Christliche Sextoys und biblische Lust

Drei gläubige Jungunternehmer haben einen Sexshop gegründet – mit christlichen Werten: kein Fetisch, dafür neue erotische Ideen für das Eheleben. Denn: Gott habe den Sex schließlich nicht nur fürs Kinderkriegen gemacht. Freikirchen sind irritiert, die Evangelische Kirche zeigt sich hingegen aufgeschlossen.

Es gibt einen neuen Sexshop auf dem Internetmarkt. Aber nicht irgendeinen: Den ersten mit christlichen Werten. Auf "schoenerlieben.de" findet man keine anzüglichen Bilder für Anwendungsbeispiele und keine Nacktheit, nur sachliche Erklärungstexte, was man wie verwendet und worauf man achten sollte – dann gerne auch mit Skizze. Die drei Gründer aus Bielefeld – allesamt um die 30 Jahre alt – wollen den Fokus auf den Geschlechtsverkehr innerhalb der monogamen Paarbeziehung richten. Entsprechend gestaltet sich auch die Produktpalette: Es gibt Partnervibratoren, Massageöle und -kerzen, Körperpuder und Federstäbe, dafür keinen Fetisch, kein Lack und Leder, nichts Extremes, auch "keinen billigen Sexhumor oder Fäkalsprache". Aber Ratgeber, die auch mit einbeziehen, "wie schön und erotisch die Bibel Intimität beschreibt" oder die Sexualität als "Gottes geniale Idee" sehen und Männern helfen sollen, Versuchungen zu widerstehen. Auch eine vegane Produktpalette findet man auf der Seite. Und: Kondome, sogar für beide Geschlechter.

Der christliche Wert, dass Sex lediglich der Fortpflanzung dienen soll, gilt hier jedenfalls nicht. "Gott hat den Sex doch nicht nur fürs Kinderkriegen gemacht. Er hat den Sex auch gemacht, damit wir uns fallen lassen können", sagte Timon Rahn, einer der Gründer, gegenüber Focus Online. Auf die Rückseite seines Oberarms hat er sich die drei Kreuze von Golgatha tätowieren lassen. Seiner Meinung nach werde in Kirchengemeinden viel zu wenig über Sex gesprochen. Der "Liebesshop mit christlichen Werten", wie er sich selbst nennt, soll helfen, Tabus aufzubrechen. Man könne und wolle aber keine Richtlinie für den moralisch korrekten Umgang mit Sexualität geben, heißt es in der "Philosophie" des Onlineshops. Schließlich gingen die Vorstellungen von Liebe und Sex in der heutigen Zeit weit auseinander. "Und das nicht nur zwischen Christen, Atheisten und Anhängern anderer Religionen, sondern auch unter Christen selbst."

"Ich habe mich selbst zuvor schon in anderen Shops umgeschaut, fühlte mich aber nie abgeholt", zitiert ntv-Mitbegründer Wellington Estevo. Pornographische Darstellungen, wie man sie bisweilen bei anderen Anbietern erotischer Produkte findet, hätten "mit der ehelichen Realität nichts zu tun", das würde mehr verunsichern als ermuntern. "Wenn es um Sex geht, dann geht es um mich und meine Frau – und um nichts anderes." Die Webseite mache dabei ein Angebot, "mal über den Tellerrand hinaus zu schauen".

Er und die beiden anderen gläubigen Jungunternehmer, die hauptberuflich eine Werbeagentur betreiben, entstammen dem freikirchlichen Umfeld. Ihre jeweiligen Gemeinden zeigten sich nicht unbedingt begeistert von der erotischen Geschäftsidee: bei Gerhard Peters, dem dritten im Bunde, hatte sie gar zur Folge, dass sich seine Gemeinde von ihm abwandte.

Und die Evangelische Kirche? Sexualität sei eine gute Gabe Gottes, derer sich Christen erfreuen dürften, teilte sie der dpa auf Anfrage mit. "Aber dort, wo Menschen intim miteinander sind, zeigen sie sich gleichzeitig auch besonders verletzlich", so eine Sprecherin. Man hoffe, dass die Gründer des christlichen Sexshops sich dem Ethos einer verantwortungsvoll gelebten Sexualität verpflichtet wüssten. Berührungsängste gibt es jedoch nicht: Schoenerlieben.de durfte sich auf dem evangelischen Kirchentag in Dortmund vergangenen Monat präsentieren. Das Interesse sei groß gewesen, die Reaktionen – vor allem auch der älteren Besucher – positiv, berichtete der WDR .

Kommentare (13)

Konrad Schiemert (nicht überprüft)

Do. 25 Jul 2019 - 11:56

Man könnte diffrenzierter auf die Wünsche der Kundschaft reagieren:
"schoenerliben-katholisch.de" und "schoenerlieben-evangelisch.de".

Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Do. 25 Jul 2019 - 12:33

Der gesamte Artikel beruht auf der falschen Tatsache das es einen Gott geben würde, dem
ist aber nicht so, aber man kann damit gute Geschäfte machen, so wie es uns alle Kirchen vormachen. Das sich gläubige Christen in unser Privatleben einmischen ist ja hinlänglich bekannt, aber das diese sich auch jetzt noch in unseren Intimbereich bewegen ist an Anmaßung nicht mehr zu überbieten.

