Neues Wunder in Lourdes: Zwischen Gott und den Frauen bleibt es schwierig

ER will euch leiden sehen

Im Dunkeln, in Demut und dankbar: Frau im Christentum

Neues Wunder in Lourdes - Nummer siebzig an der Zahl! Teilt stolz die Kirche mit. Sie braucht diese Geschichten. Mit ihnen zementiert sie ihre antiaufklärerische Macht - und die Rolle der Frau als unterwürfiges Wesen. 

Gott hat, in seinem vollen Terminplaner, wieder einmal Zeit für Lourdes gefunden, und sein siebzigstes dortiges Wunder bewirkt. So oder ähnlich hat es jetzt die katholische Kirche verkündet. Glückliche Gewinnerin der göttlichen Gnade ist die heute 79-jährige Bernadette Moriau, von Beruf Nonne, die vor zehn Jahren von all ihren Lähmungen erlöst wurde (zu denen leider keine klare Diagnose mitgeteilt worden ist). Plötzlich war da eine Wärme in ihrem Körper, sie hörte eine Stimme im Kopf, und dann konnte sie pötzlich wieder gehen, nach all den Jahren.

Gott ist groß, und ein scheuer Charakter ist er irgendwie auch, denn er lässt seine famose Allmächtigkeit immer nur arg punktuell, wie eine zarte Andeutung, aufscheinen. Vielleicht schämt er sich ja noch dafür, dass jahrtausendelang Intoleranz, Sadismus, Sexismus, Mord, Wahn, Aberglaube und Gewaltherrschaft in seinem Zeichen blühten und bis heute hin blühen. Vielleicht deswegen hält Gott mal lieber den Ball flach und greift nur dann und wann, in besonderen Einzelfällen, ins Weltgeschehen ein, weil er seiner eigenen Potenz nicht recht über den Weg traut - oder seiner eigenen so genannten Moral.

Vielleicht ist er aber auch zu beschäftigt damit, all die Gebete zu bearbeiten, die ihn aufgrund akuter Notlagen seiner Schöpfung erreichen, etwa nach den nahezu täglichen Schulmassakern aus den Vereinigten Staaten. Vielleicht erscheint es ihm auch als diffizile Denkaufgabe, ob man lieber dutzende junger Menschen durch irgendeinen göttlichen Zaubertrick vor den tödlichen Kugeln retten – oder eine knittrige Nonne aus ihrem Rollstuhl erheben sollte. Nun, die Entscheidung scheint gefallen zu sein. Halleluja!

Das Tollste am jüngsten, von der Kirche "untersuchten" und "anerkannten" Lourdes-Wunder ist ja, dass es nicht nur die mysteriösen Leiden der Nonne, sondern sogar auch Zeit und Raum überwunden hat. Denn die göttliche Heilung fand weder zum Zeitpunkt ihres Lourdesaufenthaltes statt, noch überhaupt in Lourdes. Die Nonne war wieder heimgekehrt, Lourdes lag hinter ihr, und als Herrgott ihr plötzlich mit dem warmen Gefühl im Körper kam, ihr nahelegte, das Morphium abzusetzen und loszulaufen, wusste sie ganz sicher: Das liegt jetzt an Lourdes, jenem Wallfahrtsort, den eine andere Bernadette im 19. Jahrhundert ihrer Heimat erschloss, indem sie eine der für solche Gelegenheiten üblichen Gespenstergeschichten zu erzählen begann. Sie habe, an einem Ort abseits der Zivilisation, eine Frau getroffen (genaue Beschreibung der Klamotten der Frau), die dann irgendwann als die Jungfrau Maria identifiziert wurde. Seither pilgern die Menschen in hellen Scharen und versuchen, sich vom dortigen Wasser heilen zu lassen. Es ist ja aber auch eine schöne Gegend.

