Kolumne

Drei Lügen über die Meinungsfreiheit

Schild auf einer PEGIDA-Demonstration

BERLIN. (hpd) Deutschland sei nicht frei und wer das sagt, wird schnell als Verschwörungstheoretiker abgestempelt. "Eine kleine Medienelite gibt den Takt vor, unerwünschte Subjekte werden entfernt" – das hat hpd-Kolumnist Carsten Pilger "in diesem Internet" immer öfter gehört. Eine Replik.

1. "Es gibt Zensur in Deutschland!"

Schauen Sie doch mal in unser Grundgesetz. Artikel 5: "(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt."

Was ist daran schwer verständlich? Der Staat und seine Bediensteten dürfen Sie nicht im Vorfeld davon abhalten, etwas zu äußern oder publizieren. Egal was! Aber:

"(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre."

Sprich: Sie dürfen alles sagen, sollten aber doch noch in der Lage sein, die geltenden Gesetze zu respektieren. So lange Sie sich an die Gesetze halten, dürfen Sie kritisieren, polemisieren, wie sie wollen. Sie dürfen sogar kompletten Unsinn behaupten, den sie nicht belegen können, wenn es nicht in Konflikt zum Gesetz steht. Sollten Sie aber nicht dazu in der Lage sein, eine Meinung zu artikulieren, die ohne Beleidigungen, Drohungen oder Anstiftung zum Rassenhass auskommt, ist vielleicht ja irgendwas mit Ihrer Meinung nicht wirklich verträglich mit dem Land, in dem Sie leben. Und dann ist die Frage: Wo Sie sich doch als tollen Hecht sehen, der die Freiheit verteidigt – warum achten Sie dann nicht die Freiheit Ihrer Mitbürger? Die haben nämlich auch ein Recht darauf, nicht von Ihnen eingeschränkt zu werden.

2. "Man darf heute gar nichts mehr sagen."

Der "gesellschaftliche Rufmord", ein beliebtes Thema. Wer mit Schmuddelkindern spielt, wird zur Strafe an den Pranger gestellt, geächtet und darf – sofern als Autor tätig – seiner Tätigkeit nicht mehr nachgehen.

Aber ist das so? Thilo Sarrazin, dessen letztes Werk den leider nicht ironisch gemeinten Titel "Der neue Tugendterror. Über die Grenzen der Meinungsfreiheit in Deutschland" trug, schrieb mit seinen Büchern zum Millionär und führte mehrfach die Bestsellerlisten an. Auch Werke von anderen Autoren wie Udo Ulfkotte oder Akif Pirinçci verkauften sich gut. Dass letzterer nach einem Ausfall bei einer Pegida-Demonstration den Vertrag mit seinem Verlag verlor, ist ebenfalls nicht Zensur (die bekanntlich nur der Staat ausüben kann). Jeder Verlag hat das Recht, sich seine Autoren auszusuchen, so wie Pirinçci sich einen anderen Verlag suchen kann.

Gehen wir aber ein paar Stufen tiefer: Online-Kommentarspalten von Zeitungen. Dort, wo irgendwann gelöscht wird oder die Redaktion einfach den Schlüssel nimmt und absperrt, weil es ihr zu bunt wird. Ist das nun Zensur? Nein, denn oben haben Sie bereits gelernt, dass Zensur vom Staat ausgeübt wird. Wenn eine Zeitung nicht Ihren Kommentar veröffentlichen will, haben Sie immer noch die Möglichkeit, Ihre Kommentare an hunderten anderer Stellen des Internets loszuwerden. Sollte Sie das nicht befriedigen, mal eine Gegenfrage: Wenn Sie einen persönlichen Blog eröffnen und Ihnen unter jedem Artikel vorgeworfen wird, eine Marionette zu sein: Würden Sie sich dazu bereit erklären, auch die größten Unwahrheiten über sich stehen zu lassen?

Der Satz "Man darf heute gar nichts mehr sagen" sollte eher heißen: "Wenn ich etwas sage, habe ich keinen Anspruch darauf, dass es unwidersprochen bleiben muss." Und das ist auch gut so.

3. "Echte Nachrichten gibt es nur noch auf wenigen Internetseiten!"

Auch beliebt ist der Verweis auf die angebliche "linksgrüne Meinungselite", die alle zentralen Medien und Journalisten an den Eiern haben soll und einen bestimmten Kurs vorgibt. Diese manipuliere den Leser politisch, verdrehe die Fakten und zeichne ein Bild, das den "Oberen" diene.

Dieser Vorwurf vernachlässigt zunächst einmal durchaus berechtigte Kritik am bestehenden Mediensystem. Journalisten tanzen einen Tango zwischen Qualität und Wirtschaftlichkeit und sind in ihrer Arbeit natürlich oft Zwängen unterworfen. Anderseits wissen auch Journalisten und Leser um diesen Zustand und suchen stets nach neuen Wegen für guten Journalismus. Zudem gibt es auch Metajournalistische Formate wie den Presserat, Sendungen wie Zapp oder Watchblogs wie BILDblog, die als eine Art Indikator für guten, wahrheitsgetreuen Journalismus funktionieren.

Stattdessen werden dann etwa Medien wie RT Deutsch verlinkt und deren Nachrichten als glaubwürdigere Alternative gepriesen. Auf den Witz, "westlichen" Medien eine Einflussnahme vorzuwerfen, dann aber auf ein Staatsfernsehen zu verweisen, muss ich hoffentlich nicht extra eingehen. Falls doch, können Sie ja gerne die Einschätzung der Reporter ohne Grenzen zu Russland lesen.

Zum Abschluss: Glauben Sie nicht, dass ich denke, dass in Mediendeutschland immer eitel Sonnenschein herrscht. Es gibt Probleme, über die geredet werden muss, was Qualitätsstandards in der Berichterstattung, die Trennung von Werbung und Nachricht und und und angeht. Also lassen Sie uns darüber reden – schließlich garantiert das Grundgesetz uns dieses Recht! Seien Sie medienkritisch, aber behalten Sie einen für Argumente offenen Kopf! Das wäre viel spannender, als ständig auf die gleichen Lügen reinzufallen.

