"Christliche Erziehung erfolgt in jedem Fall"
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DÜSSELDORF (hpd) Jeanny Passauer, Beirätin der Partei der Humanisten, verteidigt in einem offenen Brief das Recht ihrer Kinder, nicht zu einer religiösen Indoktrinierung gezwungen zu werden. Ihr staatlicher, konfessionsfreier Kindergarten gibt an, die Kinder in jedem Fall christlich zu erziehen. Die Landesverfassung definiert Ehrfurcht vor Gott als oberstes Ziel der Erziehung.
Guten Tag!
Ich bin Mutter einer schulpflichtigen Tochter und zweier Söhne im Kindergartenalter. Meine Kinder besuchen konfessionsfreie, städtische Einrichtungen einer kleinen Stadt im westlichen NRW.
Ich bin erschüttert darüber, dass meinen Kindern "christliche Werte" aufgezwungen werden sollen. Im beschreibenden Text der Kindergärten steht: "Eine christliche Erziehung erfolgt in jedem Fall." Auch unser Landesschulgesetz erdreistet sich, nach wie vor und aller Kritik zum Trotz in § 2 die "Ehrfurcht vor Gott" als Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schulen zu definieren (basierend auf § 7 der Landesverfassung).
In Artikel 4 unseres Grundgesetzes (Sie wissen schon, das Gesetz, welches über allen anderen Gesetzen steht und meine Freiheitsrechte garantiert) sind unsere Freiheitsrechte sehr genau geregelt. Zur Erinnerung:
"(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.
(2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet."
Wie Sie Absatz 1 entnehmen können, ist unsere auf empirisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhende humanistische Weltanschauung zu respektieren. Nicht nur die Freiheit eines Jeden, seinen Glauben ungehindert ausleben zu können, hat von Ihnen als Träger garantiert zu werden, sondern auch unsere Freiheit, eben nicht an religiösen Riten und Überzeugungen jeglicher Art teilnehmen zu müssen.
Ich möchte weder den Kindern im Kindergarten das "Eiersuchen" noch den Besuch des "Nikolaus" nehmen! Traditionen, Bräuche und Rituale können durchaus auch ohne verwirrende und/oder grausame Geschichten ausgelebt werden. Die Verbindung zwischen brutaler Hinrichtung, bunten Eiern und süßen Häschen ist mir ohnehin ein Rätsel.
Ich verbitte mir schlicht, dass meinen Kindern religiöse Theorien jeglicher Art und Herkunft als absolute Wahrheiten präsentiert werden und etwas wie "Ehrfurcht" vor einem Wesen, dessen Existenz weit mehr als äußerst zweifelhaft ist, diktiert wird.
Ein ganz besonderes Problem habe ich mit den sogenannten "christlichen Werten", die eben nicht unseren modernen Freiheitswerten entsprechen, ganz im Gegenteil. Sämtliche unserer in der heutigen Zeit groß geschriebenen Werte, wie Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau etwa, mussten hart gegen die Religionen erkämpft werden. Den aktuellen Kampf um die Gleichberechtigung aller sich liebenden Menschen können sie in den Medien verfolgen. Diverse Vertreter der Nächstenliebe-Fraktion unterstützen sogar, ganz ungeniert, die in der Bibel geforderte Todesstrafe für Homosexuelle: "Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben; […]" – (3.Mose 20,13)
Welchen Teil dieses grausamen Buches man nun wörtlich nehmen muss und welchen man wie interpretieren soll, scheint je nach Bedarf neu entschieden zu werden.
