Bekenntnis zum Zoo?
Foto: © Frank Nicolai
Der "Verband der Zoologischen Gärten e.V." (=Lobbyverband der 57 größeren Zoos hierzulande [+16 weiteren Zoos im Ausland]) fordert die möglichen "Jamaika"-Parteien (CDU, CSU, FDP, Grüne) anlässlich ihrer Sondierungsgespräche zum Thema Umwelt zu einem "deutlichen Bekenntnis zu Zoos" auf. Angeblich hätten "40 Millionen Menschen im vergangenen Jahr einen unserer Mitgliedzoos besucht", so VdZ-Geschäftsführer Homes. Insofern müssten "unsere Zoos (...) auf bundespolitischer Ebene als wirtschaftlich und gesellschaftlich relevante Standortfaktoren und als besucherstarke Bildungsorte und Artenschutzzentren anerkannt und entsprechend gefördert werden."
Ganz so, als würden die VdZ-Zoos nicht ohnehin und fortlaufend mit zigMillionen aus Steuergeldern subventioniert. Tatsächlich arbeitet praktisch keiner der deutschen Zoos kostendeckend. Die Behauptung Homes', die Mitgliedszoos des VdZ "generieren jährlich fast 300 Millionen Euro Umsatz", mag zwar zutreffen, sagt aber nichts über die Bilanz aus: tatsächlich sind praktisch sämtliche Zoos hierzulande Zuschussbetriebe, die zu erheblichen Teilen aus Steuergeldern unterhalten werden. Auch und gerade die von Homes' angeführten "etwa 110 Millionen Euro" pro Jahr, die angeblich "in höheres Tierwohl"(?) fließen, speisen sich wesentlich aus öffentlichen Geldern und werden keineswegs von den Zoos selbst erwirtschaftet. Im Übrigen ist die VdZ-Behauptung, dass Zoos " für den Tourismus eine wesentliche Rolle" spielten, längst widerlegt: keineswegs wird über die vielbehauptete Umwegrentabilität die Zoos zuteil werdende massive Subventionierung gerechtfertigt: Aus tourismuspolitischer Sicht machen Zoos keinen Sinn.
Nicht zuletzt ist die Homessche Behauptung, es hätten "40 Millionen Menschen im vergangenen Jahr einen unserer Mitgliedzoos besucht", grob irreführend, da sie wie seit je BesuchE mit BesucheRn ineinssetzt. Tatsächlich dürften allenfalls 10-12 Millionen Zoointeressierte, teils mehrfach, VdZ-Zoos besucht haben. (Kleines Rechenexempel: Gehen nur 10 Prozent der Zoobesucher 5mal pro Jahr in einen Zoo, reduziert sich die Zahl der Zoobesuche schon auf die Hälfte. Und ein weiteres Exempel zum Selbstnachrechnen: Was ist, wenn 10 % der Zoobesucher 10mal pro Jahr in den Zoo gehen...?)
Im Übrigen haben keineswegs alle VdZ-Zoos mittlerweile auf korrekte Einlasszählung umgestellt, vielmehr rechnen viele ihre Besuchszahlen immer noch nach einem dubiosen VdZ-Schlüssel hoch, über den jahre- und jahrzehntelang viel zu hohe Besucherzahlen ermittelt worden waren. Erst nachdem diese Machenschaften 2014 aufgedeckt worden waren, wurde in den meisten VdZ-Zoos auf korrekte Zählung umgestellt. Immer noch aber wird nicht zwischen BesuchEn und BesucheRn unterschieden, so dass selbst bei korrekter Drehkreuzzählung heillos übertriebene Zahlen herauskommen.