Kommentare (39)

Thomas Niesse … (nicht überprüft)

Fr. 27 Nov 2015 - 13:31

Lieber Herr Pilger, eine doch recht oberflächliche Darstellung der derzeitigen problematischen Medienlamdschaft mit eindeutig "eingebetteten" Journalisten- kreisen vor allem im sogenanntn Alpha-Journalismus von FAZ, Zeit, Süddeutschen und Co. Auf den nachdenkseiten wieder die Thematik schon länger klarer und differenzierter dargestellt... Siehe u.a.hier, mit den interessanten Kommentaren von Bernd Ulrich ( die Zeit):
http://www.nachdenkseiten.de/?p=28997
Viele grüße aus Hamburg, Thomas Nieße, GBS Hamburg

Burghardt (nicht überprüft)

Fr. 27 Nov 2015 - 14:09

Der Artikel klingt aber verdächtig nach einer versteckten Zustimmung zur "Querfront-Kampagne"... Hier geht doch nicht um staatliche Zensur, sondern um die erschreckende Gleichförmigkeit der Anschauungen in unseren Medien die jeden kritischen Denker stutzig machen sollten. RT sollte man natürlich genauso kritisch gegenüberstehen wie deutschen Medien, allerdings finden sich dort immer wieder Themen (und auch Fakten), die von deutschen Mainstream-Medien gern komplett ignoriert werden. Scheinbar unterliegt der Autor auch schon einer gewissen Ausgrenzungsmanie die von einer "gelenkten" Demokratie sehr gewünscht und forciert wird. Ich empfehle dem Autor dringend der Vortrag auf Youtube "Warum Schweigen die Lämmer"

Little Louis (nicht überprüft)

Fr. 27 Nov 2015 - 19:19

Zu: (Zitat) :
Also lassen Sie uns darüber reden – schließlich garantiert das Grundgesetz uns dieses Recht! Seien Sie medienkritisch, aber behalten Sie einen für Argumente offenen Kopf! Das wäre viel spannender, als ständig auf die gleichen Lügen reinzufallen." (Zitatende)

Ich neheme Sie beim Wort:
Dass das Grundgesetz uns das Recht der freien Meinung verweigern würde, hat aber nun kaum einer der "Kritiker" behauptet. Die Methode, dem Gegener eine Popanz unterzuschieben und ihn dann mit dem Gegner zu schlachten, ist eine allgemein beliebte altbekannte Propagandatechnik.

Derselben Technik bedient sich C.P mit der Aussage, es gäbe keine STAATLICHE Zensur in Deutschland. Dass es eine solche hier gäbe, hat auch kaum einer der (vernünftigen)Medienkritiker behauptet. Also dieselbe P-Technik.

Die Tatsache, dass Kritiker Bücher verkaufen, besagt garnichts. Es geht um die Herrschaft über den durchschnittlichen "Mainstreammenschen". Und von denen liest kaum einer Bücher.

Zu RT Deutsch gehe ich, wenn ich im hiesigen Medien- Mainstream zu einem kritischen und wichtigen Thema kaum Informationen finde oder die Berichterstattung unübersehbar voreingenommen ist. Man denke nur an den Sinai- Absturz der russischen Urlaubermaschine. Und bei Propagandaverdacht bin ich gezwungen, die eventuelle Propaganda beider Seiten zur Kenntnis zu nehmen. Es ist nicht meine Schuld. dass es keinen wirklich unabhängigen investigativen Journalismus mehr gibt.
Oder nur online und (noch) als Ausnahmeerscheinung auf "Spendenbasis"

Als ein (!) Beispiel empfehle ich die aktuelle "Ausgabe" der
NACHDENKSEITEN
Dort wird das aktuelle Thema etwas fundierter abgehandelt und dargestellt, dass der stellvertretende "Die Zeit"- Redaktionsschef die Transatlantikeinbettung und daraus resultierende Einseitigkeit der Zeitung zumindest teilweise zugegeben hat.
Und stheht nicht auch dieses Portal diesem Medienhaus etwas nahe?

Hans Axel Kraemer (nicht überprüft)

Sa. 28 Nov 2015 - 08:22

Dieser klaren Argumentation schliesse ich mich gerne an. Die Pauschalierung "Lügenpresse" ist doch etwas billig.
Das ändert aber nichts an meiner Meinung zur Politik der letzten Jahre. Hier fehlt es m.E. an Vorausschau (gar Visionen) und mehr Nachhaltigkeit. Und hier vermisse ich auch Biss in den Kommentaren und vor allem mehr journalistische Ausgewogenheit in der Berichterstattung.

Rolf Bergmeier (nicht überprüft)

Sa. 28 Nov 2015 - 09:37

Nach Umfragen glauben derzeit 40 Prozent der Bevölkerung, man könne seine Meinung zu regierungskritischen Themen nicht mehr öffentlich äußern. Weitere zig Prozente wollten sich nicht äußern. Das ist ein Faktum, das nicht mit Verweisen auf die Rechtslage ausgeräumt werden kann. Es geht eben nicht um Verfassung oder Gesetze. Es geht um ein Klima, das alle Parteien und die Publikationsorgane erzeugen. Es geht um undiskutierbare Moralansprüche, die dem frei denkenden Bürger um die Ohren gehauen werden. Es geht um Gesinnungsethik (Max Weber), die mit dem Anspruch auf Allgemeingültigkeit von den Parteien und den Kirchen verkündet wird, ohne zu bedenken, dass Max Weber die Politiker auf eine Verantwortungsethik verpflichtete. Kurzum, es geht um Denkfreiheit und um Respekt vor der begründeten Meinung Anderer.

Wir leben seit dem Regierungsantritt von Frau Merkel in einem Gesinnungsstaat, der sich in wichtigen Fragen dem Bürger moralisch überlegen fühlt. Der nicht mehr dem Volke dient, ausgewiesen durch in Umfragen gefestigte Mehrheiten, sondern seiner eigenen meist „christlichen“ Überzeugung. Wie eigentlich soll freie Denkungsart wachsen, wenn eine Große Koalition über alle Themen ein Einverständnis der großen Parteien herbeiführt und die grün-linke „Opposition“ die Regierung auch noch zu übertreffen sucht? Man mag zu Sterbehilfe oder zu den Flüchtlingen stehen wie man will, aber in all diesen Fragen herrscht (übrigens gegen die Mehrheit der Bevölkerung!) eine regierungsamtliche Meinungsdoktrin, meist unter Schützenhilfe der Kirche. Kritik an der selbst von Griechen angefeindeten Griechenlandhilfe ist sinnlos, weil sie „alternativlos“ ist. Da stimmen alle Parteien überein. Die Energiewende macht - global betrachtet - keinen Sinn, wird auch von keinem Land der Erde kopiert, ist aber ist moralisch überlegen, weil sie den weltweiten CO2-Austoß um 0,1 Prozent verringert. Diskussionen über die Frage, wie viele Flüchtlinge das Land verträgt, ohne selbst in die Knie zu gehen, werden unisono als moralisch minderwertig disqualifiziert und abgelehnt. Thilo Sarrazin ist nicht diskutiert, sondern diskriminiert worden. Dabei geben ihm die ortsansässigen Bürgermeister in vielen Punkten recht. Aber versuchen Sie einmal im hpd eine Diskussion über diesen Autor zu beginnen. Da kann man noch so viele Argumente bringen, kann auf die Schwächen des Buches verweisen, die die Stärken nicht in den Schatten stellen, aber das darf man einfach nicht, mit konservativen Autoren reden, iggitigitt. Frau Merkel wusste übrigens schon vor der Publikation, ohne - nach eigenem Bekunden - das Buch gelesen zu haben(!), dass das Buch nicht hilfreich sei. Es geht also nicht um links oder rechts, es geht schlicht um ein Klima, das den freien, widerborstigen Geist in die Schmuddelecke zu drängen sucht. Eigentlich gibt es nur noch die FAZ, die Themen so diskutiert, wie man es von Gebildeten erwarten darf: Argumentativ ohne Selektion und ohne Moralhammer.

