Rezension

Gewalt aus evolutionstheoretischer Sicht

BONN. (hpd) Der Biowissenschaftler Franz M. Wuketits legt mit "Mord. Krieg. Terror. Sind wir zur Gewalt verurteilt?” eine Gewaltgeschichte der Menschheit aus evolutionstheoretischer Sicht vor. Der Autor liefert dabei erneut einen Beleg für den Erkenntnisreichtum dieser Perspektive, macht auch die Bedeutung der Ideologie als gewaltverstärkendes Moment aufmerksam, hätte aber auch noch etwas über gewaltminimierende Haltungen und Strukturen schreiben können.

Analyse der Gewalt in der Religion

BONN. (hpd) Die Erziehungswissenschaftlerin und Theologin Christa Mulack untersucht in ihrem Buch "Gewalt im Namen Gottes. Ursachen und Hintergründe im biblischen Monotheismus” den Zusammenhang einerseits von dem Glauben an nur einen Gott und andererseits von der Gewalt im Namen der Religion. Dabei geht die Autorin ausführlich auf die Frühgeschichte des Judentums mit beachtenswerte Ausführungen zu Detailaspekten ein, driftet aber im Laufe des Textes mit ihrer Frontstellung gegen das religiöse Patriarchat immer mehr in einen mythischen Feminismus ab.

Thomas Nagel an der New York University

Lässt sich die Welt ohne Bewusstsein denken?

BERLIN. (hpd) In weniger als drei Jahren zum Klassiker geworden: "Geist und Kosmos. Warum die materialistische neodarwinistische Konzeption der Natur so gut wie sicher falsch ist” gibt es nun bei Suhrkamp in der Taschenbuch-Wissenschaft-Reihe wie gemacht fürs Proseminar. In der Tat gibt es Bücher, um die man schwer herumkommt. Redlichkeit kann ein guter Grund dafür sein. Darin ist dieses Buch bestimmt beispielhaft. Doch hat es auch recht?

"Integriert Euch Eurerseits in das Einwanderungsland…" – ein Plädoyer

BONN. (hpd) Die Soziologin Annette Treibel liefert mit ihrem Buch "Integriert Euch! Plädoyer für ein selbstbewusste Einwanderungsland” eine andere Perspektive auf die "neuen Deutschen” und ihre bereits erfolgte Integration. Mit leichter Hand vermittelt die Autorin anschaulich positive Entwicklungen in der Gesellschaft, die häufig genug nicht genügend zur Kenntnis genommen werden, wobei sie mit anderer Einseitigkeit aber allzu sehr die Lichtseiten hervorhebt und die Schattenseiten ignoriert.

Eine kritische Biographie zu Papst Franziskus

BONN. (hpd) Der ehemalige Theologie-Professor Hubertus Mynarek legt mit "Papst Franziskus. Die kritische Biographie” die erste deutsche kritisch gehaltene Lebensbeschreibung des Papstes vor und deutet ihn darin insbesondere im Lichte seine jesuitischen Sozialisation. Die Erörterung konzentriert sich mehr auf die theologische, weniger auf die politische Seite; gleichwohl findet man darin gut begründete kritische Einschätzungen, mitunter etwas polemisch, mitunter etwas weitschweifig vorgetragen.

Das Wachstum ist der Umwelt sein Tod

BERLIN. (hpd) Weihnachten unterbricht den Alltag nicht nur für gläubige Menschen. Rechtzeitig dazu erschien die "Kritik der grünen Ökonomie”. Die Autoren Thomas Fatheuer, Lili Fuhr und Barbara Unmüßig beschreiben darin, warum nicht alles, was grün daherkommt, auch tatsächlich grün ist.

Der Diktator als zentraler Machtfaktor

BONN. (hpd) Der Historiker Peter Longerich legt mit "Hitler. Biographie” eine neue voluminöse Darstellung zu dem Diktator vor, wobei er dessen Bedeutung als Zentrum der Geschichte des Nationalsozialismus betont. Es handelt sich um eine imposante Forschungsleistung, wobei die Deutung in der Abgrenzung zu manchen anderen Ansätzen lediglich in Nuancierung besteht, aber in besonderer Schärfe betont wird.

Eine Arbeit zur "Volksgemeinschaft" – leider misslungen

BONN. (hpd) Der Politikwissenschaftler Peter Schyga will in seiner Arbeit "Über die Volksgemeinschaft der Deutschen. Begriff und historische Wirklichkeit jenseits historiografischer Gegenwartsmoden” die Auffassung von "Volksgemeinschaft” decodieren. Auch wenn er dazu immer mal wieder beachtenswerte Erkenntnisse vorträgt, enttäuscht die Arbeit angesichts von fehlender Klarheit in der Aussage und mangelnder Struktur im Aufbau.

"Den totalitären Staat denken"

BONN. (hpd) Der von den Politikwissenschaftlern Frank Schale und Ellen Thümmler herausgegebene Band "Den totalitären Staat denken” enthält 13 Beiträge, welche die Deutung totalitärer Herrschaft durch klassische Ansätze von Philosophen und Sozialwissenschaftlern thematisieren. Die einzelnen Beiträge stammen von guten Kennern der Materie, die auch neue Blick auf bekannte und weniger bekannte Klassiker der Diktaturanalyse von Hannah Arendt über John Maynard Keynes und Karl R. Popper bis zu Luigi Sturzo werfen.

Ambivalenzen zwischen Projektionen und Unterwerfungen

BONN. (hpd) Der von Renate Brucker u.a. herausgegebene Sammelband "Das Mensch-Tier-Verhältnis. Eine sozialwissenschaftliche Einführung” enthält neun Beiträge zu unterschiedlichen Aspekten des Themas. Zwar handelt es sich nicht um eine wirkliche Einführung, die Beiträge machen aber auf die vielschichtige Dimension des Themas aus sozialwissenschaftlicher Perspektive aufmerksam.