Morgen ist "Christi Himmelfahrt", zehn Tage später folgt "Pfingsten" – Kuriositäten des christlichen Feiertagskalenders, die noch immer gesetzliche Feiertage sind. Michael Murauers Polemik will mit ihrem Titel auf Joachim Kahls erfolgreichstes Buch "Das Elend des Christentums" anspielen und ist ihm zum 85. Geburtstag gewidmet, den er gestern gefeiert hat.
In den Redaktionen – und insbesondere in den Meinungs-, Feuilleton- und Kulturredaktionen – aller bedeutenden deutschen Printmedien lässt sich eine große Gemeinsamkeit konstatieren, die über alle sonstigen Unterschiede einer (zugegebenermaßen oft fragwürdigen) Verortung im Links-Rechts-Schema hinwegreicht: man ist der Religion äußerst wohlgesonnen. Zwar werden die Missbrauchsproblematik und teilweise auch die Machtansprüche des Politischen Islam mehr oder weniger breit thematisiert, aber an der Bedeutung der Religion für die Orientierung des Einzelnen und der Gesellschaft wird eisern und unbeirrt festgehalten. Dies geht soweit, dass man in der ZEIT kürzlich sogar die Vermutung lesen konnte, "dass ein gedankenloser Säkularismus, der sich über religiöse Gefühle lustig macht, den christlichen Rechten Auftrieb verliehen hat, nicht nur in den Vereinigten Staaten". Wenn dem so wäre, so sind sicherlich nicht die deutschen Leitmedien daran schuld, denn sie vermeiden es nach Kräften, dem Säkularismus Raum zu geben, sei er nun "gedankenlos" oder nicht.
Man muss konzedieren, dass die Redaktionen bei diesem Thema ein recht getreues Abbild ihrer Leserschaft widerspiegeln dürften. So besuchen die Menschen etwa an Ostern in Scharen Aufführungen von Bachs Johannes- oder Matthäuspassion, auch diejenigen, die sich längst von den Kirchen verabschiedet haben und christliche Glaubens- und Moralvorschriften in ihrer Lebensführung kaum noch berücksichtigen. Würde sich das Kulturchristentum dieser Menschen nur auf Bachs großartige Musik beziehen und die Ruhe und Nachdenklichkeit, die sie uns vermitteln kann, wäre wenig dagegen einzuwenden. Aber nein, man begeistert sich auch für die Texte. Ja, diese sind sprachlich kraftvoll und beschäftigen sich mit wesentlichen und zeitlosen Problemen und sogenannten Grenzsituationen des Lebens. Aber dennoch geben sie dezidiert christliche Antworten auf Fragen, die von einer säkularen Philosophie längst in einer dem 21. Jahrhundert viel angemesseneren Weise behandelt wurden und behandelt werden.
Warum lesen wir über diese zeitgemäßen Antworten in den großen Printmedien so wenig? Warum dominieren um die christlichen Großfeste herum fast ausschließlich christlich und theologisch geprägte Artikel? Diese Feste stellen zwar immer noch eine gesellschaftliche Klammer dar und das darf auch so bleiben. Aber für einen großen Teil der Menschen ist diese Klammer längst nicht mehr religiös geprägt, sondern wird vielmehr als Gelegenheit gelebt, Zeit mit der Familie zu verbringen, zur Ruhe zu kommen oder sich einen Urlaub zu gönnen. Warum halten wir Leute wie den verstorbenen Jürgen Habermas für bedeutende Philosophen, die eine "nicht vernichtende Säkularisierung" religiöser Positionen fordern, statt konsequent säkulare Positionen herauszuarbeiten und klarzustellen, dass viele religiöse Sichtweisen (etwa in der Bioethik) in Widerspruch zu rational nachvollziehbaren Interessensabwägungen stehen? Und dass die Religionen vor allem kein Recht haben, hierfür Allgemeinverbindlichkeit für die ganze Gesellschaft zu beanspruchen und alle Bürger nach religiösen Kriterien zu bevormunden? Sollen wir Argumente um ihrer religiösen Herkunft willen unter eine Art Bestandsschutz stellen, auch wenn es ihnen aus säkularer Sicht an Plausibilität mangelt?