Ein paar Beispiele für Erziehungstipps bzw. christliche Werte direkt aus der Bibel: "So tötet nun alles, was männlich ist unter den Kindern, und alle Frauen, die nicht mehr Jungfrauen sind; aber alle Mädchen, die unberührt sind, die lasst für euch leben." – (4. Mose 31,17–18)
"Wenn jemand einen widerspenstigen und ungehorsamen Sohn hat, der der Stimme seines Vaters und seiner Mutter nicht gehorcht und auch, wenn sie ihn züchtigen, ihnen nicht gehorchen will, so sollen ihn Vater und Mutter ergreifen und zu den Ältesten der Stadt führen […]. So sollen ihn steinigen alle Leute seiner Stadt, dass er sterbe, […]" – (5. Mose 21,18–21)
Auch das Neue Testament ist da nicht freundlicher:
"So jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Weib, Kinder, Brüder, Schwestern, auch dazu sein eigen Leben, der kann nicht mein Jünger sein." – (Lukas 14:26)
Nur eine winzige Auswahl, die es mir als Mutter unmöglich macht, zu glauben, man könne christliche Werte mit Gleichberechtigung, uneingeschränkter, echter Nächstenliebe und Selbstbestimmung in Einklang bringen, oder gar definieren. Unser Rechtsstaat hingegen verbietet Todestrafen und Aufrufe zu Gewalt.
Wir als Atheisten sind im steuerrechtlichen und wirtschaftspolitischen Sinne bereits auf das Peinlichste benachteiligt. Es mangelt an konfessionsfreien Vertretern in sämtlichen Gremien. Dies ist ärgerlich und eine Schande für ein ansonsten beeindruckend fortschrittliches (der nennenswerten Ausnahmen bin ich mir durchaus bewusst) Land wie Deutschland, aber die Indoktrinierung unserer Kinder in öffentlichen Einrichtungen hat sofort aufzuhören! Ich verlange für meine Kinder echte Freiheit von Religion, nicht nur Freiheit für Religion!
Kommentare (26)
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>> Traditionen, Bräuche und
>> Traditionen, Bräuche und Rituale können durchaus auch ohne verwirrende und/oder grausame Geschichten ausgelebt werden. Die Verbindung zwischen brutaler Hinrichtung, bunten Eiern und süßen Häschen ist mir ohnehin ein Rätsel. <<
Rituale wie die Verfolgung von Minderheiten oder die öffentliche Verbrennung von "Zauberfrauen" haben wir aus gutem Grund nicht mehr im Programm. Weshalb wir einen Ideologen, welcher mit einem Pferd dahergeritten kommt und das Weltbild einer nahöstlichen Gesellschaft pflegt, einen roten Teppich ausrollen sollen, einen Ideologen mit Panzer und Raketenwerfer, der "nur" ein anderes Weltbild pflegt, hingegen hinter Gitter bringen, dürfte ebenfalls Fragen offen lassen.
Die Technik alleine kann es doch nicht sein, oder? Hätte der damalige Ideologe den Panzer gehabt, so hätte er ihn zur Verfolgung und Vernichtung sicherlich genutzt.
Werte entwickelten sich in unserer Gesellschaft. Es ist *unsere* Aufgabe, sie zu pflegen und sie stetig zu verbessern, damit die zukünftige Generation "es besser hat" als diejenige, die für diese Werte ihr Blut lassen mussten. Wäre es nicht sinnvoller Menschen zu ehren, welche für unsere heutigen Freiheiten eingetreten sind, anstatt Rituale einer Gesellschaft zu pflegen, welche Minderheiten verfolgen und ermorden ließ und sich heute brüstet, die perfekte Moral zu besitzen? Dabei es schamlos als (moralisch) "richtig" ansieht, Menschen aufgrund ihrer Sexualität zu diskriminieren und deren Verfolgung und Ermordung vollkommen tatenlos zusehen?
