USA

Bezirksrichter verweigert nicht-religiöse Eheschließung

Heirat
Kein Termin für die staatliche Eheschließung ohne christlichen Segensspruch in Trigg County

CADIZ. (hpd) Im US-Bundesstaat Kentucky wurde einem nicht-religiösen Paar die staatliche Eheschließung verwehrt, da der zuständige Bezirksrichter sich weigerte, eine Zeremonie ohne Gottesformel durchzuführen.

Dass Angestellte des Staats in den USA Schwierigkeiten damit haben, persönliche religiöse Überzeugungen von ihren Pflichten als Staatsdiener zu trennen, ist spätestens seit dem Fall "Kim Davis" bekannt. Die Standesbeamtin hatte sich geweigert, gleichgeschlechtliche Paare zu trauen, da dies, wie sie meinte, ihrem christlichen Glauben widerspräche.

Laut der US-amerikanischen Atheisten-Organisation Freedom From Religion Foundation (FFRF) sind von der religiösen Willkür amerikanischer Staatsdiener nun auch gemischtgeschlechtliche Paare betroffen, wenn sie sich offen dazu bekennen, nicht religiös zu sein. Wie Mandy Heath und ihr Verlobter Jon.

Die beiden vereinbarten für den 22. Juli einen Trauungstermin im Gerichtsgebäude von Cadiz, Trigg County, Kentucky. Als Heath darum bat, dass die staatliche Eheschließung säkular, sprich: ohne religiöse Trauungsformeln und Segenswünsche, vollzogen werden möge, teilte ihr der für die Zeremonie zuständige Bezirksrichter Hollis Alexander mit, dass er sich außerstande sähe, eine solche Zeremonie in seinem Gerichtsgebäude abzuhalten. Sein Grund: "Gott ist Teil all meiner Zeremonien und ich werde keine ohne ihn durchführen." Dem heiratswilligen Paar, das nicht aus Kentucky stammt, empfahl er, sich einen anderen Staatsbediensteten zu suchen.

Die Freedom From Religion Foundation, zu deren Kernforderungen die konsequente Trennung von Staat und Kirche gehört, reagierte empört und erklärte öffentlich, dass Alexander sich als ein Angestellter des Staates an die US-Verfassung zu halten und sich in religiösen Dingen neutral zu verhalten habe. Indem der Bezirk Trigg County die Ausstellung eines Ehezertifikats davon abhängig mache, dass in eine religiöse Zeremonie eingewilligt werde, verletze er die Rechte von nicht-religiösen Paaren hinsichtlich des Zugangs zu staatlichen Leistungen.

Kommentare (4)

Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Di. 19 Jul 2016 - 12:14

"Gott ist Teil all meiner Zeremonien und ich werde keine ohne ihn durchführen."

Völlig Recht hat der fromme Herr Bezirksrichter. Nur, wenn "Gott" mitverheiratet wird (der sogenannte heilige Dreier), hat er auch einen Anspruch darauf, völlig legal mit der Braut die Hochzeitsnacht zu verbringen.

Dies ist seit Maria so, als "Gott" in Form des "heiligen Geistes" (Holzauge) den Anstich mit seinem transzendenten Schniedel vollziehen durfte. So bleiben die Damen regelmäßig noch Jungfrauen, aber "Gott" hat trotzdem seinen Spaß.

Wenn jetzt Paare ohne "Gott" heiraten, bleibt dem alten Schwerenötiger im Wolkenkuckucksheim der legale Zutritt zum Ehebett verwehrt. Und dann regt sich der tatterige Griesgram jedes Mal derart tierisch auf, das er Hostienbröckchen husten muss und ein Donnerwetter veranstaltet.

Und wer will das schon? Also, ihr Brautpaare der Welt, schaut auf diesen Gott. Was hat er euch getan, dass ihr ihn derart lieblos aus eurem Schlafgemach fernhalten wollt? Gut, er hat fast die ganze Menschheit ausgerottet. Aber das tat ihm hinterher auch ganz besonders fürchterlich leid und seitdem versucht er bei jeder Gelegenheit, neue Menschen zu zeugen. Das ist doch nett von ihm. Lasst ihn ran! Vielleicht ist ja mal ein neuer Messias dabei und dann hört dieses elende Warten auf den Jüngsten Tag endlich auf. Wär das geil!

Dieter Bauer (nicht überprüft)

Mi. 20 Jul 2016 - 01:47

Antwort auf von Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

....sollte der Bezirksrichtergott wohl gesagt haben..... dass sein getreuer Diener von allen "Guten Geistern" verlassen scheint, so möge er auch seine Abberufung von dieser angeblich so sündhaft verunstalteten und beschmutzten Amtsstube bewirken. Ahamen!

Klaus Bernd (nicht überprüft)

Di. 19 Jul 2016 - 13:29

Man brauchte diesen Vorfall, so weit weg, nicht mit so viel Bitterkeit und Sarkasmus kommentieren, wäre er nicht Ausdruck einer eitlen überheblichen Gläubigkeit, die in dem Satz gipfelt "man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen". Und dieser Grundsatz verbreitet sich immer mehr auch in den Ländern Europas. Aber diese Leute gehorchen nicht Gott, sie gehorchen Menschen als da sind:
- zunächst mal sich selbst; es ist und bleibt schließlich
eine sehr subjektive Entscheidung, ob und an welchen Gott man glaubt.
- ihren religiösen Führern, deren Broterwerb es ist,
ihre eigenen Gesetze zu formulieren
- Kirchenlehrern, die noch an eine scheibenförmige Welt glaubten
- Propheten aus noch älteren Zeiten,
für die das Abschlachten ganzer Völker gottgewollt war
Ist es da nicht besser, den Menschen zu gehorchen, die die Erklärung der Menschenrechte verfasst haben, und denen, die Verfassungen demokratischer Staaten formuliert haben ?

Kay Krause (nicht überprüft)

Mi. 20 Jul 2016 - 06:52

Diesem Richter kann ich nur dringend empfehlen, zukünftig sein Brot in der Türkei zu verdienen. Nachdem dort tausende Richter und andere Staatsbedienstete entlassen wurden, besteht dringender Nachholbedarf an solchen Typen. Dass Gott dort "Allah" genannt wird, dürfte ihn nicht weiter stören, denn das ist ja angeblich das selbe. Insofern verstehe ich auch gar nicht, warum die Islamisten uns "Ungläubige" (dazu zählt auch Ihr Christen!) nun alle in die Luft jagen wollen?!

Daniela Wakonigg

Die Autorin ist studierte Philosophin, Theologin und Germanistin. Sie lebt in Münster (Westf.) und arbeitet als freie Autorin und Journalistin für Hörfunk- und Print-Medien. Sie ist u. a. Redakteurin der Zeitschrift MIZ und war von 2016 bis Anfang 2024 stellvertretende Chefredakteurin des hpd.

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