"Rasterfahndung im Klassenzimmer"

Mit den Meldeportalen für Lehrkräfte in Berlin und Brandenburg stellt die rechtspopulistische AfD das respektvolle Miteinander von Lehrkräften, SchülerInnen und Eltern im Schulalltag infrage. Aus parteitaktischen Gründen gefährdet sie den Schulfrieden und greift in unverhältnismäßiger Weise in die staatliche Ordnung ein. Der Humanistische Verband Berlin-Brandenburg verurteilt dies in aller Deutlichkeit. Die Initiative zeigt, wie wenig Achtung und Vertrauen die Partei in die Lehrkräfte setzt.

"Mit dem Start ihrer 'Beschwerdeforen für Schüler' legt die AfD bewusst die Lunte an das friedliche gesellschaftliche Miteinander. Mit ihrem eindeutig parteipolitisch motivierten Ansinnen stellt sie das respektvolle Miteinander von Lehrkräften, SchülerInnen und Eltern im Schulalltag infrage. Damit sägt sie am Vertrauen in staatliche Institutionen und RepräsentantInnen, das für unsere Demokratie grundlegend ist. Das verurteilen wir in aller Deutlichkeit", sagt David Driese, Vorstand im Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg KdöR und verantwortlich für Bildungsfragen im Verband, zur Freischaltung eines Meldeportals für Lehrkräfte, die vermeintlich gegen das Neutralitätsgebot verstoßen, durch die AfD.

HVD BB

"Zudem greift die AfD in das Verhältnis zwischen Lehrkräften und ihren SchülerInnen ein und gefährdet damit bewusst den Schulfrieden. Nicht nur werden SchülerInnen aus parteitaktischen Gründen nach Gutdünken zu Denunzianten gemacht, sondern verantwortungsbewusste Lehrkräfte werden unbotmäßig unter den Generalverdacht fehlender politischer Neutralität gestellt", kritisiert Driese. "Dieser Vorgang macht deutlich, wie wenig Respekt und Achtung die Partei vor Lehrkräften hat."

Darüber hinaus weist Driese darauf hin, dass die rechtspopulistische Partei mit dieser Aktion ihr Misstrauen gegenüber den zuständigen Verwaltungen offenlegt. "Für die Sicherung der parteipolitischen und weltanschaulichen Neutralität von staatlichen Bediensteten sind die Behörden zuständig. Die Partei greift hier in unverhältnismäßiger Weise in die staatliche Ordnung ein, um diese bewusst zu untergraben. Diese Aktion ist ein weiterer Beleg dafür, dass die AfD beabsichtigt, den Rechtsstaat und das friedlich-demokratische Miteinander nachhaltig zu schädigen."

Der Humanistische Verband hat zudem Zweifel daran, ob das Vorgehen rechtskonform ist. Im sogenannten "Beutelsbacher Konsens", der für die politische Bildung als konstitutiv gilt und in verschiedenen Bildungsplänen verankert ist, sind drei Prinzipien festgelegt. Erstens dürfen Lehrkräfte SchülerInnen nicht ihre Meinung aufzwingen ("Überwältigungsverbot"), zweitens müssen sie den SchülerInnen freie Meinungsbildung ermöglichen ("Gebot der Kontroversität") und drittens sollen SchülerInnen in die Lage versetzt werden, die gesellschaftspolitische Situation und die eigene Position zu analysieren und sich am politischen Prozess zu beteiligen ("Schülerorientierung").

Für David Driese zeigt die AfD hier ihr wahres Gesicht. "Wir haben den Eindruck, dass die AfD auf Mittel setzt, die einer Rasterfahndung gleichkommen. Alle, die sich kritisch zu Populismus und Rechtsextremismus äußern, fallen in das AfD-Raster fehlender politischer Neutralität. Allein das ist schon ein Skandal. Denn Demokratiebildung und die Stärkung des kritischen Denkens ist ein wesentliches Element der Schule. Denkt man diese Vorstellung weiter, wie die AfD eine potentielle Regierungsverantwortung ausfüllen würde, sind die Gedanken an ein Denunziantentum á la Stasi nicht mehr weit."