Dies sind meiner Meinung nach keine Werte, die wir den Kindern beibringen sollten. Dies sind Fehler unserer Gesellschaft, die unsere Kinder - zum Wohl aller Menschen - nicht mehr begehen sollten. Sie sollten keine "Ehrfurcht" vor unsichtbaren Zauberwesen haben. Sie sollten den Wert des Lebens - unabhängig der unsichtbaren Vorstellung etwaiger Schöpfer und Schöpferinnen - kennen lernen. Das letzte was sie hierzu benötigen sind moralische Zaubergeister die tatenlos zuschauen, wenn Menschen im Meer ertrinken oder sich mit Sprengstoff in die Luft jagen, aber angeblich - so sagen es zumindest die vertrauensvollen Erwachsenen - sehr sehr böse werden sollen, wenn man unter der Bettdecke masturbiert ;)
"Ihr staatlicher,
"Ihr staatlicher, konfessionsfreier Kindergarten gibt an, die Kinder in jedem Fall christlich zu erziehen."
Wo bleibt da die Trennung von Staat und Kirche? Was wäre mit muslimischen Kindern? Werden denen auch "christliche Werte" aufgepresst? Da können die vom Glück sprechen, dass ihre Religion erst nach Kanonisierung des NT erfunden wurde, sondern würden nicht nur Juden auf der ideologischen Abschussliste des Christentums stehen.
Oder soll der Satz "Eine christliche Erziehung erfolgt in jedem Fall" eher ein abschreckende Wirkung auf muslimische Eltern entfalten und ach so christliche Eltern haben die Gewähr, dass ihre Sprösslinge "unter sich" bleiben?
In jedem Fall sehe ich hier die Neutralitätspflicht des Staates verletzt. Wahnhafte und auch sonstige Ideologien haben in öffentlichen Einrichtungen nichts zu suchen. Diese Rille später aus den Köpfen der Kinder zu kriegen ist extrem schwer bis unmöglich.
Religiöse "Musikalität"? Wie hieß da damals bei Dieter Thomas Hecks "ZDF-Hitparade"? "Dieser Titel war jetzt dreimal dabei - bitte nicht mehr wiederwählen...!"
Worin besteht letztlich die
Worin besteht letztlich die religiöse Erziehung?
Dass Kinder trotz aller Übel in der Welt Ehrfurcht vor einem gütigen und mächtigen HERRN bekommen, der das alles geschaffen hat.
Jeder Mensch, der die Macht dazu hätte und auch nur halbwegs moralisch empfinden kann, würde zumindest bei Massenmord -- und wenn in Seinem Namen Kriege geführt werden -- eingreifen.
Gott tut es nicht. Dennoch gilt ER als gütig und gerecht und barmherzig, als verehrungswürdiges Wesen, das >alle positiven Eigenschaften in höchsten Maße in sich vereint<.
Durch eine solche Ideologie werden die innersten moralischen Intuitionen der Kinder zerstört. Kein Wunder also, dass es dann in der Folge die verschiedensten Nachfolgeprobleme gibt.
Meine Freundin leitet seit 6
Meine Freundin leitet seit 6 Jahren eine Kita in Elterninitiative und hat als eine ihrer ersten Amtshandlungen die religiöse Komponente aus der Konzeption gestrichen.
Alle Feste werden rein traditionell ausgerichtet und es findet sich dort kein einziges religiöses Symbol.
Ausnahmslos alle Eltern haben dem zugestimmt und mittlerweile hat es sich zu einem Auswahlkriterium entwickelt.
Jeder Tag braucht eine gute
Jeder Tag braucht eine gute Nachricht. Diese ist so eine!!! Daumen hoch...
Bravo, gut gemacht! In
Bravo, gut gemacht! In welchem Bundesland bzw. welcher Stadt ist das denn?
Klasse! Der Brief spricht mir
Klasse! Der Brief spricht mir aus dem Herzen, und ihre Kita geht den richtigen Weg.
Ich selbst lebe etwas außerhalb der Stadt - und da gibt es nur noch die Kindergärten der Diakonie, kein Entrinnen für meine Kinder. Und auch in BaWü gibt es eine unsägliche Landesverfassung, die "Gottesfurcht" als Erziehungsziel deklariert. Bei mir ging's schief - ich fürchte "Gott" durchaus - sofern er als Argumentationsgrundlage und Wahrheit daherkommt.