Kommentare (11)
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Der Beitrag enthält einige
Der Beitrag enthält einige richtige Anmerkungen bezüglich der Darstellung des Zooverbands, jedoch finde ich die in ihm vorgebrachte Kritik nicht ganz nachvollziehbar. Es ist korrekt, dass die angegebene Besucherzahl etwas irreführend sein könnte, da vermutlich tatsächlich die Anzahl der Besuche gemeint ist. Auch kann ich nicht ausschließen, dass es bei der Erhebung dieser Besuche unterschiedliche Herangehensweisen der Zoos gegeben haben könnte, die zu einem sicher "vagen" End-Gesamtergebnis geführt haben. Dass die deutschen Zoos aber viele Millionen Besuche pro Jahr verzeichnen, ist nicht von der Hand zu weisen. Ich stimme aber zu: im Bereich der Erhebung der Besucherzahlen gibt es Verbesserungsbedarf! Auch die herausgegriffene Formulierung der Investitionen in "höheres Tierwohl" lässt zumindest die Überlegung aufkommen, worin eben jenes denn genau besteht. Ich gehe davon aus, dass womöglich einfach eine Verbesserung des Tierwohls gemeint ist, was ja bei Investitionen in Gehegevergrößerungen etc. nachvollziehbar sein sollte, und nicht etwa, dass hier eine Unterscheidung von "höherem" und "niederem" Tierwohl impliziert ist. - Was ich nicht wirklich nachvollziehen kann, ist eine Kritik am Vorbringen des VdZ-Appells aus dem Grunde, dass die Zoos ohnehin schon subventioniert würden. Denn die Frage ist: muss sich ein Zoo als öffentliche Freizeit-, Kultur-, Wissenschafts-Einrichtung wirklich selbst tragen? Ich würde behaupten: nein. Ein Zoo erfüllt doch durchaus viele Zwecke, die in anderen öffentlichen Bereichen auch bezuschusst werden. Außerdem unterscheiden sich die Zuschüsse verschiedener Zoos zum Teil sehr. Es gibt durchaus einige Zoos, die den weitaus größeren Teil ihres benötigten Geldes auch selbst erwirtschaften, andere müssen stark bezuschusst werden. Letztlich aber werden Zoos doch im Vergleich zu vielen anderen öffentlichen Einrichtungen nicht allzu extrem bezuschusst. Oder zumindest nicht im übertriebenen Maße. Ein beispielhafter Zoo mit einer Million Besuchen und 3 Millionen Euro Zuschuss erhält 3 Euro pro Besuch. Ein ähnliches Verhältnis dürfte - tendenziell - wohl in etwa beim Kölner Zoo vorliegen. In vielen anderen öffentlichen Einrichtungen ist der Zuschuss höher. Natürlich können Zuschusshöhen von Stadt zu Stadt schwanken, aber es gibt meines Erachtens wenige krasse Ausreißer. Der Verweis auf eine - in meinen Augen aufgrund erheblicher Ungenauigkeiten in der Erhebungsmethode ohnehin nicht ausschlaggebenden- Umfrage zur Widerlegung des Tourismuspotenzials von Zoos anhand eines einzigen Beispiels in Wien ist in meinen Augen wenig überzeugend.
Unbestritten ist: Zoologische
Unbestritten ist: Zoologische Gärten sind meist wunderschön angelegte Parks, laden zum Sonntagsbesuch ein und zeigen gerade Kindern exotische Tiere, welche sie in Natura normalerweise nicht zu Gesicht bekämen.
Andererseits ist es auch bei aller gut gemeinten Bemühung nicht möglich, dem Großteil der exotischen Tiere ein artgerechtes dasein zu ermöglichen. Wer längere Zeit vor dem Löwen- oder Tigerkäfig stehen bleibt und beobachtet, dass das Leben dieser wunderbaren Tiere darin besteht, 365 Tage im Jahr am Zaun entlang auf und ab zu gehen, wird mir recht geben. Ich kann das nur als Tierquälerei bezeichnen. Und die wird nun auch noch mit Millionenbeträgen jährlich gefördert. Zoos sind nichts anderes als Wildtiergefängnisse, und die Gefangenen werden von menschen gegen Gebühr begafft. "Der Mensch in seinem Wahn....!"
"zeigen gerade Kindern
"zeigen gerade Kindern exotische Tiere..."
Ich habe einmal den Stuttgarter Zoo besucht und sehr viele Kinder auf den Spielplätzen (Klettergerüste) gesehen und kaum Kinder bei exotischen Tiere. Ausnahme waren nur die Robben, die eine richtige Show abgeliefert haben. Das Fersehen macht IMHO Tiergärten aus der Sicht der Gaffer so gut wie überflüssig.
Löst die Zoologischen Gärten
Löst die Zoologischen Gärten endlich auf und lasst die Tiere in Ruhe dort leben, wo sie von Natur aus hingehören. Wir Menschen wollen schließlich auch nicht, dass wir irgendwo hin deportiert und eingesperrt werden, um anschließend Tag für Tag von Millionen begafft zu werden. Ich schließe mich der Meinung der Tierethikerin Hilal Sezgin an: "Artgerechte Haltung ist nur in Freiheit!"
