Rezensionen

Thälmann - Marionette Stalins?

(hpd) Der als Journalist arbeitende Historiker und Politikwissenschaftler Armin Fuhrer legt eine kritische Biographie über den KPD-Vorsitzenden in der zweiten Hälfte der Weimarer Republik vor. Dabei macht der Autor anhand von Betrachtungen zur Politik der Partei und den Zitaten ihres Vorsitzenden deutlich, dass Thälmann zumindest eine indirekte Mitverantwortung für die Zerstörung der ersten deutschen Republik hatte.

Schwierige „Zähmung“ Jugendlicher

(hpd) Assia Maria Harwazinski hat eine bemerkenswerte schulpraktische Studie über den Alltag in einer Fördereinrichtung zur Berufsvorbereitung für Jugendliche verfasst, mit der die Agentur für Arbeit zusammenarbeitet. Es geht hauptsächlich um Maßnahmen für Jugendliche, die mit Hilfe von Praktika, Werkstatterfahrung, Unterricht und Lehrstellenvermittlung in den Berufsalltag eingegliedert werden sollen.

Neonazis in Bewegung

(hpd) Der Sammelband enthält eine Fülle von Abhandlungen zu einer Strömung im Rechtsextremismus, die sich in Agieren, Habitus, Kleidung an den linksextremistischen Autonomen orientiert. Die einzelnen Autoren liefern wichtige Informationen zu diesem relativ neuen Phänomen, beschränken ihre Erkenntnisse aber durch eine Verweigerung gegenüber vergleichender Betrachtungen.

Wie wird man zum Dschihadisten?

(hpd) Der Sozialwissenschaftler Martin Schäuble untersucht in seiner Arbeit den Lebensweg zweier gewaltorientierter Islamisten: ein Konvertit, der in Deutschland Anschläge plante, und ein Palästinenser, der ein Selbstmordattentat ausführte. Die Studie zeichnet intensiv den Lebensweg beider Personen nach und geht auf das sie prägende Milieu ein.

Der Rechtsstaat ist kein Kind der Religion

(hpd) Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt veröffentlicht in dem Band „Religion in der Verantwortung“ Texte aus der Zeit von 1972 bis 2011 aus Sicht eines skeptischen Christen. Schmidt betont darin, dass Demokratie und Rechtsstaat nicht mit dem christlichen Glauben, sondern gegen die christlichen Kirchen erstritten wurden, oder ,dass sich die meisten Religionen friedlich gesinnt geben, aber viele ihrer Repräsentanten aggressiv auftreten.

Warnung vor falscher Nachgiebigkeit

(hpd) Die Islamwissenschaftlerin Rita Breuer kommentiert eine Reihe von Entwicklungen bezüglich des Islam und der Muslime, wobei sie vor zu großer Nachgiebigkeit gegenüber den Ansprüchen auf Sonderinteressen im Namen einer Religion warnt. Entgegen des dramatisierenden Titels handelt es sich um eine informative und reflexionswürdige Publikation.

Wissenschaft und NS-Ideologie

(hpd) Der Historiker Horst Junginger untersucht die Bemühungen zur pseudowissenschaftlichen Legitimation der antisemitischen Politik des Hitler-Regimes am Beispiel der Universität Tübingen. Die Arbeit beeindruckt durch ihre Faktenfülle, die aber mitunter das analytische Interesse am besonderen Aspekt der Wissenschaftspolitik im Nationalsozialismus überlagert.

Jimmy Carter zum Nahost-Konflikt

(hpd) Der ehemalige US-Präsident und Friedensnobelpreisträger Jimmy Carter schildert in seinem Buch persönliche Erfahrungen und Reflexionen zum Nahost-Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Zwar ist eine eher einseitig kritische Auffassung gegenüber Israel unverkennbar, Carter präsentiert aber überlegenswerte Grundprinzipien für die Beendigung des Konflikts.

David Hume: True to the End!

(hpd) Zu Gerhard Stremingers neu aufgelegter Hume-Biografie. Lange war sie vergriffen, nun ist sie zum 300. Geburtstag des schottischen Aufklärers und Philosophen David Hume am 7. Mai wieder erhältlich: die meisterhafte Biografie Gerhard Stremingers – mit noch einmal gründlich revidiertem Text, unter neuem Titel und in einem anderen Verlag.

Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben

(hpd) Sönke Neitzel und Harald Welzer untersuchen auf Basis von Protokollen abgehörter deutscher Kriegsgefangener deren Gewaltverständnis und Kriegswahrnehmung. Überzeugend können die Autoren anhand von erstmals breiter ausgewerteten historischen Quellen belegen, wie stark der Referenzrahmen hier im Sinne des soldatischen Lebens für das menschliche Sozialverhalten auch und gerade bezüglich des Begehens von Kriegsverbrechen von Bedeutung ist.