Kirchenaustritte
"Kirche muss glaubwürdiger werden"
Die Austrittswelle, die beiden Großkirchen seit einigen Jahren schwer zu schaffen macht, beruht vor allem an ihrer fehlenden Glaubwürdigkeit. Das jedenfalls glaubt der katholische Theologe und Journalist Daniel Deckers.
"Deckers nannte Anlässe wie die verschärfte Besteuerung von Kapitaleinkünften, den hemmungslosen Machtmissbrauch eines Limburger Bischofs, davor das Versagen angesichts jahrzehntelanger sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Schutzbefohlene."
Während früher die Kirchenmitgliedschaft automatisch erfolgte, würden Kinder heute nicht mehr in diese "Zwangsgemeinschaft" hineingeboren.
"Während die Evangelische Kirche ehrlicher mit der Situation umgehe und detaillierte Studien über Abwanderungsgründe erstellen lasse, steuerten die Katholiken 'im Blindflug durch eine von Nebelbänken verstellte Gegenwart'" sagte Deckers bei seinem Vortrag in Limburg.
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Glaubwürdigkeit? Den Kirchen
Glaubwürdigkeit? Den Kirchen fehlt es am Glauben und an der Würde.
Weder der protestantische noch der katholische Gott kriegt es mit dem Glauben und der Würde hin und die anderen Götter schweigen auch.
Der Grund ist nicht mehr die
Der Grund ist nicht mehr die Glaubwürdigkeit: Dass es den Kirchen an Glaubwürdigkeit (und Legitimation) fehlt wissen die Menschen schon seit Jahrhunderten. Deshalb gab es ja auch nie eine einheitliche christliche Kultur in Europa. Das ist in der Geschichtswissenschaft Forschungskonsens (siehe etwa Jean Delumeau, Dorothea Weltecke, Peter Dinzelbacher etc.). Man lese nur bspw. die "Facezien" des berühmten Poggio Bracciolini (dem Wiederentdecker Epikurs) um zu sehen, wie sich die Menschen schon vor 500 Jahren über die fehlende Glaubwürdigkeit des Klerus und der Kirche und ihre Doppelmoral lustig machten. Deshalb ist heute der Hauptgrund schlicht folgender, dass man heute ohne Gefahren und ohne persönliche Nachteile (vielleicht von der Austrittsgebühr abgesehen) Austreten kann. Einen Grund zu bleiben gibt es ja nicht.
P.S.: Die facezien kann man hier lesen (große Empfehlung):
https://archive.org/details/diefacezien00bracgoog
Glaubwürdig ist doch nur
Glaubwürdig ist doch nur etwas, das wenigstens einigermaßen plausibel ist.
Religion ist das ganz offensichtlich nicht und schon deshalb kann die Kirche nicht glaubwürdig sein oder gar glaubwürdiger werden.
Glaubwürdigkeit läßt sich
Glaubwürdigkeit läßt sich leicht wiederherstellen. Einfach keine unglaubwürdigen Dinge mehr behaupten! Also Schluß mit den Lügen über Gott, Engel, Wunder, Auferstehung und den ganzen Mist. Und schon klappt's wieder mit der Glaubwürdigkeit!
Auch nach nahezu 2000 Jahren
Auch nach nahezu 2000 Jahren "Zwangsgemeinschaft zum einen und einzigem Gott" mangelt es der Kirche an Glaubwürdigkeit. Mit zunehmender Bildung, Aufklärung und Alternativen, werden Religionsgemeinschaften es sichtlich schwerer haben. Ich bezweifle, dass eine freiheitliche Gesellschaft sich gerne in eine absolutistisch-dogmatisch geführte Religion wiederfinden wollen würde. Entweder muss sich die Gesellschaft ändern, so wie der "Islamische Staat" es per Waffengewalt erreichen möchte, oder die Gesellschaft wird auf einige ihrer erkämpften Freiheiten verzichten müssen. Angemessen des Status der Pluralität in unserer Gesellschaft, und nichtzuletzt an den Reaktionen über Charles Hebdo erkennbar, wird keines der beiden Möglichkeiten wohl in absehbarer Zeit akzeptiert werden. Wenn Gott sich nicht anders entscheidet, werden die Religionsgemeinschaften wohl damit leben müssen, dass ihre Mitglieder die Glaubwürdigkeit anzweifeln - oder andere diese Kirchen für nicht Glaubwürdig halten und deshalb nicht einzutreten gedenken.