Südkorea plant die Zulassung der Abtreibungspille

Ab Anfang kommenden Jahres sollen Medikamente zum Schwangerschaftsabbruch in Südkorea legal erhältlich sein. Damit unternimmt das Land einen bedeutenden Schritt zu einer besseren Versorgung von ungewollt Schwangeren. Obwohl die Abtreibung seit 2021 formal entkriminalisiert ist, fehlte bislang ein staatlicher Versorgungsrahmen. Die Medikamente sollen zunächst unter ärztlicher Aufsicht ausgegeben werden.

Abtreibungspillen
Abtreibungspillen

Der Vorstoß geht auf den Antrag eines einheimischen Unternehmens zurück, ein importiertes Medikament zu genehmigen. Dabei handelt es sich um ein Kombinationspräparat aus den Wirkstoffen Mifepriston und Misoprostol, die auch in Deutschland und vielen anderen Ländern weltweit standardmäßig zur Abtreibung eingesetzt werden. In den ersten zwei Jahren nach der Markteinführung sollen ausschließlich Ärztinnen und Ärzte das Medikament verschreiben und ausgeben dürfen. Abhängig von den Erfahrungen mit möglichen Nebenwirkungen ist im Anschluss eine schrittweise Lockerung dieser Ausgabevorschriften geplant.

Mit dieser Entscheidung reagiert die Regierung auf einen jahrelangen Reformstau. Über Jahrzehnte gehörte Südkorea zu den Ländern mit den strengsten Abtreibungsgesetzen weltweit. Seit 1953 waren Schwangerschaftsabbrüche komplett verboten, erst 1973 erlaubte eine Gesetzesänderung Ausnahmen bei Erbkrankheiten, Vergewaltigung, Inzest oder einer schweren gesundheitlichen Gefährdung der Frau. Im Jahr 2019 erklärte das südkoreanische Verfassungsgericht das strikte Abtreibungsverbot für verfassungswidrig und ordnete eine Überarbeitung des Gesetzes an. Ein Gesetzesentwurf für die Straffreiheit von Abbrüchen innerhalb bestimmter Fristen scheiterte jedoch im Parlament.

Seit 2021 ist die Abtreibung in Südkorea formal entkriminalisiert. Das Fehlen eines gesetzlichen und medizinischen Rahmens schuf jedoch neue Hürden für ungewollt Schwangere. Da die Abtreibung nicht zum Leistungskatalog der nationalen Krankenversicherung gehört, müssen Frauen die Kosten meist komplett privat tragen. Zudem arbeiten Ärzte und Kliniken ohne verbindliche staatliche Richtlinien. Während manche Einrichtungen die Eingriffe ablehnen, führen andere chirurgische Abbrüche legal durch. Abtreibungspillen sind bislang nicht offiziell zugelassen, sodass Frauen und Ärzte auf graue Märkte ausweichen müssen.

Die geplante Zulassung der Abtreibungspille stößt auf breite Unterstützung in der Bevölkerung. Schon in einer Umfrage 2018 hatten sich 75 Prozent der 15- bis 44-jährigen Frauen für eine Änderung des Abtreibungsverbotes ausgesprochen, 20 Prozent von ihnen gaben an, bereits selbst abgetrieben zu haben – trotz Verbot. In einer weiteren Befragung des Pew Research Center unter Bürgerinnen und Bürgern Südkoreas 2024 sprachen sich 69 Prozent für eine Legalisierung der Abtreibung in allen oder fast allen Fällen aus.

Ungeachtet des hohen Zuspruchs in der Bevölkerung meldete die südkoreanische Bischofskonferenz Bedenken gegen eine Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs an. Nach ihrer Ansicht sei die stufenweise Einführung der Abtreibungspillen lediglich ein „Fahrplan“ zur Ausweitung der Tötung ungeborenen Lebens.

Dagegen nannte die Ministerin für Gleichstellung und Familie, Won Min-kyong, die Entscheidung einen bedeutenden Schritt: „um sicherzustellen, dass ein Schwangerschaftsabbruch sicherer und innerhalb des nationalen Gesundheitssystems durchgeführt wird, und um die Situation zu verbessern, die durch das Fehlen eines wirksamen staatlichen Aufsichtssystems entstanden ist.“

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Inge Hüsgen

Die Autorin ist die Chefredakteurin des "Skeptiker", der Vierteljahreszeitschrift der GWUP (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften) sowie Redakteurin beim Humanistischen Pressedienst.

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