Menschheitsgeschichte

773.000 Jahre alter Unterkiefer

Abstammungslinie nahe dem Ursprung von Homo sapiens entdeckt

Ein internationales Forschungsteam berichtet über die Analyse neuer Homininenfossilien aus der Fundstätte Thomas Quarry I (Casablanca, Marokko). Mithilfe einer hochauflösenden magnetostratigraphischen Analyse lassen sich diese Fossilien sehr genau auf ein Alter von 773.000 ± 4.000 Jahre datieren. In der in "Nature" veröffentlichten Studie werden afrikanische Populationen nahe der Basis der Abstammungslinie beleuchtet, aus der schließlich der Homo sapiens hervorging. Zudem liefert die Studie neue Erkenntnisse über die gemeinsamen Vorfahren von Homo sapiens, Neandertalern und Denisova-Menschen.

Savanne

So gelang dem Menschen der Weg aus Afrika

Heute weiß man, dass alle Nicht-Afrikaner von einer kleinen Gruppe von Menschen abstammen, die sich vor etwa 50.000 Jahren nach Eurasien wagten. Fossile Aufzeichnungen zeigen jedoch, dass es vor dieser Zeit zahlreiche gescheiterte Ausbreitungsversuche gab, die keine erkennbaren Spuren bei lebenden Menschen hinterlassen haben.

Unsere Vorfahren lebten vor drei Millionen Jahren vegetarisch

Vormenschen wie der Australopithecus, der vor etwa 3,5 Millionen Jahren im südlichen Afrika lebte, haben kein oder kaum Fleisch gegessen – das haben Tina Lüdecke und ihr Team am Max-Planck-Institut für Chemie mithilfe einer Isotopenmessung an fossilen Zähnen nachgewiesen. Die Mainzer analysierten zusammen mit Forschenden von der Witwatersrand-Universität in Südafrika Zahnschmelzproben von sieben Vormenschen. Das Verhältnis von schweren zu leichten Stickstoffisotopen zeigte, dass Fleisch, wenn überhaupt, nur selten auf dem Speiseplan der Australopithecinen stand.

Illustration der Frau aus Zlatý kůň

Älteste Genome moderner Menschen entschlüsselt

Von den ersten modernen Menschen, die Europa erreichten, als dort noch Neandertaler siedelten, konnten bisher nur wenige Genome sequenziert werden. Einem internationalen Team unter der Leitung von Forschenden des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig ist es nun gelungen, die bislang ältesten Genome moderner Menschen zu entschlüsseln.

Menschlicher Gipsabguss

Mit Migrationshintergrund in Pompeji

Forschende der Universität Florenz, der Harvard University und des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben durch die Analyse alter DNA bisher gängige Annahmen über die Bewohner Pompejis in Frage gestellt. Im Gegensatz zum äußeren Erscheinungsbild lieferte die DNA unerwartete neue Informationen über Geschlecht und Verwandtschaftsverhältnisse und widerlegt eine seit 1748 erzählte Geschichte. 

Bestattung eines (männlichen?) Kindes in Franzhausen II

Tote enthüllen Geschlechterrollen der Bronzezeit

In den 1980er-Jahren entdeckte man beim Bau einer Schnellstraße in Niederösterreich tausende bronzezeitliche Gräber. Jetzt will ein Team aus Archäologie, Gerichtsmedizin und Chemie die Funde wieder zum Leben erwecken. Die Forschenden versuchen herauszufinden, welche Rolle das Geschlecht für das Zusammenleben in der vergangenen Kultur spielte.

Die Evolution des Denkens

In der Flut täglich hereinbrechender Informationen ist es schwierig, Bedeutsames von weniger Bedeutsamem, Sinn von Unsinn, Fakten von Fakes zu unterscheiden. Als Folge dessen geht relevantes Wissen verloren und viele Menschen kennen kaum noch die Grundlagen des modernen Weltbildes, "kulturelle Demenz" macht sich in vielfältiger Weise, last not least in Verschwörungserzählungen, breit. Dieser Entwicklung und den damit verbundenen Gefahren stellt Michael Schmidt-Salomon die Lebensleistungen von zehn herausragenden Persönlichkeiten entgegen, die als "Influencer" die Evolution des Denkens maßgeblich entfalteten und deren Gedanken und Entdeckungen unsere moderne Sicht auf die Welt bis heute prägen.