Kommentare (26)

Konrad Schiemert (nicht überprüft)

Mo. 22 Okt 2018 - 13:01

Wenn so eine Aktion nicht zu verbieten ist, dann muss man sie unnützlich machen. Also: Liebe SchülerInnen bitte alle LehrerInnen und das gesamte Schulpersonal bei AfD anschwärzen. Wenn die Liste bei der AfD lang genug wird, wird sie verstehen, dass die Aktion überflüssig ist.

Stefan P. (nicht überprüft)

Mo. 22 Okt 2018 - 14:15

Ich muss unmittelbar an die Schaffung eines Klimas des Misstrauens und der Denunziation denken wie einst bei der Judenverfolgung - nur dass es hier um den politischen Gegner geht. Das wiederum erinnert auch an die Denunziation-App der AKP gegen Kritiker im Ausland.

Besonders schlimm (und freilich kein Zufall), dass hier gezielt bei den jungen Menschen angesetzt wird, die unsere Hoffnung und Zukunft sind.

Mittlerweile bin ich sehr skeptisch, dass gegen diese Praktiken konsequent mit rechtsstaatlichen Mittel vorgegangen wird, wo dies möglich ist. Gerade habe ich etwa auf WDR 5 im Podcast einen gut recherchierten investigativen Bericht gehört über die regelmäßige millionenschwere Wahlfinanzierung der AFD über illegal verdeckte Spendenkonstrukte - die Beweise sind längst da, doch es wird nicht gehandelt. Was ist das? Ist das Trägheit und Dummheit der etablierten Parteien? ... Oder der Umgang mit dem AFD-freundlichen Herrn Maaßen, ehemals Chef des sogenannten Verfassungsschutzes ...

Oft denke ich an "Biedermann und die Brandstifter" von Max Frisch: das aufziehende Unheil unmittelbar vor Augen - und es ignorieren oder sich auf virtuoseste Weise schön reden bis ...

David Zahn (nicht überprüft)

Mo. 22 Okt 2018 - 16:48

Man muss kein AfD Fan sein, um zu erkennen, dass die Entrüstung hier doch ziemlich einseitig ist und in ähnlichen Situationen mit vertauschten Rollen das Schweigen äußerst laut ist.

Ah, hat ja nicht lange gedauert, bis hier ein AfDepp mit einem "Die aber auch..."-Kommentar aufschlägt.

Hannelore Horn (nicht überprüft)

Di. 23 Okt 2018 - 10:59

Antwort auf von Gelmir (nicht überprüft)

Allein, dass Sie hier mit einer Beleidigung (AfDDepp) daherkommen, zeigt schon, wes Geistes Kind Sie sind. Was halten Sie denn von einem Lehrer, der mit einer T-Shirt Aufschrift "Fuck AfD" in die Schule kommt?!

Andreas (nicht überprüft)

Di. 23 Okt 2018 - 12:45

Antwort auf von Hannelore Horn (nicht überprüft)

@ Hannelore Horn Die Aufschrift des T-Shirts ist nicht deutlich genug ...

Gelmir (nicht überprüft)

Di. 23 Okt 2018 - 20:13

Antwort auf von Hannelore Horn (nicht überprüft)

@Hannelore Horn

Mimimi?

Aber abseits davon, ich habe noch nie einen AfDler gesehen oder von einem gehört, der kein Depp wäre.

Wer Intelligent ist, ist eben kein Mitglied oder Fürsprecher dieses Vereins.

