Säkulare Buskampagne 2019 – Tag 6: Kiel

Kiels kleines säkulares Geheimnis

Die Buskampagne in Kiel

Die Hafenstadt beehrte den Bus mit – für Kieler Verhältnisse – herrlichstem Wetter, das trotz Unwetterwarnung hielt. So konnten die Stadtrundfahrten, auf denen die Busgäste viel Geschichtliches und Säkulares über die Stadt erfahren konnten, mit offenem Verdeck stattfinden. Am Abend diskutierten Michael Schmidt-Salomon und Volker Beck auf einer vielbeachteten Veranstaltung in der Universität.

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Gestern tourte der "Kirchenstaat? Nein danke"-Bus weiter nach Kiel, das nur überschaubare 98 Kilometer von Hamburg entfernt liegt. Hier brachte sich der Oldtimer-Doppeldecker in Stellung, gut sichtbar aus drei Fußgängerzonen-Straßen. Mövengeschrei und ein gelegentlich vernehmbares Schiffshorn verrieten: Der Hafen kann nicht weit sein. Den konnte man während der Stadtrundfahrt bestaunen, die Helge Brunswig von der Giordano-Bruno-Stifung (gbs) Schleswig-Holstein leitete.

Schon eine Straße hinter der Fußgängerzone beginnt der Kai. Die Queen Victoria lag vor Anker, begleitet von einigen Aktivisten, die gegen die Umweltverschmutzung durch Kreuzfahrten demonstrierten. Vom Hafen aus gut zu sehen ist der 106 Meter hohe Rathausturm. Zu ihm gebe es ein "kleines säkulares Geheimnis", wie Brunswig zu berichten wusste: Kein Kirchturm der Stadt dürfe höher sein, damit klar sei, wer die Macht innehabe. In München ist es übrigens genau anders herum: Hier gelten die Türme der Frauenkirche als Obergrenze für die Höhe von Neubauten.

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Foto: Maximilian Steinhaus

Am Hafen liegt auch das Meeresforschungszentrum "Geomar", eines der führenden Institute seiner Art weltweit, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Menschen über den Klimawandel aufzuklären. Überhaupt habe Kiel, "das Tor zur Ostsee", eine lange Universitäts- und Forschungsgeschichte, ganze sieben Nobelpreisträger hat die Stadt hervorgebracht, unter ihnen Max Planck. Während der Bus die Staatskanzlei passierte, erzählte Historiker und Biologe Helge Brunswig etwas über die Caritas-Lüge. Von der "Kiellinie", wie das Westufer der Kieler Förde genannt wird, konnte man mehrere Schiffe der Marine erkennen, die hier stationiert ist. Der Liegeplatz der Gorch Fock ist bekanntlich gerade leer. "Im Wappen der Universität steht 'Pax optima rerum' – der Frieden ist das höchste aller Güter. Das ist schon ein gewisser Widerspruch", erzählte der Stadtführer.

Weiter berichtete er, dass in Kiel die Wasserwettkämpfe bei den Olympischen Spielen 1936 und 1972 stattfanden. Die nordische Ideologie der Nazis sei in der Stadt auf fruchtbaren Boden gefallen, als ehemals dänisches Gebiet fühle man sich dem Skandinavischen von jeher verbunden, auch später noch, als hier Bildungskonzepte wie die Gesamt- oder die Ganztagsschule, die diesen Ländern entstammen, zuerst erprobt worden seien. Als nächstes passierte der Kampagnen-Bus die Ansgar-Kirche, benannt nach einem christlichen Missionar aus Franken, der den hiesigen Heiden durch Brandschatzen und Totschlag die Nächstenliebe näherbringen wollte. Das Wetter hielt trotz Unwetterwarnung, auch wenn sich ringsum schwarze Wolken zu türmen begannen.

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Foto: Maximilian Steinhaus

Am Abend fand im Audimax der Universität Kiel ein mit Spannung erwartetes Streitgespräch zwischen dem Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs), Michael Schmidt-Salomon, und Volker Beck, Grünen-Politiker und bis 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages, statt. Der ehemalige Abgeordnete hatte sowohl für das Sterbehilfegesetz als auch für das Beschneidungsgesetz gestimmt, die die gbs beide als verfassungswidrig kritisiert. Anfang Dezember hatte Beck auf Twitter den Säkularismus als "so antifreiheitlich wie den Islamismus" bezeichnet. 500 Zuhörer verfolgten den lebhaften Schlagabtausch, der nach Aussage der Universität eine ihrer bestbesuchten Veranstaltungen gewesen sei. Hierüber berichtet der hpd noch einmal gesondert.

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Foto: Gisa Bodenstein

Der hpd ist Medienpartner der Säkularen Buskampagne 2019 und berichtet über alle Tage der Tour des Busses durch Deutschland.

Kommentare (2)

Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Fr. 10 Mai 2019 - 16:01

Ich hoffe, Beck grüßte hier niemanden auf diese Weise. Spaß beiseite: Ich fand seine Beiträge zur Beschneidungsdebatte 2012 unterirdisch und menschenverachtend. Wie kann man eine wahnbasierte Ideologie (egal was deren Anhängern an Schrecklichem widerfahren ist) über die grundgesetzlich garantierten Interessen und das Leid von Kindern stellen? Durch seine Beiträge begann mein Vertrauen in den Rechtsstaat zu bröckeln.

Um noch im Chor der Demokraten mitsingen zu können, musste ich meine Stimme eine Zeitlang schonen...

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Fr. 10 Mai 2019 - 17:30

Donnerwetter, der Bus mal nicht zu schwer fürs Pflaster - oder schaute dein Freund und Helfer erst gar nicht vorbei?

Gisa Bodenstein

Die Autorin studierte Kulturgeographie mit den Wahlfächern Politische Wissenschaft, English and American Studies und Physische Geographie in Erlangen. Danach war sie für die Erlanger Nachrichten und die Berliner Morgenpost tätig. Seit 2017 arbeitet sie für den hpd und hat im April 2025 den Posten der Chefredakteurin übernommen.

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