Deutschland lebt seit 10 Jahren in einer neuen Phase der Reconquista, der Wiedererweckung des Christentums. Eigentlich nicht des Christentums, sondern der beiden großen Kirchen (Über die Unterschiede habe ich mich lang und breit in mehreren Publikationen ausgelassen). Darüber, über den Kirchenstaat, berichten Carsten Frerk und Ingrid Matthäus-Maier ausführlich. Und wer gegen die stark von kirchlichen Dogmen durchsetzte Politik verstößt, ist ein moralischer Outlaw. Und wenn selbst die ehemalige Partei der Arbeiter und Entrechteten, die Linke, Frau Merkel in die Nähe von Jesus rückt, dann wird es Zeit für jeden aufrechten, der Freiheit des Denkens verpflichteten Demokraten auf die Straße zu gehen und zu skandieren „Wir sind das Volk“.

Rolf Bergmeier

Berit&Manfred Such (nicht überprüft)

Mo. 30 Nov 2015 - 09:57

Antwort auf von Rolf Bergmeier (nicht überprüft)

Bravo Rolf Bergmeiner, erlauben Sie uns eine Ergänzung: Es reicht inzwischen aus, zufällig auf der "falschen Seite" der Zuschauertribüne des Dortmunder Rathauses zu sitzen, um als "Teil der rechtsradikalen Dortmunder Szene" diskriminiert zu werden.
Berit&Manfred Such

@ Rolf Bergmeier am 28.11. um 09:37
Danke für diese klare Stellungnahme. Sie sprechen mir nicht nur aus dem, sondern aus fünf Herzen.

Arno Gebauer, … (nicht überprüft)

Sa. 28 Nov 2015 - 11:58

Guten Tag,

eine in London sitzende Presseagentur gibt oft den Text vor, der dann in vielen
Tageszeitungen wörtlich übernommen wird, wodurch dann die Meinungsvielfalt
verloren geht.
Wer eine andere Meinung vertritt, bekommt immer weniger Möglichkeiten,
diese in der Öffentlichkeit zu vertreten.

Aktuell ist der Artikel: "ARD: Türken gut, Russen böse - Propaganda-Sender für die NATO!"

unter der Internetadresse:

http://de.sputniknews.com/meinungen/20151126/305941438/ard-tuerken-gut-russen-boese.html

Viele Grüße
Arno Gebauer

omnibus56 (nicht überprüft)

Sa. 28 Nov 2015 - 15:27

Zu 1) hier wird ein Strohmann geschlachtet. Kein ernstzunehmender Medienkritiker (das sind nicht die "Lügenpresse"-Schreier) würde die Existenz des Art. 5 GG bestreiten oder behaupten, dass es eine regierungsamtliche Zensur gäbe. Das "klarzustellen" ist daher überflüssig.

Zu 2) dass man nichts mehr sagen dürfe, ist eine Pegida-Übertreibung. Dass selbst üble Hetzer wie Herr Sarrazin Bücher veröffentlichen und sogar Käufer dafür finden, ist richtig. Das dürfte nur für "Lügenpresse-Querulanten" eine Notwendigkeit zu zeigen gewesen sein.

Zu 3) BILDblog (Internet) als "Beweis" dafür anzuführen, dass eben nicht das Internet eine wichtige (zusätzliche) Quelle für unabhängige Informationen ist, ist irgendwie "putzig". Wenn dann noch RT als Gegenbeispiel für (gelenkte) Propaganda (zu Recht) angeführt wird, der man ja nicht ernsthaft (blind?) vertrauen dürfe, ist man schon wieder nahe am Strohmann.

Pegida-Lügenpresse-Schreier und RT-Gläubige vorzuführen... Das ist mir zu billig. Wenn man hätte zeigen wollen und können, dass es doch Meinungsvielfalt in den Hauptmedien gibt, hätte man nicht mehr tun müssen, als eine Reihe von Links auf deren Webseite oder eine Liste mit Printartikeln anführen müssen, die belegen, dass dem so ist. Natürlich wäre es auch nötig zu zeigen, dass es sich nicht um Alibiartikel des Hofnarren handelt.

Ich fürchte, dass das zu zeigen, deutlich schwerer gefallen wäre, wenn tatsächlich überhaupt möglich. Ja, man findet auch in den Leitmedien immer wieder andere Meinung. Aber die Augsteins und Prantls reißen den breiten Tenor nicht herum. Sie zeigen vielmehr deutlich, dass es eben doch eine Einheitsmeinung gibt.

Wenn ich auch mal andere Sichtweisen kennenlernen will, lese ich den Guardian, die NYT, NZZ oder den Standard (u. a. m.). RT ist üblicherweise nicht dabei. :-)

Ja, auf alle Fälle Standard, NZZ, aber auch telepolis auf heise.de sind Quellen, wo die Leser nicht durch Kampagnen- und Gesinnungsjournalismus über den Tisch gezogen werden. Für Informationen zur Tagespolitik ist auch deutsche-wirtschafts-nachrichten.de empfehlenswert. Und natürlich nicht zu vergessen nachdenkseiten.de. Letztere übrigens aktuell mit einem Link auf eine Gesprächsrunde zweier Ex-Geheimdienstmitarbeiter aus den USA zur Frage 'Wie werden Kriege gemacht?' (https://www.youtube.com/watch?v=_EDknszjcNY) Das sollte Herr Pilger sich einfach mal anschauen und dann den Nachweis erbringen, wo in dieser Form in den Großmedien dazu berichtet wird, anstatt sich hier an Strohmännern abzuarbeiten.

Zunächst: Respekt für Ihre Rhetorik-Kenntnisse. Den Vorwurf des Strohmann-Arguments liest man im deutschen Sprachraum recht selten.

Wo wir aber gerade bei Argumenten sind: Erst schreiben Sie, man müsste ihnen eine Liste mit Artikeln vorlegen, welche beweisen, dass es Meinungsfreiheit in der deutschen Presselandschaft gibt. Es klingt durch, dass Sie eine recht lange Liste erwarten, damit man sie nicht mit vereinzelten "Alibiartilkeln" zum Narren hält.
Anschließend machen Sie aber wiederum deutlich, dass Sie durchaus kritische Stimmen in der Deutschen Presselandschaft kennen - weil diese aber "den breiten Tenor nicht herum" reißen sind diese lediglich ein Beleg für die Einheitsmeinung. Chapeau! Dank dieses Zirkelschluss würde man Ihnen also mit der geforderten langen Liste nichts als die Bestätigung Ihrer Meinung liefern.
Aber ich will ja nicht so sein... es mir aber auch nicht so schwer machen. Die meisten scheinen hier ja sowieso große Fans der nachdenkseiten zu sein. Kleiner Tipp: Zählen Sie doch mal wie viele der Links der Rubrik "Hinweise des Tages" Sie auf die Seiten großer Medienhäuser und Rundfunkanstalten bringen... Und Tada - hier haben Sie ihre geforderte Liste!

