Teenstar: Homophobe Sexualaufkläung an Bayerns Schulen?

Ein "ganzheitliches Programm" mit "sexualpädagogischer Beratung zur Persönlichkeitsbildung" verspricht Teenstar Deutschland e.V. auf seiner Website. Doch Kritiker bemängeln das Angebot als homophob. Trotzdem werden die Kurse für Kinder und Jugendliche an Schulen in Bayern abgehalten, wie eine BR-Recherche ergab. Auch das Bistum Augsburg arbeitet mit dem umstrittenen Verein zusammen.

Das Programm entspreche "den humanistischen Werten der jüdisch-christlich geprägten Kultur", heißt es auf der Website des Vereins. Dort finden sich verschiedene Kurse für 9- bis 16-Jährige, außerdem für Eltern und Gruppenleiter. Bei genauerem Hinsehen erweist sich das Konzept jedoch als fragwürdig. So geht der Veranstalter davon aus, dass "das Hingezogensein zum eigenen Geschlecht in der Adoleszenz einer hohen Fluidität unterworfen" sei. Deutlicher wird eine Broschüre für Jugendliche, aus der der Bayerische Rundfunk (BR) zitiert. Dort heißt es, dass Mann und Frau "wegen der Anatomie der Geschlechtsorgane" zusammenpassen wie "Schloss und Schlüssel". Bei gleichgeschlechtlichen Paaren gebe es keine solche Passung.

Bereits 2019 sorgte Teenstar in Österreich für einen Skandal, als das Magazin Falter internes Schulungsmaterial des Vereins veröffentlichte. Unter anderem wurde Homosexualität darin als therapierbar dargestellt. Daraufhin empfahl das österreichische Bildungsministerium Schulen, nicht mehr mit Teenstar zu kooperieren. Laut BR hat Teenstar offenbar zwischenzeitlich überarbeitete Unterlagen eingereicht. In Deutschland schenkte man dem Vorfall kaum Beachtung.

2022 kam es dann zu einem Eklat, als im Landkreis Regensburg ein Teenstar-Kurs an einer staatlichen Grundschule abgebrochen wurde. Eine Mutter hatte zuvor in den Sozialen Medien über Inhalte der Veranstaltung geschrieben. Nach Angaben des bayerischen Kultusministeriums stehe "der Kurs nicht in Einklang mit den bayerischen Richtlinien zur Familien- und Sexualerziehung". Bereits damals warfen Kritiker wie die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft Bayern dem Verein Homophobie und christlichen Fundamentalismus vor.

Durch die Affäre wurde Teenstar auch zum Thema im bayerischen Landtag. Die Staatsregierung wusste anscheinend weder vom Verein noch von den Ereignissen in Österreich, wie sie auf Anfrage von FDP und Grünen mitteilte.

Indessen kooperiert das Bistum Augsburg offenbar weiterhin – und bereits seit 15 Jahren – mit dem umstrittenen Verein. Laut BR-Recherche hielt Teenstar bis 2019 Kurse an zwei katholischen Schulen ab und sei sogar in eine Veranstaltung für künftige Religionslehrer einbezogen worden. Außerschulische Workshops des Vereins würden Fördergelder der Diözese erhalten und vom Bischöflichen Jugendamt beworben.

Selbst Vertreter von katholischen Einrichtungen kritisieren diese Praxis. So bezeichnet der Familienberater Ulrich Hoffmann, Präsident des Familienbundes der Katholiken (FDK) den sexualpädagogischen Ansatz von Teenstar im BR-Gespräch als "unterkomplex": "Die Sichtweise von Teenstar auf Sexualität schließt im Grunde Homosexualität aus."

Teenstar Deutschland ist seit 2007 als gemeinnütziger Verein mit 350 Mitgliedern aktiv. Gegründet wurde er in den 1980ern in den USA von der Gynäkologin und Missionarin Hanna Klaus. Nach eigenen Angaben arbeitet sie in 25 Ländern weltweit, darunter in der Ukraine. Das meldete die abtreibungsfeindliche Stiftung Ja zum Leben im August 2023.

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Kommentare (4)

David (nicht überprüft)

Mo. 26 Feb 2024 - 14:27

warum sich manche "erwachsene" so viele Gedanken über die sexualtität von Kindern machen, sehr seltsam

Viele dieser "Erwachsenen" wollen einfach den Schutz und die Aufklärung der Kids aus Eigeninteresse verhindern. Sind meist die selben "Erwachsenen" die selbst Erwachsenen erzählen wollen, wie sie sich zu lieben haben.

Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Mo. 26 Feb 2024 - 15:46

Das Menschenbild der Religionen blendet noch immer die Realität der Menschheit aus und
hält noch immer an überkommenen Anschauungen fest.
Dabei werden Menschen, welche ihre Libido ausleben wollen permanent unterdrückt und
als krankhaft dargestellt.

Priester, welche sich an Kindern vergreifen, werden von den Kirchenfürsten geschützt, egal ob dies Knaben oder Mädchen betrifft, wobei es überwiegend pubertierende Jungen sind,
welche als Opfer der perversen Gottesdiener missbraucht werden.

Diese Doppelmoral der Geistlichkeit ist unerträglich, Homosexuelle Menschen verteufeln,
aber selbst die perversesten Dinge tun!

Tobias (nicht überprüft)

Fr. 1 Mär 2024 - 22:43

Homosexualität ist eine zu respektierende Realität, die Ewiggestrigen, die das aus religiösen oder anderen Gründen in Abrede stellen, sind wohl die ewig Unbelehrbaren.
Allerdings ist es auch eine Realität, dass es eine lautstarke Minderheit ist, 98-99% aller Menschen sind heterosexuell. Minderheitenschutz ist eine demokratische Pflicht. Wer so empfindet, soll es ausleben, solange er/sie niemandem schadet. Da hat die Kirche bekanntlich das größte Problem. Ich persönlich frage bei homophoben Sprüchen immer wieder, wann sich der-/diejenige denn für seine Heterosexualität entschieden habe?! Eben. Guter Sex ist weitgehend unabhängig von Schlüssel und Schloss. Auch wenn ich persönlich den Habitus schwuler Männer oder eine Verkleidung als Frau meist als äußerst unangenehm empfinde (Tatütata!), sollen sie doch machen, wenn es gefällt, aber mich damit in Ruhe lassen. Ich finde gleichzeitig den Sinn für Ästhetik vieler Schwuler bei Einrichtung oder Mode immer wieder ansprechend. Stichwort Ambiguitätstoleranz. Transsexuelle sind wiederum eine Minderheit dieser Minderheit. Auch hier: tobt Euch in eurer Gemeinschaft aus, verkleidet Euch, seid schrill und tut niemandem Leid an, aber hört bitte auf so zu tun, als seien Homo- und gar Transsexualität gleichberechtigte mögliche sexuelle Orientierungen neben Heterosexualität. Bei fast 99% ist sie nun mal die Norm und normal. Dies als eben das darzustellen ist nicht homophob, sondern die Realität.
Wenn es von evangelikalen Organisationen kommt, ist es wiederum äußerst kritisch zu sehen, da es instrumentalisiert wird, die eigenen Wahnvorstellungen zu propagieren.

Inge Hüsgen

Die Autorin ist die Chefredakteurin des "Skeptiker", der Vierteljahreszeitschrift der GWUP (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften) sowie Redakteurin beim Humanistischen Pressedienst.

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