Abgesehen von der Vernunftzumutung, solche Geistergeschichten glauben zu sollen oder die Gläubigen und einen Gott, der auf diese Weise operiert, ernst nehmen zu sollen, abgesehen also von dem Umstand, dass der Glaube hier einmal mehr die Verabschiedung von Sinn und Verstand verlangt: Was für eine Rolle der Frau wird in all diesen Legenden und auch in den Heilungsgeschichten propagiert? Das Weibliche ist prototypisch von der Teilhabe an der Gesellschaft ausgeschlossen. Üblicherweise sind es arme, einsame Mädchen, denen die unglaubliche Gnade widerfährt. Lange erdulden sie ihr eher karges Schicksal, dann begeben sie sich eines Tages, wie im Märchen, in einen Raum, der klassischerweise "das Weibliche" repräsentiert, die wilde Natur, vorzugsweise den Wald. Dort finden sie dann, nicht durch eigenes Zutun, sondern offenbar durch himmlische Zufallswahl, ihre Berufung: Gott scheint hier Wert darauf zu legen, dass er sich nicht etwa den Gebildeten und Arrivierten offenbart. Die jungen Frauen verkünden dann die Begegnung mit dem Göttlichen, worauf die Gesellschaft auf zwei Weisen reagieren kann: Entweder sie hält sie für überspannt und hysterisch – was Frauen sich halt seit Jahrtausenden anhören müssen. Oder aber: Das Männliche tritt auf den Plan. In Gestalt der katholischen Kirche. Ein Ortspastor wird eingeschaltet, oder der Bürgermeister, oder der Vatikan lässt die Wunder untersuchen: Ob das Mädchen mit seinen Visionen irre ist oder göttlich erleuchtet, das zu entscheiden, obliegt den Theologen, und ihre große Kunst ist es, das partielle Irresein von der göttlichen Erleuchtung scheiden zu können – diese Fähigkeit ist ja nicht jedem gegeben.

Die Frauen selber haben da mal gar nichts zu melden. Ihnen ist vom ersten Moment an eine Aufgabe zugedacht: Die Rolle der Bescheidenen, Wartenden, Leidenden. Frauen streben in diesen Geschichten nichts an, sie erreichen nichts, sie sind nur die Gefäße der göttlichen Eingriffe in die Welt. Gott verstreut Metastasen, Gott macht blind, er lähmt Leute und drückt sie in ihre Rollstühle. Dann können sie nach Lourdes rollern. Beten. Und abwarten. Die ganze Beterei ist dabei so wie der Einkauf von Lotterielosen, niemals kann man sich allzu viel Hoffnung machen, dass der Gott nun wirklich helfe, ein bisschen bitten lassen will er sich ja schon, nach all dem, was unsere Urgroßeletern da im Paradies veranstaltet haben und was ihm, Gott, wirklich, wirklich weh getan hat. Der gute Apfel!

Um zu zeigen, dass er ja gar nicht so ist, greift er hier und dort bei einzelnen der Millionen Pilger offensichtlich in den Krankheitsverlauf ein, indem er hier und dort spontane Heilungen erfolgen lässt – und niemand kann sagen, ob die nicht auch daheim vorm Fernseher passiert wäre. Denn spontane Heilungen kommen ja auch ohne Heiligwasser vor.

Bernadette jedenfalls, die nette Nonne, kann nun seit zehn Jahren wieder hin- und herlaufen, und es sei ihr von Herzen gegönnt. Gegönnt sei auch jedem Menschen das wohltuende Gefühl, im Kosmos irgendwie aufgehoben zu sein. Warum der Firlefanz der derzeitigen Religionen aber einer modernen Gesellschaft entgegensteht, wird durch ihren Fall einmal mehr belegt: Sie verweisen die Frau auf einen Platz, der mittelalterlichem Denken entspricht. Sie ist die Passive, die Leidende, etwas zu sagen oder zu erreichen hat sie nicht. Sie darf dankbar sein, wenn sie vom Patriarchat auch nur die geringste Anerkennung bekommt und einfach weiterleben darf. In der Bibel kommen Frauen ja durchaus noch schlechter davon: Sie werden von ihrem gläubigen Vater zur Vergewaltigung freigegeben, erstarren zur Salzsäule, wenn sie des Mannes Befehl nicht gehorchen, oder sie bringen, indem sie einen Apfel pflücken, alles Unheil über die Welt. Ganz schlechtes Karma! Recht betrachtet: Es wird Zeit für einen feministischen, egalitären Relaunch des Christentums sowie sämtlicher anderer Religionen, in denen dem Mann eine Führungsrolle herbeigeschwafelt und herbeigejodelt wird. Bis es soweit ist, werden sicher noch einige Wunder im Lourdes-Style geschehen, dazu: Schulschießereien, Selbstmordattentate, Kriege, Hungersnöte, Epidemien. Just Sayin'.

