Missbrauchsskandal

McCarrick ist kein Kirchenmann mehr

Theodore McCarrick, ehemaliger Kardinal und Erzbischof von Washington
Theodore McCarrick, ehemaliger Kardinal und Erzbischof von Washington, beim Weltwirtschaftsforum 2008 in Davos

Im Vorfeld der gestern begonnenen Konferenz im Vatikan, die sich mit dem weltweiten Missbrauchsskandal befassen will, hat die katholische Kirche ein Zeichen gesetzt: Theodore McCarrick hat nach seiner Kardinalswürde auch seine Zugehörigkeit zum Klerikerstand verloren.

Er sei der wohl ranghöchste Kleriker der Neuzeit, dem die höchste Strafe des Kirchenrechts für Geistliche auferlegt wird, berichtet domradio.de. Entschieden hat das die Glaubenskongregation, die frühere Inqusitionsbehörde. Die konkreten Vergehen McCarricks lauten: "Belästigung im Sakrament der Beichte und Sünden gegen das Sechste Gebot bei Minderjährigen und Erwachsenen, mit dem erschwerenden Faktor des Machtmissbrauchs", so zitiert kath.net eine Veröffentlichung des Vatikan. Der mittlerweile 88-Jährige, der später als Vorkämpfer gegen sexuellen Missbrauch durch übergriffige Priester gelten sollte, soll zwischen 1970 und 1990 mindestens zwei Minderjährige missbraucht haben. Auch soll er Sex mit Anwärtern für das Priesteramt gehabt haben. In diesem Zusammenhang soll es in der Vergangenheit Anweisungen von vatikanischer Seite gegeben haben, der damalige Kardinal und Erzbischof von Washington solle "wegen Vorwürfen früheren sexuellen Fehlverhaltens mit erwachsenen Seminaristen ein zurückgezogenes Leben führen." Papst Franziskus hat das Urteil gegen den Ex-Kardinal, der mittlerweile in einem Kloster in Kansas (USA) lebt, bestätigt. Somit ist es nicht mehr anfechtbar. Ob McCarrick noch Pensionszahlungen von der Kirche erhalte, sei nicht bekannt.

Wie ernst es dem Papst mit der Aufarbeitung und Maßnahmen zur künftigen Verhinderung von Missbrauch ist, werden die kommenden Tage zeigen. Nach diesem bemerkenswerten Schritt, (mutmaßliche) Missbrauchstäter konsequent aus dem Verkehr zu ziehen, für den es sicherlich noch eine Vielzahl weiterer Kandidaten gäbe, ließ der Dämpfer der Erwartungen nicht lange auf sich warten: Zu harte Kritiker bezeichnete der "Heilige Vater" als "Freunde und Verwandte des Teufels".

Kommentare (2)

Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Fr. 22 Feb 2019 - 13:10

Ach der arme Mann, jetzt muss er von seinem Pensionsgeldern sich Knaben o. Mädchen
kaufen, falls er überhaupt noch in der Lage ist mit seinen 88 Jahren etwas zu bewegen.
Menschen seines Schlages gehören lebenslänglich weggesperrt, egal ob Pfaffe oder Normalo. Sie alle töten Kinderseelen bis zu deren Lebensende.

A.S. (nicht überprüft)

Sa. 23 Feb 2019 - 19:16

Wo Macht ist, ist auch Macht-Missbrauch. Von ihrer Macht will die katholische Kirche nicht lassen. Also wird es weiter Macht-Missbrauch geben, ob auf sexuellem Gebiet oder auf anderen.

Gisa Bodenstein

Die Autorin studierte Kulturgeographie mit den Wahlfächern Politische Wissenschaft, English and American Studies und Physische Geographie in Erlangen. Danach war sie für die Erlanger Nachrichten und die Berliner Morgenpost tätig. Seit 2017 arbeitet sie für den hpd und hat im April 2025 den Posten der Chefredakteurin übernommen.

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