oder die bewusst darauf verzichten.
Es ist schlimm genug, dass viele Kinder aus wirtschaftlichen Gründen keine Chance auf Schulbesuch haben. Wenn sie aus wirtschaftlichen Gründen keine Chance haben, am steigenden Durchschnitts-IQ teilzuhaben, dann ist das noch schlimmer. Wie kann man solche Ungerechtigkeiten und drohende zwei-Klassen-Genetik verhindern?
Der Schlachtruf "Freiheit für die Wissenschaft" sollte solche Fragen nicht übertönen.
Hallo Herr Schönecker,
Hallo Herr Schönecker,
weder die Körpergröße noch der IQ haben ein zugeordnetes Gen. Es geht um die Reparatur defekter Gene wenn es sich um einen Ein-Gen-Defekt handelt (was selten genug der Fall ist). Bei multiplen Defekten liegt die Messlatte immer noch unerreichbar hoch. Was haben Sie gegen den "Verbrauch von Embryonen"? Die Natur tut das täglich millionenfach. Oder macht das Ihr Vatersohnundheiligergeist, weshalb es dem Menschen verboten werden soll?
Vergessen Sie die Intelligenz per Genauswahl, eine einfache Bevölkerungsstatistik zeigt Ihnen, dass in der Intelligenz viel mehr Epigenetik als Genetik steckt. Abgesehen davon: was ist denn Intelligenz? Richtig, genau das, was der von Ihnen ausgewählte Intelligenztest ermittelt. Nehmen Sie einen anderen, kriegen Sie ein anderes Ergebnis.
S.g. Herr Büchner!
S.g. Herr Büchner!
Dass es bis zum echten genetischen Design noch ein weiter Weg ist, ist korrekt und für mich beruhigend.
Bisher scheinen nur Korrekturen wie die oben beschriebene oder die Heilung von Farbenblindheit oder Bluterkrankheit am Embryo in absehbarer Zeit erreichbar zu sein. Und das wäre schön.
Es hindert aber nicht, sich jetzt schon Gedanken zu machen, wie weit wir mit der Gentechnik maximal gehen wollen. So, wie man sich Gedanken über die Besiedlung fremder Sonnensysteme machen darf. Obwohl wir sie vielleicht ohnehin nie erreichen werden.
"Die Natur tut das täglich millionenfach."
- Na und? Die Natur infiziert auch millionenfach Menschen mit Malaria. Sie begräbt Menschen lebend unter Lawinen. Sie überschwemmt Menschen mit Tsunamis. Das berechtigt Menschen ethisch keinesfalls, das selbe oder Ähnliches vorsätzlich mit Mitmenschen anzustellen, oder? "Die Natur tut das täglich millionenfach" ist kein ethisches Argument.
Um gegen die Tötung von Menschen zu sein brauche ich keinen Gott. Sie brauchen dafür schließlich auch keinen.
Die Frage lautet also: "Ist ein Embryo ein Mensch?"
Etwas komplexer stelle ich zu diesem und zum letztlich gleichen Thema Abtreibung fünf überraschend schwere Fragen:
) Was ist Leben?
) Was ist ein Lebewesen?
) Was ist ein Mensch?
) Woher hat der Mensch ein Recht auf Leben (falls es so etwas überhaupt gibt)?
) Falls ein Embryo ein Mensch mit Recht auf Leben ist: Wie viel Leid ist einem Menschen zumutbar, bevor es ihm ethisch erlaubt ist, einen unschuldigen Menschen zu töten, um dieses Leid zu beenden?
Da ich auf keine dieser Fragen eindeutige und allgemein anerkannte Antworten kenne, aber grundsätzlich sehr dagegen bin, Menschen zu töten, bin ich im Zweifelsfall lieber vorsichtig. So wie ein Jäger besser nicht schießt, wenn auch nur eine kleine Möglichkeit besteht, dass das Rascheln im Gebüsch von einem (oder zwei) Menschen stammt - so sollten wir auch lieber keine Embryonen töten, wenn es sich vielleicht um Menschen handelt.
Zur Intelligenz: Ich bin überrascht!
Bisher habe ich immer wieder gelesen, dass Intelligenz zu 50-80% biologisch vererbbar sei. Was genetische Vererbung nahelegt. Welche einfache Bevölkerungsstatistik soll das widerlegen?
