Bundestagswahl 2021

Welche Partei soll ich als konfessionsfreier Mensch wählen?

Konfessionsfreie und säkulare Menschen haben oft den Eindruck, dass die Politik ihre Interessen nur mangelhaft vertritt. Dass Religionsfreie vielen Parteien, die in Deutschland zur Bundestagswahl 2021 antreten, als Wählergruppe tatsächlich schlicht egal sind, zeigt ein Versuch des Humanistischen Pressedienstes.

Als konfessionsfreier Mensch könnte man an der Politik manchmal schier verzweifeln. Obwohl Menschen, die mit Kirche und Religion nichts oder nur wenig anfangen können, längst weit über ein Drittel der Bevölkerung stellen, scheinen in der Politik nach wie vor hauptsächlich die Interessen religiöser Menschen und vor allem religiöser Lobbyverbände zu zählen. Kein Wunder also, dass wir als Redaktionsteam des hpd von Leserinnen und Lesern derzeit oft diese Frage gestellt bekommen: "Welche Partei soll ich als Konfessionsfreier/Säkularer/Atheist/Humanist bei der Bundestagswahl wählen?"

Da auch wir darauf keine Antwort haben, wollten wir den Parteien selbst die Gelegenheit geben, unserer Leserschaft diese Frage zu beantworten. Ende August schrieben wir deshalb 16 Parteien an und boten ihnen die Möglichkeit, ihre Partei mit einem selbstverfassten Text unseren Leserinnen und Lesern vorzustellen. Darin sollten sie erläutern, inwieweit die jeweilige Partei die Interessen von Konfessionsfreien/Säkularen/Atheisten/Humanisten vertritt und deshalb von religionsfreien Menschen gewählt werden sollte.

Die Anfrage richtete sich an die derzeit im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien CDU, CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP, Die Linke sowie die AfD. Ferner schrieben wir von den zur Bundestagswahl 2021 antretenden Parteien jene an, bei denen wir aufgrund von in Leserkommentaren geäußerten Präferenzen ein mögliches Wahlinteresse unserer Leserinnen und Leser vermuten: Die Freien Wähler, die PARTEI, die Tierschutzpartei, die Piraten, ÖDP, V-Partei, Demokratie in Bewegung, die Partei der Humanisten und Volt.

Wir boten den genannten Parteien also eine kostenfreie Werbemöglichkeit bei einer klar umrissenen Zielgruppe im wichtigsten deutschsprachigen Online-Medium zu freigeistig-humanistischen Themen mit mehr als 3,5 Millionen Seitenaufrufen im Jahr und durchschnittlich mehr als 10.000 Besuchern pro Tag. Wer als Partei diese Möglichkeit nicht nutzt, muss also entweder mit dem Klammerbeutel gepudert sein oder an der genannten Zielgruppe schlicht kein Interesse haben. Bedauerlicherweise trifft entweder das eine oder das andere auf die Hälfte der von uns kontaktierten Parteien zu.

Trotz erneuter Nachfrage erhielten wir von den aktuell im Bundestag vertretenen Parteien CDU, CSU, SPD und AfD nicht einmal eine Rückmeldung. Die Grünen bedankten sich für die Anfrage, erklärten jedoch, sie aus Kapazitätsgründen leider nicht positiv beantworten zu können. Lediglich FDP und Die Linke zeigten Interesse an der Wählergruppe der Konfessionsfreien und übersandten uns ein Statement.

Von den derzeit nicht im Bundestag vertretenen Parteien ließen uns die Freien Wähler, die ÖDP, die Partei der Humanisten, die Tierschutzpartei, Volt und die PARTEI ein Wahlwerbestatement zukommen. Keine Vorstellungstexte erhielten wir von den Piraten, der V-Partei sowie Demokratie in Bewegung.

Die Texte der Parteien werden wir ab morgen bis zur Bundestagswahl täglich in der Reihenfolge ihres Zugangs bei uns veröffentlichen. Wir weisen explizit darauf hin, dass es sich bei den Statements der Parteien nicht um Wahlempfehlungen der hpd-Redaktion handelt. Wir raten allen Leserinnen und Lesern dringend, einen Blick in die Wahlprogramme aller Parteien zu werfen, bevor sie eine Wahlentscheidung treffen.

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Kommentare (22)

Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Mo. 13 Sep 2021 - 13:22

Na da bleibt doch nur die Partei der Humanisten übrig, welche primär säkulare und humanistische Interessen vertritt.
Kann gegoogelt werden.

Entschuldigung, aber ihre Antwort verstehe ich nicht, was meinen Sie mit " Für den Wieder geistig in die Atomkraft " ???

Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Di. 14 Sep 2021 - 11:05

Antwort auf von Ilse Ermen (nicht überprüft)

Dass die PdH für einen wiedereinstig in die Atomkraftwerke ist wäre mir neu.

Christian Meißner (nicht überprüft)

Mi. 15 Sep 2021 - 11:02

Antwort auf von Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Zitat aus dem Positionspapier zur Kernenergie der PdH:
"Wir brauchen einen neuen Zeitplan, der das aktuelle, starre Ausstiegsszenario für Kernkraft bis 2022 ersetzt, in dem wir flexibel auf die jeweils neuesten und sichersten Technologien setzen. Eine echte Energiewende muss her, mit einem intelligenten Mix aus bestehenden und zukünftigen Energietechnologien mit niedrigem CO2-Abdruck. In diesem grünen Energiemix spielt Kernenergie aufgrund ihrer hohen Energiedichte eine tragende Rolle."

https://www.diehumanisten.de/2020/04/13/positionspapier-kernenergie/

Da hier das "starre Ausstiegsszenario" kritisiert wird, geht es wohl eher darum, bestehende AKW länger laufen zu lassen.

Das macht m.E. auch Sinn.

Ganz unideologisch sprechen sieben rationale Gründe gegen Atomkraft als Mittel gegen die Klimakatastrophe:

1. Zu lange Planungs- und Bauzeit bei neuen AKWs. Bis die fertig sind, stehen wir bis zum Hals im Wasser.

2. Zu hohe Kosten. Für das Geld was AKWs verschlingen, könnte man anders sehr viel mehr gegen die Klimakatastrophe tun. Siehe Olkiluoto und Hinkley Point C.

3. Weiterverbreitung nuklearen Materials. Wenn wir Finnland oder Deutschland AKWs erlauben, gibt es keinen Rechtfertigung die Technik nicht auch Nordkorea oder Afghanistan zu erlauben. Die Folgen sind unabsehbar.

4. Die Gewinnung nukleraen Materials ist gesundheitsschädigend. Das Material wird häufig in Afrika gewonnen und die Arbeiter dort werden selten alt. Kann uns das egal sein, nur weil es um Afrikaner geht?

5. Atommüllendlager - ein noch immer ungelöstes Problem.

6. Nukleares Material ist endlich, wie Kohle, Öl und Gas auch, nur geht es wahrscheinlich noch schneller zur Neige.

7. Gefahr kleinerer und größerer Unfälle bzw. Attentate gegen Nukleareinrichtungen. Das Risiko ist zwar gering, dafür kann die Schadenssumme recht hoch werden. Kein Wunder, daß AKWs unterversichert sind, sie wären sonst nicht finanzierbar.

All die von Ihnen aufgezeigten Fakten sind mir bekannt und wenn die PdH Atomkraft befürwortet, dann sind diese für mich nicht wählbar.

A. Johann (nicht überprüft)

Do. 16 Sep 2021 - 15:25

Antwort auf von Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Ich verstehe die Postion der PdH so, dass

A) sie den vorzeitigen Ausstieg bedauern, da er noch als Übergangstechnologie hätte helfen können CO² einzusparen.
B) eine Rückkehr zur Atomkraft mit der Bedingung verknüpft ist Reaktoren der Generation III+ und IV zu errichten.

Damit sind m.E. Thorium-Flüssigsalzreaktoren gemeint, die

1. nicht explodieren können,
2. nur schwach strahlenden Abfall (100 Jahre) zurücklassen,
3. es nicht erlauben spaltfähiges Waffenmaterial daraus zu gewinnen,
4. in begrenzten Mengen auch Atommüll wiederverwerten können.

Und gleichzeitig sind sie ja auch pro Erneuerbare.
Das finde ich wählbar.

Ich hätte natürlich dagegen, wenn es solche neuen Reaktoren gäbe, aber nach meinem (vielleicht veralteten) Kenntnisstand sieht es nicht so aus, als wenn ich so ein Gerät noch zu meinen Lebenzeiten zu Gesicht kriegte. Als Politiker/in auf solche Techniken zu setzen, kommt mir somit etwas unrealistisch und verträumt vor.

Eckhard Behrendt (nicht überprüft)

Mo. 13 Sep 2021 - 15:29

Die damaligen Piraten warben mit: "Religion sollte privatisiert werden!" Das sollte jede Partei vertreten...