Richte ich Ihr aus. Danke!
Richte ich Ihr aus. Danke!
Die Kita ist im Bergischen. Burscheid.
Na also, geht doch. Super!
Na also, geht doch. Super!
Eine schöne Nachricht, weiter
Eine schöne Nachricht, weiter so!
Auszug aus „Der
Auszug aus „Der Orientierungsplan für Bildung und Erziehung in B-W Kindergärten und weiteren Kindertageseinrichtungen“
Wenn man das Dokument nach Gott, Religion, Kirche, Gebet, Gottesdienst , etc. durchsucht findet man so gut wie alle Referenzen auf Mitwirkende aus Kirchenkreisen und religiöse Inhalte des Plans
Beispiele.
3.6 Bildungs- und Entwicklungsfeld: Sinn, Werte und Religion
„Die Kindheit ist ein Augenblick Gottes.“
Achim von Arnim (1781–1831), deutscher Dichter und Schriftsteller
Beim Erleben religiöser Traditionen spielen religiöse Feste, symbolische Handlungen, Ausdrucksformen und Geschichten eine wichtige Rolle. Kinder sollen in ihrem Philosophieren bzw. Theologisieren über Gott, Grund und Ursprung der Welt, das Warum von Leben und Leid ernst genommen werden und verständnisvolle Partner finden können. Dabei gilt es angesichts der Vielfalt von Wert- und Sinnsystemen den ständigen Dialog zwischen Tageseinrichtungen für Kinder und dem Elternhaus zu gestalten.
Fragestellungen - als Denkanstöße - mit religiösem Bezug:
War Mose sehr erschrocken, als er Gott erblickte?
Die Luft, ist das Gott?
Wodurch erfahren die Kinder von Menschen, die auf Gott vertrauen?
Wissen die Kinder um die Möglichkeit der Stille, des Betens, des gottesdienstlichen Feierns und um die Kraft, die beispielsweise von einem geistlichen Lied ausgehen kann?
Wo finden die Kinder Unterstützung zum Ausdruck ihrer Gedanken zu philosophischen und religiösen Fragestellungen?
Wissen Kinder um die Möglichkeit des Betens und gottesdienstlichen Feierns?
Haben Kinder die Möglichkeit die Sprache religiöser Symbole kennen zu lernen?
Wird den Kindern ein Zugang zur christlichen Erzähltradition eröffnet? Finden die Erzähltraditionen anderer Religionen und Kulturen Berücksichtigung?
Wie und wodurch werden die Kinder angeregt, Natur und Schöpfung zu achten?
Hören Kinder von religiösen, philosophischen oder literarischen Vorbildern, die zur Verantwortung für die Natur motivieren?
Wie können sich Kinder auch mit Gegebenheiten ihrer Lebenswirklichkeit beschäftigen, die nicht mess-, wieg- und zählbar sind?
Wie regt der Kindergarten an, über Anfang, Ziel und Ende menschlichen Lebens zu philosophieren bzw. zu theologisieren?
Lernen Kinder Zeugnisse der Religionen in ihrem Wohnumfeld kennen (Kirchen, Wegkreuze, Synagogen, Moscheen ...)? Haben sie Zugang zur Welt der Religionen und Kulturen?
Weiterführung in der Schule: … Zum anderen mündet die Auseinandersetzung mit Sinn und Wertfragen in die Fächer „Evangelische Religionslehre“ und „Katholische Religionslehre“. Ihr Leitgedanke ist es, Kinder bei ihrer Suche nach Orientierung und Lebenssinn zu begleiten, die Frage nach Gott zu stellen und sie aus der Erfahrung der christlichen Glaubenstradition zu erschließen. Sie bieten außerdem Informationen über und Erfahrungen mit anderen religiösen und säkularen Vorstellungen von Selbst, Welt und einem guten Leben.
