Untersuchung des katholischen CARA-Centers

Warum Katholiken ihren Glauben verlieren

Kind betet
Die Entscheidung, den Katholizismus zu verlassen, wird oft schon im Kindesalter getroffen

Das katholische CARA-Center in den USA untersuchte die Frage, in welchem Alter katholisch getaufte Menschen sich vom Katholizismus abwenden und warum. Die Antwort: Die meisten verlieren den Glauben bereits als Kinder oder Jugendliche. Ein Hauptgrund für den Glaubensverlust ist die zunehmende naturwissenschaftliche Bildung.

"Get them while they are young" ("Du musst sie kriegen, während sie jung sind") ist ein Motto der modernen Werbewirtschaft. Der Gedanke dahinter ist klar: Je früher man einen Menschen an eine Marke oder an ein Produkt gewöhnt, um so treuer wird er für den Rest seines Lebens an dieser Marke hängen und die entsprechenden Produkte erwerben. Ein Prinzip, dem nicht nur Werbeunternehmen folgen, sondern auch Religionsgemeinschaften. Je früher ein Mensch in Berührung mit einer Religion kommt, für desto selbstverständlicher hält er diese, wenn er älter wird. Kein Wunder also, dass Religionsgemeinschaften junge Menschen durch Kindstaufen und Beschneidungen bereits im Säuglings- oder Kindesalter vereinnahmen und am Betreiben von Kindergärten und Schulen interessiert sind.

Lange Zeit funktionierte dieses System. Doch seit geraumer Zeit steigt – wenigstens in westlichen Ländern – die Zahl der Ex-Religiösen kontinuierlich. Ein Phänomen, das für die dort vorherrschenden christlichen Kirchen zunehmend zum Problem wird. Um sich diesem Problem zu stellen, beschäftigt sich seit einigen Jahren das CARA-Center (Center for Applied Research in the Apostolate) an der katholischen Georgetown University in Washington D.C. damit, wie Menschen erfolgreich an die katholische Kirche gebunden werden können. Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg ist die Klärung der Frage, wann und warum Katholiken eigentlich ihren Glauben verlieren.

Laut Mark M. Gray, der am CARA-Center mehrere Studien zu diesem Thema durchführte, ist ein wichtiger Grund, warum junge Menschen dem Katholizismus den Rücken kehren, die Naturwissenschaft. Genauer gesagt die Tatsache, dass sie den Katholizismus für unvereinbar halten mit dem, was sie in der High School oder in der Universität an naturwissenschaftlichen Erkenntnissen erwerben. "Die Untersuchungen von CARA", schreibt Gray in der katholischen Wochenzeitung Our Sunday Visitor, "weisen darauf hin, dass dieses Phänomen inzwischen weiter verbreitet ist als früher, weil diejenigen, die als Katholiken aufwachsen, heute signifikant seltener als frühere Generationen katholische Schulen besuchen, wo Religion und Naturwissenschaft nebeneinander unterrichtet werden."

Die Befragungen des CARA-Centers von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ergaben ferner, dass der Entschluss, den Glauben hinter sich zu lassen, üblicherweise im Alter von 13 getroffen wird. 63% der Befragten sagten, dass sie im Alter von 10 bis 17 aufhörten Katholiken zu sein. Weitere 23% sagten, dass sie bereits nicht mehr glaubten, als sie jünger als 10 waren. Hinsichtlich des Geschlechts ergaben sich keine signifikanten Unterschiede. Die Entscheidung, die Kirche zu verlassen, wurde gleichermaßen von männlichen wie weiblichen jungen Katholiken getroffen.

Kommentare (9)

Paul (nicht überprüft)

Di. 17 Jan 2017 - 13:23

Irgendwann bekommt jedes Kind mit, dass Grimms Märchen nicht für bare Münze zu halten sind oder die Zahnfee keine neuen Zähne bringt. Warum sollten sie dann auch an die Hölle glauben, die sie eh noch nie gesehen haben.

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Di. 17 Jan 2017 - 13:40

Wahrlich nicht nur meine Rede: Bildung.
Bräuchte es dazu eine (CARA-)Studie?

