Indien

Tote und Verletzte bei Zusammenstößen von Hindus und Muslimen

Das Erstarken des indischen Nationalismus führt zu immer mehr Gewalt.

Das 2019 verabschiedete Staatsbürgerschaftsgesetz der nationalkonservativen indischen Regierungspartei Bharatiya Janata Party hatte von Anfang an die Diskriminierung der muslimischen indischen Bevölkerung befürchten lassen und Sorgen bezüglich der Entstehung eines Hindu-Staats bestärkt. Nun kam es zu Anschlägen auf muslimische Einrichtungen und Kämpfen in Neu-Delhi, die mehr als 20 Menschen das Leben kosteten und über 200 verletzten.

Angekündigt war das Staatsbürgerschaftsgesetz, welches Ende 2019 in Kraft trat, als eine Unterstützung für Menschen, die vor religiöser Verfolgung in den Nachbarländern Afghanistan, Bangladesch und Pakistan nach Indien geflohen waren und dort als sogenannte illegale Migrant*innen lebten. Etwa 30.000 Menschen, die bereits seit mindestens sechs Jahren in Indien arbeiteten, sollten so einfacher die indische Staatsangehörigkeit erhalten können. Da diese Regelung für religiös Verfolgte nur für Buddhist*innen, Christ*innen, Hinduist*innen, Jaina, Parsi oder Sikh gilt und Menschen muslimischen Glaubens ausschließt, wurde es bereits weltweit kritisiert. Die nationalkonservative Regierungspartei Bharatiya Janata Party (BJP), die das Gesetz unter Premierminister Modi auf den Weg gebracht hatte, muss sich die Vorwürfe gefallen lassen, nicht nur muslimische Menschen zu diskriminieren und entgegen der indischen Tradition eines religiös toleranten Landes einen Hindu-Staat etablieren zu wollen, sondern auch gewalttätige Angriffe auf die muslimische Bevölkerung nicht zu verhindern.

Bereits im August letzten Jahres hatte die Regierung mit Protesten gerechnet, nachdem knapp zwei Millionen Menschen im Bundesstaat Assam durch die neue Gesetzgebung und ihre verweigerte Eintragung ins Staatsbürgerregister staatenlos zu werden drohten. Eingetragen wurden Muslim*innen nur, wenn sie nachweisen konnten, dass ihre Vorfahren bereits seit Beginn der 1970er Jahre in Indien lebten. Diese Papiere konnten gerade ärmere Menschen nicht vorweisen. Die Regierung hatte daraufhin in Assam Sicherheitskräfte stationiert und ein Abschiebelager gebaut. Im Dezember kam es dann zu gewalttätigen Protesten, bei denen mehrere Menschen starben.

Ende Februar dieses Jahres hatte die Gewalt auch Neu-Delhi erreicht. Nachdem die Proteste gegen die Gesetzgebung lange überkonfessionell und friedlich verliefen, konnte BJP-Politiker Kapil Mishra schließlich fanatische Hindus zu einem Protestcamp leiten, wo es zu Kämpfen zwischen hinduistischen und muslimischen Menschen kam. Die Kämpfe forderten Tote und Verletzte und gipfelten in Angriffen auf Moscheen, muslimische Unternehmen und Privathäuser, teilweise aufgestachelt von Polizei und Politik. Premierminister Modi rief verhalten zu Frieden und Harmonie auf. Polizei, Feuerwehr und Krankenhäuser berichteten von Dutzenden Toten und unzähligen Anrufen wegen Brandstiftung und Zerstörung.

Durch die zahlreichen Verletzten und Getöteten ließ sich Premierminister Modi nicht davon abhalten, sich mit dem US-amerikanischen Präsidenten Trump zu treffen und Waffendeals auszuhandeln. Indien plant Rüstungsprodukte im Wert von drei Milliarden Dollar (etwa 2,7 Milliarden Euro) von den Vereinigten Staaten zu erwerben. Wenig verwunderlich, dass der US-Präsident sich mit Kritik zurückhielt.