Ich kann in meinen Kommentaren hier keine Stelle finden, die Ihrer Aussage entspricht: "Erst schreiben Sie, man müsste ihnen eine Liste mit Artikeln vorlegen, welche beweisen, dass es Meinungsfreiheit in der deutschen Presselandschaft gibt." Ich kann aber auch keinen Zirkelschluss erkennen ("Dank dieses Zirkelschluss würde man Ihnen also mit der geforderten langen Liste nichts als die Bestätigung Ihrer Meinung liefern."), denn durch eine lange Liste würde ja meine Prämisse unwahr werden und meine Schluss ebenso.

"Zählen Sie doch mal wie viele der Links der Rubrik "Hinweise des Tages" Sie auf die Seiten großer Medienhäuser und Rundfunkanstalten bringen... Und Tada - hier haben Sie ihre geforderte Liste!" Die Rubrik verlinkt auf vereinzelte kritische Meinungen je EINES Mediums. D.h. wenn diesem je einen Beitrag fünf tendenziöse Kampagnenartikel gegenüberstehen, ist ein Meinungstrend für dieses Medium gesetzt. Die Summe der kritischen Artikel wird ja nur über diese Sammelrubrik der nachdenkseiten sichtbar, die der treue Zeit- oder SPON-Leser aber nicht zwingend wahrnimmt.

"Fan" von nds.de, naja man sollte auch da bei vereinzelten(!) Beiträgen kritisch bleiben (z.B. diesem: http://www.nachdenkseiten.de/?p=28827) Aber es werden wie auch bei den deutschen-wirtschafts-nachrichten.de Ursachen sichtbar gemacht, die in den Großmedien nicht zu finden sind. Beispiel Krimannexion: Putin bricht Völkerrecht - richtig. Aber nicht die ethnische Bevölkerungszusammensetzung war der eigentliche Grund, sondern der drohende Verlust militärstrategischer Sicherheit im Falle einer Nato-Krim. Der Nato-Artikel im Assozierungsabkommen zw. EU und Ukraine ist der eigentliche Grund der völkerrechtswidrigen Krimannexion. Putin hat schlicht vorbeugend gehandelt, bevor in Sewastopol Nato-Marine vor Anker gehen kann, wo jetzt die russische Schwarzmeerflotte liegt. Die Ursachenanalyse der Annexion erschöpft sich in unseren Medien aber bei Putin und klammert die ursächliche destabilisierende Nato-, also US-Politik vollkommen aus. Propagandistisch sichergestellt wird das dann über transantlantischen Netzwerke einschließlich ihrer eingebetten Journalisten.

SPONtan gesagt (nicht überprüft)

So. 6 Dez 2015 - 14:02

Antwort auf von valtental (nicht überprüft)

so wirklich viel haben die "Deutschen Wirtschaftsnachrichten" mit Journalismus nicht am hut

https://www.youtube.com/watch?v=2J6qVDsv-kM

Das video ist mir bekannt und es gibt auch eine Antwort darauf: http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/10/11/ndr-mitarbeiter-darum-sollte-niemand-die-deutschen-wirtschafts-nachrichten-lesen/
Dass die DWN mehr sind als bloße Nachrichten, sondern oft auch Kommentare mit einfließen, dessen bin ich mir bewusst. Das ist aber kein Alleinstellungsmerkmal der DWN, wie auch andere von Anders Einwänden auf andere Medien zutreffen. Der billigste Einwand betrifft gegensätzliche Kommentare im Forum, als ob diese von jeweils der gleichen Person stammen würde... Und die Monarchie-Überschrift des "Lieblingsartikels" von Anders über Schäubles Vorschlag der Direktwahl des EU-Kommissionspräsidenten trifft den Sachverhalt vollkommen auf den Punkt. Als wenn solch eine Direktwahl irgendetwas mit direkter Mitbestimmung in SACHfragen zu tun hätte. Hier zeigt sich vielmehr ein ziemlich unterbelichtetes Demokratieverständnis von Anders.

Anstatt sich von jedem xy-youtuber eine fragwürdige Meinung vorsetzen zu lassen, ist es vielleicht bessser sich selbst ein Bild zu machen. Die DWN sind Europa- und Nato-kritisch und hinterfragen den neoliberalen Mainstream. Ja und sie tut dies auch mit Kommentaren, wie hier vom Herausgeber Michael Mayer: http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/12/06/willkuer-herrschaft-die-staaten-werden-zerstoert-an-ihre-stelle-tritt-das-chaos/

der Schmonzens überzeugt Sie allen ernstes? die schaffen es ja weder die kritik von Anders zu kontern, geschweige denn zu verstehen!

"Die DWN existieren erst seit zwei Jahren – und haben sich nie „geweigert“, die Namen bekanntzugeben."

da sind die DWN allen ernstes zu doof um die kritik im Kern zu kapieren. geht nicht um das fehlen von Namen im impressum, geht um das fehlen der namentlichen Kennzeichnung von artikeln! eher die ausnahme bei dem portal.

"Wenn bestimmte Passagen nicht ausdrücklich gekennzeichnet sind, dann kann man aus dem Impressum ersehen, dass die Redaktion auf Material von Reuters und dpa zurückgreift."

selbst müssen passagen gekennzeichnet werden. passiert das nicht, ist das schlampiger journalismus.

Ich kapier das nicht, dass andere das Folgende nicht kapieren (wollen):

Die Quelle eines "Arguments" und der (angebliche )Leumund eines Argumentierenden sind in einem rationalen Diskurs allenfalls dann relevant, wenn ein Argument nicht zu verstehen ist oder nicht die für ein solches geltenden Anforderungen erfüllt.
Wer das nicht anerkennen will, soll sich in Mainstream- Talkschows oder in Gender- Diskusssionen mit seinem Partner austoben. Wobei ich nicht behaupten will, dass es nicht auch berechtigte "Gender"- Anliegen gibt (und vor allem gab).

"geht um das fehlen der namentlichen Kennzeichnung von artikeln!..." Dann geben Sie hier oben mal ins Suchfeld "Red." ein, und schauen sie wie viele namenlose Artikel es auch beim hpd gibt, welche redaktionell bearbeitete Pressemitteilungen sind...

Belassen wir es dabei: Ihnen sind Formalien wichtiger, mir die Inhalte, die Informationen, die ich zu lesen bekomme. Kritisch sollte man trotzdem immer bleiben, egal wo man liest.

SPONtan gesagt (nicht überprüft)

Mi. 9 Dez 2015 - 14:10

Antwort auf von valtental (nicht überprüft)

@valtental

ist ihr argument jetzt, dass schlechte journalistische standards ok sind wenn alle mitmachen?

"aber meine Klassenkameraden dürfen das auch" hat schon meine Eltern selten überzeugt...

Denkakustiker (nicht überprüft)

Sa. 28 Nov 2015 - 23:04

Um diese täglich kraftaufwendenden Probleme grundlegend lösen zu können, müssen wir alle endlich mal begreifen was wir Menschen wirklich sind. Das erscheint trotz jahrzehntelanger Wissenschaft und unendlich erscheinenden, individuellen Erfahrungen immer noch nicht klar zu sein.