Gute Intelligenttests unterscheiden arithmetische, geometrische und sprachlogische (und vielleicht noch ein paar andere Sorten von) Intelligenz. Innerhalb dieser Bereiche wird der selbe Mensch bei gleicher Tagesverfassung auch jedes Mal sehr ähnliche Ergebnisse liefern, selbst wenn der Test ein anderer ist.
Habe keine Zeit, Zitate zu
Habe keine Zeit, Zitate zu suchen (vermute pharyngula auf freethoughtblogs.com)
Sinngemäss übersetzt: "Wenn Sie in Philadelphia die Erblichkeit der Intelligenz messen, bekommen Sie 80 bis 100%, wenn Sie dasselbe in einer armen Gegend messen, bekommen Sie 0%"
Es geht, vereinfacht gesagt, darum, dass jedes der mindestens 100 Gene, die sich auf die Nervenbildung und -vernetzung und damit die Intelligenz auswirken, hochgradig von einer gut passenden Umwelt abhängt - und leider sind alle gut funktionierenden Gene viel anfälliger für Störungen als mitelmässige oder schlechte.
Vergleichen Sie die Studie über das Alzheimergen ApoE4 in Gesellschaften mit starkem Parasitenbefall, und in hygienischen (=wohlhabenden).
Ich merke mir solche Dinge beim blossen Überfliegen, weil ich weiss, dass ich sowohl unter dem Fehlen von Hochbegabtenförderung als auch dem "Missbrauch" meiner Herkunftsumgebung so massiv gelitten habe, wie es Menschen mit weitgehend Durchschnittsgenen nie verstehen können.
Und umgekehrt: Das oder die (es gibt ein Dutzend) Von-Willebrand-gen(e) in mir sorgen dafür, dass die Frauen meiner Herkunft auch unter bitterster Armut und Gewalt noch Lebendgeburten hervorbrachten, und dass mich kaum ein Schlaganfall erlöst ABER wenn sich die Wundheilung bis zu 2 Jahren hinzieht, und man von jedem Angerempeltwerden in öffentlichen Verkehrsmitteln Blutergüsse bekommt, ist das das Gegenteil von "Lebensqualität". Aus Zeitgründen stoppe ich hier.
Nur eins: dies ist eine Diskussion, in der strafrechtliches Verbot und individuelle ethische Abwägung auseinandergehalten werden müssen - ich bin immer gegen Strafrecht!
Hallo Herr Schönecker,
Hallo Herr Schönecker,
da sind Sie leider schlecht informiert. IQ-Tests sind vor allem kulturell geprägt. Außerdem zeigt die Aufspaltung der Intelligenz "in arithmetische, geometrische und sprachlogische (und vielleicht noch ein paar andere Sorten von) Intelligenz", dass niemand wirklich weiß, was Intelligenz ist und sie deshalb nicht objektiv messen kann. Da Intelligenz nichts mit Wissen zu tun hat, müsste dieser Test die Intelligenz von Analphabeten genauso bestimmen können, wie die von Leuten mit abgeschlossener Schulbildung. Dabei müsste eine ähnliche Intelligenzverteilung mit ähnlichen IQ-Werten herauskommen. Das leistet bis heute nicht ein einziger Intelligenztest.
Nebenbei bemerkt: Sich über zukünftige Grenzen der Gentechnik Gedanken zu machen, ohne sie - bis auf Ausnahmefälle tatsächlich zu beherrschen, halte ich für vertane Zeit. Die Grenzen werden sich verschieben mit klarer werdenden Erkenntnissen über die Konsequenzen.
Über die Frage, ob ein Embryo ein Mensch sensu stricto ist, könnten wir ganze Foren füllen. Ich meine nein, ansonsten müssten wir als Rechtsstaat alle gebärfähigen Frauen monatlich auf beginnende Schwangerschaften und etwaige bewusst herbeigeführte Aborte testen. Schließlich wäre Mord in jedem Fall Mord - ein irrer Gedanke.
Ich muss ganz ehrlich sagen,
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich keine Angst vor gesunden, intelligenten Babys habe.
Wegfall kranker Gene soll
Wegfall kranker Gene soll andere, bislang nicht genutze Genkombinationen ermöglichen. Stimmt das und wissen wir, was dann passiert? Karin Resnikschek
Offene ethische Debatte -
Offene ethische Debatte - schön und gut.
Findet die hier statt? Oder sonstwo? Was wäre deren Ziel? Und wer dürfte warum daran teilnehmen, ohne verunglimpft zu werden?