Rezensionen

Direkte Demokratie und Bonapartismus?

(hpd) Der Soziologe Thomas Wagner problematisiert in seinem Buch „Demokratie als Mogelpackung. Oder: Deutschlands sanfter Weg in den Bonapartismus“ die Möglichkeiten zur Legitimation autoritärer Staatsauffassungen durch scheinbare Formen „direkter Demokratie“. Einerseits zeigt der Autor dadurch bestehende Gefahren auf, andererseits neigt er hierbei zu einer vulgärmarxistischen Gesellschaftsanalyse.

Gibt es eine lutherische Ethik?

(hpd) Hubertus Mynarek zeigt in „Luther ohne Mythos“ eindrucksvoll und sachkundig, dass die feste Burg, die Luthers Gott ist, hauptsächlich auf den Säulen schlechten Gewissens und Unterwerfungsbereitschaft steht. Dazu kommen Irrationalismus, Masochismus, Misogynie und Antisemitismus.

Zur Strategie von Protestbewegungen

(hpd) David Graeber, der als Kopf der kapitalismuskritischen „Occupy“-Bewegung gilt, legt eine Sammlung von Essays vor. Entgegen des Titels findet man darin keine Kritik des Neoliberalismus und keine Präsentation von Alternativen, sondern eher diffus gehaltene Betrachtungen zu Selbstverständnis und Strategie der Protestbewegungen.

Porträts von FreidenkerInnen

(hpd) Gerade rechtzeitig zur Albert-Dulk-Feier in Esslingen lag das zu besprechende Buch vor. Es scheint dadurch hilfreich, da gerade bei solchen öffentlichen Veranstaltungen noch immer die sehr vielfältigen begrifflichen Selbstbestimmungen der diversen konfessionsfreien Gruppen verwirren.

Aufstieg einer Sekte zur Weltmacht

BERLIN. (hpd) Kaiser Konstantin bekannte sich vor 1.700 Jahren zum christlichen Glauben, weil die neue Kirche seinem ehrgeizigen Charakter und seiner Ambition nach universaler Macht entsprach. So die These des französischen Althistorikers und Atheisten Paul Veyne. Die andere Seite der Medaille, laut Veyne: Ein perfekt aufgestellter Kirchenapparat wusste seinerseits genauso die Macht eines Kaisers zu nutzen.

Fußball-Fankultur: „Ultras im Abseits?“

(hpd) Der Sammelband enthält 22 Aufsätze zu unterschiedlichen Aspekten der fanatischen Fußballfankultur. Aufgrund der unterschiedlichen Autoren, wozu Fanbetreuer ebenso wie Polizeibeamte gehören, entsteht ein facettenreiches Bild der Ultras, die medial meist nur mit Gewaltneigung und Pyrotechnik in Verbindung gebracht werden.

Wilhelm Ostwalds Erbe

(hpd) Am 11. September 1911 schloss Wilhelm Ostwald vor mehr als 3.000 Zuhörern das erste länderübergreifende Monistentreffen mit den Worten: „Hiermit schließe ich den ersten internationalen Monistenkongress und eröffne das monistische Jahrhundert!“ Drei Jahre später brach der Erste Weltkrieg aus. War der Monismus damit widerlegt?

Zur Geschichte und Theorie des Faschismus

(hpd) Guido Speckmann und Gerd Wiegel geben in ihrem Band „Faschismus“ einen knappen Überblick über die Geschichte des Faschismus und den Theorien über ihn aus marxistischer Sicht. Auch wenn die Autoren platte Agententheorien vermeiden, bleiben sie bei aller beachtenswerten theorieinternen Kritik doch einer eher mechanischen und schematischen Deutung des Faschismus aus „Klassenkampf“-Perspektive verpflichtet.

Qualifikation statt Quote

BERLIN. (hpd) Die Publikation versammelt Aufsätze, die sich mit den verschiedenen Aspekten der gegenwärtigen Gleichstellungspolitik, die auch unter dem Namen „gender mainstreaming“ realisiert wird, kritisch auseinandersetzen. Die aus dem journalistischen und sozialwissenschaftlichem Bereich kommenden 18 Autoren diskutieren dabei vor allem die Frauenquote als Maßnahme zu deren „Gleichstellung“.

Antisemitismus mit dem Hakenkreuz

(hpd) Der in der DDR als Faschismusforscher bekannt gewordene Kurt Pätzold legt Artikel und Aufsätze zur Deutung von Judenverfolgung und –vernichtung aus marxistisch-leninistischer Sicht vor. Auch wenn die gesellschaftlichen Bedingungsfaktoren allzu dogmatisch aus „Imperialismus“ und „Kapitalismus“ abgeleitet werden, verdienen kritische Hinweise auf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen durchaus Interesse.