Quellen:
http://www.bildungsserver.de/Bildungsplaene-der-Bundeslaender-fuer-die-fruehe-Bildung-in-Kindertageseinrichtungen-2027.html
http://www.kultusportal-bw.de/site/pbs-bw/get/documents/KULTUS.Dachmandant/KULTUS/import/pb5start/pdf/KM_KIGA_Orientierungsplan_2011.pdf
Ich denke, man sollte
Ich denke, man sollte berücksichtigen, dass viele Leute heutzutage unter "christlichen Werten" den Humanismus sehen. Religion ist äußerst dehnbar, und ich finde das geradezu ein Definitionsmerkmal. So gelingt es ihr, sich alles Gute zu vereinnahmen, oder andersrum können die Leute alles, was gerade passt, in ihrem religiösen System verorten. Die Autorin bemerkt denn auch:
"Welchen Teil dieses grausamen Buches man nun wörtlich nehmen muss und welchen man wie interpretieren soll, scheint je nach Bedarf neu entschieden zu werden."
Genau, der Gläubige kann sagen, man müsse alle Stellen immer unter dem richtigen Licht sehen, und er kann aus dem Glauben heraus auch begründen, was warum das richtige Licht ist. Und der liberale, "aufgeklärte" Gläubige kann über Frau Passauer schmunzeln, wie "biblizistisch" sie argumentiere. Ob sie denn so wenig vom Glauben verstehe, dass sie nicht mal über den Buchstaben hinauskomme und die zitierten Stellen völlig aus dem Zusammenhang reiße, den Zusammenhang offenbar nicht verstehe und absolut nicht verstehen wolle.
Völlig richtig!
Völlig richtig!
Gläubige verstehen nur nicht, dass diese freie Interpretierbarkeit religiöser Texte im schlimmsten Fall lebensgefährlich (siehe religiöse Gewalttaten) und im günstigen Fall völlig beliebig (da nicht faktenbasiert) ist.
Damit bleibt Religion gerade durch die selbst als positiv propagierte Interpretationsmöglichkeit ein sinnloses Konstrukt, dass keinen anderen Wert besitzt, als seine Profiteure zu ernähren.
Was gibt es denn an einem
Was gibt es denn an einem Buch zu verstehen, dessen Lesart gerade mal der eigenen Wohlfühlzone angepasst wird und von Haustür zu Haustür eine andere Bedeutung hat?
„Jesus sprach zu den
„Jesus sprach zu den Dabeistehenden: Nehmt das Pfund von ihm und gebt es dem, der die zehn Pfunde hat. Und sie sprachen zu ihm: Herr, er hat ja schon zehn Pfunde! Ich sage Euch aber: Wer da hat, dem wird gegeben werden; von dem aber, der nicht hat, wird auch genommen werden, was er hat. Doch jene meine Feinde, die nicht wollten, dass ich über sie König würde, bringt her und erschlaget sie vor mir.“ (Lk 19.24 ff).
Man möge mir bitte den tieferen, wenn möglich liberal-humanistischen Sinn aus den Munde des >größten Morallehrers aller Zeiten< erklären.
Ich will es mal versuchen.
Ich will es mal versuchen.
Das Matthäus-Prinzip gibt eine Art Naturgesetz (also ein vom Schöpfer stammendes Prinzip) wieder: Wer hat, dem wird gegeben. Wer nicht hat, dem wird genommen. Wer seine Sünden erkennt und bekennt, dem werden sie erlassen. Wer weiterhin sündigt und sich nicht bekehrt, der ist doppelt bestraft, weil er in der Gottesferne lebt und seine Sünden nicht erlassen werden. Und Sünde bedeutet bekanntlich Gottesferne, was man auch gemeinhin als Hölle bezeichnet. Da wird des Sünders Seele nach dem Tod landen, leider.