Kommentare (19)

Martin Mair (nicht überprüft)

Fr. 16 Feb 2018 - 13:44

Aus dem Artikel geht nicht im geringsten hervor, warum "Gott" die Frauen leiden sehen wolle, dass irgendeine "Erscheinung" das gesagt haben soll. Der Aufhänger ist daher irre führend und voll unseriös. Richtiger müsste es lauten: "Teile der Kirche wollen Euch leiden sehen." Diese immer wieder hineingestreuten Gehässigkeiten haben mit Aufklärung und Humanismus aber nichts zu tun!

Ich denke, das war Allgemein gesprochen: Gott beschert seinen Geschöpfen Leiden (die er freilich als angeblich Allmächtig-Barmherziger erst gar nicht auftreten lassen könnte), um einige wenige auf intransparente Art Auserwählte dann auf wundersame Weise zu heilen.

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Fr. 16 Feb 2018 - 16:14

Ich gebe zu - auch ich höre manchmal eine Stimme im Kopf; aber ich werde mich hüten, das an die große Glocke zu hängen.

Klaus Bernd (nicht überprüft)

Fr. 16 Feb 2018 - 17:03

Um mal auf das Wunder selbst zurück zu kommen. Soll ich jetzt die Krankenakten studieren ? Mich mit den Einzelheiten beschäftigen ? Geschichtsforschung betreiben ? Nein, ich verlasse mich auf meinen Glauben. Und ich glaube, dass das kein Wunder war. Und ich fordere für meinen Glauben den gleichen Respekt wie für den gegenteiligen.
Nichtsdestotrotz möchte ich doch ein paar Gründe für meinen Glauben nennen:
a) die allzuhübsche Namensgleichheit; mir ist das verdächtig wunderbar
b) die allzuhübsche zeitliche Übereinstimmung mit der Prozession in Lourdes; das war natürlich keinem der Beteiligten klar ! Dto.
c) und so passend zum Fest Unserer Lieben Frau von Lourdes (160-Jahr-Feier) kann es verkündet werden; keine PR-Agentur hätte das besser timen können.
d) nach ihren eigenen Angaben hat die Geheilte das zuerst gar nicht als Wunder gesehen, sondern nur als nicht ganz normale Heilung.
e) nach ihren eigenen Angaben hat die Geheilte gar nicht für sich, sondern für ihre Mitpilger gebetet; von deren Heilung wurde aber nichts bekannt; was denkt denn da ein mitfühlender Mensch ? Mir fällt da nur das Wort von der „irren Egozentrik der Davongekommenen (hier: Geheilten)“ ein, das ich mal bei Peter Henkel gelesen habe. Also selbst wenn es ein Wunder gewesen sein sollte, war es offenbar so von ihr nicht gewünscht. Aber aufgepasst ihr Lourdes-Pilger: jetzt nicht einfach für die anderen beten, damit ihr geheilt werdet. Der Herr schaut tief in euer Herz; den Spass gönnt er sich nicht so schnell wieder.
f) dass ich mich gar nicht so recht getraue, dieser selbstlosen alten Frau zu nahe zu treten. Sie genießt doch schon Greisinnen-Schutz; könnte meine geliebte Oma sein; und auch noch (wieder mal) eine Nonne; die Idealbestzung für die Wundermacher.
g) die geradezu atemberaubende Geschwindigkeit mit der dieses Wunder festgestellt wurde. In 10 Jahren geht bekanntlich so manche Information verloren; z.B. über die Behandlungen, die Prognose … Auch Zeit genug für die eine oder andere „Korrektur“; wäre ja nicht das erste mal ! Zwar argumentieren die Wundermacher, dass die endgültige Heilung belegt werden soll, doch wirft das eine andere Frage auf: wenn eine Heilung nur 2 Jahre anhält, spricht man von einer Remission und folglich nicht von einem Wunder ? warum aber dann nach 10 Jahren, oder nach nur 6 Jahren wie bei der Nonne Marie Simon-Pierre, deren Heilung für die Heiligsprechung von Papst Woijtyla benötigt wurde. Apropos, wie geht es eigentlich Marie Simon-Pierre ?
Die freie Wissenschaftsjournalistin Dr. Adelheid Müller-Lissner schrieb anlässlich der „Wunderheilung“ von M S-P im Tagesspiegel: >>„Wunder sind nicht wider die Natur, sondern nur gegen die uns bekannte Natur“, hat der Kirchenvater Augustinus geschrieben. Moderner gesprochen: Spontanheilungen sind nicht nur wunderbar, sondern auch ein Anreiz zum Verstehen von biologischen und psychologischen Zusammenhängen.<<
Wer wollte dem widersprechen. Aber es ist ja bekannt, dass die katholische Kirche auch ihre Kirchenväter ignoriert, wenn es ihr in den Kram passt.