Ulf (nicht überprüft)

Mi. 24 Okt 2018 - 09:59

Antwort auf von Gelmir (nicht überprüft)

@gelmir
Nun eines ist offensichtlich, Menschen mit anderer Meinung und Perspektiven, als sie sie besitzen, sind in ihren Augen Deppen. Das zeichnet einen Dogmatiker aus, fürwahr, in autoritären, religiös oder autokratisch geführten Gesellschaften, wären sie als perfekter Untertan willkommen. In Demokratien jedenfalls nicht, denn sie haben leider weder Meinungsfreiheit, Pluralismus noch weitere essenzielle Grundlagen von Demokratie, offene Gesellschaft und Diskurs verstanden.
Und dies hat nichts damit zu tun, dass man beispielsweise die AfD unkritisch sehen sollte, ganz im Gegenteil, alles muss kritisiert werden oder sich Kritik aussetzen. Wem allerdings nur pauschale Beleidigungen und Abwertungen einfallen, steht nicht nur auf dem schwächsten, sondern auf dem lächerlichsten aller Fundamente.
In der Hoffnung, dass sie zu klugen Argumenten zurückfinden, verbleibt mit freundlichen Grüssen
Ulf

Karl-Heinz Büchner (nicht überprüft)

Mi. 24 Okt 2018 - 17:32

Antwort auf von Ulf (nicht überprüft)

Irgendwie hast Du etwas verpasst als in der Schule die Sache mit der Toleranz drankam, mein lieber Ulf.
Gegenüber Leuten, die Merkel und Gabriel bei einer Demonstration am Galgen baumelnd mitführen, gibt es keine Toleranz und Figuren, denen das egal ist, sind nun mal Deppen - ganz objektiv gesehen. Nein, man muss nicht jeden Rassismus tolerieren. Der Grund, warum dieses Pack ans Tageslicht kam, liegt darin, dass anständige Leute, denen diese Sprüche peinlich waren, viel zu lange weggehört haben.
Immer daran denken: Wer für alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein.

Gelmir (nicht überprüft)

Mi. 24 Okt 2018 - 20:22

Antwort auf von Ulf (nicht überprüft)

@Ulf

Hier ist nur eines offensichtlich, du bist offensichtlich ein AfDeppen-Mietschreiberling.

All das, was du als erstrebenswerte demokratische Verhaltensweisen (Meinungsfreiheit etc.) anführst, sind Dinge, die von der AfD mit Füssen getreten werden.
Falls man mir nicht glaubt, einfach mal so den täglichen Sprechbrechdurchfall von den ganzen AfD-Lautsprechern nachlesen (nach der "Machtergreifung" mit Andersdenkenden aufzuräumen, Grundgesetz abschaffen (oder zumindest so abändern, bis es eine Farce ist) und - aktuell (Thema dieses Artikels) die Denunziationsportale dieser rechten Truppe).

Also erlaube ich mir (auch wenn Typen wie du dann wieder laut Mimimi schreien) meine Meinung offen zu vertreten - auch wenn offensichtliche AfDeppen dabei nicht gut wegkommen.

Ulf (nicht überprüft)

Mi. 24 Okt 2018 - 22:15

Antwort auf von Gelmir (nicht überprüft)

Es besteht die reale Gefahr, dass die intellektuelle Qualität eines Teils der Kommentare dieser lesenswerten Plattform nachlässt und letztlich ein Spiegelbild einer sich zur poltischen Infantilität entwickelnden Gesellschaft wird.
Von einem Gelmir war diese Reaktion freilich zu erwarten. Von einem Autor K.-H. Büchner so sie identisch mit diesem sind, allerdings nicht. Erschütternd, diese komplett pauschalisierende, alles vermischende und den politisch Andersdenkenden entmenschlichende Wortmeldung. Dies, Herr Büchner, ist die Vorstufe zu Gewalt und unterscheidet sich im Grunde nicht im Mindesten von solchen Typen, die im Übrigen bei Pegida einen Galgen mitschleppten, ausser dass sich ihr Hass noch auf eine wesentlich grössere Gruppe bezieht. Nein, so etwas habe ich in der Tat nicht gelernt und verbinde solcherlei Verallgemeinerungen auch nicht mit Verhaltensweisen in einer offenen Gesellschaft. Es zeigt allerdings deutlich, wie in diesem Land Stück für Stück ein Zitat von Noam Chomsky Realität wird:
"Der smarte Weg, um Menschen passiv und gefügig zu halten, ist, das Spektrum der akzeptierten Meinung strikt zu limitieren."
Das ist mit mir nicht zu machen, ich lehne nur Meinungen ab, die unser Grundgesetz, unsere freiheitliche Grundordnung und Gewaltfreiheit und somit vernunftbasierte Dialoge in Frage stellen.
Gruß

