Hella Camargo

Jahrgang 1980, hat Germanistik und romanische Philologie studiert. Da sie in eine römisch-katholische Familie hineingeboren wurde und dreieinhalb Jahre auf einer katholischen Grundschule verbracht hat, war der Grundstein zum Atheismus früh gelegt. Heute baut sie lieber auf ihren Gerechtigkeitssinn als auf kirchliche Gebote.

Artikel der Autorin

Wenn das nicht mit dem Teufel zugeht

Weltweit haben in den letzten Monaten bereits unzählige Gläubige die aktuelle Corona-Pandemie weggeleugnet, weggebetet und sogar weggepustet. Da muss es doch glatt mit dem Teufel zugehen, dass in Italien steigende Infektionszahlen einen höchst wissenschaftlich angekündigten Exorzismus-Kurs zum bereits zweiten Mal verschieben lassen.

USA: Legale Abtreibung in Gefahr

Eine Grundsatzentscheidung des Obersten Gerichtshofes aus dem Jahre 1973 ermöglicht in den Vereinigten Staaten Schwangeren eine legale Abtreibung bis zur 24. Schwangerschaftswoche. Eine Entscheidung, die von rechten und religiösen Gruppen immer wieder angegriffen wurde. Mit der Bestätigung der christlich-konservativen Richterin Amy Coney Barrett als Nachfolgerin Ruth Bader Ginsburgs am Obersten Gerichtshof könnte diese Entscheidung nun aufgeweicht werden oder gar fallen.

Nettovermögen: Vier Milliarden Euro

Für den Papst und die katholische Kirche ist dieser Monat ein aufregender: Nicht nur die Sammlung des "Peterspfennigs" stand an – Spenden der Gläubigen weltweit für karitative Projekte des Papstes –, nachdem sie wegen der Corona-Pandemie von Juni auf Oktober verschoben worden war, sondern auch die Veröffentlichung der Bilanz 2019. Trotz Verlusten, Miss- und Vetternwirtschaft ist der Vatikan noch über vier Milliarden Euro schwer.

Gefängnis

Pakistan: Wegen Blasphemie zum Tode Verurteilter freigesprochen

Im Jahr 2013 war der heute 40-jährige Sawan Masih wegen des Vorwurfs der Blasphemie verhaftet und 2014 wegen Beleidigung des Propheten Mohammed zum Tode verurteilt worden. Nach fast sieben Jahren in der Todeszelle wurde er nun vom Obersten Gerichtshof in Lahore freigesprochen. Die Anti-Blasphemie-Gesetzgebung Pakistans wird von Teilen der Bevölkerung scharf kritisiert.

Symbolbild

Spanien: Christliche Anwaltsvereinigung klagt gegen Theaterstück

Ab dem 16. Oktober soll das überarbeitete Theaterstück "Poder I Santedat" von Manuel Molins im Teatro Principal in Valencia wieder aufgeführt werden. Das Stück befasst sich mit dem Vatikan und zweien seiner Probleme, der Korruption und der Homophobie. Für die spanische christliche Anwaltsvereinigung klar eine Verletzung religiöser Gefühle. Sie hat bei Gericht beantragt die Aufführungen zu untersagen und gleich zahlreiche mit der Produktion betraute Personen angezeigt.

Moschee in Abuja (Nigeria)

Nigeria: 13-jähriger wegen Blasphemie im Gefängnis

Nachdem am 10. August der erst 13-jährige Omar Farouq im nordnigerianischen Kano von einem Scharia-Gericht wegen Blasphemie zu zehn Jahren Haft verurteilt worden war, fordern neben dem internationalen Kinderhilfswerk UNICEF auch nigerianische Organisationen wie die Pädiatrische Vereinigung Nigerias eine Prüfung des Prozesses. Für sie verstößt die Behandlung eines Kindes wie einen Erwachsenen vor Gericht gegen die Kinderrechte, denen sich auch Nigeria verpflichtet hat.

In manchen Kulturen wird das Laken nach der "ersten Nacht" auf Bluttropfen untersucht

Frankreich: Gesetz soll Jungfräulichkeitstests verbieten

In diesem Herbst soll dem französischen Ministerrat eine Gesetzesvorlage gegen religiösen Separatismus zur Abstimmung vorgelegt werden. Das Gesetz soll den laizistischen Staat, wie auch die Gleichberechtigung von Männern und Frauen stärken. Konkret soll es mehr Handhabe geben, um religiöse Einrichtungen und Webseiten zu schließen, aber auch frauenverachtende Jungfräulichkeitszertifikate verbieten.

Spanien: Muslimischer Religionsunterricht als Pilotprojekt

Ein Gesetz aus dem Jahr 2006 sollte Schulen nicht nur verpflichten, katholischen Religionsunterricht anzubieten, sondern es Kindern und Jugendlichen auch ermöglichen, evangelischen, muslimischen oder jüdischen Religionsunterricht erhalten zu können. Im nordostspanischen Katalonien findet in diesem Schuljahr ein Pilotprojekt zum muslimischen Religionsunterricht statt.

Alte afrikanische Frau

"Hexencamps" beschäftigen die Politik

Vor den Parlamentswahlen am 7. Dezember im westafrikanischen Ghana versprechen die antretenden Parteien eine stabile Demokratie, Einsatz für die wirtschaftliche Entwicklung, verbesserte Infrastruktur, Bildung und Umweltschutz. Neben diesen großen Themen, um die sich die Politik weltweit bemühen muss, stellt sich auch die Frage, wie es mit dem Hexenglauben und den "Hexencamps" weitergeht, in denen der Hexerei beschuldigte Frauen untergebracht sind.