Umweltschutz mit Gottes Hilfe?

Gesegnete Busse

BERLIN. (hpd) Die Augsburger Stadtwerke haben am vergangenen Freitag 13 neue Busse der Allgemeinheit präsentiert. Das ist sehr löblich, handelt es sich doch um umweltschonende Erdgas-Busse. Unklar jedoch bleibt, weshalb jedoch die Fahrzeuge mit frommen Segen auf die Strassen entlassen werden mussten.

Die Silberfarbe der Busse führte zu einigem Missgefallen und Kritik der Bürger und zukünftigen Fahrgäste Augsburgs. Keine Fragen jedoch wurden gestellt, weshalb Vertreter der verschiedenen Religionen die neuen Busse segneten.

Würden die erdgasbetriebenen Busse schlechter rollen, wenn sie ohne Segen hätten fahren müssen? In der Augsburger Allgemeinen ist zu lesen, dass "die Augsburger Busflotte … die umweltfreundlichste in Deutschland [sei], weil sie mit Erdgas aus Biogasanlagen fährt. Der CO2-Ausstoß liegt somit fast bei null." Das ist sehr löblich. Die Fahrzeuge sind klimatisiert und bieten den Fahrgästen freies WLAN an. Vor allem von Zweiterem träumen Fahrgäste in Berlin und anderen Großstädten.

Aber muss denn tatsächlich bei jedem Pipifax ein Pfarrer oder Pastor dabei sein, der sich wichtig tut? Gerade bei einer Kirche, die erklärt, dass der Mensch sich die Erde untertan machen soll und damit auch, dass ihr die Umwelt völlig gleichgültig sei?

Der BfG Augsburg bittet (nicht nur) seine Mitglieder, einen Leserbrief an die Augsburger Allgemeine oder einen Brief an den Geschäftsführer der Stadtwerke, Walter Casazza, zu schreiben oder sich anders bei den Stadtwerken über die Segnungen zu beschweren.

Kommentare (13)

Stefan Wagner (nicht überprüft)

Mo. 7 Mär 2016 - 12:53

Sich die Erde untertan machen und auf die Umwelt Rücksicht nehmen sind keine Gegensätze.

Es ist heute sichtbar, dass man sich die Erde erst weitgehend untertan gemacht hat, wenn man auf die Umwelt Rücksicht nimmt.

Dass die Kirche dabei aber irgendwie hilfreich sein könnte sehe ich aber auch nicht.

Interessanter Gedanke. Aber auch wenn man "untertan machen" als "ausbeuten" versteht, ist der Schluss des Autors, dass dieses Postulat zur Gleichgültigkeit der Kirche gegenüber der Umwelt führte, arg verkürzt ("Laudato Si" mag als Beispiel genügen). Schließlich hat eine unreflektierte und unvollständige Aufklärung ebenfalls großen Anteil am ökologischen Desaster, dass sich vor unseren Augen vollzieht. Es gibt auch ein säkulares "Macht euch die Erde untertan".

Alexander (nicht überprüft)

Mo. 7 Mär 2016 - 12:59

Wenn schon Panzer und sonstiges Ungetüm mit Gottes Segen versehen wird, warum denn dann nicht auch Omnibusse. Die räumen auch oft weg was auf dem Wege geht, läuft und rollt, ... also zerstört. Und dafür braucht es Gottes Segen, den der ist himmlischer in seiner Rechtsprechung, bei einem Unfall, als jedes irdische Gericht - dachten sich wohl die Stadtväter, als sie ihre Omnibusse nun weihen lassen haben. Gute Fahrt für die Ewigkeit, kann man da nur sagen.

Wolfgang (nicht überprüft)

Mo. 7 Mär 2016 - 14:33

Wenn schon keine Gäste mehr in die Kirche kommen, müssen nun Busse für den Segen herhalten. Die Kirche fährt neue Wege aber Achtung: Es gibt auch Endhaltestellen! Alles Aussteigen!

Paul (nicht überprüft)

Mo. 7 Mär 2016 - 16:48

Der Fahrt in die Ewigkeit sind wohl irdische Grenzen gesetzt, bis das der Rost sie wieder scheidet, aber Scheidung ist ja in der Kirche nicht vorgesehen, da wird es wohl eine wilde Ehe auf dem Schrottplatz geben.- Ob da das geweihte Wasser eher abträglich war?

Dieter Bauer (nicht überprüft)

Mo. 7 Mär 2016 - 17:11

Ohne die Last des Religionssegens wären die Busse wesentlich leichter unterwegs. Bedenke: Segen ist ein immaterielles Gut, das sich sehr belastend erweisen kann.