@ Ulf Noam Chomsky zusammen mit der AFD ... muss man erstmal bringen.

Schreiben Sie uns doch mal Ihren Real-Namen, damit wir die Glückwünsche zustellen können ...

"Noam Chomsky zusammen mit der AFD ... muss man erstmal bringen."

Allgemeine Erkenntnisse wie den genannten Satz nur in einer Weltsicht zu erkennen, ... das muss man erstmal bringen.

Schönen Gruß in die Filterblase.

@ David Z Noam Chomsky "hat es nicht so" mit Rechten, nicht so mit Ihnen, und Ihren AFD-Kumpels, die sich hier wortreich lächerlich machen

Interessant, was Sie so alles zu wissen glauben. Aber prima, wie Sie sich hier offenbaren. Bitte mehr davon, damit auch dem letzten die Augen geöffnet werden.

Ob Chomsky "es nicht so mit Rechten hatte" ist völlig unerheblich für die Bewertung der Kernaussage seiner Feststellung.

@ David Zahn "offenbaren" muss einfach sein, schließlich sind wir hier auf einer website, die hauptsächlich von Atheisten besucht wird ...

Ulf (nicht überprüft)

Mi. 24 Okt 2018 - 22:53

Antwort auf von Gelmir (nicht überprüft)

Ein Postscriptum sei mir als nunmehr enttarntem AfD Mietschreiberling noch gestattet und zwar für Herrn Karl-Heinz Büchner...

http://www.spiegel.de/fotostrecke/10-jahre-studentenstreik-fotostrecke-108607-16.html

Sie sollten ihre klar strukturierten Feindbilder nicht ausweiten, sondern überdenken, sowie über den politischen Gegner differenzierter urteilen. Dazu gehört, diesem eine abweichende Meinung zuzugestehen, es steht ihnen frei, diese Perspektiven mit besseren Argumenten erschüttern zu können. So stelle ich mir jedenfalls eine tolerante Gesellschaft im Grossen und ein humanistisches Forum im Kleinen vor.
Mit freundlichen Grüssen

Hallo Ulf,
habe ich mit irgendeinem Wort zu erkennen gegeben, dass ich diese bescheuerte Aktion von 1997 gutgeheißen hätte?
Das ist genauso inakzeptabel wie das, was bei den Pegida-Umzügen, mit denen sich die AfD-Größen solidarisiert haben, abgelaufen ist.
Die AfD disqualifiziert sich selbst durch die Äußerungen ihrer Vordenker Höcke, Gauland, Weidel,und anderer und da hört das Toleranzgebot auf. Es gibt nämlich keine Pflicht zur Toleranz. Der AfD-Rassismus ist nicht tolerierbar.

Stefan P. (nicht überprüft)

Fr. 26 Okt 2018 - 08:23

Antwort auf von Gelmir (nicht überprüft)

Lieber Gelmir, ich stimme ganz mit „Ulf“ und „Hannelore Horn“ überein, dass es wichtig ist, gegenüber Andersdenkenden stets respektvoll zu bleiben und deren Kritik im Sinne der offenen Gesellschaft herzlich willkommen zu heißen. Und „Depp“ passt da einfach nicht her … Sprechen Sie in Bezug auf Andersdenkende lieber allgemeiner von einer „sich zur poltischen [sic] Infantilität entwickelnden Gesellschaft“. Da wirkt die Verachtung dann wohl reflektiert und intellektuell gehoben, und Sie sind mit Ihrer Haltung auf der sicheren Seite ...