Wolfgang (nicht überprüft)

Fr. 16 Feb 2018 - 18:16

Dummheit frisst Seele auf! Es ist mir ein Rätsel, wieso noch in der heutigen wissenschaftlichen, naturwissenschaftlichen Zeit noch so eine Denkart vorhanden ist.
Wieso Rätsel? Ach ja! Dummheit frisst Seele auf. Wir schaffen das!

Noncredist (nicht überprüft)

Sa. 17 Feb 2018 - 00:34

> Bis es soweit ist, werden sicher noch einige Wunder im Lourdes-Style geschehen, dazu: Schulschießereien, Selbstmordattentate, Kriege, Hungersnöte, Epidemien. Just Sayin'.

Ich bewundere diesen Gott. Als katholischen Gott ist es nunmal Pflicht, sich den Katholiken zu zeigen. Gerade in Zeiten abgedrehter muslimischer Kalashnikow-Benutzer im (nahem) Osten, zieht das mächtigste aller Machtwesen es vor, einer Frau im sicherem Europa, umgeben von der allerbesten medizinischen Behandlungsmethoden, Schmerzen zu nehmen.

Auch ich gönne der Frau ihr neues leidloses leben. Ein Leben, welches mit mehreren tausend Litern Blut bezahlt wurde. Das Blut all der Menschen, die im Augenblick ihr Leben (auf unnatürliche Weise) beenden mussten, weil das Machtwesen mit der Nervenheilung beschäftigt war, statt mit der Verbesserung seiner ureigenen Schöpfungswelt zum Wohle ALLER Menschen.

Eine 79-jährige gläubige Frau hat - Gott sei Dank! - neue Lebensfreude gefunden.

Runde 29000 Kinder sterben alle 24 Stunden, Tag für Tag, an unverschuldetem Leiden https://www.unicef.org/mdg/childmortality.html

Danke Gott.
Gepriesen sei dein Name. Ein wahres (katholisches) Wunder! Es hätte einfach nicht besser sein können.

Was ich dazu sage? Ganz ehrlich?
Jeder Gläubige sollte sich für so etwas schämen! Nicht nur greift er bei den Kindesmisshandlungen NICHT ein. Er hiflt auch nicht den wahrlich leidenden und unschuldigen Menschen. Und falls diese Spontanheilung doch nicht auf die Kappe Gottes gehören sollte, so korrigiert er noch nicht einmal diese katholische Ente. Für so viel Nichtstun hat sich dieser Gott wahrlich auch die dazu passende Nichtbeachtung verdient!

Gerhard Streminger (nicht überprüft)

So. 18 Feb 2018 - 10:32

Solange es kein vollständiges Wissen der Naturgesetze gibt, kann man niemals in begründeter Weise sagen, dass ein Ereignis ein >Wunder< ist.

Und: Wo bleibt denn die Auflistung jener, die sich in Lourdes eine tödliche Krankheit geholt haben?

"Solange es kein vollständiges Wissen der Naturgesetze gibt, kann man niemals in begründeter Weise sagen, dass ein Ereignis ein >Wunder< ist."
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Mehr noch: ein "echtes" Wunder würde gegen den Satz von der Identität verstoßen, denn jedes Ding kann sich nur gemäß den Eigenschaften verhalten, die es hat und zu dem ganz bestimmten Etwas "machen", das es ist.

Gerhard Streminger (nicht überprüft)

Di. 20 Feb 2018 - 11:05

Antwort auf von Thomas (nicht überprüft)

Das ist sicherlich richtig. Aber ein Theist könnte meinen, dass der Allmächtige nicht an Logik gebunden ist.
Das kann sicherlich gesagt werden, aber die Nachfolgeprobleme sind enorm: Ein so willkürliches, >unlogisches< Wesen kann keine moralische Autorität und, vor allem, kein Garant für eine ausgleichende Gerechtigkeit im Jenseits mehr sein.