Unbestritten sollten wir das reiche christliche Erbe in Kunst und Kultur nicht in Vergessenheit geraten lassen oder verdrängen. Wir können unsere Geschichte ohne Kenntnis dieses Erbes nicht angemessen verstehen und zudem hat es vielfach ästhetischen Wert. Aber wir sollten dieses Erbe mit Distanz betrachten, so wie wir heute etwa feudale Gesellschaftsformen mit Distanz betrachten, auch wenn wir zum Beispiel gerne in den Parks der Schlösser spazieren gehen, die damals geschaffen wurden. Die eher restaurativ-nostalgische, im Grunde aus der Zeit gefallene Form des Kulturchristentums, die heute weit verbreitet ist, ist aber etwas anderes. Sie gleicht dem Leben in der "Umgebung einer veralteten Zeit", über das Goethe so treffend sagte: "Es ist immer eine Art Maskerade, die auf die Länge in keiner Hinsicht wohltun kann, vielmehr auf den Menschen, der sich damit befasst, einen nachteiligen Einfluss haben muss." Überzeugte Christen müssen sich von dieser Kritik nicht angesprochen fühlen. Gebildete gläubige Christen und Kulturchristen sind nicht dasselbe.







24 Kommentare
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Kommentare
Christian Walther am Permanenter Link
Kommentar CW
Diese Kritik ist natürlich sehr berechtigt, - allerdings fehlen mir hier: „Bedeutung der Religion für die Orientierung des Einzelnen und der Gesellschaft“ die Anführungszeichen, denn es handelt sich doch nur um eine fromme Lüge. Und es gibt genug Schlechtes an den Religionen - beginnend mit dem Hickhack, welche die bessere oder gar die einzig wahre sei; warum sollte uns das heute – anders als früheren Generation – erspart bleiben? Was die Bibel und deren oft wortgewaltigen Visionen – helle wie düstere – betrifft, so fehlt dem Westen eben eine ebenbürtige Erzählung, an die man sich heute anlehnen könnte. Frühere Versuche, eine Art Ersatz zu schaffen wie etwa Nietzsches „Also sprach Zarathustra“ sind eher selten und wohl zu Recht der Vergangenheit anheim gefallen.
Begibt man sich auf die Ebene realer, zeitgemäßer Sachfragen, so findet man durchaus Antworten aus rein vernünftiger Perspektive. Dahinter stehende Philosophien bleiben aber für viele von uns wohl oft schlicht „zu hoch“. Was möglicherweise fehlt oder aber verkannt wird: So, wie wissenschaftliche Ergebnisse heutzutage in vereinfachender Form popularisiert werden, so sollten eben Einsichten – also keine reinen Ansichten – von philosophischen Denkern ebenfalls einigermassen einfach dargestellt werden.
Dass Kulturchrist:innen sich zum Teil das Gefühl gönnen, etwas Höherem zu begegnen, stört mich weit weniger als der Machtanspruch der Kirchen. Diesen müssen wir zurückdrängen! Allerdings wird es wohl viel Zeit brauchen, bis die Kirchen sich „gesundgeschrumpft“ haben werden (vergl. https://hpd.de/artikel/wenn-kirchenglocken-nicht-mehr-laeuten-23792).
Christian Walther, Marburg
gerhard baierlein am Permanenter Link
"Also sprach Zarathustra" ein absolut lesenswertes Buch welches die Dummheiten der Menschen auf seine Art darlegt.
Nietzsches Vermächtnis ist real noch immer gültig.
Christian Walther am Permanenter Link
Naja, es ist heute wohl ein Geheimtipp...
CW
Uli Schoppe am Permanenter Link
Grundsätzlich stimme ich dem Artikel zu.
Solange man nicht in einem Anfall von säkularem Übereifer an der Arbeitszeit dreht bin ich sofort mit dabei.