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Kommentare (4)

Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Mi. 4 Mär 2020 - 12:24

Religionen sind eben lebensgefährliche Institutionen und gehörten ALLE abgeschafft.
Nur so kann eine friedliche Welt entstehen, in der Menschenrechte und Humanität, sowie weltweite Solidarität die allgemeine Weltanschauung bilden.
Ist das wirklich sooo schwer zu realisieren?

Ingrid Schmall (nicht überprüft)

Mi. 4 Mär 2020 - 16:26

Ich kann die Hindus, die Chinesen. Die Bürger Myanmar sehr gut verstehen, denn ich habe den Koran Sure 8 und 9 gelesen und andere Suren aus der Medinazeit. Diese Suren enthalten Befehle Ungläubige sus dem Hinterhalt zu töten, Hass, Hetze, Diskriminierung und Verachtung von Ungläubigen/Andersgläubigen.
Muss ich Menschen einer Religion voller Hass, Hetze, Terror und Diskriminierung in meinem Land dulden, sie ernähren und pflegen, bis sie den Tötungsbefehlen nachkommen?
Die Muslime müssen sich öffentlich von jedem einzelnen Vers des Terrors, des Hasses, der Hetze, der Diskriminierung und Verachtung distanzieren auch und gerade die liberalen Muslime. Da finde ich bisher nichts von den Koranschulen an Fatwas oder liberalen Exegesen liberaler Muslime. Vielleicht findet sich hier jemand Kompetentes, der befreiende Fatwas findet.
Bis dahin habe ich viel Verständnis für Indien, China Myanmar und andere.

Peter (nicht überprüft)

Do. 5 Mär 2020 - 20:05

Antwort auf von Ingrid Schmall (nicht überprüft)

So ist das arg vereinfacht, abgesunken auf das Niveau religionsgelahrter Hohepriester. Natürlich sind die Koran-Texte inhuman, genauso wie die der allermeisten anderen Religionen.

Während Hass & Gewalt nur im Koran-Text drinstehen, praktizieren die Hindus sie tatsächlich: morden, verstümmeln, plündern andere Menschen. Zumal bei den Armen (die es in Indien {wie andernorts auch} am heftigsten trifft, völlig offen ist, ob es praktizierende Fundis (wahabitisch / salafistisch inspiriert o.ä.) sind oder einfach nur Leute, die in die Religionszugehörigkeit ihrer Eltern hineingeboren wurden, dem Islam zwar noch angehören {wie die meisten Kirchenmitglieder hierzulande}, aber vielleicht nie eine reelle Chance hatten, sich mit Alternativen dazu auseinanderzusetzen?

Die religiösen Texte sind pervers, da sind wir uns einig. Aber die Texte über die Menschen stellen: das ist das Gegenteil von Individualismus & Humanismus.

Was die Regierung Modi betreibt, ist Rassismus der übelsten Sorte. Von der Struktur her sehr ähnlich dem in Europa langjährig verbreiteten Antisemitismus. Nota bene: die Nazis verfolgten & ermordeten nicht nur gläubige Juden, sondern genauso auch Menschen, die sich vom Judentum verabschiedet hatten - aber von den Nazis zu Immer-Noch-Juden definiert wurden.

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Do. 5 Mär 2020 - 02:23

Imagine ... and no religion, too.
Ohne Religion wäre das nicht passiert.

Hella Camargo

Jahrgang 1980, hat Germanistik und romanische Philologie studiert. Da sie in eine römisch-katholische Familie hineingeboren wurde und dreieinhalb Jahre auf einer katholischen Grundschule verbracht hat, war der Grundstein zum Atheismus früh gelegt. Heute baut sie lieber auf ihren Gerechtigkeitssinn als auf kirchliche Gebote.

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