Mitgliederversammlung des hpd-Trägervereins wählt Carlos Collado Seidel zum neuen Vizepräsidenten
Erst Klosterschule, dann Atheist
Der Trägerverein des Humanistischen Pressedienstes, der hpd e.V., hat ein neues Präsidium. Auf der Mitgliederversammlung im „Haus Weitblick“, dem Sitz der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) in Oberwesel, wurde die Führungsspitze für die nächsten drei Jahre bestimmt. Jeweils ohne Gegenstimme oder Enthaltung wurde der bisherige Präsident Rainer Rosenzweig wiedergewählt. Auch Schatzmeisterin Ricarda Hinz geht in eine weitere Amtszeit. Hinz ist darüber hinaus auch für die Betreuung des Satirefensters „Spott sei Dank“ im hpd zuständig. Ein neues Gesicht im Präsidium ist Carlos Collado Seidel. Er rückt als Vizepräsident an die Stelle von Lisa Arnold, die nicht mehr kandidierte. Alle Mitglieder des hpd-Präsidiums üben ihre Tätigkeit ehrenamtlich aus. Der hpd hat ein Interview mit ihm geführt, das Sie weiter unten lesen können. Zuvor ein kurzer Blick auf den Verlauf der Mitgliederversammlung vom vergangenen Samstag.
Foto: © Gisa Bodenstein
hpd-Chefredakteurin Gisa Bodenstein freute sich, dass der Autorenpool der Redaktion um weitere qualifizierte Autoren und Autorinnen erweitert werden konnte. Auch die Präsenz in den Sozialen Medien sei erhöht worden. Mit Blick auf die Verwendung von Künstlicher Intelligenz sagte sie, dass sich auch die Redaktion dem nicht verschließe, etwa beim Einsatz für Recherchezwecke oder zur Verbesserung und Korrektur von Texten. Aber man nehme zum Beispiel keine Texte an, die komplett mit KI geschrieben wurden.
Bodenstein stellte ein seit drei Monaten laufendes Projekt der Redaktion vor: Einmal wöchentlich nimmt Moritz Pieczewski-Freimuth, der auch als Autor für den hpd schreibt, ein Video auf, das sodann auf TikTok und anderen Internetplattformen veröffentlicht wird. Pieczewski-Freimuth fasst dabei einen von der Redaktion ausgesuchten Text in seinen Kernaussagen zusammen und verweist jeweils darauf, dass Einzelheiten auf hpd.de nachzulesen sind. Ziel ist, die Inhalte des hpd auch im Bewegtbild in Szene zu setzen.
Redakteur Frank Nicolai berichtete über die Neuerungen der im Juli gestarteten neuen Website. Es werde weiter im laufenden Prozess an Verbesserungen gearbeitet. Das neue Erscheinungsbild inklusive des neuen Logos wurde von den Mitgliedern mit viel Zustimmung aufgenommen. Mit Blick auf die Durchschlagskraft des hpd in der säkularen Szene und darüber hinaus verwies Nicolai auf eine Veröffentlichung der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid), die die führende Rolle des hpd bei den Zugriffszahlen belegt. Einzelheiten lassen sich hier nachlesen.
Foto: © Gisa Bodenstein
Neben einigen Verbesserungsanregungen für die neue Website gab es viel Zustimmung der Mitglieder und Gäste im „Haus Weitblick“. Die Vertreterin eines Mitgliedsverbands formulierte ein besonderes Lob: „Ich möchte sagen, dass mir in Zeiten, in denen mir die ganze Medienberichterstattung unangenehm durch die Tonalität und Aggressivität und Krawall auffällt, ich den hpd mit seiner Berichterstattung wirklich als Fels in der Brandung empfinde.“
Nach dem offiziellen Ende der Mitgliederversammlung hielt der Düsseldorfer Karnevalswagenbauer, gbs-Beirat Jacques Tilly, seinen gehaltvollen Vortrag mit dem Titel „Wer hat Angst vor Pappmaché“. Er hatte diesen auch schon ein paar Tage zuvor beim Düsseldorfer Aufklärungsdienst gehalten (der hpd berichtete). Das Video finden Sie hier.