Man mag sich fragen, ob es nicht ungerecht ist, dass sich Gott dem einen zuwendet und zeigt, und dem anderen nicht. Denn letztlich ist es nicht unser eigener Verdienst, dass wir uns bekehren, sondern immer auch Gnade Gottes. Aber der Mensch muss das Angebot der Liebe Gottes annehmen. Gott respektiert unseren freien Willen, auch wenn es ihn schmerzt, dass seine Liebe ausgeschlagen werden kann. Gott leidet mit den Menschen, die nicht an ihn glauben. Nicht nur weil Sünde schlecht ist, sondern auch weil ihm der gottes-, glücks- und wahrheitsferne Mensch leid tut.
Das Bild mit den zu erschlagenden Feinden bekräftigt die doppelte Bestrafung durch die eigene Entscheidung für die Sünde: Es geht um eine so ernste Sache, die mit diesem Bild so drastisch dargestellt werden muss, um deutlich zu machen, wessen man sich beraubt, wenn man nicht Jesus als Herrscher (König) über sich annimmt. Da kann man sich gleich selbst erwürgen, so schade ist es, dass man sich selbst so der Wahrheit und ewigen Glückseligkeit beraubt, nämlich dem Zusammensein mit Gott, auch hier schon auf Erden.
Lieber Siegbert,
Lieber Siegbert,
treffender als Sie hätte man kaum verdeutlichen und beweisen können, dass das Christentum vom Kern her, von seiner innersten Botschaft her abzulehnen ist. Vielen Dank für diese Bestätigung, dass meine Entscheidung richtig war...
1. Wenn Jesus das meinte, was
1. Wenn Jesus das meinte, was Sie da schreiben, warum hat er es nicht gesagt? Wer oder was hinderte ihn daran, das zu sagen, was er sagen wollte? Jedenfalls ist das Lukas-Zitat völlig verständlich und bedarf diesbezüglich keiner hermeneutischen Klimmzüge.
2. Sie machen eine Fülle an Voraussetzungen, die erst begründet werden müssten. Aber nehmen wir einmal an, dass es menschliche Freiheit gäbe: Warum respektiert der angeblich Allgütige die Freiheit der Täter, nicht aber die Freiheit der Opfer?
3. Schon die ersten Menschen fühlen sich in Gottes Nähe nicht sehr wohl und wollten selbständig und autonom sein. Dafür wurden sie schrecklich bestraft, und nicht nur sie, sondern gleich das ganze Menschengeschlecht. Der angeblich Gerechte akzeptiert also die Idee einer Kollektivschuld - etwas, das humanistisch Gesinnte gerade abgrundtief ablehnen.
Vielleicht ist es also ein wenig verfrüht, sich auf die Nähe Gottes zu freuen, und das gleich für alle Zeiten.
Also gut, spinne - ähm,
Also gut, spinne - ähm, theologisiere ich jetzt mal weiter.
Zu Punk 1:
In der Werbung und im Smalltalk wird auch nicht Klartext geredet. Die Leute wollen und brauchen es so. Oft sind einfache Bilder eines Sachverhalts auch leichter zu verstehen und schildern beeindruckender, was gemeint ist. Jesus redete bekanntlich zu einfachen Leuten. Meist merken wir uns auch die seltsamen Sachen besser als die langweiligen.
Zu Punkt 2:
Muss man immer alles bis ins Letzte begründen? Bedenken Sie das Münchhausen-Trilemma.
Der Allgütige respektiert doch die Freiheit der Opfer genauso wie die der Täter, oder wo sehen Sie die Freiheit der Opfer nicht respektiert?
Zu Punk 3:
Ich denke, die Kollektivschuld ist ein Bild dafür, dass Menschen von ihrem grundsätzlichen Wesen her gleich sind (deshalb "Kollektiv"), und zwar in dem, was jemand (ich glaube Sartre) die Absurdität des Seins nannte: Wir haben ein Bewusstsein unserer selbst und können über uns hinausdenken. So wissen wir, dass wir sterben werden, obwohl wir über unseren Todeszeitpunkt hinaus in die Zukunft zu denken vermögen, und auch räumlich und zeitlich große, komplexe Zusammenhänge verstehen können. Weil wir nicht entsprechend unserem Denkvermögen existieren können, sondern auf unseren gebrechlichen und vergänglichen Körper angewiesen sind, müssen wir etwas angestellt haben, dass dem so ist (deshalb "Schuld").
