Nachruf

Der Mann vom Berg ist tot

Gerfried Pongratz beim Wandern in den Bergen
Eines der letzten Fotos, die Gerfried schickte.

Gerfried Pongratz ist nach einer Krankheit, die schnell immer schwerer wurde, am 5. Februar 2026 selbstbestimmt aus dem Leben geschieden. Frank Nicolai erinnert an einen Freund, den er nie persönlich kennenlernen durfte.

Manchmal lernt man Menschen kennen, mit denen man sich auf Anhieb versteht. So war es auch mit Gerfried Pongratz und mir. Zu Beginn war es vor allem sein – für meine Ohren – ungewöhnlicher Name, der sich mir einprägte. Das war vor zwölf Jahren; ich habe seinen ersten Artikel – der selbstverständlich wie alle weiteren Texte von ihm eine Rezension war – beim hpd veröffentlicht.

Irgendwann im Laufe der Jahre haben wir begonnen, uns nicht nur über die Artikel, die er mir zusandte, auszutauschen. Wir teilten beide die Begeisterung für Naturfotografie und meine Begeisterung für die Alpen hat wiederum ihn begeistert. Und so wurde es üblich, dass er mir regelmäßig Fotos aus den österreichischen Alpen an seine Mails anhängte und ich ihm ab und an eines meiner Fotos schickte. Ich konnte fast immer sicher sein, dass meine Instagram-Fotos ein Herz von ihm bekommen würden. Selbst dann, wenn ich nur Fotos meiner Zimmerpflanzen veröffentlicht habe.

Yak mit Kalb
Yakzucht in den österreichischen Bergen. (Foto: Wikimedia Commons/Gerfried Pongratz, Lizenz: CC BY-SA 4.0)

Doch Gerfried war mehr als "nur" ein fleißiger hpd-Autor, der Rezensionen schrieb. So veröffentlichte er auch bei Spektrum – einem der besten deutschsprachigen populärwissenschaftlichen Magazine – Artikel und er war ein umtriebiger Wikipedia-Autor. Dort finden sich dann auch unzählige Fotos tibetischer Yaks. Denn gemeinsam mit seiner Frau Anneliese züchtete er – als erster bäuerlicher Betrieb in Österreich überhaupt – auf seinem Almbauernhof "Kloareinisch" seit 1995 diese Tiere. Damit betrat er Neuland und hatte – trotz anfänglicher Skepsis – Erfolg. Auf seiner Webseite schrieb er über die Yak-Zucht: "Yakhaltung bietet besonders für extensive Landwirtschaft in Höhenlagen eine interessante Alternative zu herkömmlicher Rinder- oder Schafzucht." Als ich ihm vor einigen Jahren von den Eringerkühen im Schweizer Wallis berichtete, haben wir uns kurz darüber ausgetauscht. Seine Yaks waren wohl deutlich friedlicher als diese Kühe.

Als ich die Nachricht erhielt, dass Gerfried verstorben ist, hat mich das unerwartet tief getroffen. Hatten wir doch nie einen Kontakt, der über unsere Mails hinausging. Und doch ist es mir, als hätte ich einen Freund verloren. Auf jeden Fall einen Menschen, mit dem ich einige Leidenschaften teilte.

Gerfried Pongratz
Das letzte Foto von Gerfried Pongratz. (© privat)

Er verabschiedete sich von seinen Freunden mit einigen kurzen Versen:

"82 Jahre!
In altersfrost'ger Not,
Siechtum vor Augen,
gelassen ruhig –
sei willkommen,
selbstbestimmter Tod!"

Gerfried Pongratz ist am 5. Februar 2026 verstorben. Seine Asche wird auf dem Bauernhof "Kloareinisch" bleiben. Eine Trauerfeier wollte er nicht.

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Kommentare (6)

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Henk Helmut (nicht überprüft)

Mo. 23 Feb 2026 - 17:10

Antwort auf von Dr. Andeas Gradert (nicht überprüft)

Ich schließemich an und bewundere diejenigen, die sich in dieser finalen persönlichen Entscheidung nicht mehr von Staat & Kirche abhängig machen.

adam sedgwick (nicht überprüft)

Mo. 23 Feb 2026 - 16:47

Mein aufrichtiges Beileid zum Tod von Gerfried Pongratz am 5.2.2026.
Es freut mich, dass Frank Nicolai im Nachruf auf ihn auch seine Aktivität als Leserbriefschreiber würdigt. Mal so als eine Bemerkung hier eingestreut halte ich gerade beim hpd die geringe Hürde, vor allem die nicht-zensierte Möglichkeit, seine Meinung kundzutun, für sehr wertvoll. Nicht nur für die Pflege einer lebendigen Demokratie ist der hpd wertvoll, sondern auch für den Kommentar-Schreiber ist es auch eine wirkungsvolle Art der Pysycho-Therapie um mit all der Unbill in der Welt fertigzuwerden und nicht zu verzweifeln. Ann alle diejenigen, die den hpd am Laufen halten, also vor allem der gesamten Redaktion den herzlichsten Dank für ihr Engagement und die viele wichtige Arbeit.

Ich habe an keiner Stelle geschrieben, dass Gerfried Kommentare beim hpd verfasst hat. Das hat er meines Wissens nach nicht.

Ansonsten stimme ich Ihrem Kommentar allerdings zu und danke für die Anerkennung.

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