Dass die Menschen die Tiere
Dass die Menschen die Tiere sehen möchten - daraus kann man ihnen keinen Vorwurf machen. Der Vorwurf niedriger Beweggründe - dass sie diese nur "begaffen" ist einfach nur herablassend und lässt tief blicken. Menschen denen Folter droht wären übrigens richtig froh in einem Zoo eingesperrt zu sein als in dunklen Folterkellern. Meine These ist: Kein Tier wird so sehr gequält wie der Mensch in Folterkellern. Ferner ist die Debatte über Tierrechte Anlaß gewesen eine ganze Anzahl eloquent geschriebener Artikel zum Thema zu sammeln: https://www.novo-argumente.com/thema/tierrechte
Pavlovic, was willst du mit
Pavlovic, was willst du mit deinem post eigentlich sagen? Ist mir oefter schon mal aufgefallen, dass du zu allem und jedem deinen Senf dazu gibst, und selten bis nie ist verstaendlich, was du meinst. Sowas ist unbrauchbar als Kommentar.
"Meine These ist: Kein Tier
"Meine These ist: Kein Tier wird so sehr gequält wie der Mensch in Folterkellern."
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Selbst, wenn das zuträfe (was zu beweisen wäre), könnte es nicht rechtfertigen, daß jedes Jahr hunderte Milliarden nichtmenschlicher Tiere an Land und in Gewässern leiden und krepieren, weil Menschen ihre eigenen Interessen radikal über die ihren stellen. Speziesismus ist eine Form des Faschismus und genauso verabscheuenswert wie alle übrigen Faschismen! Daran ändert auch die "Eloquenz" seiner Vertreter nicht das Geringste.
Ja, es gäbe viel zu
Ja, es gäbe viel zu diskutieren und sich zu informieren. Zum Thema Speziesismus siehe diesen aufschlußreichen Artikel: https://www.novo-argumente.com/artikel/lexikon_der_tierrechtler Resümierendes Zitat daraus"Der Begriff taugt nur als suggestive Kampfparole, die gegen jeden geschwungen werden kann – einschließlich der Tierethiker, Tierrechtler und Veganer selbst." Faschismus: Der Begriff ist in diesem Zusammenhang unklar, wie man unschwer nachlesen kann https://de.wikipedia.org/wiki/Faschismus.
"Faschismus: Der Begriff ist
"Faschismus: Der Begriff ist in diesem Zusammenhang unklar"
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Durchaus nicht. Rassismus, Xenophobie, Sexismus, Klassismus, Homophobie, Antisemitismus, Speziesismus oder auch Kombinationen mehrerer Faschismen wie der Nazismus haben eine entscheidende Gemeinsamkeit, und die besteht im Ausschluß willkürlich bestimmter leidensfähiger Wesen von der Berücksichtigung ihrer Interessen nach dem Gleichheitsprinzip. Der Faschismusbegriff ist in seinen traditionellen Verwendungen zu ungenau oder zu eng gefaßt, behindert den ethischen Fortschritt und muß daher neu definiert werden. Natürlich wollen Karnisten (wie z.B. Herr Alfs) keine ethische Entwicklung, die auch nichtmenschliche Tiere einbezieht, und so verweigern sie sich gewissen Denk- und Erkenntnisprozessen bis hin zur wahnhaften Erstarrung - ein Effekt, der schon von den Religionen bekannt ist.
Käfighaltung ist aus
Käfighaltung ist aus humanistischen Gesichtspunkten grundsätzlich abzulehnen, bei Menschen, wie bei Tieren. Resozialisation nach Straftaten muss anders möglich sein, als durch jahrelanges Wegsperren. Und was soll in diesem Zusammenhang die Relativierung, „Menschen denen Folter droht wären übrigens richtig froh in einem Zoo eingesperrt zu sein als in dunklen Folterkellern.“ Wir sollten uns für die weltweite Abschaffung der Folter und der Gefängnisse einsetzen, so wird ein Schuh daraus. Im Übrigen wurden noch bis in die dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts nicht nur Tiere, sondern auch „exotische“ Menschen in den Zoos ausgestellt. Unrühmlicher Vorreiter war Carl Hagenbeck in Hamburg. Seit 1874 hatte der Tierhändler seinem Publikum in einer „anthropologisch-zoologischen Ausstellung“ Menschen öffentlich zum Begaffen, ja, ich schreibe bewusst „zum Begaffen“ präsentiert und damit ein neues Geschäftsfeld gefunden, das europaweit Schule machte. Nachzulesen bei Sandrine Lemaire: „MenschenZoos. Schaufenster der Unmenschlichkeit“.
Was passiert in diesen
Was passiert in diesen "Bildungsorten" und was versteht der Verband unter Bildung, für Beispiele wehre ich dankbar?