Thomas (nicht überprüft)

Do. 22 Feb 2018 - 05:57

Antwort auf von Gerhard Streminger (nicht überprüft)

"ein Theist könnte meinen, dass der Allmächtige nicht an Logik gebunden ist."
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Das wäre eine unprüfbare Behauptung, die auch noch impliziert, logisch Ausgeschlossenes sei realfaktisch möglich. Menschen, die so etwas glauben, sind irrational bis wahngestört. Entsprechend sinnlos ist es (meist), sich überhaupt auf Diskussionen mit ihnen einzulassen.
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"Ein so willkürliches, >unlogisches< Wesen kann keine moralische Autorität und, vor allem, kein Garant für eine ausgleichende Gerechtigkeit im Jenseits mehr sein."
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Ein Wesen, das schon deshalb für SÄMTLICHES Leid im Universum verantwortlich ist, weil es die Leidensfähigkeit selbst geschaffen hat, kann ohnehin keine "moralische Autorität" sein. Vielmehr ist es die abscheulichste aller denkbaren Verkörperungen des "Bösen", weshalb man seinen Fanboys und -girls tiefgreifende ethische Unzurechnungsfähigkeit attestieren muß. Auch die theistische Idee einer "ausgleichenden Gerechtigkeit im Jenseits" ist ethisch pervers, denn moralisches Handeln und Unterlassen VERMEIDET Leid, statt es zu erzeugen, nur um es irgendwann mit Wohltaten zu "kompensieren". Erst auf die Fresse und dann ein bißchen streicheln - kein geistig und psychisch Gesunder würde sich derlei von anderen Menschen gefallen lassen oder es gar für einen Akt entwickelter Moralität halten. "Gott" hingegen erntet Lob und Preis, obwohl er in seinem maximal widerwärtigen Sadismus nichts als rasenden Haß verdient. Nur das ungeheure Ausmaß religiös bedingten Leides auf der Erde entlarvt den pathologischen Charakter der Religiotie und die mit ihr verbundene ethische Korruption auf NOCH eklatantere Weise als dieser Umstand.

Gerhard Streminger (nicht überprüft)

Do. 22 Feb 2018 - 16:14

Antwort auf von Thomas (nicht überprüft)

Ich habe ebenfalls große Probleme, in dem Höchsten Wesen eine moralische Autorität zu sehen.
Eine Handlung ist für mich auf alle Fälle moralisch wertvoll, wenn sie dem Wohlwollen entspringt und dem Gemeinwohl dient.
Aber ich kann nicht erkennen, dass Gottes Nichteingreifen bei gröbsten Verfehlungen dem Wohlwollen entspringen und dem Gemeinwohl dienen sollte.
Zudem scheint Gott die Freiheit der Täter, nicht aber diejenige der Opfer zu respektieren.

Thomas (nicht überprüft)

Mo. 26 Feb 2018 - 05:43

Antwort auf von Gerhard Streminger (nicht überprüft)

"Ich habe ebenfalls große Probleme, in dem Höchsten Wesen eine moralische Autorität zu sehen."
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Warum denn so zurückhaltend? Jemand ist ein umso größeres Arschloch, je ungezwungener und häufiger er sich am Leid Anderer (mit)schuldig macht und je schwerer dieses Leid ist. "Gott" in seiner "Allmacht" ist zu NICHTS gezwungen und deshalb voll verantwortlich für SÄMTLICHES Leid, das in seiner "Schöpfung" stattfindet. Folglich ist er DAS ULTIMATIVE Arschloch und als solches DAS GEGENTEIL einer moralischen Autorität. Überhaupt ist Ethik etwas zutiefst Blasphemisches, denn sie wirkt den Verbrechen "Gottes" entgegen.
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"Eine Handlung ist für mich auf alle Fälle moralisch wertvoll, wenn sie dem Wohlwollen entspringt und dem Gemeinwohl dient."
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Das würde ich folgendermaßen präzisieren wollen: Eine Handlung oder Unterlassung ist nur dann moralisch, wenn sie ethisch motiviert ist und nur dann ethisch motiviert, wenn sie darauf abzielt, den Interessen möglichst aller von ihr direkt oder indirekt betroffenen Wesen zum Zwecke der Vorbeugung, Linderung oder Beseitigung von Leid in angemessener Weise und nach dem Grundsatz der gleichen Berücksichtigung gleicher Interessen gerecht zu werden. Jedenfalls ist der Begriff des "Wohlwollens" problematisch, weil die inneren Zustände, die er repräsentiert, nicht vorsätzlich herstellbar und deshalb als Bedingung für zuverlässiges moralisches Verhalten untauglich sind, während das "Gemeinwohl" nur insofern von ethischem Belang ist, als es sich aus INDIVIDUELLER Leidfreiheit ergibt.