Heinz-J. Ludwig (nicht überprüft)

Mo. 7 Mär 2016 - 20:40

Wann werden diese maskierten, sich für unentbehrlich haltenden Wichtigtuer, endlich aus unserm Stadtbild verschwinden? Welcher erwachsene Mensch spritzt Wasser auf Autos und meint, das helfe?
Es gibt Leute die halten das für krank, sollten sie (die Maskierten)vielleicht mal in eine
Psychiatrie??? Diesen Unfug haben wir einem römischen Kaiser zu verdanken...!

Kay Krause (nicht überprüft)

Di. 8 Mär 2016 - 07:25

Christliche Soldaten, die gegen christliche Soldaten zu kämpfen haben, werden von beiden Seiten priesterlich gesegnet, die Waffen gleich dazu
(schizophren ist dafür wohl der richtige Ausdruck?), Motorräder werden zusammen mit den Fahrern bei entsprechenden Treffen gesegnet, Gläubige mitsamt den Mitläufern werden mittels einer Klobürste und Leitungswasser in der Kirche gesegnet. Frage: warum sollte man mit diesem Kindertheater ausgerechnet bei Bussen Halt machen? Sinnvoll wäre doch durchaus, in jedem Linienbus einen Priester mitfahren zu lassen und während der Fahrt Gottes Wort anzubieten, so wie auch Radio und TV ihre Sendezeiten dem Klerus kostenlos zur Verfügung stellen. Der nächste Schritt wäre dann die Einführung von Bussen für Atheisten, Agnostiker, andere Gottlose und - natürlich nicht zu vergessen: für Muslime und für AfD-Wähler, was letzteren Rassismus- (Rassen-Trennungs-) Zielen von Seiten der Augsburger Stadtwerke doch sehr entgegenkommen würde. Man kann noch so alt werden und ist immer wieder überrascht: der Mensch ist sich für keinen Blödsinn zu schade.
Mit Gruß an den BfG in Augsburg!

Balthasar Stunk (nicht überprüft)

Di. 8 Mär 2016 - 16:30

Kirchenkritische Leserbriefe werden von der Allgäuer Zeitung zensiert und oft auch nicht veröffentlicht.

Warum Busse gesegnet werden müssen, ist mir allerdings auch nicht verständlich ???

Das ist mir durchaus bekannt, Herr Stunk. Habe 25 Jahre in Neuburg/Donau gelebt und den dortigen BfG mitbegründet. Ein ganz klein wenig weltoffener schätze ich den Donau-Kurier ein.

Atheist Wolfgang (nicht überprüft)

Do. 10 Mär 2016 - 10:46

Antwort auf von Balthasar Stunk (nicht überprüft)

Kirchenkritische Kommentare sind die am wenigsten veröffentlichten
Kommentare nicht nur in Zeitungen sondern auch bei den hauseigenen Webseiten sowie auf der katholischen als auch auf der protestantischen Seite. Sie können und wollen nicht denken, es handelt sich ja auch um einen vernagelten Glauben. Auch spielt die Angst eine erhebliche Rolle, Dummheit eine weitere.
Ach Gottle, deine Schöpfung, der Mensch. Was für ein elendes Wunder!

Noncredist (nicht überprüft)

Di. 8 Mär 2016 - 23:21

>> Aber muss denn tatsächlich bei jedem Pipifax ein Pfarrer oder Pastor dabei sein, der sich wichtig tut? <<

Der Aberglauben des Fahrers, der Gäste oder des gesamten Unternehmens verlangt nach einem "Schutzgeist", der durch Rituale herbeigeruft werden muss.
Weshalb "alles liebende" Zauberwesen nicht ohne solche Rituale wirken können, bleibt offen. Ein solches "liebende Zauberwesen" würde ganz ohne "rituelle Bezahlung" agieren. Oder kann man sich zusätzlichen Schutz durch Extrarituale erkaufen? Sind solche Schutzgeister auch durch andersartige Rituale bestechlich? Schließlich sind Busse und Bahnen auch in Unfälle verwickelt gewesen ;)

Anscheinend sind diese Geistliche noch immer nicht ausreichend ausgelastet. Obwohl hunderttausende Heimatvertriebene - alleine in unserem Land - Hilfe benötigen, ist anscheinend genügend Zeit übrig, Zaubersprüche über Motorhauben aussprechen zu können.

Atheist Wolfgang (nicht überprüft)

Do. 10 Mär 2016 - 10:48

In vielen Bussen befinden sich auch Toiletten.
Werden die auch mitgesegnet????

Unterstützen Sie uns auf Steady!

Mehr lesen über:

Verwandte Artikel