Das ist echt unangenehm, nicht wahr?, wenn man sich über Jahre ein Bild gemacht hat von der AfD als einer Partei, aus deren Reihen immer wieder gezielte Provokation, Hass und üble Hetze zu hören ist - auch gegen Andersdenkende. Und dann kommt jemand daher, dreht den Spieß um und bezichtigt einen selbst für dieses Bild genau dieses Hasses und dieser Hetze und der Intoleranz.

Dann müsste man ja im Grunde hergehen und darlegen, auf welchen konkreten Äußerungen der AfD im einzelnen das basiert. Und das ist doch unrealistisch. Ich meine, wer macht denn das, dass er da penibel Buch führt, das er zudem immer griffbereit bei sich führt - das macht doch keiner … äh … oder doch?:

„Unsere deutsche Volksgemeinschaft ist krank. Sie leidet an Altparteien, Diarrhö, Gutmenscheritis, links-grün-versifften 68ern, und durch Merkel versiffte, aufgelöste Außenhaut. Unser Deutschland leidet unter einem Befall von Schmarotzern und Parasiten, welche dem deutschen Volk das Fleisch von den Knochen fressen will."
(Thomas Goebel, Listenkandidat Bundestag)

"Ich sage diesen linken Gesinnungsterroristen, diesem Parteienfilz ganz klar: Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet, dann wird wieder Politik für das Volk und nur für das Volk gemacht – denn wir sind das Volk, liebe Freunde."
(Markus Frohnmaier, Landtagskandidat in Baden-Württemberg)

„Nehmen Sie die linksextreme Bedrohung ernst und beteiligen sie sich an allen möglichen Maßnahmen um diese Wucherung am deutschen Volkskörper endgültig loszuwerden!“
(André Poggenburg, MdL)

„... Das sagt eine Deutsch-Türkin. Ladet sie mal ins Eichsfeld ein, und sagt ihr dann, was spezifisch deutsche Kultur ist. Danach kommt sie hier nie wieder her, und wir werden sie dann auch, Gott sei Dank, in Anatolien entsorgen können.“
(Alexander Gauland, MdB, über Aydan Özuguz)

„Und da hat mein Freund Dr. Gauland 100-prozentig Recht – solche Menschen müssen wir selbstverständlich entsorgen.“
(Petr Bystron, MdB, über Alexander Gauland und Aydan Özuguz)

„Ich habe langsam keine Lust mehr auf deutsch! Die Völkerwanderung muss aufgehalten werden. Die sich Deutsche nennen und dies fördern gehören an die Wand gestellt. Macht endlich was und wartet nicht auf andere. Wir haben nur eine Heimat und die ist nun einmal Deutschland.“
(René Augusti, Beisitzer des AfD-Kreisverbandes Salzwedel)

„Wenn du Direktkandidat bist, solltest du solche Sätze mit “gehören an die Wand gestellt" besser vermeiden. Es schadet ungemein, wenn die Presse sowas ausschlachtet. Deshalb sollten wir grade jetzt genau überlegen, wie wir Dinge formulieren.“
(Daniel Roi, Kreisvorsitzender der AfD in Anhalt-Bitterfeld)

„Wenn jemand kommt, und den ganz großen Knüppel rausholt und das damit schafft, innerhalb von zwei Tagen zu beenden, bin ich sofort dabei und solange tue ich, was ich kann.“
(Beatrix von Storch)

Lieber Gelmir, es wäre sicherlich unfair, hier von der AfD auf die AfD zu schließen. Zu viele Missverständnisse über all die Jahre, zu vieles immer wieder böswillig aus dem Zusammenhang gerissen. Oder auf der manchmal etwas unglücklichen Wortwahl oder der sprachlichen Verrohung einzelner Hinterbänkler herumzuhacken – das geht echt gar nicht.