Thomas Ganskow (nicht überprüft)

Di. 14 Sep 2021 - 21:43

Antwort auf von Eckhard Behrendt (nicht überprüft)

Tun sie noch immer, wie Twitter verrät.

https://twitter.com/7ieben_/status/1437517665548054539?s=20

Allerdings ist das Wahlprogramm auch aussagefähig:

https://wiki.piratenpartei.de/Bundestagswahl_2021/Wahlprogramm#Trennung_von_Staat_und_Religion

Hätte es da eine Anfrage gegeben, wäre sie wahrscheinlich bei mir gelandet.

Humanistischer… (nicht überprüft)

Mi. 15 Sep 2021 - 10:33

Antwort auf von Thomas Ganskow (nicht überprüft)

@ Thomas Ganskow
Wie Sie dem Text entnehmen können, haben wir bei den Piraten angefragt. Es kam jedoch keine Antwort. - Die hpd-Redaktion

Martin (nicht überprüft)

Do. 16 Sep 2021 - 18:28

Antwort auf von Thomas Ganskow (nicht überprüft)

Schade, daß es in der hübschen Tabelle keine Zeile zum Thema Schwangerschaftsabbruch selbst gibt, sondern nur zum - aus meiner Sicht weniger wichtigen - Thema "Werbeverbot". Da sähen einige Parteien schon schwärzer aus, z.B. die F.D.P.

Werner Helbling (nicht überprüft)

Mo. 13 Sep 2021 - 16:14

Alle etablierten Parteien haben Angst davor, ihre religiöse oder zumindest die noch religiös angehauchte Wählerschaft zu vergrämen. Brächte eine Partei endlich den Mut auf, dieses riesige Potenzial an Religionslosen/Humanisten/Säkulären Menschen direkt anzusprechen und deren Anliegen explizit in ihr Wahlprogramm zu etablieren, müsste sie rein theoretisch zur stärksten Partei aufsteigen. Aber eben, leider nur Theorie!

Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Mo. 13 Sep 2021 - 17:24

Antwort auf von Werner Helbling (nicht überprüft)

So muss es in Zukunft kommen, denn Religion behindert nur den Fortschritt in eine freiheitlich und selbstbestimmte BRD , den Menschen wurde lange genug Angst gemacht vor der Hölle und dem Teufel, dies sollte sich weltweit in allen Ländern der Erde durchsetzen.
Nur so ist ein angstfreies und selbstbestimmtes Leben möglich.

Michael Brandt (nicht überprüft)

Di. 14 Sep 2021 - 10:13

Antwort auf von Werner Helbling (nicht überprüft)

Selbst meine Partei der Humanisten kann sich nicht dazu durchdringen, hier eckiger zu werden, immer mit dem Blick darauf, Gläubige nicht zu verprellen. Diesen Fehler machen fast alle neuen Parteien und Newcomer in der Wirtschaft, sie adressieren nicht ihre Kernklientel (wenn sie diese denn überhaupt kennen), sondern wollen Everybody‘s Darling sein, was zwangsläufig zum Scheitern führt, denn das gibt’s schon im Angebot!

A.S. (nicht überprüft)

Mo. 13 Sep 2021 - 21:49

Es wäre besser, halbwegs säkulare Parteien nicht nur zu wählen sondern dort auch Mitglied zu werden.

Nach meinem Dafürhalten sind viele Parteien kirchlich unterwandert.

Bei der Union ist das Prinzip.

Bei der SPD ist überraschend. Johannes Rau, Manfred Stolpe, Frank-Walter Steinmeier, Heiko Maas, Andrea Nahles sind beispilhaft für diese unterwanderung. Vor dem Godesberger Programm hatten solche Typen keinen Platz in der SPD-Führungsetage.

Gegen die kirchliche Unterwanderung hilft nur atheistische Unterwanderung als Gegenmittel.

Je nach Geschmack können Atheisten sinnvoll eintreten in SPD, FDP, Grüne und Linke. Da müsste doch für jeden was dabei sein. Ein eintritt in Kleinstparteien ohne Chance die 5%-Hürde zu überwinden ist m.E. nicht sinnvoll.

Werner Helbling (nicht überprüft)

Mi. 15 Sep 2021 - 13:55

Antwort auf von A.S. (nicht überprüft)

Lieber A.S. solange sich keine einzelne Partei von den von Dir erwähnten vier Parteien um «unsere» Wählerschaft (Religionsfremde) bemüht und anwirbt, verzetteln sich unsere Anliegen und Kräfte wiederum ins Uferlose. Tauchen unter und verschwinden in der Pipeline, wie bis anhin. Unsere Interessen und Wünsche müssen möglichst in einer Partei gebündelt werden. Es scheint, für diese Parteien sind wir inexistent. Man kann nur hoffen, dass sich einmal, in hoffentlich naher Zukunft, eine dieser Parteien an «uns» erinnert und wahrnimmt.

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