Nach 400 Jahren erklärt der Vatikan seine Hinrichtung für Unrecht

Giordano Bruno

* 1548 in Nola, Italien, 17. Februar 1600 in Rom; eigentlich Filippo Bruno;
italienischer Philosoph und Gelehrter.

Obwohl geweihter Priester und Dominikanermönch, bringt ihn seine Beschäftigung mit Philosophie und Naturwissenschaft in Gegensatz zum Christentum. Als Ketzer verurteilt, wird er auf dem Scheiterhaufen hingerichtet. Erst im Jahr 2000 erklärt eine theologische Kommission des Vatikans seine Hinrichtung für Unrecht.

Mit siebzehn Jahren tritt er unter dem Namen Giordano in den Dominikanerorden ein. Als er 1572 die Priesterweihe erhält, hat er schon Zweifel an etlichen katholischen Glaubensinhalten. Vier Jahre später wird er der Ketzerei angeklagt. Er verlässt den Orden und nimmt eine philosophische Wanderexistenz auf, die ihn durch eine Vielzahl von Stationen in ganz Europa führt.

Aufgrund seiner Eloquenz findet er Anstellungen in u. a. in Toulouse, Paris, London, Wittenberg und Prag, schafft sich aber mit seiner heftigen Kritik an christlichen Dogmen überall schnell Feinde und muss immer wieder weiter ziehen. Sowohl die Calvinisten in Genf als auch die Lutheraner in Wittenberg exkommunizieren den kritischen Geist.

Bruno postulierte die Unendlichkeit des Weltraums. Er stellte sich damit der herrschenden Meinung einer in Sphären untergliederten geozentrischen Welt entgegen. Was jedoch für die damalige Zeit noch schwerer wog, war, dass er die Personalität Gottes in Frage stellte und eine pantheistische Anschauung vertrat. Gott war für ihn nicht außerhalb, sondern in der Welt, identisch mit der Natur. Daraus folgte für ihn, dass der Mensch nicht nach der Erkenntnis eines übernatürlichen Wesens sondern nach der Erkenntnis der Natur streben muss.

1592 folgt er einer Einladung nach Venedig und gerät dort in die Fänge der Inquisition. Weil er sich weigert zu widerrufen, wird er nach achtjähriger Haft in Rom als Ketzer lebendig verbrannt.

Am Ort seiner Hinrichtung, dem Campo dei Fiori, errichtete 1889 die laizistisch regierte Stadtgemeinde Rom für Giordano Bruno ein Denkmal.

Zitat:
„Wer richtig urteilen will, muss sich von der Gewohnheit des Glaubens frei machen, muss zunächst Behauptung und Gegenbehauptung für gleichermaßen möglich gelten und vollständig jede Voreingenommenheit fahren lassen, die ihm vom Mutterleibe an eingeimpft worden ist."

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