Dieter Bauer (nicht überprüft)

Mi. 18 Jan 2017 - 01:05

Nicht nur die katholische Welt muss sich der Wirklichkeit stellen. Es ist eine irrige Annahme, dass Fantasien auf Dauer Bestand haben. Glauben ist ein für wahr halten, was findige Köpfe aus märchenhaften Sehnsuchtsgeschichten als Gebote eines immaginären höheren Wesens gebastelt haben. Die Trägheit der Massen leisten diesen Schauermärchen Schützenhilfe. Doch die Trägheit beginnt mit zunehmender Geschwindigkeit abzunehmen.

Chr. Nentwig (nicht überprüft)

Mi. 18 Jan 2017 - 11:30

"Big Family" von Schmidt Salomon ist z.Zt. das Lieblingsbuch von Lea, erstes Schuljahr!
Das Buch ist ein Hammer!
Kompliment an Michael Schmidt Salomon und Anne-Barbara Kindler.
Chr. Nentwig

Luftikus (nicht überprüft)

Do. 19 Jan 2017 - 16:24

"Die Untersuchungen von CARA", schreibt Gray in der katholischen Wochenzeitung Our Sunday Visitor, "weisen darauf hin, dass dieses Phänomen inzwischen weiter verbreitet ist als früher, weil diejenigen, die als Katholiken aufwachsen, heute signifikant seltener als frühere Generationen katholische Schulen besuchen, wo Religion und Naturwissenschaft nebeneinander unterrichtet werden."

Umso mehr Grund, das deutsche Modell des Religionsunterrichts endlich loszuwerden.

Gregor Gerland (nicht überprüft)

Sa. 21 Jan 2017 - 03:17

Atheisten waren wieder viel schneller und haben den bösen, bösen Film "10 Fragen, die jeder gebildete Christ beantworten muss" gemacht (https://www.youtube.com/watch?v=NG3dZFTlVpQ). Sehr zu empfehlen!

Bernie (nicht überprüft)

Do. 26 Jan 2017 - 05:43

"[...]Ein Prinzip, dem nicht nur Werbeunternehmen folgen, sondern auch Religionsgemeinschaften[...]"

Es geht hier ja nur um die "Werbewirtschaft" und die "Religionsgemeinschaften", aber seit dem Zeit des NS-Faschismus in Deutschland, und der SED-Diktatur in der ehemaligen DDR, sollte eigentlich klar sein, dass dies für jede Ideologie (=Weltanschauung) gilt.

Wir erleben es doch derzeit schon seit über 30 Jahren, dass unsere Kinder wieder an an neues System herangezogen werden sollen, dass diese nie hinterfragen sollen - das sollte man bei HPD auch mal ansprechen. Von welchem System ich rede? Der Neoliberalismus, auch als "Marktwirtschaft" bekannt, ist gemeint, da wird doch schon Kindern mit der Muttermilch, wie im Katholizismus, der unhinterfragbare Gott namens "Markt" eingeimpft. Das Ergebnis sehen wir dieser Tage wo Marktradikale mit SPD-Parteibuch den Bundespräsidenten sowie den -kanzler stellen sollen, nach Merkel, nebenbei angemerkt: Die auch nicht besser ist, stellen sollen.
Vom neuen "Hoffnungsträger" Trump, und seiner Konkurrentin Clintin, ganz zu schweigen.....keiner hinterfragt diese neue weltliche Religion, die, man kann es nicht oft genug erwähnen, auch schon in frühesten Kindertagen ins Hirn hereinmanipuliert wird - die Neoliberalen haben eben von den Nazis, und den Kommunisten, gelernt was diesen Punkt angeht....
Zynische Grüße
Bernie

Daniela Wakonigg

Die Autorin ist studierte Philosophin, Theologin und Germanistin. Sie lebt in Münster (Westf.) und arbeitet als freie Autorin und Journalistin für Hörfunk- und Print-Medien. Sie ist u. a. Redakteurin der Zeitschrift MIZ und war von 2016 bis Anfang 2024 stellvertretende Chefredakteurin des hpd.

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