Kommentar
Corona – war da was?
Foto: © Gisa Bodenstein
Griffen zu Beginn der Pandemie noch Panikreaktionen um sich, gehen die Menschen jetzt dazu über, das Virus einfach zu ignorieren – obwohl sich eigentlich nichts geändert hat.
Ja, es nervt. Es nervt total, dieses Abstandhalten, das Maskentragen, das Händewaschen. Immer häufiger sieht man, wie Gesichtsmasken nur unterhalb der Nase getragen werden – oder gleich unterm Kinn, sobald man den Security-Menschen am Supermarkteingang passiert hat. Spricht man die Leute höflich an, erntet man wahlweise Augenrollen, Beleidigungen oder einen Auszug aus der jeweils favorisierten Anti-Masken-Weltanschauung. Mich nervt das Maskentragen auch, zumal es als Brillenträger praktisch unmöglich ist, eine länger als fünf Minuten vorhaltende Konstellation zwischen Maske und Brille zu finden, in der letztere nicht beschlägt.
Nach der Phase der Panikkäufe, in der manche Menschen wohl geglaubt hatten, man könnte wie nach einem Atomunfall irgendwann nicht mehr vor die Tür gehen, ohne tot umzufallen, sind wir jetzt mitten in der Phase der Ignoranz. Es liegen ja keine Siechenden auf den Straßen herum, so schlimm kann es ja also gar nicht sein. Anekdotische Evidenz wird zur einzig gültigen Bewertungsgrundlage ("Also ich kenn' niemanden, der an Corona gestorben ist"). Da werden mit einer Selbstverständlichkeit Events für den Herbst geplant, obwohl die Situation dann kaum anders sein dürfte – einen Impfstoff wird es noch nicht geben und wenn wir uns in der kälteren Jahreszeit wieder hauptsächlich drinnen aufhalten, dürften die Fallzahlen eher wieder steigen.
"Irgendwas muss man ja trotzdem machen", war ein Satz, den ich irgendwann im Lauf der Pandemie zu hören bekam, als ich eine Einladung nicht annahm. Nein. Muss man nicht. Warum muss man alles in die Normalität zwingen, wenn die Situation gerade alles andere als normal ist? Warum wird man belächelt, irritiert angeschaut, wenn man sich nicht am "Wir tun jetzt mal so, als wär' nix"-Zeitgeist beteiligen möchte? Warum muss man sich bisweilen sogar vor Risikogruppenangehörigen rechtfertigen, wenn man eine Maske trägt, während man sie besucht? Manche Vertreter dieser Gruppe führen die Bemühungen der letzten Monate, bei denen es ja nicht zuletzt um ihren Schutz ging, durch ihre eigene Renitenz ad absurdum.
Kürzlich wurde über die Aufhebung der Maskenpflicht in Geschäften diskutiert, mit dem Argument, Abstand halten reiche ja auch. In der Theorie mag das möglicherweise stimmen. Die Praxis sieht so aus, dass man die Maskenpflicht wenigstens noch irgendwie kontrollieren kann, die Abstandsregeln nicht. Und natürlich wäre es wünschenswert, wenn man all das gar nicht kontrollieren müsste, weil die Menschen es von alleine einhalten würden – tun sie aber nicht. Die einen aus Gedankenlosigkeit, die anderen aus Protest. Denn genau diejenigen, die immer nach der Eigenverantwortlichkeit schreien, sind auch die, die es ohne Verpflichtung nicht schaffen, diese walten zu lassen.
Was übrigens auch nervt, ist Atemnot, am Beatmungsgerät hängen und unberechenbare Folgeschäden erleiden. Und was nervt, sind Leute, die das einfach ignorieren wollen, zum Schaden derer, die sich um Vorsicht bemühen. Denn es bringt herzlich wenig, wenn man nur die anderen schützt, die aber nicht bereit sind, ihren Teil zu leisten. Das Ganze beruht nun mal auf Gegenseitigkeit.