Ich bitte deshalb, auch die Fülle weiterer AfD-Originalzitate unter https://das-ist-afd.de/ nicht zu verallgemeinern – jeder macht mal einen Fehler, und solche Äußerungen lassen sich nun wirklich aus jeder beliebigen Partei zusammentragen …

Man kann das also ganz gut verstehen, dass die AfD gegen diese Sammlung ihrer eigenen Originaltöne gerichtlich vorgeht. Es ist wirklich ganz schön perfide, ihnen tatsächlich wie gefordert zuzuhören und einfach mit Originaltönen zu arbeiten. Und eine kleinkarierte Erbsenzählerei ist es obendrein!

Ich hoffe, zumindest mit obigen Zitaten „die intellektuelle Qualität eines Teils der Kommentare dieser lesenswerten Plattform“ wieder etwas gesteigert zu haben. Und dass mir hier niemand AfD-freundlichen Kommentatoren unterstelle, ihr Hochhalten der Fahne der gepflegten Gesprächskultur sei wohlmöglich Taktik und Pose. Nein nein, wo sie Recht haben, haben sie Recht!

Sehr geehrter Herr Stefan P

vielen Dank für ihre Zeilen, sie laufen bei mir, offene Türen ein.
Solcherlei, z.T. erschreckende Zitate sind allerdings eben kein pauschal originärer Wesenszug der AfD, sie gibt es leider durchgängig durch alle politischen Spektren dieser Republik. Ich könnte ihnen jetzt ergo ohne Probleme eine Litanei von gelinde gesagt seltsamen und unwürdigen, teils grundgesetzwidriger Zitate oder besser Gewaltfantasien auflisten, die ausser der AfD, den Linken, den Grünen, Gewerkschaften, der SPD oder anderen Parteien, nahestehenden Vereinen und Personen zuzuordnen sind.

Und dann? Bringt uns das weiter Stefan?
Ich bin nicht dieser Meinung.
Wollen wir eine Spaltung der Gesellschaft überwinden, dürfen wir eben nicht pauschal urteilen, sondern zu jedem strittigen Sachthema strikt auf Argumenten bestehen, diese auch durchdenken, zustimmen oder mit kritischen Gegenthesen fortfahen.
Kritische Argumentation trägt doch zur Meinungsbildung bei. Wer allerdings ad hominem beleidigt oder ganze, am Diskurs (immer auf Basis GG und einer freiheitlich demokratischen Grundordnung) beteiligte gesellschaftliche Gruppen in Schubladen verschwinden lässt, nimmt sich wirksam selbst aus diesem Konsens.

Ich habe daher bei der Verwendung des Satzes "sich zur politischen Infantilität entwickelnden Gesellschaft" eben gerade keine der agierenden verschiedenen politischen Standpunkte explizit hervorgehoben.
Es ist kein Geheimnis, dass es auch a.m.S. in der AfD als Querschnitt der Gesellschaft, unappetitliche Weltanschauungen ergo Menschen gibt, die dieser abzulehnenden Infantilität zuzuordnen sind. Daran besteht keinerlei Zweifel. Ein Teil davon sammelt sich offensichtlich im s.g. Flügel.

Das ändert alles nichts am oben beschriebenem Fakt. Nicht andere Meinungen zu gesellschaftlichen Themen, die teils das Zeug haben, jene radikal zu verändern, spalten eine Gesellschaft, sondern die Diskursverweigerung zu diesen Themen, einhergehend mit Doppelmoral und Ausgrenzung.