Inseljunge am Permanenter Link
Was halten Sie von dem Modell, in dem alle bisher gesetzlichen Sonn- und Feiertage
dem Jahresurlaub zugeschlagen werden — und dann jeder völlig frei entscheiden kann,
anderen Tagen Urlaub nimmt?
Ulrich Schoppe am Permanenter Link
Da wäre nichts gegen einzuwenden. Wenn sie denn genommen werden müssen. Ich denke unsere Arbeitgeber denken sich sonst was aus was nicht zum Vorteil des Arbeitnehmers ist.
Inseljunge am Permanenter Link
Kein Problem: Das Bundesurlaubsgesetz sieht ja bereits vor, dass
der Jahresurlaubsanspruch auch tatsächlich genommen werden
soll (Fürsorgepflicht des Arbeitgebers); einzige Ausnahmen wären
wendigkeit. Dann kann übertragen werden.
Ulrich Schoppe am Permanenter Link
Ich glaube man muss mal an den "richtigen" Arbeitgeber kommen damit man das Problem sieht.
Man muß manchmal den Menschen helfen indem man Hindernisse setzt.
Rein formale Argumente überleben da oft die Kollision mit der Wirklichkeit nicht...
Inseljunge am Permanenter Link
Sie haben offenbar deutliche Vorurteile gegenüber Arbeitgebern.
Bedenken Sie, dass wir heute einen deutlichen Fachkräftemangel
haben. Da müssen sich Arbeitgeber schon genau überlegen, ob
Ulrich Schoppe am Permanenter Link
Das Sie ein zu gutes Bild von Arbeitgebern haben kann nicht sein?
Den Fachkräftemangel bestreiten macht gar keiner.
Und da Menschen solche Entscheidungen dauernd treffen gibt es das da eben auch.
Jetzt den rein rational entscheidenden Unternehmer herbeireden wollen (den es nur in Theorie gibt) halte ich für falsch.
Inseljunge am Permanenter Link
Ich rede niemanden besonder gut oder schlecht, sondern
gehe im Gegensatz zu Ihnen einfach davon aus, dass unter
Arbeitgebern Charaktereigenschaften genauso ausgeprägt
Ulrich Schoppe am Permanenter Link
Gewagt. Ohne Unterschied in den Charaktereigenschaften wären die einen nicht Unternehmer und die anderen nicht angestellt.
Paul München am Permanenter Link
Der Unterschied kann auch in der Erbschaft eines Unternehmens von den Eltern liegen und nicht im Charakter.
Gerhard B. am Permanenter Link
Weltweit gibt es ca. 5 Millionen Pfaffen aller Glaubensrichtungen, das sind 5 Millionen
arbeitsscheue Lügner, welche auf Kosten der Menschheit sich ein gutes Leben leisten, ohne
Dieser Kommentar wird sicher nicht veröffentlicht, ich wollte nur einmal meine Meinung kundtun.
Uli Schoppe am Permanenter Link
Der Kommentar ist auch ziemlich unhuman in meinen Augen.
Einfach allen Boshaftigkeit zu unterstellen...
Was ist denn das für ein Menschenbild?
gerhard baierlein am Permanenter Link
haben Sie nicht bemerkt, daß ich nicht den Menschen (Bürger) meine, sondern NUR die Pfaffia, welche ohne reale Arbeit Milliarden Vermögen angehäuft haben?
Bitte aufmerksamer lesen.
Uli Schoppe am Permanenter Link
Das sind dann Ihrer Definition nach keine Menschen oder wie soll ich das interpretieren?
Inseljunge am Permanenter Link
Die Pfaffen werden aber nicht aus allgemeinen Steuergeldern bezahlt,
sondern aus der Kirchensteuer, die ja nur diejenigen bezahlen, die
(ab Religionsmündigkeit) den Vereinen angehören wollen.
Faulenzer sei unter Pfaffen signifikant höher als bei Normalos.
Tobias Seyb am Permanenter Link
Verstehe dich.
Aber du hast Unrecht.
Viele (nicht alle!) Pfarrer arbeiten sehr hart, erleben große Belastungen, setzen sich ein, sind überzeugt von ihrer Arbeit, usw.
