Rezensionen

Nach dem Islamismus?

(hpd) Der Kulturanthropologe Werner Schiffauer legt mit „Nach dem Islamismus. Eine Ethnographie der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs“ eine Studie zur Wandlung der islamischen Organisation hin zu einer „postislamistischen Position“ vor. Bei allem Interesse für den postulierten grundsätzlichen Wandel lässt es der Autor doch häufig an einer kritischen Distanz gegenüber seinem Untersuchungsobjekt fehlen.

Entstehung des Antisemitismus in der Antike

(hpd) Peter Schäfer, der als Professor für Judaistik an der Universität Princeton lehrt, will in seiner Studie „Judenhass und Judenfurcht“ die historische Wurzel für den Antisemitismus im antiken Ägypten der Zeit um das dritte Jahrhundert vor der Zeitrechnung ausmachen.

Lourdes – Der Film von Jessica Hausner

MÜNCHEN. (hpd) „Ein großartiges Passionsspiel über Wunder und begrenzte Haltbarkeit“ schrieb wohl DER SPIEGEL und die Frauenzeitschrift BRIGITTE kommentierte „Ein wahrhaft wundersamer Film“. So jedenfalls dokumentiert auf dem Werbeplakat zum Film „Lourdes“ der österreichischen Regisseurin Jessica Hausner, der einen Tag vor Karfreitag in die deutschen Kinos kam.

Das historische Gedächtnis ärmerer Länder

(hpd) Der Soziologe Jean Ziegler hebt in seinem Buch „Der Hass auf den Westen“ die Gründe für den damit angesprochenen Unmut in den ärmeren Ländern hervor: arrogantes Gehabe, unverkennbare Doppelmoral und wirtschaftliche Abhängigkeit. So notwendig die dabei betonte Selbstkritik ist, so lässt sich das Elend der Entwicklungsländer doch nicht nur durch das Wirken des Westens allein erklären.

Fragmente des Kommunismus

(hpd) Der Historiker Gerd Koenen will in dem Band „Was war der Kommunismus?“ die im Titel gestellte Frage auf Basis einer historischen Abhandlung auf engem Raum beantwortet. So informativ der Text bezüglich der geschichtlichen Ereignisse und einiger Reflexionen ist, so mangelt es ihm doch an einer klaren Strukturierung bei der Erörterung des im Titel formulierten Erkenntnisinteresses.

Zwischen Wissenschaft und Glauben

(hpd) Jostein Gaarder versucht in seinem aktuellen Buch „Die Frau mit dem roten Tuch“, Argumente für ein wissenschaftlich-naturalistisches Weltbild gegen die einer emotionalen Religiosität zu setzen. Welche Argumente für richtig empfunden werden, bleibt dem Leser überlassen.

Ungleichheit und gesellschaftliche Probleme

(hpd) Die Anthropologin Kate Pickett und der Wirtschaftshistoriker Richard Wilkinson belegen in ihrem Buch „Gleichheit ist Glück. Warum gerechte Gesellschaften für alle besser sind“ anhand von umfangreichem Datenmaterial, dass in Ländern mit hoher Einkommensungleichheit die Gesundheits- und Sozialprobleme ebenfalls besonders hoch sind.

Befreiung von den „Übervätern“

(hpd) Die Soziologin Necla Kelek geht in ihrem Buch „Himmelsreise. Mein Streit mit den Wächtern des Islam“ auf kritikwürdige Aspekte des Islam in Vergangenheit und Gegenwart ein. Einerseits ist die oberflächliche Darstellung mit problematischen Verallgemeinerungen kritikwürdig, andererseits ist die emanzipatorische Forderung nach befreiender Individualität lobenswert.