Götz (nicht überprüft)

So. 18 Feb 2018 - 16:01

Vergiss Deinen "feministischen, egalitären Relaunch"! Soll es künftig "Frau Göttin und "Frau Christa" heißen und alles andere bleibt gleich? Eine solche Idee reicht nicht einmal für eine Satire (die sicher schon geschrieben wurde). Eine Religion braucht wenigstens einen Gott - von mir aus Göttin - und damit hast Du doch schon die Über-unterordnung. Nett gemeint, lieber Klaus, aber da wird nichts draus.

Thomas (nicht überprüft)

Mo. 19 Feb 2018 - 02:52

"Gegönnt sei auch jedem Menschen das wohltuende Gefühl, im Kosmos irgendwie aufgehoben zu sein."
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Blöderweise ist dieses Gefühl (ohne Zuhilfenahme von Drogen) nur auf Grundlage falscher bis wahnhafter Vorstellungen von der Beschaffenheit und Zusammensetzung der Welt sowie dem Zustand einiger ihrer Bestandteile zu haben. Die wiederum gibt es nicht ohne die grundsätzliche und hochgefährliche Bereitschaft zu evidenzwidrigem Glauben. Wer sich systematisch an der rationalen und deshalb auch ethischen Entwicklung der Menschheit beteiligen will, muß auf bestimmte "Gefühle" verzichten und die (bildungsgestützte) BESEITIGUNG der Religionen vorantreiben, denn auch "feministischer" und "egalitärer" Irrationalismus ist eben nur Irrationalismus - mit all seinen apokalyptischen Potenzialen!

Rüdiger von Gizycki (nicht überprüft)

Mo. 19 Feb 2018 - 08:07

Dieser Artikel ist eigentlich überflüssig. Nicht das Aufklärung obsolet wäre, aber sich wieder mal auf die Schulter zu klopfen, wie bescheuert die katholische Kirche ist bzw. wie sie die Köpfe der Gläubigen verwirrt hat, bringt nichts. Jedes Wort ist da vergebene Liebesmüh, denn die Kirche juckt das wenig und die Gläubigen von einem Irrglauben abzubringen, ist Sisyphosarbeit

Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Mo. 19 Feb 2018 - 15:29

Antwort auf von Rüdiger von Gizycki (nicht überprüft)

Das sehe ich nicht ganz so. Es gibt immer mehr Zweifelnde, die sich noch als Folklorechristen verstehen und ansonsten gar nicht wissen, was sie mit Religion anfangen sollen. Solche Berichte, die das christliche Absurdistan offenlegen, helfen denen, den Absprung zu schaffen und auszutreten...

Dieter Bauer (nicht überprüft)

Do. 22 Feb 2018 - 13:35

Antwort auf von Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

(:den Absprung zu schaffen und auszutreten..:)
Dies ist einfach durchfürbar: Man begebe sich (persönlich) auf das Standesamt, erkläre seinen Willen zum Austritt aus seiner Religionsorganisation, unterschreibe diese Erklärung, lege den örtlich verschieden hohen Gebührenbetrag (0-ca60€, >meist weniger als der eimalige monatlich zu zahlende Kirchensteuerbetrag) auf den Tisch und nehme sein Bestätigungsschreiben in Empfang. Fertig.

Rüdiger von Gizycki (nicht überprüft)

Fr. 23 Feb 2018 - 11:31

Antwort auf von Dieter Bauer (nicht überprüft)

Nochmal ganz recht. Aber dafür müssen die Argumente da sein, das zu tun und ob diejenigen diese sich in hpd aneignen wollen? Fraglich! Wer sowieso austreten will bzw. nichts mehr mit der Kirche am Hut haben will, der braucht keine Argumente, die hat er dann schon.

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