Rezensionen

Vereinsverbotspraxis und Demokratie

(hpd) Die Politikwissenschaftlerin Julia Gerlach legt mit „Die Vereinsverbotspraxis der streitbaren Demokratie. Verbieten oder Nicht-Verbieten?“ die erste umfangreiche Studie zum Thema vor und fragt darin nach den Einflussfaktoren einer Risikoperzeption des Extremismus und dem Spiel in der politischen Arena.

Aspekte des „Occupy“-Phänomens

(hpd) David Graeber gilt als Vordenker der „Occupy“-Bewegung und beschreibt kommentierend Positionen, Strategie und Taktik der kapitalismuskritischen Protestler. Dies geschieht mehr aus persönlicher und subjektiver Perspektive, welche gleichwohl einen interessanten Einblick in das Innenleben einer bedeutenden Protestbewegung der Gegenwart gestattet.

Kindheitsvergiftung und Ketzereien

(hpd) Ganz aktuell ist bei Alibri ein neues Buch von Ludger Lütkehaus erschienen. Darin erzählt er die Geschichte einer Kindheit unterm Kreuz: der Kindheitsvergiftung. Gegenüber der Erstveröffentlichung im Jahre 1994 wurde dem Buch noch eine Sammlung von Aphorismen, die der Autor „Ketzereien“ nennt, hinzugefügt.

Zur Ethik der Rechtsordnung

(hpd) Die komplexe, kenntnisreiche Abhandlung beginnt mit dem Satz des Vordenkers der Weimarer Reichsverfassung Hugo Preuß: „ubi societas, ibi ius; wo eine Gemeinschaft ist, da ist ein Recht“. Es endet mit dem Satz, der 1948 bei der Vorbereitung des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland an die Spitze gestellt worden ist: „Der Staat ist um des Menschen willen da, nicht der Mensch um des Staates willen.“

Vergessene Ideale, Eurokrise und Zukunft

(hpd) Die Politikerin Sahra Wagenknecht formuliert in ihrem Buch einerseits eine Kritik am gegenwärtigen Kapitalismus und andererseits die Grundzüge eines „kreativen Sozialismus“. Während sie für den erstgenannten Gesichtspunkt gut belegte Argumente vorbringen kann, bleibt das propagierte Alternativmodell doch überaus diffus.

Die Mörder der NSU - Zelle

(hpd) Die beiden Journalisten Christian Fuchs und John Goetz legen das erste Buch zu den Serienmorden des „Nationalsozialistischen Untergrundes“ vor. Sie schildern dabei mehr im Sinne einer Reportage die jeweiligen Ereignisse, ohne aber damit eine eigene Analyse zu verbinden.

Die Combat 18-Story

(hpd) Der Journalist Nick Lowles beschreibt die Entwicklung einer bekannten gewalttätigen rechtsextremistischen Gruppe in Großbritannien. Dies geschieht mehr im Sinne einer journalistischen Reportage ohne nähere analytische Betrachtungen und quellenbezogene Nachweise – gleichwohl überaus informativ auch und gerade in Richtung einer vergleichenden Betrachtung zur NSU-Terrorzelle in Deutschland.

Der gute Wilde aus der Steinzeit

BERLIN. (hpd) Was geschähe, wenn ein Neanderthaler unter uns lebte? Wie würden wir ihn aufnehmen? Wie würde er sich fühlen? Sibylle Knauss hat mit diesen Fragen im Hintergrund den Plot für einen Roman entwickelt. „Fremdling“ ist eine literarische Versuchsanordnung und die Geschichte einer mittlerweile - fast - möglichen Grenzüberschreitung.

Die Rettungsaktion „Weiße Busse“

(hpd) Der von Oliver von Wrochem herausgegebene Sammelband enthält Aufsätze und Zeitzeugenberichte über das Schicksal der skandinavischen Konzentrationslagerhäftlinge in NS-Deutschland. Es handelt sich um beachtenswerte Fallstudien, die allerdings nur Fragmente zu einer noch zu schreibenden größeren Darstellung zum Thema liefern.

Elend der Kritik am (Neo-)Faschismus?

(hpd) Der frühere Bremer Professor Freerk Huisken behauptet, dass Rassismus und Rechtsextremismus letztendlich die Konsequenz aus bürgerlichen Demokratievorstellungen seien. Das Buch steht in der Tradition des Dogmatismus der „Marxistischen Gruppe“ und setzt demokratische und extremistische Positionen bei Ignoranz von deren unterschiedlichen normativen Grundlagen miteinander gleich.