Vielen Dank noch einmal für ihren, wenn auch mit stark spöttelndem Unterton versehenen Beitrag, damit kann ich noch leben...
Viele Grüsse

Ich bin auch der Meinung von "Ulf", dass vor allem Diskursverweigerung die Gesellschaft spaltet und dass Humanisten vor allem hiergegen kämpfen müssten. Im übrigen sollte auch darüber nachgedacht werden, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass die AfD so stark wurde. Hierzu ein Link zu einem Manuskript von Wolfgang Streeck, in dem u.a. "abgehängte Unterschichtsinteressen" thematisiert werden: https://www.swr.de/-/id=18600632/property=download/nid=660374/1qb6djk/swr2-wissen-20170115.pdf Wolfgang Streeck macht übrigens mit bei "Aufstehen" von Sahra Wagenknecht ...

David Z (nicht überprüft)

Fr. 26 Okt 2018 - 23:44

Antwort auf von Stefan P. (nicht überprüft)

Lieber Stefan,

Sie haben natürlich völlig Recht. Lasst uns die AfDler und alle, die wir für solche halten, niederbrüllen, diffamieren, beleidigen - und, wenn die Zeit reif ist, gerne auch noch mehr.
Denn dann wird endlich alles gut. Zumindest fühlt es sich gut an, nicht wahr? Da können wir vor unseren Kumpels endlich einmal zeigen, aus welchem tüchtigen Holz wir geschnitzt sind. Denn wir sind demokratische Humanisten und Demokratie und Humanismus finden wir total dufte und so.

Und überhaupt. Die Auseinandersetzung mit anderen Ideen wird doch heutzutage völlig überbewertet. Wer braucht sowas altbackenes in unserer zukünftigen Gesellschaft schon. Wir wissen schließlich stets, was richtig ist und sonst keiner. Aber Religion, das finden wir ganz doof und so.

Ach, wie wird das schön, das zu erschaffen, was so viele Versager vor uns nicht geschafft haben.

Stefan Posmyk (nicht überprüft)

Sa. 27 Okt 2018 - 13:09

Antwort auf von David Z (nicht überprüft)

Lieber David!

Hey hey, keine Panik – keiner will euch was … das ist alles nur ein Missverständnis und total aus dem Zusammenhang gerissen … und 'n Einzelfall ...

Ahoi!,

Stefan

Peter Hemecker (nicht überprüft)

Mo. 22 Okt 2018 - 19:40

Ein solches 'Meldeportal' wurde auch von der AfD Baden-Württemberg eingerichtet. Allerdings war es nur einen Tag lang online. Dann wurde es mit Hilfe einer von der Piratenpartei eingerichteten Webseite „mein-abgeordneter-hetzt.de“ geflutet. Dort konnten User das Portal der AfD mit zweifelhaften Aussagen ihrer Abgeordneten füllen. Da die Anwendung dieser Gegenaktion weitgehend automatisiert wurde, hatten innerhalb von wenigen Stunden über 100.000 User das AfD-Portal mit der afd-eigenen Hetze gefüllt. Die AfD schaltete ihr Meldeportal daraufhin ab und behauptete, die Seite sei einem "Hackerangriff" zum Opfer gefallen. Dem widersprachen die Piraten: "Die AfD-Internetseite sei keinesfalls durch einen Hackerangriff zusammengebrochen, Ursache sei vielmehr das Versenden von “Abertausenden Meldungen durch die Bevölkerung”.

Hier ein Link zu einem dazugehörigen Bericht der FAZ: http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/piratenpartei-schaltet-meldeportal-fuer-afd-abgeordnete-15834649.html

P.S.: Mittlerweile wurde diese Piratenaktion auch gegen das AfD-Meldeportal in Hamburg eingeleitet.

Humanistischer Verband Deutschlands

Der Humanistische Verband Deutschlands vertritt die Interessen und Rechte von Konfessionsfreien in Staat und Gesellschaft. Er bringt sich in aktuelle ethische Debatten ein und engagiert sich auf der Basis von Toleranz, Selbstbestimmung und Solidarität für eine menschlichere Gesellschaft. Als Weltanschauungsgemeinschaft ist er den Kirchen gemäß Art. 140 Grundgesetz gleichgestellt.

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