Rezensionen

Nazis, CIA und Islamismus

(hpd) Der Journalist Ian Johnson schildert in seinem Buch die westliche Unterstützung für das Aufkommen des Islamismus, wobei er in einer Münchener Moschee ein entscheidendes politisches Zentrum sieht. Die großen Linien seiner Darstellung sind gut belegt, nur bei bestimmten Details findet man eher Spekulationen; gleichwohl hätte man sich auch eine bilanzierende Einschätzung zur Bedeutung dieser „Bock zum Gärtner“-Politik für das Gesamtphänomen gewünscht.

Extremismus in den EU-Staaten

(hpd) In diesem Sammelband werden 24 Länderstudien zur Verbreitung von extremistischen Bestrebungen in Europa veröffentlicht. Die einheitliche Struktur der jeweiligen Kapitel ermöglicht auch systematische Vergleiche, welche eine differenzierte Einschätzung des extremistischen Gefahrenpotentials gestatten.

„Vor uns liegen wunderbare Tage“

(hpd) Der Historiker und Journalist Henrik Berggren legt eine umfangreiche Lebensbeschreibung des früheren schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme vor. Hierbei wird das faszinierende Bild eines Politikers zwischen Macht und Moral mit all seinen Idealen und Widersprüchen im Lichte der Zeit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gezeichnet.

Die realen Ereignisse. „Obamas Vietnam“?

(hpd) Der „Washington Post“-Redakteur Bob Woodward, der als bekanntester investigativer Journalist der Welt gilt, beschreibt anhand von internen Quellen den Umgang der US-Regierung mit dem Afghanistan-Krieg. Das Buch beinhaltet eine faktenbezogene Darstellung der Ereignisse auf der Ebene der Obama-Administration und macht so nur indirekt das politische Dilemma der Situation im Raum Afghanistan/Pakistan deutlich.

Iran im Umbruch

(hpd) In der Schriftenreihe der „Soziologischen Diskurse“ der Universität Hannover legt Dawud Gholamasad hier eine soziologische Studie vor, die sich mit der Situation des Iran seit der sogenannten „islamischen Revolution“ befasst. Das Buch ist nicht leicht zu lesen und doch ein Gewinn.

Ein Vorwurf als Herrschaftsinstrument

(hpd) Der israelische Historiker Moshe Zuckermann kritisiert den politischen Missbrauch des Verweises auf die Judenfeindschaft und die Shoah in Deutschland und in Israel. Angesichts der Komplexität und Sensibilität des Themas hätte man sich aber mehr Differenzierung in der Bewertung und mehr Sachlichkeit im Tonfall gewünscht, damit die durchaus beachtenswerte Problematik nicht Beifall von der „falschen Seite“ bekommt.

Politisches Denken im Übergang

(hpd) Der Politikwissenschaftler Frank Deppe will eine Darstellung und Einschätzung des politischen Denkens im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts vornehmen. Zwar findet man hier und da beachtenswerte Reflexionen, insgesamt wirkt der Band aber etwas „zusammengestoppelt“ und lässt viele inhaltliche Aspekte vermissen.

Islam und Muslime in der westlichen Welt

(hpd) Die ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün, die sich als „eine westliche Muslimin“ versteht, formuliert in ihrem Buch kritische Positionen zu den aktuellen Debatten um Islam und Muslime und legt die Grundzüge eines modernen Islam-Verständnisses dar. Es handelt sich um eine beachtenswerte Darstellung, die auf Basis eines säkularen Staatsverständnisses für einen reduzierten Bedeutungsanspruch der Religionen zugunsten einer allseitigen Toleranz plädiert.

Die Erfindung der Jesus-Religion

(hpd) Wer es heutzutage, nach unzähligen anderweitigen und manchmal brillanten Versuchen unternimmt, das längst entzauberte Christentum nochmals zu entzaubern, tut etwas Gewagtes. Und wer einiges an religionskritischer Literatur gelesen hat, wird keinen Bedarf nach weiterer Aufklärung über das Christentum verspüren. Und doch hat dieses Buch von Heinz-Werner Kubitza seine volle Berechtigung.

Allahs Missionare

(hpd) Der Journalist Will Germund nimmt in seinem Buch mit auf eine Reise zu den Islamisten in der Region Afghanistan/Indien/Pakistan. Die anschaulichen und lebensnahen Schilderungen vermitteln dabei ein plastisches Bild von der besonderen Situation vor Ort, wobei aber die Bedeutung der wohl Deoband-Schulen etwas überzeichnet wird.