Beängstigende Zunahme frauenfeindlicher Gewalt

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Das Bundesinnenministerium hat die aktuellen Zahlen zur politisch motivierten Kriminalität veröffentlicht. Während Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) vor allem auf den Anstieg linksmotivierter Gewalt verweist, gerät ein anderer Befund weitgehend in den Hintergrund: die dramatische Zunahme frauenfeindlicher Straftaten.

Jedes Jahr veröffentlicht das Bundesinnenministerium die Statistik zur politisch motivierten Kriminalität. Für das Jahr 2025 wurde dabei ein neuer Höchststand registriert. Bezeichnend ist bereits die Schwerpunktsetzung des Ministeriums. Die Pressemitteilung trägt die Unterüberschrift: "Statistik 2025 zeigt deutlichen Anstieg linksmotivierter Gewalt". Tatsächlich stiegen die Gewalttaten aus dem linksextremen Spektrum um 42 Prozent. Gleichzeitig wurden jedoch die mit Abstand meisten Delikte von rechten und rechtsextremen Tätern verübt. Dies spiegelt die anhaltend hohe Gefahr durch den Rechtsextremismus wider, der auch für den starken Anstieg fremdenfeindlicher Straftaten verantwortlich ist.

Neben der Zunahme von Hasskriminalität und Straftaten gegen Amts- und Mandatsträger fällt insbesondere ein anderer Wert ins Auge: Die Zahl der frauenfeindlichen Straftaten stieg um 46,8 Prozent auf 819 Delikte und erreichte damit einen neuen Höchststand (2024: 558 Delikte). Vergewaltigungen werden in dieser Statistik übrigens nur dann erfasst, wenn sie explizit aus einer frauenfeindlichen Einstellung heraus begangen wurden; somit dürfte die Anzahl der begangenen Straftaten gegenüber Frauen wesentlich höher sein. In diesem Kontext ist es begrüßenswert, dass Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) die Verjährungsfrist bei Vergewaltigungen auf 20 Jahre verlängern will.

Frauenfeindlichkeit als politisches Problem

Alexander Dobrindt beschäftigte sich auf der Pressekonferenz vor allem mit Gewalt aus dem linksextremen Spektrum, verlor aber über die zunehmende Misogynie in der Gesellschaft kaum ein Wort. Dabei handelt es sich keineswegs um ein Randphänomen. Frauenfeindlichkeit äußert sich in unterschiedlichsten Formen – von Beleidigungen und Bedrohungen über sexualisierte Gewalt bis hin zu Femiziden, bei denen Frauen aufgrund ihres Geschlechts getötet werden.

Hinzu kommen neue digitale Erscheinungsformen wie sexualisierte Deepfakes, bei denen mithilfe künstlicher Intelligenz täuschend echte pornografische Bilder und Videos erstellt und verbreitet werden. Prominente Fälle haben gezeigt, wie leicht Frauen auf diese Weise öffentlich gedemütigt und eingeschüchtert werden können, weshalb die EU auch plant, "Nudifier-Apps" zu verbieten.

Die Täter stammen häufig aus Milieus, die von einem autoritären und traditionellen Geschlechterbild geprägt sind. Frauen, die sich nicht den klassischen Rollenbildern unterordnen, werden dabei zunehmend zur Zielscheibe von Hass und Gewalt. In diesem Zusammenhang steht auch die Zunahme queerfeindlicher Straftaten um 12,8 Prozent auf 2.377 Fälle. Die Feindseligkeit gegenüber Frauen, sexuellen Minderheiten und queeren Menschen entspringt häufig derselben ideologischen Quelle: dem Wunsch, traditionelle Hierarchien und Geschlechterrollen gegen gesellschaftliche Veränderungen zu verteidigen.

Gerade deshalb greift es zu kurz, Frauenfeindlichkeit lediglich als individuelles Fehlverhalten einzelner Täter zu betrachten. Der starke Anstieg misogyn motivierter Straftaten verweist auf ein gesellschaftliches Klima, in dem antifeministische und rechtsextreme Ideologien wieder an Einfluss gewinnen. Wer die Gefahren für die Demokratie ernst nimmt, darf deshalb nicht nur auf Extremismus im Allgemeinen blicken, sondern muss auch die gezielte Gewalt gegen Frauen und Angehörige der LGBTQIA+-Szene als das benennen, was sie ist: ein Angriff auf die Gleichberechtigung und auf die Offene Gesellschaft insgesamt.

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