„Jesus redete bekanntlich zu
„Jesus redete bekanntlich zu einfachen Leuten.“ Und damit nicht zu Volltheologen, die darüber Doktorarbeiten schreiben. Von einem einfachen Bild kann man bei dieser Auslegung irgendwie nicht reden. Für mich als einfach gestrickte Person klingt die Passage trotz ihrer Auslegung trotzdem immer noch nach „der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen, bist du nicht für mich, so bist du ohne Option der Neutralität (!) gegen mich und wer mir nicht folgt, bekommen massig Ärger“. Ich glaube, Theologen haben an dieser Stelle ganz schön zu knapsen gehabt, bis die Kurve gefunden haben, diese Textstelle so umzudeuteln.
Man muss ja nichts bis ins letzte begründen. Das wurde nicht gefordert. Häufig ist aber die Erklärung mit den geringsten Voraussetzungen die beste und richtigste.
Kann es sein, dass Theologie die Wissenschaft – äh - Kunst vom Schönreden ist?
„Der Allgütige respektiert doch die Freiheit der Opfer genauso wie die der Täter, oder wo sehen Sie die Freiheit des Opfers nicht respektiert?“ Das kann er ja gerne, nur passt das nicht zur Situation. Herzergreifend, was sie da schreiben. Wenn jemand die Macht hat einzugreifen, dann ist alles andere aber unterlassene Hilfeleistung. Wie das in unserem Strafrecht zu recht behandelt wird wissen Sie, oder?
Von Prüfung und ähnlichem sollte man auch nicht sprechen, da Gott doch auch allwissend sein soll. Allwissenheit benötigt keine Beweise. Gott ist aber Schöpfer, allmächtig und allwissend (was sich eigentlich schon gegenseitig ausschließt und Allwissenheit sowieso den freien Willen ausschließt). Ich würde sagen, klarer Fall von Produkthaftung... Außerdem, wenn ich ein Geschöpf mit einem freien Willen ausstatte, da muss ich ihm auch zugestehen, dass diese Geschöpfe dann auch einen eigenen Weg gehen.
„Denn letztlich ist es nicht unser eigener Verdienst, dass wir uns bekehren, sondern immer auch Gnade Gottes. Aber der Mensch muss das Angebot der Liebe Gottes annehmen.“ Die Fähigkeit der Annahme ist dann aber auch Gnade und damit liegt es außerhalb meiner Macht.
Pilatus hat dieses göttliche Prinzip, diese Theologie auf den Punkt gebracht: Ich wasche meine Hände in Unschuld.
Homöopathen argumentieren ähnlich. Beim Misserfolg ist der Patient schuld.
Die Fähigkeit, über uns hinauszudenken, ist eine Folge der Evolution, weil es ganz klar einen Überlebensvorteil bietet. Dass wir dennoch mal sterben werden ist keine Folge der Sünde, sondern nur Teil des (wertfreien) Evolutionprozesses. Das zu erkennen kann auch eine Erlösung und befreiend sein. Shit happens – aber nimm es nicht persönlich und mach das beste draus!
Zudem tun mir alle leid, die nicht ans fliegende Spaghettimonster glauben. Sie sind verdammt, denn sie werden ewig in Linsensuppe schmoren und müssen dabei züchtig bekleidet Labskaus ohne Bier essen. Oder so...
@heide 28.05. um 14:26 Zu:
@heide 28.05. um 14:26 Zu:
"Die Fähigkeit, über uns hinauszudenken, ist eine Folge der Evolution, weil es ganz klar einen Überlebensvorteil bietet." (Zitatende).