Stattdessen gehen Befindlichkeiten, weiter Hemmschwellen durchbrechend, auf einander los und versuchen durch gesellschaftliche Masse stärke zu gewinnen, um ihre existenziellen Positionseinnahmen zu behaupten. In diesem Ringen entsteht dadurch zunehmend fragmental wahrnehmbare Schuld, die sich letztlich immer wieder in Gewalt, wie Blitz und Donner entlädt.

Warum ist das so ? Vielleicht sollten wir mal psychopraktisch in uns gehen und darüber debattieren, was uns alle so zu quälen scheint. Warum wir im Frieden auch keinen Frieden finden können und stets pingeliger werdend die Auseinandersetzung suchen.

Diesbezüglich gebe ich mal folgende Gedankenkette vor.

Der Umstand des individuellen Wucher der Schuld, zwingt zu eingeschränktem und wiedersinnigen Denken, was in zunehmendem Maße die Orientierungs- und Organisationsfähigkeit gefährdet und sich so negativ auf unsere Gesellschaft auswirkt, die wir doch alle dem Gemeinwohl erträglich, zu schützen verpflichtet sind.

Beste Grüße aus Magdeburg

valtental (nicht überprüft)

So. 29 Nov 2015 - 18:49

Herr Pilger, Ihr Beitrag befremdet durch einen oberlehrerhaften Duktus: "Schauen Sie doch mal in unser Grundgesetz.../Was ist daran schwer verständlich?/...denn oben haben Sie bereits gelernt..."

Noch irritierender allerdings ist, dass Sie am Kern der Problematik vorbeischreiben, indem Sie unter Meinungsfreiheit nur die individuelle Meinungäußerung thematisieren. Insofern ist es zwar folgerichtig, dass Sie das Grundgesetz zitieren, um dem Vorwurf einer staatlichen Zensurpraxis zu begegnen, aber ein solcher wird i.d.R. auch gar nicht erhoben (obwohl man bei der Informationspolitik der Bundesregierung z.B. zum Thema Geheimdienste durchaus dieser Meinung sein könnte).

Das Problem ist nicht staatlich betriebene Zensur dem Individium gegenüber, sondern die Zensur, welche vor allem durch geopolitische (transantlantische), marktradikale oder religiöse NETZWERKE betrieben wird, und zwar ab einer Ebene, auf der veröffentlichte Meinungen für größere Bevölkerungskreise relevant und zur Gefahr für die Ziele der politischen, wirtschaftlichen und religiösen Eliten werden könnte. Diese Zensur kommt i.d.R. auch nicht als Verbotszensur i.S. des GG daher, sondern als über Netzwerke transportierte Gesinnungszensur zur Erhaltung der öffentlichen Deutungshoheit.

Wer das noch nicht erkannt hat, dem scheinen Bücher wie "Meinungsmache" von Albrecht Müller (2009), oder "Meinungsmacht" v. Uwe Krüger (http://www.halem-verlag.de/wp-content/uploads/2013/02/9783869620701_lese.pdf), oder "Die Anstalt" des ZDF am 29.4.2014 entgangen zu sein.

Und im Rahmen veröffentlichter publikumswirksamer Meinung findet Zensur durchaus auch im Wortsinne statt: Die Buchrezension von Daniel Bax auf SPON zum "Mohamed"-Buch Abdel-Samads rief erhebliche Kritik im Forum des Artikels hervor, weil Bax Abdel-Samad als rechten Wasserträger verunglimpfte. Nach über 80 Einträgen wurde das Forum GELÖSCHT(!) und ist bis heute nicht mehr existent (http://www.spiegel.de/kultur/literatur/mohamed-von-hamed-abdel-samad-die-angst-vor-dem-islam-a-1055047.html). Foren mit religonskritischer Tendenz werden gerne nach ungewöhnlich kurzer Zeit (wenige Stunden) geschlossen. In den regelmäßigen Abhandlungen zum Christentum in Spiegel-Zeitgeschichte ist noch nie eine Position veröffentlicht worden, die das Ch. als Mythos erklärt, wie bspw. von Hermann Detering, obwohl die diesbezügliche Schule der Radikalkritik schon seit rund 150 Jahren unzählige Forschungsbeiträge dazu geliefert hat. Warum ist das so? Ein Blick auf den religiösen Hintergrund der zuständigen Redakteure und Ressortleiter offenbart das religiöse Gesinnungsnetzwerk. Von Themen wie TTIP u.a. hier ganz zu schweigen...

Zu Ihren Relativierungen unter 3. kann ich nur den Kopf schütteln, weil Sie anscheinend nicht wahrnehmen (wollen), dass es eine über Netzwerke stattfindende Meinungszensur sehr wohl gibt. Entweder sind Sie dazu nicht informiert oder erschreckend naiv.

Ulf (nicht überprüft)

Mo. 30 Nov 2015 - 18:25

Antwort auf von valtental (nicht überprüft)

@Valtental
hervorragender Beitrag, danke dafür! Es gibt in Deutschland bei politischen Hauptthemen kaum noch journalistische investigative, differenzierte Berichterstattung, sondern aus meiner Sicht eindeutig eine vorgegebene Linie zur Meinungsbildung. Mir persönlich ist dieses Faktum massiv aufgefallen im Vorfeld des Kosovokrieges wo unisono schwarz weiß berichtet wurde, bis zu klar kolportierten Lügen. Noch extremer aber war der Umgang der Medien mit Rußland nicht nur in der Frage der Vorgänge um Maidan und Krim... Lügenpresserufe mögen eine ebenfalls undifferenzierte maßlose Übertreibung sein, anstatt sich aber darüber zu echauffieren, sollte man die Motivation der rufenden Bürger hinterfragen und wieder daran arbeiten, verlorengegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Bis jetzt kann ich dies nicht erkennen...

valtental (nicht überprüft)

Di. 1 Dez 2015 - 15:14

Antwort auf von Ulf (nicht überprüft)

"Bis jetzt kann ich dies nicht erkennen..." Ich leider auch nicht - im Gegenteil. Man studiere nur wie das kritische Nein der Hamburger zur Olympiabewerbung in Medien und Politik fast ausnahmslos negativ dargestellt wird: "Debakel" (ZEIT), "Hamburger entscheiden sich gegen Weltoffenheit" (Handelsblatt), "vertane Chance" (Th. Oppermann). Die Krönung des Kampagnenjournalismus findet sich mal wieder auf SPON: "Die mutlosen Deutschen" (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/olympia-referendum-in-hamburg-die-mutlosen-deutschen-kommentar-a-1065266.html). Dort ist all diese miese Diskreditierung von Andersdenkenden auf die Spitze getrieben, um das neoliberale Schneller-Höher-Weiter zu verteidigen. Bezeichnenderweise sind die überwiegenden Kommentare unter solch offenen Verleumdungsartikeln ganz anderer Meinung als dessen Verfasser. Nichts kann die Problematik zur Meinungsfreiheit besser veranschaulichen, die Diskrepanz zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung. Sicher, es wird nicht offen zensiert, aber massiv werden von den Zielen der Eliten abweichende Kritiker gezielt als Bremser, Fortschrittsverweiger, Verschwörungstheoretiker... diffamiert. Und das passiert immer hemmungsloser, siehe auch Flüchtlingsdebatte. Diesen Fakt scheint Herr Pilger aber nicht zu erkennen.