Das ändert nichts daran, dass Religion (als ihre Daseinsberechtigung) fast komplett Unsinn und Lüge ist.
Aber ein wenig zu differenzieren tut jedem gut, auch dir.
Klaus Bernd am Permanenter Link
Man sollte nicht vergessen, dass dieses reiche Erbe auch Erbe der Reichen ist. Und wo, insbesondere übermäßiger, Reichtum herkommt ist allemal ein Fragezeichen wert.
Man beachte auch den heimtückischen Gebrauch des Adjektivs "gedankenlos". Das könnte man so lesen, dass es auch einen Säkularismus gibt, der nicht gedankenlos ist; gemeint ist in diesem Kontext aber garantiert, dass Säkularismus generell gedankenlos ist.
Claus Schröder am Permanenter Link
Wer Wirkung sucht statt Argument, greift gern zu Zitaten. Michael Murauers Polemik gegen das Kulturchristentum ist ein Schaustück dieser Methode. Sie funktioniert genau so lange, wie der Leser nicht nachschlägt.
Das tragende Bild des Textes – Goethes Wort von der Maskerade, die „in keiner Hinsicht wohltun“ könne – stammt aus Eckermanns Gespräch vom 17. Januar 1827. Goethe redet dort nicht über Religion, sondern über eine Wohnzimmermode seiner Zeit: gotisches Revival, altdeutsche Möblierung, historisierende Kulisse. Er räumt ausdrücklich ein, dass ein gotisches Zimmer „hingehen mag“ und ein chinesisches „ganz hübsch“ sei. Kritisiert wird allein, den eigenen Alltagsraum vollständig mit „fremder und veralteter Umgebung“ auszustaffieren. Sein Gegenbegriff ist nicht Säkularität, sondern „der lebendige Tag, in welchen wir gesetzt sind“. Murauer unterschlägt diese Differenzierung und überträgt eine Stilfrage auf eine Sinnfrage. Das ist kein Zitat mehr, sondern Aneignung.
Ähnlich verfährt der Text mit Habermas. Dessen Formel von der „nicht vernichtenden Säkularisierung“ erscheint hier als Privilegierung religiöser Argumente unter eine Art Bestandsschutz. Tatsächlich zielte Habermas auf etwas anderes: auf die Übersetzung religiöser Gehalte in eine säkular zugängliche Sprache. Wer das als Schonung der Religion liest, baut sich einen Strohmann.
Auch die zentrale Gegenbehauptung bleibt schuldig, was sie zu zeigen hätte. Säkulare Philosophie habe „in einer dem 21. Jahrhundert viel angemesseneren Weise“ Antworten auf jene Grenzsituationen formuliert, die etwa in der Matthäuspassion verhandelt werden. Welche Antworten? Auf Tod, Schuld, Verlassenheit, Endlichkeit? Der Text behauptet, ohne einzulösen. Wer Bach hört, weiß, dass dort nicht bloß Lehrsätze transportiert, sondern Erfahrungen verdichtet werden, die sich nicht ohne Verlust in abstrakte Begriffssprache übersetzen lassen. Das muss man religiös nicht teilen. Aber man kann es nicht durch Berufung auf eine ungenannte „säkulare Philosophie“ erledigen.
Die Bioethik-Spitze arbeitet mit demselben Trick. Religiöse Positionen stünden, heißt es, „in Widerspruch zu rational nachvollziehbaren Interessensabwägungen“. Was hier als Vernunft auftritt, ist aber nicht die Vernunft schlechthin, sondern eine bestimmte Form ethischer Abwägungslogik. Es gibt gewichtige säkulare Einwände gegen utilitaristische Verkürzungen des Menschen. Auch das wird übergangen.
Am Ende verheddert der Text sich selbst. Gebildete gläubige Christen, heißt es, müssten sich nicht angesprochen fühlen; sie seien nicht dasselbe wie Kulturchristen. Das ist richtig – nur untergräbt es die Polemik. Gegen wen richtet sie sich dann? Gegen Konzertbesucher der Matthäuspassion, die nichts beanspruchen, keine Allgemeinverbindlichkeit fordern, niemanden bevormunden? Übrig bleibt ein Gegner, der erst aufgebaut werden muss, damit man ihn zerlegen kann.