Kommentare (13)
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Genau meine Erfahrung und
Genau meine Erfahrung und genau mein Ärger. Danke für die klaren Worte!
Ihr dürft Euch gerne vor dem
Ihr dürft Euch gerne vor dem Virus schüzten, wie Ihr es für richtig haltet. Respektiert aber bitte auch Leute, die nicht meinen, dass es bei den von Regierungsseite verordneten Freiheitsbechränkungen oder Eingriffen in die körperliche Unversehrtheit und Angriffen auf die Menschenwürde um Sorge um unsere Gesundheit geht. Dafür sorgen wir gerne selbst. Und wer meint, der Nachbar sei ein Sicherheitsrisiko, darf gerne auf Abstand bleiben und hinter Masken vermeintlichen Schutz suchen. Wir schenken den Menschen am liebsten ein offenes Lächeln, oder wenn es sein muss auch eine abweisende Mimik, ohne uns hinter Masken zu verstecken.
Im Sinne der Nächstenliebe,
Im Sinne der Nächstenliebe, Menschenachtung und des Menschenverstandes, ist es sinnvoll sich und andere Menschen zu schützen. Proaktiv sich und andere zu gefährden ist gefährlich und ignorant. Vermutlich meinen Sie es anders, als Sie es schreiben. Gesellschaft, Inhalt und Freude ist auch mit Maske möglich und kann sogar zum Spaß beitragen. Das gesunde Maß ist entscheidend und ein kontrolliertes Umfeld, dann geht es auch ohne Maske. Übertreibungen sind zu vermeiden, denn diese gefährden Menschen. Andere absichtlich oder durch Unachtsamkeit oder schlimmeres zu gefährden ist nicht erstrebenswert. Einfach nur bockig und dagegen sein, löst die Situation nicht. Innehalten und sich der Situation Bewusst werden ist ein richtiger, erster Schritt. Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst. Das ist menschlich sein.
Jeder und jede ist auch für
Jeder und jede ist auch für andere Menschen verantwortlich, solche mit schwachem oder nahezu überhaupt nicht funktionierendem Immunsystem, solche mit Vorerkrankung, die einen schweren Covid-19 Verlauf begünstigen, alte und geschwächte Menschen.
Dein Freiheitsgefasel kotzt mich an, Leute wie du sind die größten Heuchler, von Freiheit labern aber google-, facebook-, Twitter- , Micro$oft-Dienste und Produkte usw. benutzen, ihr seid nichts als Witzfiguren, welche die Menschenrechte als Bullshitbingo misbrauchen, um ihre eigene Ignoranz und Asozialität zu überdecken!
Sie haben den Sinn der Maske
Sie haben den Sinn der Maske offensichtlich immer noch nicht begriffen. Die Masken soll nicht den Maskenträger schützen sondern andere vor dem Maskenträger. Ich würde es mal als grob unhöflich bezeichnen, wenn Sie andere umbringen wollen, weil Sie keine Maske tragen aber evtl. infiziert sind, ohne es zu merken.
"Respektiert aber bitte auch
"Respektiert aber bitte auch Leute, die nicht meinen, dass es bei den von Regierungsseite verordneten Freiheitsbechränkungen oder Eingriffen in die körperliche Unversehrtheit und Angriffen auf die Menschenwürde um Sorge um unsere Gesundheit geht."
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Diese Leute sind wissenschaftlich ahnungslos und verhalten sich in ihrer Irrationalität gefährlich asozial - das kann schon aus Prinzip nicht "respektiert" werden! Die Verbreitung eines extrem leicht übertragbaren Virus läßt sich nur eindämmen, wenn sich ALLE an den Schutzmaßnahmen beteiligen - auch jene, die von der Situation emotional und vor allem intellektuell überfordert sind.