Vielleicht sollte ihm das kürzliche kurzzeitige Vertriebsverbot des Innenminsteriums gegenüber der ihm eigenen Bundeszentrale f. pol. Bildung zu Denken geben: Arbeitgeber intervenieren beim Innenminister wegen einer Handreichung für Lehrer zur Wirtschaftpolitik, weil diese kritische Aussagen zum Unternehmertum enthalte! Wenn auch gescheitert, war dies ein klarer Zensurversuch durch direkte lobbystische Intervention. Und dies nicht mal gegen ein Individuum, sondern duch einen Minister gegen eine Behörde innerhalb seines Ministeriums.

SPONtan gesagt (nicht überprüft)

Mi. 2 Dez 2015 - 12:29

Antwort auf von valtental (nicht überprüft)

Das ist Rosinenpickerei. Auch SPON hat einen Kommentar (von einem SPORTredakteur!) drin der das Nein zu Olympia verteidigt:

http://www.spiegel.de/sport/sonst/hamburgs-nein-zu-olympia-2024-die-quittung-kommentar-a-1065145.html

Verstehe aber dass das nicht in ihre Argumentation passt und deshalb verschwiegen wird.

In meinen Beitrag hatte ich mich nicht auf SPON alleine bezogen, sondern auf erste (und damit den Diskurs prägenden) Beiträge der gesamten Medienlandschaft. Natürlich folgt oft ein Artikel mit auch kritischerer Sichtweise. Was ich bemängelt habe ist, dass Interessengruppen kampagnenartig das öffentliche Meinungsbild beeinflussen. Und dies wird sogar in dem von Ihnen verlinkten Artikel vom Autor wörtlich bestätigt: "Seit Wochen haben sie [die Befürworter] das Motto "Feuer und Flamme" durch die Stadt getragen, gerade in den Zeitungen hatte das Züge einer Kampagne." Entsprechende Kritik scheint also doch mehr als Rosinenpickerei zu sein.

Little Louis (nicht überprüft)

Di. 1 Dez 2015 - 15:39

Antwort auf von Ulf (nicht überprüft)

Kann Ihnen da nur voll zustimmen . Ich war damals von der Oppositions- und Alternativlosigkeit vor und während des Kosoviokrieges zum ersten Mal sogar ein wenig schockiert. Den aktuellen ähnlichen Zustand nimmt man fast schon "abgestumpft" so hin. Das sollte ein Warnzeichen sein. Für alle halbwegs kritischen Menschen hier. (Und sonstwo).

Little Louis (nicht überprüft)

Di. 1 Dez 2015 - 15:31

Antwort auf von valtental (nicht überprüft)

Die "Kommentarzensur" betrifft nicht nur SPON. In meiner regionalen Tageszeitung werden schon seit langen Jahren Printartikel mit vermutetem Konflikzpotential nicht mehr online gestellt oder nur ohne Kommentarfunktion.
Entwickelt sich beim Rest eine Kommentardiskussion zu kritisch, wird diese nach wenigen Tagen "kommentarlos" geschlossen. Inzwischen tummeln sich dort nur noch wenige "Unverbesserliche". Nachdem in den letzten Monaten ca. 40% meiner Kommentare " kommentarlos" "gelöscht" wurden , hatte ich auch die Nase voll. Dies ist eine ungute Situation, da auch der regionale Politikbereich von kritischem Bürgerengagement nur prifitieren kann.

pavlovic (nicht überprüft)

Mo. 30 Nov 2015 - 21:31

In Deutschland gibt es einen Exzess des Einsatzes des Beleidigungsparagrafen gegen die Meinungsfreiheit (also durchaus auf individueller Ebene!) und ist international vor Jahren für diese Praxis von der EU gerügt worden. Über ein Viertel aller Strafrechtsfälle in Deutschland sind Beleidigungsdelikte, über 100.000 im Jahr! In England z.B. gibt es leidlich 1-4 Beleidigungsdelikte pro Jahr. Als über "Je suis Charlie!" debatiert wurde, habe ich dazu diesen Artikel verfaßt: https://monotheismus.wordpress.com/2015/01/14/je-suis-charlie-meinungsfreiheit-in-deutschland-tut-not/ Was die Berichterstattung in Deutschland zum Thema Krieg angeht siehe auch das schöne Video bei Youtube: "Wie humanitär sind unsere Kriege?" von Eckart Spoo. Hier habe ich schon seit dem Jugoslawienkrieg den Eindruck, dass die Presse in D wie gleichgeschaltet agiert. Mittlerweile ist auch in Friedenszeiten bei uns das kampagnenartige Durchkauen und Wiederkäuen von Ereignissen wie bei der Propaganda in totalitären Staaten üblich geworden: Die Griechenlandkrise und auch die Flüchtlingsdebatten werden so breitgetreten wie als gäbe es keine anderen Themen mehr.

Richtig. Es erscheinen zu wichtigen Themen zu 75% nur noch die vorgefertigten Agenturtexte, sogar bis weit hinein in die Audio (-visuellen) Medien. Es gibt nur noch wenige echt- journalistische Nischen auf Kanälen, die in bezug auf die Gesamtbevölkerung kaum jemand sieht oder hört.
(z. B Phönix, Arte u. Ä. und im Hörfunk wurden die reinen "Wortsender" ins Digitalradio abgedrängt- also auch fast ohne zahlenmäßig relevantes Publikum). Das liegt zum Teil aber auch an der Abstinenz des jüngeren Publikums.
Zur "Jugoslawienabwicklung" waren auch lange Jahre kaum Artikel oder Bücher mit kritischen Analysen zu bekommen.

Big Louis (nicht überprüft)

Do. 3 Dez 2015 - 15:24

Antwort auf von Little Louis (nicht überprüft)

Das stimmt doch einfach nicht. Natürlich greifen die Redaktionen auf Agenturmeldungen zurück wenn es darum geht so schnell wie möglich den Live-Ticker zu aktualisieren oder die Eilmeldung an die Apps der Welt zu versenden. Da muss man sich doch auch nicht wundern: Schreiben Sie doch mal einen intellektuellen Beitrag aus dem Bereich NEWS wenn die Klickzahlen einbrechen weil der Konkurrent die Info 5 Minuten eher raus gehauen hat. Oder 10 Minuten vor der Deadline noch die neue Hochrechnung auf die Titelseite muss...

