Rezension

Wie wird man zum Dschihadisten?

(hpd) Der Sozialwissenschaftler Martin Schäuble untersucht in seiner Arbeit den Lebensweg zweier gewaltorientierter Islamisten: ein Konvertit, der in Deutschland Anschläge plante, und ein Palästinenser, der ein Selbstmordattentat ausführte. Die Studie zeichnet intensiv den Lebensweg beider Personen nach und geht auf das sie prägende Milieu ein.

Der Rechtsstaat ist kein Kind der Religion

(hpd) Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt veröffentlicht in dem Band „Religion in der Verantwortung“ Texte aus der Zeit von 1972 bis 2011 aus Sicht eines skeptischen Christen. Schmidt betont darin, dass Demokratie und Rechtsstaat nicht mit dem christlichen Glauben, sondern gegen die christlichen Kirchen erstritten wurden, oder ,dass sich die meisten Religionen friedlich gesinnt geben, aber viele ihrer Repräsentanten aggressiv auftreten.

Warnung vor falscher Nachgiebigkeit

(hpd) Die Islamwissenschaftlerin Rita Breuer kommentiert eine Reihe von Entwicklungen bezüglich des Islam und der Muslime, wobei sie vor zu großer Nachgiebigkeit gegenüber den Ansprüchen auf Sonderinteressen im Namen einer Religion warnt. Entgegen des dramatisierenden Titels handelt es sich um eine informative und reflexionswürdige Publikation.

Wissenschaft und NS-Ideologie

(hpd) Der Historiker Horst Junginger untersucht die Bemühungen zur pseudowissenschaftlichen Legitimation der antisemitischen Politik des Hitler-Regimes am Beispiel der Universität Tübingen. Die Arbeit beeindruckt durch ihre Faktenfülle, die aber mitunter das analytische Interesse am besonderen Aspekt der Wissenschaftspolitik im Nationalsozialismus überlagert.

Jimmy Carter zum Nahost-Konflikt

(hpd) Der ehemalige US-Präsident und Friedensnobelpreisträger Jimmy Carter schildert in seinem Buch persönliche Erfahrungen und Reflexionen zum Nahost-Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Zwar ist eine eher einseitig kritische Auffassung gegenüber Israel unverkennbar, Carter präsentiert aber überlegenswerte Grundprinzipien für die Beendigung des Konflikts.

David Hume: True to the End!

(hpd) Zu Gerhard Stremingers neu aufgelegter Hume-Biografie. Lange war sie vergriffen, nun ist sie zum 300. Geburtstag des schottischen Aufklärers und Philosophen David Hume am 7. Mai wieder erhältlich: die meisterhafte Biografie Gerhard Stremingers – mit noch einmal gründlich revidiertem Text, unter neuem Titel und in einem anderen Verlag.

Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben

(hpd) Sönke Neitzel und Harald Welzer untersuchen auf Basis von Protokollen abgehörter deutscher Kriegsgefangener deren Gewaltverständnis und Kriegswahrnehmung. Überzeugend können die Autoren anhand von erstmals breiter ausgewerteten historischen Quellen belegen, wie stark der Referenzrahmen hier im Sinne des soldatischen Lebens für das menschliche Sozialverhalten auch und gerade bezüglich des Begehens von Kriegsverbrechen von Bedeutung ist.

Man weiß nicht, ob man lachen oder weinen soll

(hpd) Am 13. November 1989, nur vier Tage nach dem Fall der Mauer, erklärte der Chef des Ministeriums für Staatssicherheit Erich Mielke den Menschen in der DDR: „Ich liebe – ich liebe doch alle – alle Menschen!“ Jeder weiß, was mit Honecker, Mielke, Stoph und Konsorten geschehen ist. Zumeist wurden sie für nicht verhandlungsfähig erklärt und erfuhren Haftverschonung. Doch was ist mit den anderen – den Stasi-Mitarbeitern, Parteifunktionären, Mauerschützen, Richtern und IM’s?

Realitätsbezug in der politischen Philosophie

(hpd) Der in Cambridge lehrende Philosoph Raymond Geuss wendet sich gegen die Fixierung an Idealen und Moral und die Ignoranz gegenüber Interessen und Macht in der politischen Theorie. Demgegenüber plädiert er überzeugend für eine stärker realistisch ausgerichtete Perspektive, wenngleich er merkwürdige „Referenzklassiker“ dafür benennt und es an einem inhaltlich entwickelten Gegen-Modell mangelt.

Eine säkulare Gerechtigkeitstheorie

(hpd) Der US-amerikanische Sozialphilosoph John Rawls (1921-2002), bekannt durch den vertragstheoretischen „Klassiker“ der Moderne „Eine Theorie der Gerechtigkeit“ (1971), beschäftigte sich sowohl in seiner Jugend wie im Alter in zwei Texten einmal affirmativ und einmal kritisch mit der Religion.