20 Jahre Humanistischer Pressedienst

Manche gingen leider für immer

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In diesem Jahr feiert der Humanistische Pressedienst (hpd) sein 20-jähriges Jubiläum und lässt Ereignisse aus dieser Zeit Revue passieren. Der frühere Chefredakteur Frank Nicolai arbeitet seit Mitte 2009 für den hpd und hat seitdem viele Menschen im Umfeld der Redaktion kommen und gehen sehen. Manche gingen leider für immer. Eine persönliche Rückschau.

Als ich im Zusammenhang mit der Serie "20 Jahre hpd" begann, mir meine doch recht lange Zeit in der Redaktion bewusst in Erinnerung zu rufen, sind mir Namen eingefallen, die ich längst vergessen glaubte. Menschen, die für die Redaktion und für mich persönlich sehr wichtig waren.

Ich war davon ausgegangen, dass mein Nachruf auf Gerfried Pongratz der erste war, den ich für den hpd schreiben musste. Doch nein: Ich stolperte beim Durchforsten alter Artikel über einen Namen: Simone Guski. Und ich erinnerte mich an die ehemalige Autorin des Humanistischen Pressedienstes, auf deren Beerdigung ich war. Ich hätte sie beinahe vergessen. Sie hatte vor allem – und das hat sie mit Gerfried Pongratz gemein – Rezensionen geschrieben, die sich um naturwissenschaftliche Themen, insbesondere um Tiere drehten. Simone Guski war Philosophin und arbeitete viele Jahre lang als Kulturjournalistin für verschiedene Tageszeitungen und Magazine. Sie war langjährige Kulturberichterstatterin für die Welt in Madrid und unterrichtete später philosophische Anthropologie und Ästhetik an der Universidad de la Comunicación in Mexiko-City.

Von hier aus war der gedankliche Weg nicht weit zu der ersten Trauerfeier, zu der ich als hpd-Redakteur gehen musste. Rudy Mondelaers war ein "hpd-Redakteur der 'ersten Stunde'", wie ihn Carsten Frerk in seinem Nachruf bezeichnete. Ein streitbarer und aufrechter Sozialist aus Belgien, den ich glücklicherweise noch kennengelernt habe und mit dem ich diskutieren konnte. Auch wenn ich ihn nicht gut kannte weil er kurz nach meinem Eintritt in die Redaktion verstarb: Er beziehungsweise sein Name bleibt untrennbar mit dem hpd der ersten Jahre verbunden.

Auch Fiona Lorenz war schon beim Humanistische Pressedienst, als ich in die Redaktion kam. Wir wurden im Laufe der Jahre Freunde, und als sie im Jahr 2012 nach langer Krankheit verstarb, traf mich das tief, obwohl ich genau wusste, wie schlecht es ihr in den Wochen zuvor ging. Sie starb während meines ersten "richtigen" Urlaubs beim hpd – als ich das erste mal an der Nordsee war. Den Nachruf von Michael Schmidt-Salomon auf der Website der Giordano-Bruno-Stiftung kann ich bis heute nicht ohne emotionale Reaktion lesen.

Viele der Menschen, ja, fast alle, an die im hpd ein Nachruf erinnert, kannte ich, mehr oder weniger gut; die einen nur des Namens nach, die anderen persönlich. Einige nur aus Mails und Telefonaten. Und bei manchen sitzt der Schmerz über den Verlust bis heute tief.

Ich denke da vor allem an Herbert Steffen. Ohne ihn gäbe es den Humanistischen Pressedienst nicht. So wenig wie die ein Jahr zuvor gegründete Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid). In seiner Nähe fühlte ich mich zwar manchmal wie ein nicht ganz ernst genommener Junge mit viel zu ausgeprägtem Berliner Dialekt. Er war gut darin, seine Zuneigung durch Distanz auszudrücken. Doch Herbert war immer für mich da und hat seltsamerweise an mich geglaubt als ich selbst im Zweifel war. Ihn vermisse ich wirklich schmerzlich. Bis heute. Nicht nur, weil der hpd ihm wichtig war. Sondern, weil ich immer das Gefühl hatte, dass auch ich ihm wichtig war.

Mir fällt da auch Uwe-Christian Arnold ein. Als ich ihn das erste mal in Oberwesel erlebte, war ich etwas entgeistert von seiner lauten Präsenz. Doch ich habe ihn immer bewundert für den Mut, den er aufbrachte: Er war wohl der erste Arzt, der sich öffentlich dazu bekannte, Menschen beim Suizid zu begleiten. Möglicherweise war seine laute Art Kompensation für all das, was er nicht aussprechen konnte. Er rief mich am Tag vor seinem selbstbestimmten Tod an, um mir einen seiner wirklich dummen Witze zu erzählen. Das tat er manchmal. Doch dass das an jenem Tag seine Art war, mir "Tschüss" zu sagen, wurde mir erst tags darauf klar.

Volker Panzer kannte ich zunächst nur aus dem Fernsehen, doch dieser kulturvolle, weltgewandte, kluge und witzige Mann wurde zum Herausgeber des Humanistischen Pressedienstes und zu meinem Vertrauten. Bis jetzt kann ich kaum glauben, dass er mich ernst nahm, und jedes Glas Wein am "Stutti" bleibt unvergessen. Heute liegt er mit Loriot und Ringelnatz auf dem Friedhof an der Berliner Heerstraße. Eine Nachbarschaft, die ihm behagt hätte.

Heinz Oberhummer habe ich erst ein paar Wochen vor seinem Tod in Berlin getroffen. Nach einer Veranstaltung saßen wir beim Italiener in der Nähe der "Urania" und ich habe ihn nicht nach irgendwelchen Galaxien befragt. Nein, ich wollte alles über seine Alpakas wissen. Und wie man es von ihm auf der Bühne kannte: Er brauchte viel Platz zum Reden. Seine Einladung, mir seine kleine Herde anzusehen, konnte ich nicht mehr wahrnehmen.

Doch bei aller Trauer, die bei dem Gedanken an einige der hier Genannten bis heute anhält, bin ich auch sehr glücklich, all diese Menschen kennengelernt zu haben. Denn von allen bleibt ein kleines Stück in meinen Erinnerungen. Und manche bleiben sogar Vorbild für mich über ihren Tod hinaus.

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