Hinter dem redaktionellen Inhalten stehen in allen großen Medienhäusern Journalistinnen und Journalisten. Diese haben zugegebenermaßen immer weniger Zeit für umfangreiche Recherchen und entsprechend tief gehende Artikel. Das liegt doch aber nicht an Gleichschaltung und Gesinnungsterror, sondern daran, dass immer weniger Menschen ihre Zeitung gedruckt *KAUFEN* und die Anzeigenpreise für Online dank globaler Steuervermeider wie Google im Keller sind.
Die von Ihnen genannten Sender, die durch eine ganze Reihe hochqualitativer Sendungen in den Sendern mit Breitenwirkung ergänzt werden, sind doch ein Beleg dafür, dass es in Deutschland noch guten und kritischen Journalismus gibt. Gut und Gebührenfinanziert.

@ Big Louis (nicht mit mir verwandt oder verschwägert) am 3.12. um 15:24
"...Das stimmt doch einfach nicht....."
Das kann ja fast jeder kritische Bürger tägkich selbst überprüfen.
Ich persönlich wär/bin bereit für nach weislich unabhängig- kritisch- investigativen Journalismus zu zahlen und habe auch das verführerische "Kostenlos- Prinzip" nicht erfunden.

@Big Louis
Ursache und Wirkung bitte nicht verwechseln, zumindest aus meiner Sicht "kaufen" viele Bürger ihre alten Zeitungen nicht mehr, bzw. haben das Abo gekündigt, mich inklusive kenne ich drei, eben weil man für Journalismus zahlen wollte und nicht für eine konforme Seite 1-3 Berichterstattung. Die hier im Faden bereits genannte ZDF Sendung Die Anstalt von April letzten Jahres beispielsweise nannte einige Platzhirsche, satirisch zugespitzt, aber treffend, NATO Pressestellen... Stellvertretend genannt sei hier die uniforme Hauptberichterstattung zu Jugoslawien, Kosovo, Ukraine/Rußland, Syrien mit wirklich übler, nahezu völlig undifferenzierter Gut/Böse Zeichnung und gnadenlos tendenziöser Berichterstattung, bis hin zu Behauptungen und suggestiven v.a.ungeprüften Unterstellungen. Und ja, auch Halbwahrheiten sind im Endeffekt Lügen. Um präziser zu werden, mir kann bis heute niemand erklären, warum z.B. die Umkehrung der Machtverhältnisse in der Ukraine faktisch durch einen Putsch (natürlich der Guten) unisono hingenommen wurde, wenn man sich eigentlich schon über einen friedlichen Übergang samt Neuwahl geeinigt hatte und zwar mit de facto deutscher, polnischer, französischer und auch russischer Garantiebeteiligung. Das dabei eine plötzlich salonfähige und (sogar von den Grünen) hoffierte rechtsextreme, radikale Partei mit ihren Straßenkämpen federführend mitwirkte ist ein zusätzlicher Skandal gewesen.
So hat und konnte nie jemand ernsthaft die Legitimität der neuen Regierung feststellen, da mangels demokratischen Übergangs die Mehrheitsmeinung nie erhoben wurde. Ein fundamentaler, unverzeihlicher Fehler, in dessen direkter Folge das heutige Leid steht. Oder denken wir daran, wie Saudi Arabien mit militärischer Gewalt den "arabischen Frühling" in Bahrein niederwalzte. Adäquate Berichterstattung? Konnte man suchen...
Ich persönlich habe mein Abo an einer großen ostdeutschen Tageszeitung bereits 2012 oder Anfang 2013 gekündigt, als im Zuge des parlamentarischen Durchwinkens des Beschneidungsgesetzes irgendein Arzt auf einer kompletten (!) Seite unkommentiert und unhinterfragt darlegen konnte, wie gut die Beschneidung für die Gesundheit der Knaben ist und welche Krankheiten man vermeidet. Betonung bitte liegt auf den beiden Wörtern mit der Silbe un-. Diese große Tageszeitung gehört zu 40 Prozent einem SPD Unternehmen... Daran allein kann man ermessen, dass eine wirklich unabhängige Berichterstattung problematisch wird, wenn eine Regierungspartei de facto einen solchen Anteil hält. Ein leicht abgewandeltes Orwellsches Zitat liest sich so: Journalismus ist, wenn man schreibt, was die Mächtigen nicht hören wollen, alles andere
ist Propaganda. Nun sicher, auch dies ist zugespitzt, hat aber durchaus einen treffenden Kern. Eingedenk dessen schalten wir demnächst mal die Nachrichten an oder schlagen kritisch die Politikschlagzeilen der bedeutenden Printmedien auf...

Little Louis (nicht überprüft)

Mo. 7 Dez 2015 - 11:43

Antwort auf von Ulf (nicht überprüft)

Danke für diese relativ tabulose Präzisierungen.Hier liegen (neben den aktuellen Vorgängen) die zumindest mittel- oder langfristig größten Gefahren. Ich habe vor längerer Zeit mal einen Eid geschworen, mich jeder Zeit für die freiheitlich- demoratische Grundordnung einzusetzen. Kaum mehr jemand scheint sich zur Zeit wirklich um so etwas kümmern zu wollen. Es kann einem schon der Verdacht der halben Gehirnwäsche kommen, wenn man das Gefühl hat, sich im "Mainstream" schon für die einfachsten kritischen Nachfragen rechtfertigen zu müssen. Gerade ideologiekritische Humanisten sollten so etwas eigentlich zuerst bemerken.

Denkakustiker (nicht überprüft)

So. 6 Dez 2015 - 13:52

Solche Diskussionen führen uns nur ad absurdum.

Unsere 5 Wahrnehmungsmöglichkeiten sind physikalisch fragmental begründbar. Nur alle zusammen ergeben die energetisch wichtige Erfahrung, welche uns überhaupt erst eine philosophisch real erkennbare Wirklichkeit ermöglicht. Das philosophische ist dabei die Sinngebung unserer Wahrnehmung und ist so jedem Wesen naturgegeben. Jedoch bedarf sie im Fortschritt der geistigen Evolution ein hohes Maß ständiger Präzision.

Was wir derzeit kulturgesellschaftlich unter Philosophie verstehen wollen, ist eher als kritische Masse des geistigen ÜberschussVermögens zu erkennen, weil zunehmend paradox erscheinend.

Wahrnehmung ist energetisch und wirkt individuell unterscheidbar. Zudem sind unsere Ausdrucksmöglichkeiten verglichen mit den Wahrnehmungsfähigkeiten sehr ungleich. Daran können unsere kulturgesellschaftlich verabredete Sprache und die technologisch medialen Möglichkeiten auch nicht viel ändern. Eher das Gegenteil scheint diesbezüglich wirksam zu werden.

So stellt die mediale Information und Kommunikation schon in sich ein kulturgesellschaftlich umfassendes Problem dar, welches sich unter marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten exorbitant vergrößert. Das existenzielle Geschäft mit Informationen, ist gleich dem des Wein panschen, nur unmöglich zu kontrollieren.

Letztlich nutzen Informationen nur denen, die selbst über ausreichend energetische Erfahrungen verfügen. Eine rein bzw. vorwiegend akademische Betrachtung von Informationen, wirkt abenteuerlich auf die individuellen Orientierungs- und Organisationsfähigkeiten.

