Religiöse Rechte – September 2013

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US-Flag / Foto: Andrea Church (morguefile)

USA. (hpd) Nachdem der Präsident Syriens zugesagt hat, sein Chemiewaffenarsenal vernichten zu lassen, kühlt die aufgeheizte Stimmung in der christlichen Rechten der USA deswegen aber noch lange nicht ab. Außerdem dominierte der islamische Terrorismus die Debatte. Einerseits durch einen verheerenden Anschlag in Kenia, andererseits durch den 12. Jahrestag der Terroranschläge in New York und Washington.

In Oregon hat sich eine Kontroverse entzündet, nachdem eine Bäckerei sich weigerte, eine Hochzeitstorte für ein lesbisches Ehepaar herzustellen. Kevin Swanson riet der Bäckerei dazu, künftig auch Homosexuelle zu bedienen. Allerdings solle die Hochzeitstorten der alttestamentarische Bibelspruch zieren, laut dem Schwule gesteinigt werden müssen.

In New Mexico dürfen Fotografen laut Gerichtsbeschluss Aufträge für homosexuelle Hochzeiten nicht mehr ablehnen. Gordon Klingenschmitt schlug hier analog vor, dass christliche Fotografen ebenfalls Bibelsprüche gegen Homosexualität auf die Rückseite der Fotos drucken sollten. Mat Staver kritisierte das Urteil ebenfalls. Genauso könne man Fotografen dazu zwingen, Bilder einer Ku-Klux-Klan-Parade aufzunehmen. (Quelle1), (Quelle 2) und (Quelle 3).

 

Mat Staver und Matt Barber amüsierten sich über den Wikileaks-Informanten Bradley Manning, der derzeit eine Haftstrafe verbüßt und sich entschlossen hat die weibliche Identität „Chelsea“ anzunehmen. Genauso gut könnten übergewichtige Passagiere, die im Flugzeug für einen zweiten Sitzplatz bezahlen müssen, angeben, eine schlanke Person zu sein, die in einem fetten Körper geboren wurde. Barber attackierte zudem, dass sich Kämpfer für die Gleichstellung Homosexueller in einer Linie mit der historischen Bürgerrechtsbewegung sähen. Die Afroamerikaner seien es „leid“, so ausgenutzt zu werden. Peter LaBarbera sinnierte, dass Homosexualität nur erschaffen wurde, um Krankheiten zu übertragen. (Quelle 1), (Quelle 2) und (Quelle 3)

 

Putins jüngster Gesetzesvorstoß gegen „homosexuelle Propaganda“ erfuhr auch diesen Monat wieder Unterstützung. Linda Harvey forderte in einer Radiobotschaft dazu auf, dafür zu beten, dass russische Kinder auch weiterhin geschützt bleiben. Scott Lively gab an, dass er sehr stolz darauf sei, zum Gelingen des Gesetzes beigetragen zu haben. In den letzten Jahren hatte er Russland oft bereist und für seine Idee geworben. Er bezeichnete Russland als „Leuchtfeuer der Freiheit“, während die USA zu einer „schwulen Sowjetunion“ würden. Er freue sich, dass Präsident Putin bald sein Buch „The Pink Swastika“ in russischer Sprache lesen könne. Dort hatte Lively die Behauptung aufgestellt, die NSDAP sei im wesentlichen eine Homosexuellenorganisation gewesen. (Quelle 1), (Quelle 2) und (Quelle 3).

Auch wenn ein Militärschlag gegen Syrien vorerst abgesagt ist, weil Präsident Assad einwilligte, sein Chemiewaffenarsenal unter internationale Kontrolle zu stellen, bleibt die Situation im Nahen Osten angespannt. Der ehemalige Pentagon-General Jerry Boykin sieht die absolute Eskalation kommen. In der Bibel steht geschrieben, dass Damaskus kurz vor dem Ende der Welt vollständig zerstört wird. Diese Prophezeiung sieht Boykin durch den jüngsten Giftgasangriff auf die Vororte der syrischen Hauptstadt bestätigt. Sollte die Freie Syrische Armee tatsächlich in Damaskus einmarschieren, könnte ein verängstigter Assad sein gesamtes Chemiewaffenarsenal einsetzen und so die Apokalypse herbeiführen. (Quelle)

Sandy Rios zeigt sich skeptisch anlässlich eines Militärschlags der USA. In den letzten Jahren seien verstärkt Frauen in den Offiziersrang befördert worden. Erst recht nachdem jetzt auch Homosexuelle Dienst an der Waffe leisten dürften, sei die ursprüngliche Stärke der Armee gefährdet. Tony Perkins vom Family Research Council kann sich mit einem Militärschlag anfreunden – jedoch nur, wenn Präsident Obama ihn dadurch finanziert, dass er die geplante Gesundheitsreform abbläst. (Quelle 1), (Quelle 2).

