Rezension

Ansichten eines Affenmannes

Volker Sommers neues Buch "Unter Mitprimaten" bietet weit mehr als der unprätentiöse Untertitel "Ansichten eines Affenforschers" vermuten lässt: Keineswegs geht es da nur um "Ansichten", die man, ähnlich wie Meinungen, so oder so haben kann, ohne wirklich etwas von der Sache zu verstehen; vielmehr findet sich darin, komprimiert auf gut 200 Seiten, nicht weniger als die ethische wie metaethische Essenz eines fast 40-jährigen Forscherlebens: als Primat unter Primaten, sprich: immer entlang des Verhältnisses Mensch-Natur.

Autoritärer Populismus und seine politischen Ursachen

Die beiden Politikwissenschaftler Armin Schäfer und Michael Zürn fragen in ihrem gemeinsamen Buch "Die demokratische Regression. Die politischen Ursachen des autoritären Populismus" danach, inwieweit das Empfinden mangelnder Repräsentativität eben auch zu populistischen Wahlerfolgen führt. Der länderübergreifende vergleichende Blick bestärkt ihre zentrale Deutung zu diesem Einflussfaktor, indessen fehlt eine Erklärung für die Orientierung hin zu rechten Positionen.

Europa braucht neue Grundrechte!

Soeben kommt Ferdinand von Schirachs spannendes neues Büchlein "Jeder Mensch" in den Handel. Dem bekannten Anwalt, Schriftsteller und Dramatiker ist auf knapp 32 Seiten erneut ein Weckruf gelungen, der vermutlich wieder für einiges Aufsehen in der Öffentlichkeit sorgen wird.

Hamed Abdel-Samad

Hamed Abdel-Samad zu Identitätspolitik und Rassismus

Der bekannte Publizist Hamed Abdel-Samad legt mit "Schlacht der Identitäten. 20 Thesen zum Rassismus – und wie wir ihm die Macht nehmen" seine Reflexionen zu aktuellen Kontroversen um Identitätspolitik und Rassismus vor. Es handelt sich um teilweise auch autobiographisch geprägte Betrachtungen, welche die problematischen Dimensionen eines identitären Antirassismus betonen und dabei beachtenswerte und interessante Positionen zu einem kontroversen Thema liefern.

Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit

Mit dem Untertitel "Die größten Streitfragen wissenschaftlich geklärt" legt die mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen geehrte 33-jährige Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim ihr zweites Buch vor, das schon nach kurzer Zeit Bestsellerstatus erlangte und für den Sachbuchpreis 2021 nominiert wurde.

"Postdemokratie" aus heutiger Sicht

Der Sozialwissenschaftler Colin Crouch geht davon aus, dass von Demokratien zunehmend nur noch die Hülle von Institutionen, aber nicht mehr die Partizipation des Souveräns verbleibt. In seinem Buch "Postdemokratie revisited" blickt er auf seine frühe These zurück, findet bedenkliche bestätigende Entwicklungen, neigt aber auch zu simplifizierenden Verallgemeinerungen.

Wie umgehen mit Fake News und Verschwörungsideologien?

Wie soll man in öffentlichen Debatten oder privaten Gesprächen mit Fake News und Verschwörungsideologien umgehen? Anregungen dazu finden sich in dem Buch von Ingrid Brodnig "Einspruch! Verschwörungsmythen und Fake News kontern – in der Familie, im Freundeskreis und online". Es handelt sich um eine lockere Einführung, die abwechselnd Erfahrungsberichte und Forschungsergebnisse, Reflexionen und Zuspitzungen bringt.

Sahra Wagenknecht kritisiert die soziale Ignoranz der "Lifestyle-Linken"

In ihrem neuen Buch "Die Selbstgerechten. Mein Gegenprogramm – für Gemeinsinn und Zusammenhalt" kritisiert die bekannte "Linken"-Politikerin Sahra Wagenknecht auch die "Lifestyle-Linke", die sich angesichts ihrer intoleranten Identitätspolitik nicht mehr für die soziale Ungleichheit interessiere. Ihre Argumente sind ebenso wenig neu wie ihre aufgezeigte Alternative; gleichwohl positioniert sich hier erstmals eine bekannte linke Politikerin deutlich gegen die identitätslinke Fixierung auf das Moralisieren statt auf den Vernunftgebrauch.