Für den Erfahrenen sind selbst die Lügen Informationen.

Also was soll das hier ?

Die Frage protegiert unser Bewusstsein, selbst dann, wenn wir keine klaren Antworten finden.

Beste Grüße aus Magdeburg

(so besser ? :-)

Little Louis (nicht überprüft)

Mo. 7 Dez 2015 - 11:52

Antwort auf von Denkakustiker (nicht überprüft)

Hallo Denkakustiker.
Nichts für ungut. Aber um Ihre Texte zu verstehen benötige ich vermutlich ein völlig neues revolutionäres Hörgerät.
Hallo Nettikette, ich bitte um Nachsicht für obigen Satz. Ich weiß, dass Ironie "bäh" sein soll.

Wolgang Brosche (nicht überprüft)

Sa. 12 Dez 2015 - 17:41

Was ist denn hier los? Bisher hielt ich hpd-Leser für liberal und weltoffen...wenn ich mir aber diese Kommentare anschaue, komme ich zu dem Schluß, daß selbst sie von der rechten Nölerei, dem faschistischen Ungeist, infiziert sind.
Was nämlich von PEGIDA bis AfD propagiert wird, wenn von Menungsdiktatur, Lügenpresse und Mainstream die Rede ist, ist nichts weiter als kleinbürgerlich bis proletarisch-prekäre Angst. Diese rechten Banden wollen mit aller Macht ihre Unmenschlichkeiten, ihre Nicht-Ethik und ihre persönliche Gier in die Welt hinausschreien, ihre Hysterie hinausflatulenzieren und sie vergewaltigen uns mit ihrem Erbrechen an Mordrunst und Bereitschaft zur Gewalt... DAS ist keine Meinung mehr! Und darüber zu streiten, daß dieses rechte Kroppzeug es angeblich nicht dürfe, ist eine Lächerlichkeit!
Auch das Geschrei von der angeblich links-grünen Meinungsdiktatur, das offenbar auch diese Seiten erreicht hat, ist inkommensurabel - in diesem feigkleinbürgerlichen Land hat es nie ein wirklich linke Partei gegeben, selbst die in so rosigen Tönen als demokratiewagende Zeit der Brandtregierung hatte ihren Radikalenerlaß...selbstzufriedene und selbstsatte Kleinbürgerlichkeit macht sich überall breit...bloß schön den Mittelweg wählen und den Mund nicht aufmachen. Aber sie machen ihn ja auf, nicht die, die an ihrem Hunger nach Gerechtigkeit und Emanzipation leiden, sondern die geistig Vollgefressenen, die woanders denken lassen und am liebsten alle erschlagen möchten, die nicht so sind wie sie...
Nein, es gibt keine Meinungsdiktatur, sondern ein ansteckendes, verdauungssattes und bräsiges Einrichten im Wohlstandsstaat für die Besitzenden (die anderen sind längst abgehängt - die brauchen keinen Wohlstand, die dürfen a HartzIV physisch wie psychisch nagen), das sich zuerst auf die Geistesverfassung niederschlägt. Eine faulig-faule Verharmlosung der neofaschistischen Bewegungen und ihrer Vordenker, von Sarrazin bis Elsässer und Kubitschek macht sich breit...von wegen, kritische Bürger, deren Stimmen man ja auch hören müsse... das allerdings haben auch 15 Jahre Schröder- (dem Schäfcheninstrockene Bringer und Putinanalkriecher) und Merkelpolitik zu verdanken, das ist wohl wahr, die Unwilligkeit und Unfähigkeit politisch zu denken und es ZU WOLLEN...nur so wird verständlich (mit dem Blick auf Nachbarländer), daß die Bürger zufrieden sind (bei kaum 50 Prozent Wahlbeteiligung) mit den Orbánschen Staaten...was in Ungarn und Polen begann, was sich in Frankreich und sogar England abzeichnet, wird auch hier seine Fortführung finden: die Entpolitisierung der Bürger, die Phantasielosigkeit der Politiker...und den illiberalen Staat schaffen, die Funktionsdemokratie.
Daß nun angebliche Freidenker wie hier das nicht erkennen, ist schändlich. Sie stimmen ins Geschrei und Gegreine der Neofaschisten ein, die europäische Idee ist zu Grabe getragen, die Ideale der franzosischen Revolution werden boykottiert oder es wird ihn in jeder Hinsicht wieder der Kaopf abgeschlagen... Ich bin beschämt und entsetzt, daß so viele Leser dieser Seite - wie an ihren Kommentaren abzulesen ist - dabei mitmachen. Der Westentaschenfaschismus hat sich ausgebreitet - daß es bei ihm nicht bleiben wird ist klar - wir marschieren bereits fleißig in die Diktatur der Kleinbüger (wie sie Barthes beschrieben hat)...alle Epitheta des Totalitarismus, wie wir ihn schon einmal gehabt haben, werden immer deutlicher. Und es wird keine neue Befreiungsaktion geben wie 1945, da ja auch die ehemals Alliierten wie die USA und Rußland eine ganz offene Lust am Faschismus zeigen...mit tiefer Trauer muß ich feststellen, daß sich Hitler wohl geirrt hat, als er sich - für damals glücklicherweise - umbrachte... auf Umwegen über kleinliche, bürgerlich-feige Kinderspieldemokratien, die ermüdet ihren Geist aufgeben - werden sich seine perfiden Träume doch realisieren und selbst die, die ich für seine entschiedenen Gegner hielt, geben drein, strecken die Waffen und stimmen zu. - So - und jetzt können mich die liberalen Freidenken (welche Pleonasmus) lynchen...

Denkakustiker (nicht überprüft)

Fr. 18 Dez 2015 - 14:51

Lügentaschen

Die Unehrlichkeit muss große Taschen haben, in denen sie die erfahrbare Wirklichkeit einfach weg zustecken glaubt.

Beste Grüße aus Magdeburg

Denkakustiker (nicht überprüft)

Sa. 20 Feb 2016 - 14:36

Nochmals anschließend etwas objektives zu Meinungsfreiheit.

Meinungsfreiheit hat grundsätzlich etwas mit Meinungskompetenz zu tun, unabhängig von der Meinungsrichtung, wenn sie denn begründbar wirklichkeitsnah artikuliert wird.

Nicht zuordenbares Genöle ist keine Meinung, sondern ein unzureichend kontrollierter Befindlichkeitsausdruck, der sicher auch mal erlaubt sein will. Schließlich sind wir alle nur Menschen mit einem eben nicht konstanten Energiehaushalt.

Für eine kompetente Meinungsbildung wäre vielleicht ein solches Verständnis bedenkenswürdig:

https://aufzurwahrheit.com/thread/6399-auf-zur-wahrheit-wessen-wahrheit/

Beste Grüße aus Magdeburg
Denkakustiker

Carsten Pilger

Der Autor war parlamentarischer Mitarbeiter am französischen Parlament in Paris und ist derzeit Student der Medienwissenschaften in Berlin. Für den hpd schreibt er Kolumnen über die Gesellschaft, vor allem die deutsche und die französische.

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