Foto: © Gisa Bodenstein
Auch dem neuen Präsidiumsmitglied Carlos Collado Seidel war anzusehen, dass er sich in dieser Umgebung wohlfühlt. Wie „der Neue“ so tickt, was ihn bewegt und was er bewegen will, lesen Sie im folgenden Interview:
hpd: Carlos Collado Seidel – das klingt nur so halb wie ein deutscher Name.
Carlos Collado Seidel: Ja, da ist ein spanischer Anteil drin. Im „Carlos“ und im „Collado“, der Nachname meines Vaters. Ich habe auch lange in Spanien gelebt und bin ab Ende der 1960er Jahre, also noch während der Diktatur Francos, in einer katholischen Privatschule sozialisiert worden. Wie sagte aber eine bekannte spanische Schauspielerin: Eine Klosterschule ist das beste Mittel, um Atheistin zu werden.
Du bist Historiker. Welches sind Deine Schwerpunktthemen?
Ich befasse mich seit Jahrzehnten mit politischen Regimes, die unter den Begriff Faschismus fallen, mit der gesellschaftlichen Aufarbeitung von Diktaturen, mit Nationalismen, Erinnerungskultur. Und neuerdings verstärkt mit dem völkischen Radikalismus der 1920er Jahre. Derzeit arbeite ich an einem Sachbuch zur völkisch-esoterischen Bewegung und zu Verschwörungstheorien in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg. Da zeigen sich erschreckende Parallelen zu heute.
Du bist außerplanmäßiger Professor für Neueste Geschichte und Zeitgeschichte an der Universität Marburg. Aber vor allem auch Autor. Als solcher engagierst Du Dich auch für die Belange der Kolleginnen und Kollegen im PEN-Zentrum.
Ja, ich war vor einigen Jahren Generalsekretär der Schriftstellervereinigung PEN-Zentrum Deutschland sowie nach dem lauten Eklat im Jahr 2022 Gründungsmitglied von PEN Berlin. Außerdem bin ich aktiv in der Verwertungsgesellschaft Wort, in Demokratie-Initiativen und kulturpolitischen Vereinen.
Kannst Du ein bisschen etwas zu Deinem Engagement im PEN sagen? „PEN“ steht ja für „Poets, Essayists, Novelists“.
Der PEN setzt sich ein für die Freiheit des Wortes. Für verfolgte Schriftsteller und Schriftstellerinnen in Ländern, in denen sie um ihr Leben bangen müssen. Wir machen auf deren Lage aufmerksam, suchen nach Geldgebern, gehen daran, Betroffene nach Deutschland zu holen, auch auf verschlungenen Wegen, und wollen ihnen im Exil einen Neuanfang ermöglichen. Und wir bemühen uns, der verbalen Radikalisierung in Deutschland entgegenzuwirken.
Und nun noch ein weiteres Ehrenamt − als Vizepräsident im Trägerverein des Humanistischen Pressedienstes. Was verbindet Dich mit säkularen Themen?
Da geht es mir um ein Herzensanliegen. Als Wissenschaftler habe ich immer eine kritische Distanz gewahrt. Zumindest weitgehend. Etwa bei meiner recht intensiven Befassung mit Kirche und Gesellschaft in Spanien. Auch als Kommentator zum spanischen Zeitgeschehen in den Medien. Es ist längst Zeit, Position zu beziehen. Gerade im hpd kann ich doch nicht nur meine Erfahrungen mit diversen Ehrenämtern einbringen, sondern auch mein Wirken als Autor und meine Kontakte zu Autorinnen und Autoren, die säkularen Gedanken nahestehen. Ich hoffe, dass sich – natürlich in Absprache mit der Redaktion – neue Verbindungen knüpfen lassen. Ich freue mich sehr darauf, im hpd mitzuwirken, erst recht gemeinsam mit diesem überaus kompetenten und professionell arbeitenden Redaktionsteam!
Foto: © Michael Schmidt-Salomon
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