Mit evolutionstheoretischen Begründungene historischer Vorgänge oder gar Interpolationen in dei Zukunft bin ich neuerdings etwas vorsichtiger. Der Quastenflosser z. B. hat vermutlich auch ohne unsere Intelligenz weit besser "überlebt" als wir.Ihre Aussage trifft vermutlich nur auf variierend- komplexe Umwelten zu.
Da hat auch schon K.R. Popper vor ca. 40 Jahren gewaltig daran herumgeknbbert, da Theorien über Vorgänge in der weiten Vergangenheit oder solche , welche die Zukunft betreffen, eigentlich kaum falsifikationsfähig sind. Ich weiß nicht, was er heute angesichts der immer deutlicher werdenden Bedeutung der "Epigenetk" (um es mal äußerst verkürzt auszudrücken) dazu sagen würde. Auch hatte zumindest ich den Eindruck, dass selbst Dawkins seit einigen Jahren etwas zurückrudert
.Doch nun von der Erkenntnistheorie zur Atheismuspolitik,was man m. E. voneinander trennen sollte:
Das "fliegende Spaghettimonster" mag durchaus für humorbegabte Intelllektuellle ein gutes POLITISCHES Instrument sein, man erreicht damit aber wahrscheinlich nur solche Menschen, die eh schon von kritischem Denken infiziert sind. Oder haben Sie inletzter Zeit von einer politisch relevanten Breitenwirkung des Monsters erfahren?
Grüße von L.L
Man stelle sich das mal bei
Man stelle sich das mal bei McDonalds vor:
Kunde: "Ich hätte gern einen Hamburger."
McDonalds: "So, bitte sehr. Macht einen Euro."
K: "Aber das ist ein Cheeseburger. Ich hatte einen Hamburger bestellt."
McD: "Das ist ein Hamburger."
K: "Aber da ist doch Käse drauf."
McD: "Bei uns ist überall Käse drauf."
K: "Und was ist dann der Unterschied zum Cheeseburger?"
McD: "Da ist doppelt Käse drauf."
Was lernen wir daraus? Religion ist Käse.
Oh mein Gott - ich fass es
Oh mein Gott - ich fass es nicht!
Seit spätestens dem Ende der 60gerJahre (zb. Joachim Kahl) nahezu die gleichen aufklärerisch- kritischen Aufreie aus Schule und Gesellschaft.Ich komme mir fast schon vor, wie beim ewig wiederkehrenden Murmeltier. Jede Generation scheint verdammt, wieder ganz von vorne anfangen zu müssen.
Die Resistenz der Religion kann nicht nur an mangelnder Aufklärung liegen ,die gibt es seit Jahrhunderten. Der Hauptgrund für ihre Stabilität kann offenbar nur in ihrer Stabilisierungsfunktion bezüglich gesellschaftlicher Machtverhältnisse liegen. Was das genau bedeutet, sollte jeder selbst herausfinden, obwohl das schon sozialkritische Philosophen der vergangenen Jahrhunderte getan haben.
Nicht im akademischen Elfenbeintürmchen jammern, sondern Mehrheitsverhältnisse ändern!
Falsch,
Falsch,
der Erfolg der Religionen liegt darin, dass sie die Hand an der Wiege haben. Würde religiöse Indoktrination von Minderjährigen gesetzlich verboten, stünden die Religiösen nach zwei Generationen alle auf der Roten Liste der bedrohten Arten.
@ K.B. um 17:57
@ K.B. um 17:57
Selbstverständlich auch richtig, widerlegt aber nicht meine obige Argumentation bzw. "Vermutung".
Ich würde nicht unbedingt von
Ich würde nicht unbedingt von Fortschrittlichkeit in unserem
Land reden. Technolgisch gesehen ja.
Ansosten stecken wir immer noch in einem Koservatismus fest
Einige Stichworte, soziale Ungleichheit, Armut, Perspektivlosigkeit,
Bildungschancen sozial Benachteiligter sowie nicht zuletzt Kirchensteuer und andere kurchlische Privilegien.