Nora Koch (nicht überprüft)

Fr. 26 Jul 2019 - 10:41

Antwort auf von Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Tun sie das denn? Seh ich nicht so... ich finds lächerlich, aber das ist doch keine Einmischung.

Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Mi. 31 Jul 2019 - 13:20

Antwort auf von Nora Koch (nicht überprüft)

und was ist dann das Zölibat, ist das keine Einmischung in das Intimleben der Menschen?
die unter der "Obhut" der Kirchen leiden müssen.

-ose- (nicht überprüft)

So. 28 Jul 2019 - 15:33

Antwort auf von Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Nun regen Sie sich mal (an falscher Stelle) nicht so auf, dass ist ungesund. Diese 3 jungen Spinner (oder Geschäftemacher) mischen sich doch nicht in IHR Intimleben ein. Einfach ignorieren.
Lassen Sie uns unser Engagement (und unsere Aufregung) aufheben für wirklich wichtige Dinge (und tatsächliche Übergriffe).

Und haben wir es wirklich nötig, uns ständig selbst zu versichern, dass „Gott” eine „falsche Tatsache” sei; ein schönes Oxymoron.

Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Mi. 31 Jul 2019 - 17:58

Antwort auf von -ose- (nicht überprüft)

Das habe ich ja auch nicht geschrieben, dass die sich in MEIN Intimleben einmischen, sondern das sie sich überhaupt mit UNSEREN Intimleben befassen.
Die "falsche Tatsache" ist natürlich eine Zusammenfassung zweier sich wiedersprechender Begriffe, wird aber von den Gläubigen als bewiesene Tatsache gesehen und ist somit nicht richtig.

Ute Soltau (nicht überprüft)

Mi. 7 Aug 2019 - 20:37

Antwort auf von Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Soll'n die doch machen, was sie wollen, es ist ja ein christlicher Shop, dass die aber auch noch einen Stand auf dem Kirchentag hatten, ist schon kurios.
Sextoys mit christlicher Philosophie?
Evolutionär! Die Religionen werden eben ganz anders modern.

Ulf_der_freak (nicht überprüft)

Do. 25 Jul 2019 - 21:19

Mir kommt da immer eine ganz bestimmte Szene mit einem Kruzifix in "Der Exorzist" in den Sinn...

streminger (nicht überprüft)

Fr. 26 Jul 2019 - 10:22

Sehr wichtig für das Diesseits. Denn im christlichen Himmel geht es dann - im Gegensatz zum muslimischen - auf ewig nur noch fromm zu.

Roland Fakler (nicht überprüft)

Fr. 26 Jul 2019 - 11:11

Wenn man zu der Überzeugung kommt, dass Gott für Sexshops ist, zeugt das doch von der Fähigkeit, die Bibel kreativ zu interpretieren. Man muss überhaupt die Kreativität bestaunen, die Bibelinterpreten im Laufe der Jahrhunderte gezeigt haben. Immer wollte Gott gerade das, was sie auch wollten und meistens konnten sie das auch mit einem Bibelzitat belegen. Ob sie nun Krieg gegen die ungläubigen Nachbarn anfangen wollten, ob sie ihr Land und ihre Frauen in Besitz nehmen wollten oder ob sie einen Sexshop eröffnen wollten, Gott stand auf ihrer Seite. Einfach genial dieser Gott. Man muss ihn nur richtig verstehen. Mehr dazu gibt es in einem HP-Artikel von mir: https://hpd.de/artikel/will-gott-15191

Edgar Schwer (nicht überprüft)

So. 28 Jul 2019 - 07:12

Gott hat Adam und Eva erschaffen, aber nicht den Vibrator: Daran führt kein Weg vorbei. Für viele ist der Brummer trotzdem ein Geschenk des Himmels, neuerdings auch für evangelische Kirchentagsbesucher. Dank religiöser Anbieter können Christen der Lust frönen, ohne dem Laster zu verfallen. Im Internet gelangen sie an erotische Hilfsmittel und erhalten als Bonus eine biblische Rechtfertigung dazu. Der liebe Gott hat den Sex erfunden, und seine Gefolgschaft sollte das Beste daraus machen, sie tun`s ja eh. Dass die vertrockneten alten Männer im Vatikan Sexualität als Lustgewinn verdammen, ist ja bekannt. Aber lieber Papa Roma, fluoreszierenden Dildos mit Weihrauchwolken würden Licht und himmlischen Wohlgeruch in der Dunkelheit dieser Welt verströmen – welch schöne Metapher das ist. Warum haben die dekadenten Diener des Herrn in Rom das noch nicht erkannt? Ist etwa der monetäre Spürsinn vor lauter Sinnesreizen verlorengegangen?

Ute Soltau (nicht überprüft)

Mo. 29 Jul 2019 - 19:06

Antwort auf von Edgar Schwer (nicht überprüft)

Sex. shop mit christlichen Werten. Na, super. Man muß sich heutzutage wohl immer was "Neues" einfallen lassen, damit die Geldwerte fließen. Hoch lebe die christliche Ökonomie der Geschäftsidee.

Gisa Bodenstein

Die Autorin studierte Kulturgeographie mit den Wahlfächern Politische Wissenschaft, English and American Studies und Physische Geographie in Erlangen. Danach war sie für die Erlanger Nachrichten und die Berliner Morgenpost tätig. Seit 2017 arbeitet sie für den hpd und hat im April 2025 den Posten der Chefredakteurin übernommen.

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