Wer das Kulturchristentum wirklich treffen will, sollte bei Bonhoeffer beginnen, nicht bei Russell. Die schärfste Kritik an der Form ohne Substanz kommt nicht aus dem Säkularismus, sondern aus der theologischen Tradition selbst. Dort allerdings wird differenzierter argumentiert. Und ehrlicher zitiert.
Michael Murauer am Permanenter Link
Ich danke Herrn Schröder für seine differenzierte Kritik. Es wäre schön, wenn wir uns hier im hpd öfter mit diesem Anspruch streiten würden.
Habermas hat in vielen bioethischen Fragen (eine Detaildiskussion überschreitet diesen Rahmen) religiösen Argumenten ein säkulares Gewand angezogen. Seine Argumentation überzeugt aber oft nur, wenn man die ursprüngliche theologische Argumentation immer noch stillschweigend mitdenkt, eine überzeugende säkulare Interessensabwägung sucht man vergeblich. Habermas ist ein philosophischer Protagonist der deutschen, stark theologisch beeinflußten gesetzgeberischen Bevormundung in vielen bioethischen Fragen, wie sie von Dieter Birnbacher immer wieder (so unlängst in „Aufklärung und Kritik“), auch hinsichtlich des dabei in der politischen Auseinandersetzung entstandenen inkonsequenten Stückwerks, kritisiert wurde.
Ich bestreite auch nicht, daß man die säkularen Antworten auf Tod, Schuld, Verlassenheit, Endlichkeit unbefriedigend finden kann. Dies ist sicherlich einer der Gründe, warum sich die Menschen selbst in ostdeutschen Großstädten, wo die Kirchenmitgliedschaft teils nur mehr wenig über 10 Prozent liegt, bei katastrophalen Ereignissen noch zum Gedenken in den großen Kirchen versammeln. Nur sind die säkularen Antworten, auch wenn sie zum Teil weit weniger tröstlich sein mögen, eben realistisch und nicht illusionär.
Christian Walther am Permanenter Link
Natürlich sollte man sich beim Zitieren stets vergewissern, ob man wirklich das Richtige verwendet.
Zu Herrn Habermas nur soviel: Wer sich seinerzeit mit dem Diskurs Habermas-Ratzinger beschäftigt hat, der wird mir zustimmen, dass Habermas keine inhaltliche Gegenpositionen zur Offenbarungsreligion im Sinn hatte. Nicht zuletzt dies hat ihm wohl eine fast staatstragende Bedeutung bei so manchen Journalist:innen verschafft, - nun ja.
Der Vorwurf von Herrn Murauer an viele Kulturchristen:innen ist, dass sie mit der nicht ganz ehrlichen Zustimmung zu den durch Kunst vermittelten religiösen Inhalten es sich leicht machen und nicht drüber nachdenken, was eine vernünftige Alternative zu religiösen Auffassungen sein könnte. Dabei muss man aber erst einmal zugeben wollen, dass es keine echten, geistigen Antworten auf Fragen wie die von Herrn Schröder formulierten - Tod, Schuld, Verlassenheit, Endlichkeit - geben kann. Der Mensch muss sich letztlich ins Unvermeidliche fügen; die antike philosophische Haltung der Stoa, es möglichst in Ruhe hinzunehmen, hat insofern nichts an Aktualität verloren. Christliche Verheißungen bedeuten hingegen nur, dass man sich etwas vormacht. Was allerdings dem Menschen möglich ist: die tätige Solidarität mit denen, die es in seinem Umfeld hart getroffen hat. Die Ausdehnung der helfenden Solidarität im globalen Maßstab bleibt allerdings unerreichbar - auch das gehört zu dem, womit wir umzugehen haben.
Christian Walther, Marburg
gerhard baierlein am Permanenter Link
Allen Kommentarschreibern zu diesem Thema empfehle ich das Essay von Joachim Kahl, der