Südafrika

Bei Beschneidung amputierter Penis transplantiert

Die Union Buildings in Pretoria, Sitz der Exekutive
Die Union Buildings in Pretoria, Sitz der Exekutive

BERLIN. (hpd) Allein in Südafrika werden jährlich rund 250 Jungen bei Beschneidungen der Vorhaut versehentlich der Penis amputiert. Diese Tatsache geht etwas unter in der Meldung, dass es Ärzten nun gelungen ist, einen vollfunktionsfähigen Penis zu transplantieren.

Auch der Patient verlor vor drei Jahren seinen Penis bei einer Vorhautbeschneidung, die in Südafrika aus religiösen Gründen beim Eintritt ins Erwachsenenleben vorgenommen wird.

Die neunstündige Operation fand bereits im Dezember in der Universitätsklinik von Stellenbosch in der Nähe von Kapstadt statt. Nach nur drei Monaten "sei der 21-Jährige wohlauf und das Organ voll funktionsfähig", berichtete tagesschau.de bereits am vergangenen Freitag.

In einem Spiegel-Online-Bericht heißt es etwas genauer, dass dem Patienten vor drei Jahren der Penis nach einer schlecht ausgeführten, traditionellen Beschneidung amputiert werden musste. "Das Organ hatte sich infiziert, es bestand Lebensgefahr."

Doch obwohl in dem Artikel darauf hingewiesen wird, dass die Operation gerade auch in Südafrika "mit einem erhöhten Bedarf" begründet wird, weil dort jährlich rund 250 junge Männer nach einer religiösen Beschneidung ihren Penis verlieren, wird diese "Tradition" nicht hinterfragt. Doch das wird in Deutschland, einem Land, in dem sogar die Beschneidung minderjähriger Jungen gesetzlich für zulässig erklärt wurde, kaum geschehen.

Kommentare (5)

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Di. 17 Mär 2015 - 10:08

"Doch das wird in Deutschland, einem Land, in dem sogar die Beschneidung minderjähriger Jungen gesetzlich für zulässig erklärt wurde, kaum geschehen."
Exakt. Ein Trauerspiel, wenn es nicht sogar traumatisierend für viele Jungen wäre.

Das sind alles Einzelfälle. Meine Frau und ich haben unser erstes Kind bei einer jüdischen Kinderarztin kurz nach der Geburt routinemäßig beschneiden lassen, so wie es sich gehört. Da ich Amerikaner bin, kann ich den Hype gegen die Beschneidung nicht verstehen. Das zweite Kind wird ebenfalls routinemäßig beschnitten.

Ich finde die Begründung "weil ich Amerikaner bin" und den Hinweis darauf, "wie es sich gehört", sehr erhellend. Das zeigt doch, dass der Hauptgrund für eine Beschneidung des eigenen Kindes die unreflektierte Wiederholung kultureller Traditionen ist.

Wozu Religiotie nicht alles befähigt. Sogar zu der perversen Einstellung, dass aus religiösen Gründen die Verstümmelung wehrloser Menschen als "so wie es sich gehört" verstanden wird.
Chr. Nentwig

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