Passend zum Thema hier noch ein Bildchen, das ich vorgestern gefunden habe: https://pbs.twimg.com/media/EcyZqsuXsAAWNlJ?format=jpg&name=900x900
@Helena Sommer:
@Helena Sommer:
Zustimmung zu jedem einzelnen Wort! Das frustriert enorm, und besonders schlimm finde ich, dass wir Vorsichtigen dabei den inneren Stress haben. Wir müssen uns darauf einstellen, ständig belächelt zu werden oder Dinge sagen zu müssen, von denen sich die Unvorsichtigen sogar noch angegriffen fühlen. Die jenigen, die das alles "nicht so eng sehen" fühlen sich derweil total fluffig, reisen umher und feiern gemeinsam. Schließlich haben sie die Beschränkungen ja schon "ganz schön lange" aushalten müssen!!!einself!
Danke. Sehr!
Danke.
Sehr!
Langer Artikel!
Langer Artikel! Wissenschaftlichkeit vermisst. Genau Datenanalysen führen viele der durch ins in Kauf genommenen Maßnahmen eigentlich ad absurdum. Die Maskenpflicht gehört sehr wahrscheinlich auch dazu. Ich komme ihr nach aus Respekt ggü Anderen, und ich fühle mich meinerseits genervt, wenn sich keiner die Mühe machen will, die vorhandenen Daten und Zahlen nur mal anzusehen. „Sapere aude!“
Ja, wagen Sie es...das
Ja, wagen Sie es...das wünsche ich Ihnen.
Malum est consilium, quod mutari non potest!
"Wir haben einen überraschend
"Wir haben einen überraschend großen Effekt festgestellt - nach unserer Analyse reduzieren Masken das Risiko, sich zu infizieren, um etwa 80 Prozent", sagt Schünemann.
Holger Schünemann leitet an der McMaster Universität in Kanada das "Department of Health Research Methods". Der Professor kommt ursprünglich aus Deutschland und hat im Mai im Auftrag der WHO zusammen mit einem internationalen Team alle Studien zur Frage ausgewertet, ob Masken gegen SARS, MERS oder Covid-19 helfen.
Trefflicher Artikel. Stimme
Trefflicher Artikel. Stimme voll überein!
"Warum muss man alles in die
"Warum muss man alles in die Normalität zwingen, wenn die Situation gerade alles andere als normal ist?"
"Normal"war es hier schon vor der Pandemie nicht. Die Coronakrise macht nur den "alltäglichen Wahnsinn" jetzt so richtig deutlich. Beim Lockdown war es noch einigermaßen ruhig, jetzt geht der Irrsinn aber erst richtig los. Warum? Weil die "Normalen" unser Problem sind und nicht die "Verrückten." Was "normal" ist, ist nämlich nicht normal, auch wenn es Alltag geworden ist und jeder sich daran gewöhnt hat. Die Mehrheit handelt so. Und zwar, tun und lassen, was man will, ohne auf irgend jemanden Rücksicht zu nehmen, Strassenschlachten als Demos deklarieren, Beleidigungen an die Adresse derer, die für Ordnung sorgen sollen als Meinungsfreiheit deklarieren usw. Das ist Alltag, aber nicht "normal", wird aber als normal deklariert. Darum wäre die logische Konsequenz, eine "Unnormalität" anzustreben, nämlich ein "normales" Verhalten wieder an den Tag legen. Das würde nämlich bedeuten, Rücksichtnahme üben, einfach einmal an ein paar Regeln halten, den Umgangston wieder an den Knigge anpassen. Denn wer Freiheit möchte, hat auch Verantwortung für sich und andere. Das wollen viele aber nicht. Die Verantwortung übernehmen.
Was ich auch erlebe, egal wo, viele rennen wieder in träumerischer Sorglosigkeit durch die Gegend und sehen sich als Nabel der Welt. Sehr ärgerlich und zudem auch noch unverschämt. Das Ganze fing zu einem Zeitpunkt an, als langsam gelockert werden sollte (Mai) und religiöse Fanatiker meinten, ihre sonntäglichen Berieselungen wieder einklagen zu müssen, weil sie glauben, dass ihre Götter sie vor dem Coronavirus schützen. Naja, gegen die Dummheit ist seit Jahrtausenden kein Gegenmittel gefunden worden. Leider!