Glenn Beck präsentierte neue Verschwörungstheorien. Er suggerierte, dass nicht Assad selbst hinter dem Giftgasangriff stehe, sondern Rebellen, die von den USA Waffen erhalten hätten. Der Militärschlag solle nun von der Unterstützung für die Islamisten ablenken. Zudem handele Obama im Auftrag Katars, das eine Pipeline durch Syrien wünsche. Sein Studiogast Andrew Napolitano stellte Assad auf eine Stufe mit Bill Clinton. Dieser habe 1993 ebenfalls chemische Waffen gegen die fundamentalistischen „Davidianer“ eingesetzt. Bei der Stürmung des Geländes der radikalen Sekte setzten die Sicherheitskräfte allerdings nur Tränengas sein. Der Sektenführer lies die anstürmenden Polizisten beschießen und beging nach mehrwöchiger Belagerung mit seiner Gemeinde Massenselbstmord, indem er sein Anwesen in Brand setzte. Insgesamt kamen über 80 Menschen ums Leben. (Quelle 1), (Quelle 2).

 

Am 16. September erschoss ein psychisch kranker Mann auf einem Navy-Stützpunkt zwölf Menschen, bevor er selbst durch die eintreffende Polizei getötet wurde. Joe Farah und Erik Rush hinterfragten die offizielle Darstellung in den Medien und vermuteten eine Inszenierung der Regierung mit dem Ziel, Waffen der Zivilbevölkerung beschlagnahmen zu können. Pastor Matthew Hagee war sich sicher, dass der Vorfall in Übereinstimmung mit der Bibel stehe. Diese sage voraus, dass vor dem Ende der Welt gesetzlose Zustände herrschen würden. Sandy Rios warnte, dass sich ähnliche Taten schon bald in Starbucks-Filialen ereignen könnten, da das Unternehmen seine Kunden bitte, keine Waffen mit in die Filialen zu nehmen. Dort würden potentielle Attentäter am wenigsten Widerstand vermuten. (Quelle 1), (Quelle 2), (Quelle3) und (Quelle 4).

 

In diesem Monat jährten sich erneut die Terroranschläge des 11. September 2001. Pat Robertson attackierte Präsident Bush, der den Islam als friedliche Religion bezeichnet hatte und sah die Schuld für die Katastrophe auch darin, dass es in Amerika die Trennung von Kirche und Staat und nur wenige wahre Gläubige gebe. Steve King bezog sich auf die Terroranschläge um gegen illegale Einwanderung Stimmung zu machen. Diese sorge für ein vielfaches der 3000 Toten vom 11. September. (Quelle 1), (Quelle 2).

Kurz vor dem Jahrestag der Terroranschläge wurde Terry Jones verhaftet. Bereits in den Jahren zuvor hatte er mehrfach Koranverbrennungen angekündigt, nach öffentlichem Druck jedoch wieder Abstand von seinem Vorhaben genommen. Diesmal fand die Polizei in seinem Wagen mehrere tausend Koranausgaben, die bereits mit Kerosin übergossen waren, zudem trug er eine illegale Handfeuerwaffe bei sich. Bryan Fischer solidarisierte sich mit Jones – die Angriffe gegen ihn seien wie der Prozess, den die Pharisäer gegen Jesus anstrengten. (Quelle)

Bei einem Terroranschlag in der kenianischen Hauptstadt Nairobi starben über 70 Menschen, als eine islamische Miliz ein Einkaufzentrum stürmte und wild um sich schoss. Sandy Rios nahm sich des Vorfalls in ihrer Radiosendung an. Es sei auffällig, dass der Ministerpräsident des Landes ein muslimischer Kommunist und Cousin Präsident Obamas sei. Tatsächlich ist Raila Odinga nicht mehr im Amt. Er ist Christ und weder muslimisch noch kommunistisch. Tatsächlich hatte er sich im Wahlkampf als Cousin Obamas bezeichnet, aber hinzugefügt, dass dies nur metaphorisch zu verstehen sei. Ähnlich äußerte sich auch Jerome Corsi, der Obama und Odinga beschuldigten hinter dem Angriff zu stehen. Louie Gohmert wollte nicht ausschließen, dass auch ein Einkaufszentrum in den USA gestürmt werden könnte, schließlich unterstütze Präsident Obama Al-Qaida in Syrien. (Quelle 1), (Quelle 2) und (Quelle 3).